Usance

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Eine Usance (frz. ‚Brauch‘ [yzɑ̃s]; dt. auch [uː'zɑ̃s], Usanz [uː'zanʦ]) ist ein Handelsbrauch, der im Handel zwischen Geschäftsleuten in einem gesetzlich begrenzten Gebiet (z. B. Österreich) und bzw. oder in einer bestimmten Branche (z. B. Holzhandel) angewandt wird.

Funktion im Geschäftsleben[Bearbeiten]

Usancen haben sich ohne gesetzliche Grundlagen aus dem Umgang von Kaufleuten aus der Abwicklung insbesondere von Lieferungsgeschäften entwickelt und legen insbesondere Fristen zur Lieferung und Zahlung oder auch eine bestimmte Mindestbeschaffenheit der Vertragsgegenstände fest, d. h. sie besitzen eine ergänzende und eine interpretierende (auslegende) Funktion. In lückenhaften Kaufverträgen ergänzen sie die fehlenden Vertragsbestimmungen; für mehrdeutige Vertragsbestimmungen stellen sie allgemeine Auslegungsregeln dar. Bestimmte Regelungen sind in den Incoterms festgelegt, die von der Internationalen Handelskammer Paris veröffentlicht werden. Ihre Anwendung kann bei Lieferungsgeschäften meist verbindlich vereinbart werden.

Beispiele[Bearbeiten]

Usancen werden meist aus einem gemeinsamen Interesse heraus durch Industrieverbände zusammengestellt und verwaltet. Im internationalen Getreidehandel werden beispielsweise hauptsächlich die Usancen der Grain and Feed Trade Association verwendet[1], im Handel mit Ölsaaten die der ebenfalls aus dem englischen Rechtskreis entstammenden Regeln der Federation of Oils, Seeds and Fats Associations. Im deutschen Handel überwiegen dagegen sowohl für Getreide als auch für Ölsaaten die Einheitsbedingungen im Deutschen Getreidehandel,[2] während in der Schweiz die Usancen der Schweizer Getreidebörse in Luzern,[3] und in Österreich die Usancen der Börse für landwirtschaftliche Produkte[4] in Wien gelten.

Literatur[Bearbeiten]

Neuzeitlich:

  • Sabine Lißner: Handelsbräuche. Diss. Univ. Augsburg 1999.
  • Meike Mues: Die Irrtumsanfechtung im Handelsverkehr. Duncker und Humblot, Berlin 2004, 294 S., ISBN 3-428-11193-1 (Diss. Univ. Bonn 2001/2002).
  • Wolfgang Michael Schroeter: Die Auswirkungen tatsächlicher und technischer Veränderungen im Ablauf des Handelsverkehrs auf Handelsbräuche und „Incoterms“. Diss. Univ. Bielefeld, 1999, 139 S..
  • Olav Selke: Handelsbräuche als autonomes kaufmännisches Recht aus praktischer Sicht. Diss. Univ. Hannover 2001.

Historisch:

  • Konrad Hagen: Die Usance und Treu und Glauben im Verkehre. Veit, Leipzig 1894. 38 S. (Diss. Univ. Leipzig 1894).[1]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Financial Express Online abgerufen am 12. Mai 2010
  2. Tristan Wegner (2013) Überseekauf im Agrarhandel - Die Kontraktpraxis nach GAFTA und Einheitsbedingungen, Eine rechtsvergleichende Darstellung; Internationalrechtliche Studien; Bd. 66; PL Acad. Research, Frankfurt am Main;
  3. Usancen der Schweizer Getreidebörse (PDF; 281 kB) in Luzern, abgerufen am 9. August 2013
  4. Bestimmungen für den Geschäftsverkehr an der Börse für landwirtschaftliche Produkte in Wien (Usancen) - Teil B: Sonderbestimmungen für den Handel mit einzelnen Waren.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Usance – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen


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