Virologie

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Virologie (von lateinisch virus = Gift und altgriechisch λόγος logos = Kunde, Lehre) ist die Lehre von den Viren. Die Virologie charakterisiert und klassifiziert die bisher beschriebenen Viren. Sie erforscht deren Eigenschaften und Vermehrung sowie die Prävention und Behandlung von Virusinfektionen. Jedes Lebewesen (einschließlich der Bakterien und Protozoen) kann von Viren infiziert werden. Die Virologie der human- und tierpathogenen Viren bewegt sich wie die Mikrobiologie an der Schnittstelle zwischen Biologie und Medizin. Pflanzenpathogene Viren haben in der Agrarindustrie und Landwirtschaft große Bedeutung.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Begriff ‚Virus‘ wurde zum ersten Mal von Cornelius Aulus Celsus im ersten Jahrhundert vor Christus verwendet. Er bezeichnete den Speichel, durch den Tollwut übertragen wurde, als ‚giftig‘.

1883 wurde das erste Mal durch den Deutschen Adolf Mayer in den Niederlanden nachgewiesen, dass eine Krankheit durch eine Substanz ausgelöst werden kann, die auch durch Filtration nicht entfernt werden konnte und damit deutlich kleiner als Bakterien sein musste. Unter dem Lichtmikroskop waren nämlich keine Bakterien sichtbar, sondern feinste Kristallnadeln. Erst in den Jahren um 1940 mit der Entwickelung des Elektronenmikroskops wurden diese Hypothesen bestätigt und die Virologie erforschbar.

Dmitri Iwanowski übertrug die Mosaikkrankheit bei Tabakpflanzen durch ultrafiltriertes Extrakt und wies damit das später beschriebene Tabakmosaikvirus nach. Der erste Nachweis eines tierischen Virus gelang 1898 Friedrich Loeffler und Paul Frosch, die das Maul-und-Klauenseuche-Virus entdeckten.

Die erste primitive Form einer Impfung gegen Viren wurde seit dem 11. Jahrhundert in Indien und China praktiziert. Dort wurde der Schorf der Wunden von Pockenkranken, welche die Krankheit überlebt hatten, in kleine Kratzer oder andere Wunden von Gesunden eingebracht. Das Verfahren wird heute als Variolation bezeichnet. Später wurde es auch in Kleinasien angewandt, und von Mary Wortley Montagu, der Frau des britischen Botschafters im Osmanischen Reich, beobachtet, die das Verfahren 1721 nach England brachte. Das Risiko, durch die Variolation zu sterben, lag bei 1 bis 2 Prozent. Im Vergleich zur Sterblichkeit durch eine normale Pockeninfektion von 25 % bis über 40 % bei Kleinkindern, bedeutete dies einen Fortschritt. Etwa seit dem Jahr 1770 ist nachweisbar,[1] dass sechs Personen in Deutschland und England bereits mit Kuhpockenlymphe erfolgreich geimpft hatten, als 1796 auch Edward Jenner Material von Kuhpocken benutzte, um den achtjährigen James Phipps gegen Pocken zu impfen. Damit konnte das Sterblichkeitsrisiko weiter gesenkt werden. Louis Pasteur nannte diese Prozedur 1881 Jenner zu Ehren ‚Vakzination‘ (engl. vaccination von lateinisch vacca = Kuh).

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweis[Bearbeiten]

  1. Sudhoffs Archiv. Band 90, Heft 2, 2006, S. 219–232.

Literatur[Bearbeiten]

  • Frederick S. Murphy: Foundations of Virology. Infinity 2012. ISBN 0-7414-7365-8. PDF.
  • S. J. Flint, L. W. Enquist, V. R. Racaniello (eds.)Principles of Virology 2. Auflage. ASM Press 2003. ISBN 1-55581-259-7
  • Brian W. Mahy: The dictionary of virology. Elsevier, Amsterdam 2008, ISBN 978-0-12-373732-8
  • N. H. Acheson: Fundamentals of molecular virology. Wiley, Hoboken 2006, ISBN 0-471-35151-2
  • Leslie H. Collier, (et al.): Human virology - a text for students of medicine, dentistry, and microbiology. Oxford Univ. Press, Oxford 2000, ISBN 0-19-262820-8
  • Renate Walter: Umweltvirologie - Viren in Wasser und Boden. Springer, Wien 2000, ISBN 3-211-83345-5
  • Hans W. Doerr. (et al.): Medizinische Virologie.Thieme, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-13-113962-7
  • G. Witzany (ed): Viruses: Essential Agents of Life. Springer, Dordrecht 2012, ISBN 978-94-007-4898-9

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Virologie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen