Ultima Underworld

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Ultima Underworld ist der Titel einer zweiteiligen Reihe von Computer-Rollenspielen, die zwischen 1992 und 1993 von Blue Sky Productions (später in Looking Glass Studios umbenannt) entwickelt und von Origin Systems veröffentlicht wurde. Sie ist als offizieller Nebenarm der Ultima-Serie zu betrachten.

Technik[Bearbeiten]

Underworld I war das erste Rollenspiel, das dreidimensionale, texturierte Grafik in Echtzeit darstellte, inspiriert durch den Vorläufer Dungeon Master.[1] Das technische Gerüst hierfür basierte aber nicht auf dem Raycasting-Verfahren, welches trotz minderer Qualität bis Mitte der 90er Jahre die bevorzugte Technik für 3D-Darstellungen in Spielen war (siehe z. B. Wolfenstein 3D oder Doom).

Im Unterschied zu Wolfenstein 3D waren nicht nur die Wände, sondern auch Decken und Böden der Spielwelt bei Underworld mit Texturen überzogen. Zudem bestanden die Levels nicht nur aus im rechten Winkel zueinander angeordneten Flächen – Kurven und Abhänge ließen die Illusion einer in den Fels gehauenen Festung glaubhafter erscheinen. Um Rechenzeit zu sparen und so die für damalige Verhältnisse ausladende Grafik auch auf schwächeren PCs flüssig darstellen zu können, bedienten sich die Entwickler eines Tricks: der Verkleinerung des 3D-Fensters auf dem Bildschirm. Es nahm bei Teil 1 der Serie rund ein Viertel, bei Teil 2 geringfügig mehr als ein Viertel der VGA-Auflösung von 320×200 Bildpunkten ein.

Ultima Underworld besaß bereits eine einfache Physik-Engine: Geworfene Gegenstände prallten im korrekt berechneten Winkel von Wänden ab und rutschten Abhänge hinunter; Wasserläufe verfügten über Strömung.

Spielmechanik[Bearbeiten]

Bei beiden Ultima-Underworld-Teilen kommt es in großem Maße auf Kommunikation an. Wie in Computer-Rollenspielen üblich bevölkert eine Vielzahl von rechnergesteuerten Figuren (NPCs) die Spielwelt. Mit ihnen kann und muss über ein Single-Choice-System aus Fragen und Antworten gesprochen werden. Auch Tauschhandel mit Lebensmitteln, Waffen und Ausrüstungsgegenständen ist möglich. Der Spieler kann nicht nur gehen, laufen und springen, sondern auch schwimmen und mit magischer Hilfe gar fliegen; für den Kampf gibt es fünf verschiedene Waffentypen und Dutzende Zaubersprüche.

Ultima Underworld lässt sich fast komplett mit der Maus steuern, nur an wenigen Stellen sind zur Lösung von Rätseln Texteingaben nötig. Die Zaubersprüche funktionieren auf der Basis von 24 Runen, die der Spieler nach und nach findet, und die mittels eines einfachen, aber effektiven Bedeutungs-Systems kombiniert werden (beispielsweise ergeben die Runen mit der Bedeutung „Groß“, „Schaden“ und „Leben“ gemeinsam den Zauberspruch „Töten“).

Ultima Underworld: The Stygian Abyss[Bearbeiten]

Ultima Underworld: The Stygian Abyss
Ultima-Underworld-logo.jpg
Studio Blue Sky Productions
Publisher Origin Systems
Leitende Entwickler Paul Neurath, Doug Church
Erstveröffent-
lichung
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten März 1992 (DOS)

JapanJapan 14. März 1997 (Playstation)

29. Mai 2002 (Windows Mobile)
Plattform DOS
PlayStation (nur Japan)
Windows Mobile
FM Towns
Genre Computer-Rollenspiel
Thematik Fantasy
Spielmodus Einzelspieler
Steuerung Tastatur, Maus
Medium 3,5″-Diskette, CD-ROM
Sprache Englisch, Japanisch
Aktuelle Version General Midi-Patch, Windows NT Patch (Fan-Patch)[2]
Altersfreigabe
USK ab 6 freigegeben

Der erste Teil, Ultima Underworld I – The Stygian Abyss (engl. für „Der dunkle Abgrund“ – obwohl sich „stygian“ offensichtlich von „Styx“ herleitet, steht es im Englischen auch für dunkel, düster und undeutlich), hält sich nur bedingt an die Gesetzmäßigkeiten des Ultima-Universums, da es anfangs nicht als Ultima-Spiel geplant war. So werden beispielsweise Echsenmenschen eingeführt, die im Hauptstrang der Serie nicht existieren. Im Einklang mit der Serie hingegen: Der Spieler verkörpert den Avatar, den Hüter der acht Tugenden.

Hintergrundgeschichte[Bearbeiten]

Im Intro des Spiels wird er zunächst Zeuge und dann Verdächtiger im Fall der Entführung einer Prinzessin. Die holde Maid wird in die Stygian Abyss, einen Höhlenkomplex innerhalb eines Vulkans, verschleppt. Wenig später landet auch der Spieler unfreiwillig in der Grotte, hinter ihm wird ein schweres Tor verriegelt. Will er seines und das Leben der Prinzessin retten, muss sich der Avatar den Herausforderungen der Abyss stellen.

In Ultima Underworld sind viele augenzwinkernde Anspielungen auf andere Computerspiele eingebaut: Der Spieler bekommt unter anderem die Aufgabe, in einem Gangsystem lauter Edelsteinbrocken einzusammeln, wobei sich ihm bunte Gespenster in den Weg stellen. Kurz gesagt: Der Spieler spielt Pac-Man aus der Ich-Sicht – sogar der Grundriss des Labyrinths stimmt mit dem Original überein.

Die Entwicklung des Spiels kostete rund 400.000 US-Dollar.[1] 1997 wurde The Stygian Abyss als einziges Ultima-Spiel auf Sonys PlayStation portiert, jedoch ausschließlich in japanischer Sprache. Diese ist dem PC-Original in einem Punkt überlegen: Anders als bei der Urfassung sind Monster und andere Figuren auf der PlayStation dreidimensionale, texturierte Polygonkörper, keine flachen Bitmaps.

Eine weitere Umsetzung des Spiels erschien für Pocket PC.

Ultima Underworld I wurde nie ins Deutsche übersetzt. Für Neulinge mögen die Anklänge an altertümliches Shakespeare-Englisch – ein fester Bestandteil fast aller Ultima-Teile – befremdlich wirken.

Rezeption[Bearbeiten]

Die Reviews der Fachpresse fielen überwiegend positiv bis überschwänglich aus. Beispielsweise beim PowerPlay Magazin 06/92 erreichte UW1 94 von 100 möglichen Punkten.[3] 2011 wird UW1 beim Online-Review Magazin MobyGames mit 4.1 von 5 Punkten gewertet.[4]

Auch 2014 wird das Rollenspiel noch empfohlen. Das Onlinemagazin Golem.de legt Ultima Underworld im Videoformat Golem retro_ allen Rollenspielern ans Herz. Videospieljournalist Michael Wieczorek resümiert: "Ultima Underworld bietet eine gespenstisch fesselnde Spielwelt, die zum Erkunden und Forschen einlädt. Durch den starken Simualtionsaspekt gelingt es dem Titel auch heute noch den Spieler gefangen zu nehmen."[5]

Ultima Underworld II: Labyrinth of Worlds[Bearbeiten]

Ultima Underworld II: Labyrinth of Worlds
Ultima-Underworld-2-logo.jpg
Studio Looking Glass Studios
Publisher Origin Systems
Leitende Entwickler Paul Neurath, Doug Church, Tim Stellmach
Erstveröffent-
lichung
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten 1993 (DOS)
Plattform DOS
FM Towns
NEC PC-9801
Genre Computer-Rollenspiel
Thematik Fantasy
Spielmodus Einzelspieler
Steuerung Tastatur, Maus
Medium 3,5″-Diskette, CD-ROM
Sprache Englisch
Aktuelle Version General Midi-Patch, Windows NT Patch (Fan-Patch)[2]

Ultima Underworld II – Labyrinth of Worlds (engl. für „Labyrinth der Welten“) ist stärker in die Ultima-Spielreihe integriert, es ist zeitlich ein halbes Jahr nach Ultima VII – Die Schwarze Pforte angesiedelt. Die 3D-Darstellung nimmt einen größeren Teil des Bildschirms ein und ist durch eine erweiterte Farbpalette etwas ansprechender als im ersten Teil. Auch wurden Sprachausgabeteile in das Spiel integriert.[6]

Hintergrundgeschichte[Bearbeiten]

Der Guardian umschließt, während eines Gelages zur Feier des Wiederaufbaus Britannias, das Schloss von Lord British mit einer unzerstörbaren Hülle aus Schwarzfels. Der Protagonist muss nun während seines Abenteuers acht andere Welten besuchen. In wiederkehrenden Träumen erklärt der Guardian dem Avatar außerdem, wie weit sein Siegeszug in Britannia bereits vorangeschritten ist, oft mit Sprachausgabe.

Zugang zu fremden Welten erhält der Avatar aufgrund von Unachtsamkeiten des Zaubers des Guardian. So vermutet der Hofmagier Nystul, dass kleinere Abbildungen des Schwarzgesteins selbst sich innerhalb des großen Schwarzfels befinden und bei der Befreiung aus dem unangenehmen Gefängnis helfen könnten. Diese Vermutung stellt sich als korrekt heraus. In dem weitläufigen Kanalisationssystem des Schlosses („sewers“) steht eine kleinere Kopie des Schwarzfels. Der kleine Schwarzfels besteht aus acht Segmenten, die nach und nach aufleuchten und den Avatar in eine jeweils andere fremde Welt teleportieren. Innerhalb dieser fremden Welten erscheinen ihrerseits noch kleinere Kopien des Schwarzfels, die gefunden und (nach magischer Aktivierung durch Nystul) mit dem Schwarzfels im Kanalisationssystem der Burg verbunden werden müssen. Hierdurch kann der Zauber des Guardian empfindlich gestört werden.

Zur vollständigen Zerstörung des großen Schwarzfels, der die Burg umgibt, sind jedoch weitere Schritte notwendig. Zum einen müssen die Kraftquellen des Guardian in jeder der 8 Welten deaktiviert werden. Hierzu ist die Hilfe einer Magierin aus der 2. Welt notwendig. Außerdem muss ein magisches Horn mit starker destruktiver Kraft eingesetzt werden, welches sich in der 7. Welt findet. Schließlich ist das Zauberbuch notwendig, aus dem der Spruch des Guardian zur Erschaffung des Schwarzfels stammt. Dieses kann man nach Beendigung aller anderen Aufgaben einer Kriegerin des Guardian („Mors Gotha“) vor einer geplanten Invasion Britannias entwenden.

In der ersten Welt (Prison Tower) findet sich der Avatar in einem mehrstöckigen Hochsicherheitsgefängnis wieder, das von Goblins bewacht und geführt wird.

Weitere Welten bestehen aus der schwebenden Festung Killhorn Keep, den Eishöhlen (Ice Caverns), der seltsamen Welt Talorus, der Zauberschule Scintillus Mage Academy, einer Strafkolonie namens Pits of Carnage und dem Mausoleum von Praecor Loth.

In der finalen achten Welt Ätherische Leere (Ethereal Void) muss der Spieler in einem surrealen Korridor mit Teleportern zunächst eine Pyramide und dann den Schrein der Spiritualität erreichen, um an die Kraftquelle der Guardians zu gelangen.

Jeder Level bietet Besonderheiten im Design und Gameplay. So erschweren die Eishöhlen das Fortbewegen durch die Glätte und es können Schneebälle nach Gegnern geworfen werden.

Rezeption[Bearbeiten]

Die Reviews der Fachpresse fielen wie schon beim Vorgänger überwiegend positiv bis überschwänglich aus. Beispielsweise beim PowerPlay Magazin 03/93 erreichte UW2 94 von 100 möglichen Punkten.[7] 2011 wird UW2 beim Online-Review Magazin MobyGames mit 4.0 von 5 Punkten gewertet.[8]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Paul Neurath: The Story of Ultima Underworld. Looking Glass Studios. 23. Juni 2000. Archiviert vom Original am 9. März 2001. Abgerufen am 4. Januar 2011.
  2. a b Voyager: Ultima The Reconstruction – Fanpatches (englisch) reconstruction.voyd.net. 8. April 2007. Abgerufen am 28. Mai 2011: „Ultima Underworld General MIDI Patch Underworld to WinNT
  3. PowerPlay 6/92 „Ultima Underworld: The Stygian Abyss“ (archiviert von Kultpower.de)
  4. Ultima Underworld: The Stygian Abyss – MobyScore 4.1 (abgerufen am 6. Januar 2011)
  5. Golem retro_ ULTIMA UNDERWORLD (1992): Der revolutionäre Dungeon Simulator
  6. GameByte: Interview with Paul Neurath from Looking Glass Technologies on their forthcoming game, Ultima Underworld 2. Looking Glass Studios. 1992. Archiviert vom Original am 16. November 2006. Abgerufen am 4. Januar 2011.
  7. PowerPlay 3/93 „Ultima Underworld: Labyrinth of Worlds“ (archiviert von Kultpower.de)
  8. Ultima Underworld: Labyrinth of Worlds – MobyScore 4.0 (abgerufen am 6. Januar 2011)