Völkerschlachtdenkmal
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Das Völkerschlachtdenkmal ist eines der Wahrzeichen Leipzigs in Erinnerung an die Völkerschlacht bei Leipzig von 1813 und heute eine Außenstelle des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig. Als das größte Denkmal Europas bildet es eine weithin sichtbare Landmarke mit markanter Silhouette.
Es wurde maßgeblich durch die Bildhauer Christian Behrens (1852–1905) und Franz Metzner (1870–1919) gestaltet.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Daten
Nach dem Plakat im Fundament des Völkerschlachtdenkmals
- Grundsteinlegung: 18. Oktober 1898
- Einweihung: 18. Oktober 1913
- Baudauer: 15 Jahre
- Höhe: 91 m
- Höhe der Kuppelhalle (Innenhöhe): 68 m
- Fundamentplatte: 70 m × 80 m × 2 m
- Anzahl der Fundamentpfeiler: 65
- Gesamtzahl der Stufen bis zur Plattform: 500
- Fußbreite: 126 m
- Masse aller baulichen Anlagen: 300.000 t
- Anzahl der verbauten Natursteinblöcke: 26.500
- Menge des verbauten Betons: 120.000 m³
- Kosten: 6 Millionen Goldmark
[Bearbeiten] Baumaterial
Das Denkmal wurde in seinen sichtbaren Teilen aus Beuchaer Granitporphyr gebaut.[1]
[Bearbeiten] Geschichte
Vom 16. bis 19. Oktober 1813 fand vor den Toren der Stadt Leipzig die sogenannte Völkerschlacht statt. Sie führte im Rahmen der Befreiungskriege zu einer Niederlage Napoleons gegen die Truppen der Österreicher, Preußen, Russen und Schweden. In der Schlacht, die bis zum Ersten Weltkrieg als die größte der Geschichte galt, mussten Deutsche auf beiden Seiten mitkämpfen.
Da Sachsen in der Schlacht auf Seiten Napoleons stand und dafür mit erheblichen territorialen Einbußen „bestraft“ wurde, war der Wille, dieser eigenen Niederlage ein Denkmal in Leipzig zu setzen, gering - darum wurde dieses Projekt erst nach der Vereinigung im Kaiserreich angegangen.
Der Grundstein für das Denkmal wurde am 18. Oktober 1898 gelegt. 1913 wurde es im Südosten der Stadt eingeweiht, errichtet nach Entwürfen des Berliner Architekten Bruno Schmitz. Bauherr war Clemens Thieme, Vorsitzender des Deutschen Patriotenbundes [2] und Leipziger Altlogenmeister der Freimaurerloge Apollo, auf den auch der Einbau der Krypta zurückzuführen ist[3]. Finanziert wurde es durch eine speziell eingerichtete Lotterie und durch Spenden.
[Bearbeiten] Das Denkmal
Es ist 91 Meter hoch und steht an einem Brennpunkt des damaligen Kampfgeschehens. Vom Fuß des Sockels bis zur Aussichtsplattform auf der Spitze sind es 500 Stufen, die größtenteils in engen Wendeln nach oben gehen. Seit kurzem existieren zwei Personenaufzüge, die bis zur mittleren Aussichtsplattform in 57 Meter Höhe führen. In der Kuppeldecke der Ruhmeshalle sind 324 fast lebensgroße Reiter abgebildet. Die vier 9,5 Meter hohen Statuen der Totenwächter in der Ruhmeshalle stellen Personifikationen der Tugenden dieser Schlacht (Tapferkeit, Glaubensstärke, Volkskraft, Opferbereitschaft) dar. Als Vorbilder der monumentalen Statuen dienten die altägyptischen Memnonsäulen bei Theben.
Die Krypta nimmt das gesamte Mittelrund der Halle ein und stellt das symbolische Grab der über 120.000 in der Völkerschlacht Gefallenen dar. In ihrer Mitte ist eine meist kranzgeschmückte bronzene Grabplatte in den Boden eingelassen, an den Wänden wachen acht Zweiergruppen von solemnen steinernen Kriegern.
Die Figur an der Basis stellt den Erzengel Michael dar, der bei vielen anderen deutschen Schlachten als Beistand (Schutzpatron der Soldaten) galt. Über der gigantischen Skulptur steht die Inschrift „GOTT MIT UNS“. Zu seinen Seiten befinden sich an den Sockelmauern zwei jeweils 19 Meter hohe und 30 Meter breite Reliefs, die den Erzengel in einem Streitwagen auf einem Schlachtfeld zeigen, sowie allegorische Frauenfiguren, welche für die Kriegsfurie stehen.
In unmittelbarer Nähe zum Denkmal befindet sich der Napoleonstein an der Stelle der ehemaligen Quantschen Tabaksmühle, wo Napoleon am 18. Oktober 1813 seinen Befehlsstand eingerichtet hatte; damit steht er in einem engen Bezug zum Völkerschlachtdenkmal.
Die Autoren Rolf Affeldt und Frank Heinrich interpretieren das Denkmal im freimaurerischen Sinne. So orientierte sich der Erbauer an der Einteilung des Salomonischen Tempels - Vorhalle, Hauptsaal, Heiligtum. Auch sonst sei das Gebäude mit vielen Symbolen der Freimaurerei versehen.
Das Völkerschlachtdenkmal ist sanierungsbedürftig. Im Jahr 2003 begannen Rekonstruktions- und Sanierungsmaßnahmen, die bis zum 200-jährigen Jubiläum der Völkerschlacht im Jahr 2013 beendet werden sollen. Die Kosten werden sich auf etwa 30 Millionen Euro belaufen. Die Finanzierung erfolgt über die Stiftung Völkerschlachtdenkmal, den Freistaat Sachsen, die Stadt Leipzig und Spenden.
[Bearbeiten] Musik
Das Völkerschlachtdenkmal besitzt einen eigenen Chor, der regelmäßig Konzerte im Denkmal gibt. Des Weiteren werden Orgelkonzerte an einer Digitalorgel veranstaltet. Die Akustik des Denkmals, das im besonderen die Obertöne reflektiert und verstärkt, ist einzigartig. Der Nachhall kann bis zu 10 Sekunden betragen. Auch im Rahmen des alljährlich in Leipzig stattfindenden Wave-Gotik-Treffens werden Konzerte in der Krypta des Denkmals veranstaltet.
[Bearbeiten] Literatur
- Rolf Affeldt, Frank Heinrich: Das Völkerschlachtdenkmal gibt sein Geheimnis preis. Nouvelle Alliance, Leipzig 1993
- Rolf Affeldt, Frank Heinrich: Testament der Freimaurer. Das Völkerschlachtdenkmal zu Leipzig, Leipzig 2000
- Wilhelm Baensch: Der Napoleonstein am Thonberge bei Leipzig. Leipzig 1871
- Hartmann: Völkerschlachtdenkmal. Brockhaus, Leipzig 1971
- Heroux, Spitzner: Das Völkerschlachtdenkmal. Weiheschrift. Breitkopf & Härtel, Leipzig 1913
- Stefan-Ludwig Hoffmann: Sakraler Monumentalismus um 1900. Das Leipziger Völkerschlachtdenkmal. In: Koselleck/Jeismann: Der politische Totenkult: Kriegerdenkmäler in der Moderne. München 1994, S. 249-280
- Peter Hutter: Die feinste Barbarei. von Zabern, Mainz 1990
- Katrin Keller, Hans-Dieter Schmid (Hrsg.): Vom Kult zur Kulisse. Das Völkerschlachtdenkmal als Gegenstand der Geschichtskultur. Leipzig 1995
- Erich Loest: Völkerschlachtdenkmal. Hoffmann und Campe, Hamburg 1984
- Steffen Poser: Die Jahrhundertfeier der Völkerschlacht und die Einweihung des Völkerschlachtdenkmals zu Leipzig. In: Katrin Keller (Hrsg.): Feste und Feiern. Zum Wandel städtischer Festkultur in Leipzig, Leipzig 1994, S. 196-213
- Volker Rodekamp, : Völkerschlachtdenkmal. Verlag DZA, Altenburg 2003
- Hans-Dieter Schmid: Völkerschlachtdenkmal, Völkerschlachtgedenken und deutsche Freimaurerei im Jubiläumsjahr 1913. In: Marlis Buchholz u. a. (Hrsg.): Nationalsozialismus und Region. Festschrift für Herbert Obenaus, Bielefeld 1996, S. 355-379
- Wolle: Das Völkerschlachtdenkmal bei Leipzig (Bildband zum Bau des Denkmals). Selbstverlag, Leipzig 1913
[Bearbeiten] Ähnliches Bauwerk
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Weiheschrift S. 100 (s. a. Literaturangaben)
- ↑ Informationsplakat im Fundament des Völkerschlachtdenkmals (29. September 2006)
- ↑ Thieme, Clemens
[Bearbeiten] Weblinks
- Förderverein Völkerschlachtdenkmal
- Stadtgeschichtliches Museum Leipzig zum Völkerschlachtdenkmal
- Amateurfunk-Bake DL0LBV auf dem Völkerschlachtdenkmal
- Homepage des Denkmalchores
- Gedenkveranstaltung zur Völkerschlacht bei Leipzig - www.leipzig1813.com
- Informationen über Völkerschlachtdenkmal bei euromuse.net
51.31222222222212.413055555556Koordinaten: 51° 18′ 44″ N, 12° 24′ 47″ O
Alte Börse | Altes Rathaus | Forum 1813 | Neubau | Schillerhaus | Sportmuseum | Völkerschlachtdenkmal | Coffe Baum

