Werkzeugmaschinenlabor

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Das Werkzeugmaschinenlabor (WZL) ist ein aus fünf Lehrstühlen der RWTH Aachen bestehendes Forschungsinstitut im Bereich Produktionstechnik. Durch die intensive Kooperation der Lehrstühle für

  • Fertigungsmesstechnik und Qualitätsmanagement,
  • Produktionsmanagement,
  • Produktionssystematik,
  • Technologie der Fertigungsverfahren,
  • Werkzeugmaschinen.

werden alle Kernthemen im Bereich der Produktionstechnik unter einem Dach abgedeckt. Das Werkzeugmaschinenlabor wird von den Inhabern der vier oberen Lehrstühle gemeinsam geführt. Die Geschäftsführung wechselt dabei turnusmäßig alle drei Jahre.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Das Werkzeugmaschinenlabor führt sein Bestehen auf die Berufung von Geheimrat Adolf Wallichs auf den Lehrstuhl für Werkzeugmaschinen und Betriebslehre der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen im Jahre 1906 zurück. 1936 übernimmt Herwart Opitz die Leitung des Lehrstuhls und des dazugehörigen Instituts und schafft 1938 durch eine wesentliche Erweiterung des Laboratoriums die Voraussetzungen zu einer Ausdehnung der Forschungstätigkeit auf neuzeitliche Probleme des Werkzeugmaschinenbaus und der Fertigungstechnik. Unter der Leitung von Opitz entwickelt sich das WZL zu einer der modernsten und bedeutendsten Forschungsstätten seiner Art.[1]

Nach dem Krieg beginnt Opitz den Wiederaufbau des fast völlig zerstörten Instituts. Nach Abschluss des Wiederaufbaus wird im Jahre 1948 unter widrigsten äußeren Umständen das 1. Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium (AWK) veranstaltet. Der in der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre einsetzende wirtschaftliche Aufschwung ermöglicht eine Verstärkung der Forschungstätigkeit und eine deutliche Zunahme der Mitarbeiterzahlen.[1]

1973 wird aufgrund der zunehmenden Bedeutung der Produktionstechnik in Forschung und Lehre die Aufgaben des Lehrstuhls für Werkzeugmaschinen und Betriebslehre aufgeteilt auf die drei Lehrstühle Produktionssystematik, Technologie der Fertigungsverfahren und Werkzeugmaschinen. Ein zusätzlicher Schwerpunkt wird dadurch gesetzt, dass die Abteilung Messtechnik für die automatisierte Fertigung ergänzend eingerichtet wird, Leiter wird Tilo Pfeifer. Vor seiner Emeritierung übergibt Opitz nach 37-jähriger Amtszeit die Leitung des Instituts an Walter Eversheim, Wilfried König und Manfred Weck.[1]

Auf Initiative der Leitung des WZL gründete die Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e.V. mit Unterstützung des Landes NRW im Jahre 1980 das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT. Die vier Professoren des WZL bilden das Direktorium des Fraunhofer IPT.

Aus der Abteilung Messtechnik für die automatisierte Fertigung wird 1988 Deutschlands erster Lehrstuhl für Fertigungsmesstechnik und Qualitätssicherung. Auf den neuen Lehrstuhl wird mit Thilo Pfeifer der langjährig Leiter der Abteilung berufen.[1]

1992 wird auf Initiative des WZL das Aachener Demonstrationslabor für integrierte Produktionstechnik (ADITEC) gegründet. Ziel der ADITEC ist es, das im WZL vorhandene Know-how zur praxisorientierten Aus- und Weiterbildung zu nutzen.[1]

Am 1. April 2008 nimmt an der RWTH Aachen der Lehrstuhl für Montagetechnik seine Arbeit auf. Der neue Lehrstuhl wird von Rainer Müller geleitet und durch das Werkzeugmaschinenlabor unterstützt.

Arbeitsgebiete[Bearbeiten]

Das Werkzeugmaschinenlabor der RWTH Aachen deckt Kernthemen im Bereich der Produktionstechnik durch intensive Kooperation der konstituierenden Lehrstühle ab.

Lehrstuhl für Fertigungsmesstechnik und Qualitätsmanagement[Bearbeiten]

Der Lehrstuhl für Fertigungsmesstechnik und Qualitätsmanagement betreibt Forschung und Lehre in folgenden Kerngebieten: Entwicklung und Optimierung von Messverfahren und -geräten, fertigungsintegrierte Messtechnik und maschinennahe Qualitätsregelkreise, Qualitätsmanagementsysteme, Wissens-, Innovations- und Verbesserungsmanagement sowie Methoden und Rechnerunterstützung des Qualitätsmanagements. Lehrstuhlinhaber ist Robert Schmitt.[2]

Lehrstuhl für Produktionsmanagement[Bearbeiten]

Dieser wurde 2009 neu eingerichtet und wird von Achim Kampker geleitet.

Lehrstuhl für Produktionssystematik[Bearbeiten]

Der Lehrstuhl für Produktionssystematik betreibt Forschung und Lehre in den Bereichen Produkt- und Produktionsplanung. Hierzu gehören Kernthemen wie integrierte Produkt- und Prozeßgestaltung, kooperative Wertschöpfung, Unternehmensmodellierung, Fabrikplanung, Auftragsabwicklung und Systemauswahl. Lehrstuhlinhaber ist Günther Schuh.[3]

Lehrstuhl für Technologie der Fertigungsverfahren[Bearbeiten]

Der Lehrstuhl für Technologie der Fertigungsverfahren betreibt Forschung und Lehre im Bereich Grundlagen der Fertigungsprozesse, Verfahrensuntersuchungen der einzelnen Fertigungsverfahren, Prozessüberwachung, Prozesssimulation und umweltgerechte Technologien. Lehrstuhlinhaber ist Fritz Klocke.[4]

Lehrstuhl für Werkzeugmaschinen[Bearbeiten]

Forschung und Lehre im Bereich des Lehrstuhls für Werkzeugmaschinen umfassen die Berechnung und Optimierung von Werkzeugmaschinen und Handhabungssystemen sowie deren Komponenten, die messtechnische Untersuchung und Beurteilung von Produktionssystemen, die Antriebstechnik, NC-, RC- und SPS- Steuerungen, Prozessüberwachung und Maschinendiagnose, Mensch-Maschine-Interaktion, Leittechnik und Automatisierung. Hinzu kommen Getriebetechnik und Verzahnmaschinen. Lehrstuhlinhaber ist Christian Brecher.[5]

Exzellenzcluster[Bearbeiten]

Das WZL ist an dem im Rahmen der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder im Oktober 2006 an der RWTH Aachen eingerichteten Exzellenzcluster zum Thema „Integrative Produktionstechnik für Hochlohnländer“ beteiligt.[6]

Aachener Werkzeugmaschinein-Kolloquium (AWK)[Bearbeiten]

Das erste Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium (AWK) fand im Juni 1948 statt. Unter dem Eindruck der alliierten Auflagen nach Ende des Krieges und vor dem Beginn des Wirtschaftswunders in Deutschland, hatte Herwart Opitz die Idee eines jährlichen Kolloquiums zum Thema Werkzeugmaschinenbau. Bei der Premiere nahmen rund 100 Personen teil, darunter Mitarbeiter von Opitz, Kollegen von anderen technischen Hochschulen und aus der Industrie. Ein Jahr später am 26. Juli 1949 wurde auf Anregung der Industrie das 2. AWK zum Thema „Die Entwicklung des Werkzeugmaschinenbaus im Ausland“ veranstaltet. Besondere Aufmerksamkeit schenkte man den zu der Zeit führenden Ländern Amerika und Schweiz. Seitdem stellt das AWK eine Brücke zwischen Forschung und Praxis dar und entwickelte sich mit der Zeit zu einer festen Institution. Der jährliche Turnus wurde nicht beibehalten, um sich mit Konferenzen in München und Stuttgart nicht zu überschneiden. Das AWK findet seit 1965 alle drei Jahre in Aachen statt, seit 1984 im Eurogress.[7] Es nehmen über 1000 Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft teil. Zusätzlich zu Expertenvorträgen werden immer wieder aktuelle Sichtweisen aus Wirtschaft und Wissenschaft durch Plenarvorträge ergänzt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f Deutschlands Elite-Institute. WZL, RWTH Aachen, Aachen, 2005
  2. Lehrstuhl für Fertigungsmesstechnik und Qualitätsmanagement
  3. Lehrstuhl für Produktionssystematik
  4. Lehrstuhl für Technologie der Fertigungsverfahren
  5. Lehrstuhl für Werkzeugmaschinen
  6. Cluster of Excellence "Integrative Production Technology for High-Wage Countries"
  7. Walter Eversheim, Tilo Pfeifer, Manfred Weck: 100 Jahre Produktionstechnik: Werkzeugmaschinenlabor WZL der RWTH Aachen von 1906 bis 2006. Springer, 2006, ISBN 9783540333159.

Weblinks[Bearbeiten]

50.783896.0476Koordinaten: 50° 47′ 2″ N, 6° 2′ 51″ O