Veitel Heine Ephraim

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Nathan Veitel Heine (Chaim) Ephraim (* 1703 in Berlin; † 16. Mai 1775 ebenda) war Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin und königlich preußischer Hoffaktor sowie Inhaber mehrerer Gold- und Silber-Manufakturen. Veitel ist dabei kein Name, sondern ein mittelalterlicher Ausdruck für "Sohn des", also eine Übersetzung von bar chaim, Sohn des Chaim.

Leben[Bearbeiten]

Ephraim war Hoffaktor des preußischen Königs Friedrich II. Er pachtete das Leipziger und Dresdener Münzregal und finanzierte den Siebenjährigen Krieg (1756–1763). Hierbei bediente er sich auch dubioser Methoden: Er stellte für die preußische Regierung kursächsisches Geld mit Hilfe erbeuteter und nachgeschnittener Stempel her (Ephraimiten). Doch die Fälschungen wurden erkannt und die Bevölkerung reimte: „Von außen schön, von innen schlimm. Von außen Friedrich, von innen Ephraim.“[1] Die Bürger wollten ihn wegen dieser Fälschungen verklagen, scheiterten aber am Widerstand des Königs. Neben der Münze war Ephraim auch als Eintreiber von Kriegskontributionen tätig.

Durch den Siebenjährigen Krieg reich geworden, baute er sich in Berlin einen prächtigen Palast. Dieser mit reichem Säulen- und Puttenschmuck versehene „Ephraimpalais“, fertiggestellt im Jahr 1766, wurde 1935 wegen Verbreiterung des Mühlendamms abgetragen und erst zwischen 1985 und 1987 an fast derselben Stelle, aber dennoch neuem Standort an der Poststraße 16 (Nikolaiviertel) in Berlin-Mitte, wieder aufgebaut. Seit 1987 dient das Rokoko-Palais dem Märkischen Museum für Ausstellungszwecke.

Zusammen mit Daniel Itzig, einem weiteren Münzpächter, versuchte er 1761 eine Armenkinderschule zu gründen, was damals nicht gelang. Doch in seinem Testament von 1774 verfügte er die Gründung einer jüdischen Lehranstalt (Klaus) für Talmud und jüdische Wissenschaft in Berlin, die 1783 unter dem Namen „Veitel Heine Ephraimsche Lehranstalt“ eröffnet wurde und bis zum Beginn des nationalsozialistischen Regimes bestand. Erst im Oktober 2005 wurden 83 historisch besonders wertvolle Bände aus der 1945 verschollenen Bibliothek dieser Lehranstalt der Universität Potsdam übereignet,[2] die aus dem Nachlass des Rabbiners Yehuda Aschkenasy in Hilversum (Niederlande) stammten.

Ephraim ist auf dem Jüdischen Friedhof Berlin-Mitte begraben.

Sein Sohn Benjamin Veitel Ephraim (1742–1811) bekam Probleme mit der preußischen Regierung und starb als armer und geächteter Mann.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Helmut Caspar: Possierliche Tresorscheine. In: Berlinische Monatsschrift 9/1999 beim Luisenstädtischen Bildungsverein
  2. Nathanael Riemer: Die Judaica- und Hebraica-Bestände der Universitätsbibliothek Potsdam. Postprint Universitätsverlag Potsdam