Wild Coast

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Die Wild Coast (deutsch Wilde Küste; früher Caffir Coast bzw. Kaffernküste) ist ein Küstenabschnitt in Südafrika am Indischen Ozean. Sie gehört zur Provinz Ostkap.

Geographie[Bearbeiten]

Wild Coast bei Coffee Bay

Geographische Lage[Bearbeiten]

Die Wild Coast erstreckt sich vom Ostrand der Metropolgemeinde Buffalo City östlich von East London im Südwesten bis zur Mündung des Mthamvuna bei Port Edward im Nordosten. Damit entspricht die Wild Coast etwa der Küstenlinie des früheren Homelands Transkei. Heute gehört die Küste zu den Distrikten Amathole und O.R. Tambo. Der Küstenabschnitt ist etwa 270 Kilometer lang.[1]

Zahlreiche Flüsse münden an der Wild Coast in den Indischen Ozean, etwa der Great Kei, Mthatha, Mbashe und Mzimvubu. Besonders im Süden der Wild Coast bilden sie große Ästuare mit großen Sandbänken. In der Nähe der meisten Mündungen gibt es ausgedehnte Strände. Im Übrigen ist die Küste meist felsig. Nach Norden hin sind die Flüsse kürzer und münden in felsigem Gebiet. Dort gibt es den Waterfall Bluff, einen Wasserfall in den Indischen Ozean. Das Hole in the Wall (Loch in der Wand) ist eine Felsgruppe im Ozean in der Nähe von Coffee Bay.

Etwa entlang der Hälfte der Küstenlinie stehen Wälder mit einheimischen Baum- und Straucharten. Zahlreiche dieser Arten wurden in diesem Gebiet entdeckt.

Klima[Bearbeiten]

Die Durchschnittstemperaturen entlang der Küste liegen zwischen 17 °C und 28 °C im Januar und 8 °C und 20 °C im Juli.[1] Die Wild Coast liegt im Einzugsbereich des warmen Agulhas-Stroms. In Port St. Johns fallen jährlich rund 1170 Millimeter Niederschlag. Dabei bleibt es im Winter (Mai bis August) relativ trocken, während in der übrigen Zeit gleichmäßig hohe Niederschläge fallen.[2] Die Winter sind mild und sonnig.

Ortschaften[Bearbeiten]

Entlang der Wild Coast gibt es nur kleinere Ortschaften. Natürliche Häfen fehlen fast völlig. Ausnahmen bilden die Stadt Port St. Johns an der Mündung des Mzimvubu und der kleine Ort Port Grosvenor. Weitere Orte sind von Südwest nach Nordost Cintsa, Kei Mouth, Coffee Bay und Xolobeni. Insgesamt ist die Küste recht dicht besiedelt. In den Dörfern leben überwiegend Xhosa.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Wild Coast war Ort spektakulärer Schiffshavarien. Noch heute liegen dort viele Wracks. Die Küste gehörte im 19. Jahrhundert zum Gebiet Kaffraria, nach den dort lebenden Xhosa, die damals von den weißen Bewohnern „Kaffern“ genannt wurden; der Norden gehörte zum Pondoland. Anschließend kam die Küste zur Transkei, die 1976 formal unabhängig wurde und 1994 als Teil der neuen Provinz Ostkap in Südafrika aufging.

Infrastruktur und Wirtschaft[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Ein Abschnitt der Nationalstraße N2 führt im Landesinneren annähernd parallel zur Wild Coast. Zu den Küstenorten führen meist Stichstraßen. Es gibt keine Straße, die direkt an der Wild Coast entlangführt. Eine Alternativstrecke zur N2 von Mthatha nach Port St. Johns und weiter entlang dem nordöstlichen Teil der Wild Coast nach Port Edward ist als Mautstraße in Planung. Sie wäre kürzer als die bestehende Führung der N2 über Kokstad und schlösse die Wild Coast besser an. Wegen der möglichen ökologischen Folgen und der Mautgebühren ist die Straße umstritten. An der Wild Coast gibt es keinen Eisenbahnverkehr.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die Wild Coast wird dank der teils spektakulären Landschaft, dem warmen Klima und breiten Strände vor allem touristisch genutzt. Die Ferienorte sind meist recht abgelegen und locken auch alternativ gesinnte Urlauber an. Entlang der Küste können mehrtägige Wanderungen unternommen werden, wobei die Ästuare der Flüsse per Fährboot oder schwimmend überwunden werden müssen.[3] Mehrere Naturschutzgebiete (nature reserves) liegen an der Wild Coast. Im Norden der Wild Coast liegt das Mkambati Nature Reserve. Er soll Teil des 500 km² großen Nationalparks Pondoland Park werden, der von der Mündung des Mzimvubu nordostwärts bis zur Grenze der Provinz KwaZulu-Natal reichen soll.[4]

Zwischen Mtamvuna und dem Mzamba River wurde um 1979 auf einer Länge von vier Kilometern ein Bade- und Vergnügungszentrum geplant, für dessen erste Bauphase bis 1981 ein Budget von 7 Mill. Rand von insgesamt 12 Millionen veranschlagt war. Es handelte sich damals um ein gemeinschaftliches Projekt zwischen der staatlichen Transkei Development Corporation und dem Unternehmen Holiday Inn. Für das Casino waren 30 Roulette- und Black-Jack-Tische, 150 Spielautomaten und ein 188-Zimmer-Hotel mit Schwimmbecken vorgesehen. Die Anlage hat sich später unter Sun International zu einem großen Betrieb der Tourismuswirtschaft an der Wild Coast entwickelt.[5][6]

Neben dem Tourismus wird Landwirtschaft betrieben, meist in Subsistenz. Die Fischerei spielt trotz der fischreichen Gewässer nur eine geringe, lokale Rolle.

Das umstrittene Xolobeni Mineral Sands Project sieht vor, dass in der Nähe des Ortes Xolobeni eine große Menge Ilmenit-haltigen Dünensand durch das australische Unternehmen Transworld Energy Minerals abgebaut wird.[7]

Literatur[Bearbeiten]

  • Robin Palmer, Herman Timmermans, Derick Fay (Hrsg.): From Conflict to Negotiation: Nature-Based Development on South Africa's Wild Coast. Human Sciences Research Council, Pretoria 2002, ISBN 978-0796919922, bei Google Books

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Informationen zur Wild Coast, mit Klimadaten und Übersichtskarte (englisch), abgerufen am 13. Juli 2010
  2. Juta's New Large Print Atlas. Juta, Johannesburg 1985, ISBN 0-7021-1545-2, S. 51
  3. Prinzip Meer-Weg. In Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 21. Oktober 2012, S. V5
  4. Informationen über den geplanten Nationalpark (englisch), abgerufen am 13. Juli 2010
  5. SAIRR: Survey of Race Relations in South Africa 1979. Johannesburg 1980, S. 357
  6. Wild Coast Sun, Selbstdarstellung
  7. Informationen zum Projekt (englisch; MS Word; 492 kB), abgerufen am 12. Juli 2010

-31.61666666666729.533333333333Koordinaten: 32° S, 30° O