Währungskrieg

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Ein Währungskrieg (von englisch currency war), bzw. eine kompetitive Abwertung (von englisch competitive devaluation) ist ein Wirtschaftskonflikt, bei dem Volkswirtschaften versuchen, ihre Währung abzuwerten und dadurch ihre jeweilige internationale Wettbewerbsfähigkeit auf Kosten der anderen Volkswirtschaften zu verbessern (eine sogenannte Beggar-thy-Neighbor-Politik). Die Abwertung der eigenen Währung soll dazu führen, dass sich die im Inland produzierten Produkte im Ausland kostengünstiger verkaufen lassen. Infolgedessen soll der Export steigen, die Produktion angekurbelt werden und die Arbeitslosigkeit sinken. Charakteristisch für einen Währungskrieg sind Vergeltungsmaßnahmen der anderen beteiligten Ökonomien, was insgesamt zur Instabilität der Weltwirtschaft führen kann. Daher besteht nach Auffassung des US-amerikanischen Wirtschaftswissenschaftlers Joseph Stiglitz die Gefahr, dass alle beteiligten Volkswirtschaften am Ende schlechter gestellt seien.[1]

Hintergrund[Bearbeiten]

Leistungsbilanzüberschüsse (grün) bzw. Leistungsbilanzdefizite (rot) im Zeitraum 1980-2008 in Milliarden US$

Wenn ein Land den nominalen Wechselkurs seiner Währung abwertet (z. B. durch Devisenmarktintervention), dann werden Exporte real billiger, während Importe real teurer werden. Als Folge davon entsteht ein Außenhandelsüberschuss (Leistungsbilanzüberschuss), das Bruttonationaleinkommen erhöht sich und die Arbeitslosigkeit sinkt. Der Effekt bei den Handelspartnern ist exakt gegenteilig, es entsteht ein Außenhandelsdefizit, das Bruttonationaleinkommen entwickelt sich schwächer und die Arbeitslosigkeit erhöht sich.[2]

Eine kompetitive Abwertung ist in der Bevölkerung normalerweise unpopulär, denn ein typischer Nebeneffekt ist ein zumindest kurzzeitiges Sinken des Lebensstandards, da Importe und Auslandsreisen relativ teurer werden.[3] Eine kompetitive Abwertung der eigenen Währung führt zudem zu einer realen Erhöhung des Wertes der Fremdwährungskredite, bei hohem Verschuldungsgrad in fremder Währung kann dies zu einer Verschuldungskrise führen. Allerdings bewirken steigende Exporte zusätzliches Einkommen bei privaten Haushalten, ein Teil dieses zusätzlichen Einkommens wird erfahrungsgemäß wieder für den Kauf von Gütern oder für Dienstleistungen ausgeben, was neues Einkommen entstehen lässt (Exportmultiplikator).[4]

Die kompetitive Abwertung ist ein relativ häufig genutztes Mittel der Wirtschaftspolitik. Für ein einzelnes Land kann die Strategie außerordentlich erfolgreich sein, solange sich die Handelspartner nicht wehren. Wenn auch die Handelspartnerländer zu dem Mittel der kompetitiven Abwertung greifen, dann heben sich die Abwertungen gegenseitig auf, im Prinzip hat kein Land einen positiven oder negativen Effekt. Allerdings verursacht ein solcher Währungskrieg Unsicherheit bei Unternehmen und Investoren, was dem internationalen Handel schadet und Investoren entmutigt. Die indirekte Wirkung eines Währungskriegs ist für alle Länder negativ.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Währungsabwertung & Protektionismus

Währungskrieg der 1930er Jahre[Bearbeiten]

Der erste Währungskrieg erfolgte nach der allgemeinen Abkehr von dem Goldstandard in den 1930er Jahren. Großbritannien wertete 1931 das Pfund Sterling um 25% ab, viele Länder folgten. Das Deutsche Reich folgte dem Beispiel nicht, war aber bald zu Devisenbewirtschaftung gezwungen und nahm kaum noch am Welthandel teil. Die Vereinigten Staaten nahmen 1933 eine massive kompetitive Abwertung vor, später folgten Länder wie Belgien und Frankreich.[5]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Bretton-Woods-System gegründet, um einen Währungskrieg wie in den 1930er Jahren zu verhindern.[6] Das Bretton-Woods-System brach 1973 zusammen.

Asiatische Währungsmanipulationen[Bearbeiten]

Sowohl China als auch Japan halten den Wechselkurse der nationalen Währungen Yuan bzw. Yen durch Devisenmarktintervention niedrig, um so die Wettbewerbsfähigkeit der eigenen Produktpalette auf dem internationalen Markt zu gewährleisten. Als Folge ergaben sich chronische Exportüberschüsse und hohe Devisenreserven in US-Dollar (siehe Bretton-Woods-II-Regime).

Neueste Beispiele[Bearbeiten]

Im Jahr 2010 wurde von Guido Mantega, dem brasilianischen Finanzminister, der Ausbruch eines globalen Währungskriegs behauptet. Das Schlagwort vom Währungskrieg wurde in der wirtschaftswissenschaftlichen Literatur aufgegriffen. So geht der Leipziger Volkswirt Gunther Schnabl davon aus, dass ein Währungskrieg zwischen USA und China eine Erholung nach der Finanzkrise von 2008 verhindert hätte.[7]

Ben Bernanke, der Chef der US-Notenbank Fed, teilte im September 2012 mit, die Fed werde monatlich für 85 Milliarden Dollar Hypothekenanleihen und Staatspapiere kaufen – und zwar so lange, „bis sich die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt verbessern“. Mantega kritisierte, diese Politik sei protektionistisch; sie werde Währungskriege provozieren mit potentiell verheerenden Folgen für den Rest der Welt.[8]

Im Januar 2013 wird der „aggressiven Geldpolitik“[9] Japans der Vorwurf gemacht, einen Währungskrieg zu befördern.[10][11]

Die Schweiz verhindert seit September 2011 eine weitere Aufwertung des Franken durch Devisenkursinterventionen, um die Exportwirtschaft zu stützen.[12]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Joseph Stiglitz: A currency war has no winners: For the global economy to revive, countries need to co-operate rather than devalue their currencies. Auf: guardian.co.uk, 1. November 2010.
  2. a b Henry Thompson: International Economics: Global Markets and Competition. World Scientific Publishing, 2011, ISBN 978-981-4307-02-4, S. 393, 394.
  3. Bernhard Winkler: The political economy of the European Monetary Union. In: Alan W. Cafruny, Patrick Peters: The Union and the World: The Political Economy of a Common European Foreign Policy. Kluwer Law Internation, 1998, ISBN 90-411-0500-X, S. 184.
  4. Duden Wirtschaft von A bis Z: Grundlagenwissen für Schule und Studium, Beruf und Alltag, 5. Aufl., Mannheim, Bibliographisches Institut, 2013, Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2013, Stichwort Exportmultiplikator.
  5. Barry Eichengreen: Elusive Stability: Essays in the History of International Finance, 1919-1939. Cambridge University Press, 1990, ISBN 0-521-36538-4, S. 145–147.
  6. Paul J. J. Welfens: Grundlagen Der Wirtschaftspolitik. 2. Auflage. 2005, ISBN 3-540-21212-4, S. 235.
  7.  Gunther Schnabl: Strukturelle Verzerrungen im Währungskrieg. In: Wirtschaftsdienst. 91, Nr. 2, 2011, S. 104, doi:10.1007/s10273-011-1189-7.
  8. Interview der Financial Time, siehe sueddeutsche.de 22. September 2012: Fluch des billigen Geldes
  9. Jens Weidmann nach Handelsblatt 23. Januar 2013 Weidmann sorgt sich um Japan.
  10. Martin Hock: Wann geht Japan die Schulden-Puste aus? auf: faz.net, 30. Januar 2013.
  11. Martin Lanz: Viel Wirbel um den «Währungskrieg». auf: nzz.ch, 31. Januar 2013.
  12. Handelsblatt, Schweiz hält an Euro-Mindestkurs fest, 27. April 2012