Spielautomat

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Britischer Allwin Penny-Arcade-Automat, Patent von 1915
Spielautomat Rotamint Baujahr 1952

Ein Spielautomat ist ein mechanisches oder elektronisches Gerät, das einen Spielverlauf bietet, der durch Zufall und/oder Betätigungen des oder der Mitspieler bestimmt wird. Mit dem Begriff Spielautomaten werden in Deutschland meist Geldspielgeräte im Sinne des § 33c der Gewerbeordnung (GewO) bezeichnet, wie sie in Gaststätten und Spielhallen aufgestellt werden dürfen. Allerdings wird die Begriffsbedeutung teilweise auch weiter gefasst:

Motiv zum Spielen sind Unterhaltung und Hoffnung auf einen Gewinn. Kommerzielle Nutznießer des Automaten sind in der Regel der Betreiber sowie der Staat, der – sofern es sich um legal aufgestellte Geräte handelt – einen nicht unbeträchtlichen Teil des Gewinnes als Vergnügungs- und Umsatzsteuer erhält.

In Spielbanken wird das Automatenspiel zur Abgrenzung von den Glücksspielen Roulette und Black Jack oft als kleines Spiel bezeichnet.[1]

Gesetzliche Regelung in Deutschland[Bearbeiten]

Zum Verbraucherschutz und zur Eindämmung des pathologischen Spiels (Spielabhängigkeit oder Spielsucht) unterliegen Geldspielgeräte genauen gesetzlichen Vorschriften, die in der Gewerbeordnung sowie der Spielverordnung geregelt sind:

  • Eine Aufstellung von Geldspielgeräten ist nur in Gaststätten und Spielhallen erlaubt, wobei die Maximalzahl 3 bzw. 12 pro Aufstellort beträgt.
  • In Spielhallen ist ein Alkoholausschank nicht erlaubt.
  • Jugendlichen unter 18 Jahren ist ein Spielen an Automaten untersagt (für Spielhallen besteht darüber hinaus gemäß Jugendschutzgesetz ein Zutrittsverbot).
  • Geregelt sind Höchstgewinn, -einsatz und das Zeitintervall dazwischen (Dauer eines „Spiels“): zulässig sind z. B. in 5 Sekunden 0,20 € Einsatz und 2 € Gewinn.
  • Der Verlust pro Stunde, d.h. der die Gewinne übersteigende Einsatz, darf pro Stunde höchstens 80 € betragen.
  • Der Gewinn pro Stunde darf nach Abzug der Einsätze nicht 500 € übersteigen.
  • Der durchschnittliche Verlust pro Stunde ist auf höchstens 33 € begrenzt.
  • Die Obergrenzen für Einsatz, Gewinn und Verlust pro Zeiteinheit werden durch eine Kontrolleinrichtung gewährleistet.
  • Die die Automaten betreffenden Parameter werden durch die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) im Rahmen einer Bauartzulassung geprüft.[2]
  • Geldspielgeräte müssen alle 2 Jahre durch einen vereidigten und öffentlich bestellten Sachverständigen oder einer von der PTB dafür zugelassenen Stelle, wie derzeit z. B. dem TÜV Rheinland, überprüft werden.

Die aktuelle Fassung der Spielverordnung ist am 1. Januar 2006 in Kraft getreten. Ziel der Bundesregierung in ihrer Funktion als Verordnungsgeber war es, „auch eine klare Grenze zwischen den gewinn- und verlustmäßig unbeschränkten staatlich konzessionierten Spielangeboten, insbesondere bei den dort verwandten Spielautomaten (slot machines), und dem gewerblichen "kleinen" Spiel“[3] zu ziehen. So gibt es in Spielcasinos Slot Machines, bei denen pro 3-Sekunden-Spiel Einsätze von 50 € und Gewinne von 50.000 € möglich sind[4]. Verluste in Höhe von 40.000 € von einem Spieler an einem Abend an Casino-Slots sind dokumentiert.[5][6]

Am 5. Juli 2013 hat der Bundesrat einer von der Bundesregierung vorgelegten Änderung der Spielverordnung[7] mit der Maßgabe zusätzlicher Änderungen zugestimmt.[8] Mit den Änderungen soll der Jugend- und Spielerschutz bei Geldspielgeräten durch eine Begrenzung der Spielanreize und Verlustmöglichkeiten verbessert werden. Der Maßgabebeschluss wurde durch die Bundesregierung bis Mitte Februar 2014 nicht in Kraft gesetzt, da aufgrund von widersprüchlichen Formulierungen Vollzugsprobleme befürchtet werden.[9]

Darüber hinaus wurden in den Jahren 2011 und 2012 auf Länderebene inhaltlich unterschiedliche Spielhallen- und Ausführungsgesetze zum Glücksspieländerungsstaatsvertrag (GlüÄndStV) beschlossen. Diese regeln zusätzliche Anforderungen an die Aufstellung von Spielautomaten in Spielhallen wie zum Beispiel das Verbot der Abgabe von Speisen und Getränken,[10] Sperrstunden, ein Verbot von Außenwerbung und Mindestabstände zu anderen Spielhallen sowie Einrichtungen, die vorwiegend von Kindern und Jugendlichen besucht werden.[11]

Anzahl der Spielgeräte mit Gewinnmöglichkeit in Deutschland 1995-2013

Die Gesamtzahl der in Deutschland aufgestellten Geldspielgeräte betrug 2013 insgesamt 263.000 Geräte, was fast übereinstimmt mit den Zahlen für die beiden Vorjahre. In den 18 Jahren zuvor bewegte sich die Zahl zwischen 245.000 (im Jahr 1995) und 183.000 (im Jahr 2005). In diesen Zahlen nicht berücksichtigt sind die 64.300 (1995) beziehungsweise 82.300 (2005) Spielautomaten[12], die seit 2006 nach § 6a der novellierten Spielverordnung nicht mehr betrieben werden dürfen, weil sie zwar nicht die Möglichkeit eines Geldgewinns, wohl aber die Möglichkeit des Gewinns von mehr als 6 Freispielen boten.

Die Einnahmen aus Geldspielgeräten unterliegen außer den üblichen Steuern (Umsatzsteuer und Ertragssteuer) außerhalb von Bayern der (kommunalen) Vergnügungssteuer.

Geschichte[Bearbeiten]

Die ersten Glücksspielautomaten entstanden gegen Ende der 1880er Jahre.[13] Besondere Bekanntheit erlangte das Gerät Liberty Bell von Charles August Fey, welches er 1899 in San Fancisco erfand. Diese Slot machine war die erste mit einem 3-Walzen-Spielsytem. Aufgrund der fehlenden Patentanmeldung dieser Erfindung, geriet das System zum Allgemeingut der Glücksspielbranche.[14] Vor der Etablierung dieses Systems produzierten viele Hersteller Stand-Slots, die nach dem Rouletteprinzip funktionierten und bei denen auf eine Farbe gesetzt werden musste, bevor man die Roulettescheibe meist mit einem Hebel in Bewegung versetzte.

Im Deutschen Kaiserreich sowie in der Weimarer Republik war das Glücksspiel an Automaten strengstens verboten. Erlaubt jedoch war das Spiel mit der Geschicklichkeit. Aus dieser Zeit sind etliche Spielsysteme erhalten, die den Spielenden auffordern in den unterschiedlichsten Formen seine Geschicklichkeit am Automaten unter Beweis zu stellen.[15]

Geldspiel ist ein speziell deutscher Begriff. Er bezeichnet lediglich die Spielautomaten, die in Deutschland nach 1951 durch die PTB als solche zugelassen worden sind und demnach strikte gesetzlich festgelegte Voraussetzungen erfüllen.[16]

Die heute im deutschsprachigen Raum am häufigsten anzutreffenden Geldspielgeräte sind Merkur-Automaten (produziert von der Gauselmann Gruppe) sowie Novoline- und Novostar-Automaten von Novomatic.

Im Jahr 1990 wurden die ersten Online-Casinos veröffentlicht und bieten seitdem auch Online-Spielautomaten an.

Hersteller[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Spielbanken Bayern: Spielordnung (Stand November 2008; PDF; 29 kB)
  2. Geregelt in einer Technischen Richtlinie der PTB (online)
  3. Fünfte Verordnung zur Änderung der Spielverordnung, Bundesratsdrucksache 0655/05 (PDF; 1,8 MB) vom 30. August 2005
  4. Informationsblatt „Spielerschutz“ (PDF; 676 kB), Verband der Deutschen Automatenindustrie e.V. (VDAI)
  5. Uwe Schneider: Ex-KI.KA-Manager in Fußfesseln vor Gericht, Bild-Online, 6. Juni 2011
  6. Eike Kellermann: Casino Erfurt: „Da ist Gefahr im Verzug“, Südthüringer Zeitung, 15. Oktober 2011 (online)
  7. Bundesratsdrucksache 437/13 vom 23. Mai 2013
  8. Bundesratsdrucksache 437/13 (Beschluss) vom 5. Juli 2013
  9. Bundestagsdrucksache 17/14712, Antwort des Staatssekretärs Dr. Bernhard Heitzer vom 5. September 2013
  10. Spielhallengesetz Berlin vom 20. Mai 2011, § 6 (PDF; 1,4 MB)
  11. Übersicht Glücksspielstaatsvertrag 2012 / länderspezifische Spielhallenregelungen, Homepage des Verbandes der Deutschen Automatenindustrie e.V. (VDAI)
  12. Hans-Günther Vieweg: Wirtschaftsentwicklung Unterhaltungsautomaten 2013 und Ausblick 2014, ifo Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München, S. 16 (online)
  13. Vgl. Costa, Nic: Automatic Pleasures, The history of coin machine, London 1988, S. 37.
  14. Für die ganze Geschichte rund um Charlie Fey und die Liberty Bell siehe: Fey, Marshall:Slot machines, a pictorial history of the first 100 years, Reno 1989, S. 37-43.
  15. http://www.deutsches-automatenmuseum.de/die-sammlung/geschicklichkeit
  16. http://www.deutsches-automatenmuseum.de/die-sammlung/geldspiel

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Spielautomaten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Spielautomat – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen