Waschnussbaum

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Waschnussbaum
Waschnussbaum (Sapindus saponaria var. saponaria)

Waschnussbaum (Sapindus saponaria var. saponaria)

Systematik
Eurosiden II
Ordnung: Seifenbaumartige (Sapindales)
Familie: Seifenbaumgewächse (Sapindaceae)
Unterfamilie: Sapindoideae
Gattung: Seifenbäume (Sapindus)
Art: Waschnussbaum
Wissenschaftlicher Name
Sapindus saponaria
L.

Der Waschnussbaum (Sapindus saponaria), wie manch andere Pflanzenart auch Seifenbaum genannt, ist eine Pflanzenart innerhalb der Familie der Seifenbaumgewächse (Sapindaceae).[1] Sie kommt in tropischen und subtropischen Regionen Asiens vor. Das wertvollste Pflanzenteil ist ihre Frucht, die seit Jahrhunderten zum Waschen verwendet wird. In Indien wird er hindi: अरीठा, Arīṭhā, Aritha, auch Doadni, Doda oder Dodan genannt.

Beschreibung[Bearbeiten]

Illustration von Blanco.
Blütenstände und gefiederte Laubblätter von Sapindus saponaria var. saponaria.
Reife Früchte von Sapindus saponaria var. saponaria.

Der Waschnussbaum wächst als laubabwerfender Baum, der Wuchshöhen von bis zu 25 Meter erreicht und siebzig Jahre und älter werden kann. Der gerade, zylindrische Stamm erreicht einen Umfang von 3 bis 5 Meter.[2] Die Borke ist bei jungen Bäumen hellgrau und glatt, bei älteren dunkelgrau. Die Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Die Blattspreite ist gefiedert.

Im Alter von zehn Jahren trägt ein Exemplar die ersten Früchte: orangefarbene, klebrige Nüsse, die etwa haselnussgroß sind und im September geerntet werden. Nach dem Trocknen sind die Früchte nicht mehr klebrig und rotbraun bis dunkelbraun. Die Schale der Nüsse enthält bis 15 Prozent Saponine, wobei die Qualität von der Erntezeit und dem Alter des Baums bestimmt wird.

Vorkommen[Bearbeiten]

Der Waschnussbaum ist ursprünglich von Afghanistan bis China verbreitet. Er gedeiht besonders gut in tiefem Lehmböden und in Gebieten mit einer jährlichen Regenmenge von 1.500 bis 2.000 mm.[2]

Systematik[Bearbeiten]

Die Erstveröffentlichung erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, 1, S. 367[3]. Sie ist die Lectotypusart der Gattung.[4] Synonyme von Sapindus saponaria L. sind: Cupania saponarioides Sw., Sapindus abruptus Lour., Sapindus divaricatus Cambess., Sapindus forsythii DC., Sapindus inaequalis DC., Sapindus inaequialis DC., Sapindus indica Poir., Sapindus mukorossi Gaertn., Sapindus peruvianus var. dombeyanus Walper, Sapindus peruvianus var. meyenianus Walper, Sapindus peruvianus Walp., Sapindus rigidus Mill., Sapindus saponaria fo. genuinus Radlk., Sapindus stenopterus DC., Sapindus thurstonii Rock, Sapindus turczaninowii Vidal.

Es gibt zwei Varietäten der Art:[1]

  • Sapindus saponaria var. drummondii (Hook. & Arn.) L.D.Benson (Syn.: Sapindus drummondii Hook. & Arn.)
  • Sapindus saponaria L. var. saponaria

Verwendung[Bearbeiten]

„Waschnüsse“

Die als „Waschnuss“ bezeichneten Früchte werden in Indien traditionell zum Waschen von Kleidern und Haaren verwendet, aber auch als vermeintliches Heilmittel in der chinesischen und ayurvedischen Medizin. Waschnüsse sind auch in Europa erhältlich, sowohl als ganze Nüsse als auch in Pulverform, als gebrauchsfertige, halbierte Schalen oder als anwendungsfertige Produkte wie Flüssigwaschmittel. Übliche Handels-Bezeichnungen sind unter anderem auch: „Seifennuss“ und „Reetha“.[2]

Für die Wäsche werden die Nüsse geknackt und die Schalen in einem Baumwollsäckchen zur Wäsche in die Trommel gegeben. Je nach Waschtemperatur und Wasserhärte variiert die benötigte Menge von drei bis sieben Nusshälften für eine Waschmaschinenladung. Die Waschnüsse können bei Wäschen bis zu 40 °C für zwei Waschgänge verwendet werden. Anders als herkömmliche Waschmittel haben Waschnüsse keine Wasser enthärtende oder textilbleichende Wirkung und geben keine Geruchsstoffe an die Wäsche ab. Bei Bedarf werden daher der Wäsche zusätzlich Bleichmittel, Wasserenthärter und/oder Duftstoffe (beispielsweise ätherische Öle) zugegeben. Alternativ zum Wasserenthärter kann die Waschlösung mit Zitronensäure angesäuert werden, da Saponin auch in saurer Lösung wirksam ist.

Die Waschwirkung von Waschnüssen bei der Reinigung von Textilien ist umstritten.[5] Da die Wirkstoffe bei Anwendung in der Wäschetrommel auch während der Spülgänge an das Wasser abgegeben werden, gelangen Wirkstoffe auch während der Endphase der Reinigung in die Wäsche und können daher nicht komplett ausgewaschen werden. Bei modernen Maschinen kann man jedoch mit der Spülstopp-Taste waschen, das Wasser abpumpen lassen, das Säckchen mit Nüssen entnehmen und erst dann den Spülgang starten. Ein Waschgang erfordert Waschnüsse im Wert von etwa 0,10 EUR.

Der Sud von in Wasser aufgekochten Waschnüssen kann als Duschmittel, Shampoo oder Allzweckreiniger für den Haushalt verwendet werden. Vom Wasserextrakt der Waschnussschale soll eine Wirkung gegen verschiedene phytopathogene Pilze ausgehen. Der Kern der Waschnuss und nach der Anwendung verbleibende Reste der Schale können kompostiert werden. Die waschaktiven Substanzen der Waschnuss gelten als biologisch abbaubar innerhalb von 22 Tagen.[6]

Marktentwicklung[Bearbeiten]

Durch den steigenden Gebrauch von Waschnüssen in Westeuropa versechsfachte sich deren Preis im Herkunftsland Indien zwischen den Jahren 2003 und 2008, so dass die Preiswürdigkeit der Waschnuss als Waschmittel gegenüber anderen Waschmitteln abnahm.[7][8]

Kritik[Bearbeiten]

Den in Waschnüssen enthaltenen Saponinen wird Fischgiftigkeit nachgesagt.[9]

Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Sapindus saponaria im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 31. August 2013.
  2. a b c SapindusMukorossi.com: „Waschnuss-Führer“ (englisch)
  3. Erstveröffentlichung eingescannt bei biodiversitylibrary.org.
  4. Sapindus saponaria bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis. Abgerufen am 31. August 2013.
  5. Ökotest: Zusammenfassung des Öko-Test-Artikels vom September 2003
  6. Auszeichnungen Planet pure: Abbaubarkeitstabellen
  7. Schmutzwäsche durch Bio-Boom. In: Taz Online, 11. März 2008
  8. Oliver Nagel: Reines Gewissen − Umweltbewusste Europäer machen indische Waschnüsse unbezahlbar. In: Thomas Osterkorn, Andreas Petzold (Hrsg.): Neon, Juni 2008. Neon Magazin GmbH, Hamburg 2008, S. 31
  9. Eberhard Breitmaier & Günther Jung: Organische Chemie. Thieme Verlag, 1978, 2005, ISBN 3-13-541505-8, Abschnitt 42.5.5.

Literatur[Bearbeiten]

  • Kircher, Nora: Waschnüsse & Co. – Waschmittel, die man pflücken kann. Frank Jaspers Verlag, Bawinkel 2008, ISBN 978-3-938090-22-0.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Waschnussbaum (Sapindus saponaria) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien