Wachsend und halb (Heraldik)

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unten ein wachsender goldener Löwe in Schwarz

Als wachsend und halb bezeichnet man in der Heraldik eine nur teilweise dargestellte Figur, meistens in Menschengestalt oder auch Tiergestalt (Wappentier), aber auch anderes.

Beispiel einer wachsenden menschlichen Figur und derselben Helmzier

Wachsend blasoniert man Figuren, deren untere oder hintere Hälfte durch eine andere Figur (Heroldsbild oder gemeine Figur) derart verdeckt oder die am Schildrand so angeordnet ist, dass sie aus denselben hervorzugehen scheinen. Stehende Figuren wachsen von unten, Vierfüßer aber meist vom linken (hinteren, von Betrachter rechten) Feldrand, altertümlicher hervorgehend. Wenn es sich nicht zwanglos ergibt, muss aus dem linken Schildrand, von links wachsend oder rechtswachsend angegeben werden. Speziell der Löwe, der im Normalfall aufgerichtet ist, wächst von unten, der schreitende (leopardierte) Löwe und der Leopard (der schreitende herblickende ‚Löwe‘) aber von links, der gelöwte (aufgerichtete) Leopard wiederum von unten.

Halb nennt man hingegen eine Figur dann, wenn sie schwebt, also den Feldrand nicht berührt. Sie ist durchwegs feldmittig angeordnet, während die wachsende Figur primär entsprechend ihren Proportionen steht.

Älter findet sich für wachsend auch hervorkommend, oder hervorbrechend speziell für wilde Tiere. Wachsend heißt französisch naissant, englisch issuant. Deutsch spricht man auch von Halbfigur für wachsend, also halber Löwe, aber nur für menschliche Figuren und einige Wappentiere, sonst ist halb eindeutig, eine wachsende Lilie scheint verdeckt, eine halbe Lilie abgeschnitten: Hier finden sich auch spezieller ein vorderhalber Wolf (die vordere Hälfte eines Wolfes, schwebend) oder ein unterhalbes Rad (die unter Hälfte des Rades, schwebend).[1] Englisch-französisch wird ein demi- ‚halb‘ beigefügt: Demi-lion, aber auch Demi-fleur-de-lis.

Ist die Helmzier als wachsend blasoniert, bedeutet dies, dass diese ohne Wulst nahtlos in die Helmdecke übergeht. Das entspricht oft dem Wappenbild, kann aber auch davon unabhängig sein.[2]

Einen Sonderfall stellt auch der Adler dar: Der wachsende Adler erhebt sich von unten, also aus Teilung oder Schildfuß (ein ‚oberhalber‘ Adler). Im Unterschied dazu wächst ein halber Adler aus der Spaltung. Dieser zeigt immer seinen ganzen Kopf, neigt ihn also von der Teilungslinie weg, und blickt auch von ihr weg (wirklich halbiert wird der Adler nahezu nie, sonst findet bei anderen Figuren beim Wachsen kein Haltungswechsel statt). Aus der Anordnung zweier halber Adler am Spalt, der eine nach vorne, der andere nach hinten blickend, kann ein Doppeladler entstehen.

Zu unterscheiden sind wachsend und halb von der Darstellung einzelner Teile eine Figur, die meist als eigenständige abgeleitete Figur gelten.

In der englisch-französischen Heraldik zusätzlich zwischen einer glatt abgeschnittenen Darstellung, und coupeé unterschieden, zweiteres ist ausgefranst, und kann bei Lebenwesen sogar blutbetropft sein, und speziell abgehauene Teile bezeichnen. Coupeé kommt bei halben Figuren wie auch bei Teilen einer Figur vor.

Wachsend und halb kann man auch für spezielle Anordnungen verwenden, und dann anders blasonieren:[3]

SIehe auch [Bearbeiten]

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Beispiele nach Bernhard Peter: Korrekte und gute Blasonierung: Vokabular: Teile von Objekten.
  2. zur Problematik der Blasonierung der Helmzier bezüglich des zum Betrachter oder rechtsgewandten Helms siehe Bernhard Peter: Plädoyer für besseres Deutsch in Blasonierungen: Bessere Blasonierungen: trägerbezogene Deskriptoren. Beispiele „nach rechts hockende Gans/rechtswachsender Löwe“.
    vergl. auch nebenstehende Abbildung bei Siebmacher, wo der Heraldiker den rechtsgewandten Helm leicht zum Schild dreht, um die Figur ins Dreiviertelprofil zu stellen, damit sie informativ dargestellt ist.
  3. Beispiel nach Wachsend, heraldik-wiki.de