Wilhelminismus

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Kaiser Wilhelm II. (Gemälde von Max Koner)

Der Wilhelminismus ist ein Begriff, der auf der Wilhelminischen Zeit beziehungsweise der Wilhelminischen Epoche beruht. Die wilhelminische Zeit umfasst den Zeitraum von 1890 bis 1914 (1918) in der Geschichte des Deutschen Kaiserreichs, der die Herrschaftsjahre Wilhelms II. und den Ersten Weltkrieg einschließt. Der Wilhelminismus geht nicht auf einen Gesellschaftsentwurf dieses Deutschen Kaisers zurück. Vielmehr bezieht sich der Begriff auf Wilhelms äußeres Erscheinungsbild und präpotente Haltung, eine Selbstüberschätzung, die schon seinem Großvater Wilhelm I. aufgefallen war.

Elemente und Eigenschaften des Wilhelminismus[Bearbeiten]

Wilhelm II. als Großadmiral (Gemälde von Adolph Behrens, 1913 das sich in der Marineschule Mürwik befindet)[1]

Die Politik Wilhelms II. war, bedingt durch seine Ambitionen in der Blütezeit des Imperialismus, auch auf eine Etablierung Deutschlands als Weltmacht gerichtet, nachdem Deutschland Mitte der 1880er Jahre den Großteil seiner kolonialen Besitzungen in Afrika und der Südsee erworben hatte.

Wilhelm war fasziniert von der Marine. Sein Bestreben war, sie und dadurch die deutsche Seegeltung massiv zu verstärken. Dafür stand sein Satz: „Unsere Zukunft liegt auf dem Wasser.“ Dies spiegelte sich auch im alltäglichen Leben des Volkes wider. Bis in die Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts hinein wurden Knaben in Matrosenanzüge gesteckt und so bereits früh mit der Wertstellung der Marine vertraut gemacht.

Auch wenn es die Pickelhaube schon vorher gab, steht sie symbolhaft für das deutsche Militär und den Militarismus jener Zeit, aber auch für das Zeitalter insgesamt. Markante Ausdrucksform des Wilhelminismus waren schließlich pompöse Militärparaden. In diversen Gebärdensprachen ist der vor die Stirn gelegte ausgestreckte Zeigefinger, der die Pickelhaube andeuten soll, bis heute das Zeichen für „Deutscher“ bzw. „deutsch“.

Pickelhaube (Preußische Polizei)

Die Entlassung Otto von Bismarcks als Reichskanzler 1890 gilt als Beginn dieser Periode. Das Ende des Wilhelminismus ging mit dem Ende des Ersten Weltkrieges 1918 und der Abdankung des Kaisers einher. Wodurch sich diese Wilhelminische Epoche sich mit der sogenannten Viktorianischen Epoche überschneidet, wobei die beiden besagten Begrifflichkeiten natürlich ihren Fokus eher auf die beiden unterschiedlichen Länder oder sich auf deren Politik beschränken.

Der Begriff Wilhelminismus kennzeichnet außerdem das gesellschaftlich-kulturelle Klima der Regierungszeit Wilhelms II., das in rigid patriarchalen und konservativen Orientierungen seinen Ausdruck fand. Sozialismus und Sozialdemokratie galten als innenpolitische Hauptgefahr. Zugleich zeichnete sich die Zeit durch eine außerordentliche Fortschrittsgläubigkeit aus, welche die enorme Prosperität des Kaiserreiches stark begünstigte, jedoch auch im Spannungsverhältnis zum gesellschaftlichen Konservatismus stand.

Gleichermaßen wird der Begriff auf die zu dieser Zeit vorherrschenden Stilrichtungen in der Bildenden Kunst und der Architektur angewandt. Darunter wird ein Stil zu verstanden, der häufig neobarock und außerordentlich repräsentativ ausgerichtet ist und damit dem imperialen Machtanspruch des Deutschen Kaiserreiches Ausdruck verleihen sollte. Insbesondere die pompöse und von der Berliner Bevölkerung als Puppenallee verspottete Siegesallee unterstrich diesen Stil, der mit der so genannten „Rinnsteinrede“ Wilhelms zur Eröffnung des Prachtboulevards am 18. Dezember 1901 einen offiziellen Status bekam. – Dennoch erhob der sogenannten Wilhelminischen Stil klassizistische Nüchternheit an öffentlichen Großbauten, also Gerichtsgebäude, Hauptpostämter, Reichsbahnhöfe und ähnliche Gebäude, in dieser Zeit zum obersten Gebot. Als Hauptwerk dieses sogenannten Wilhelminischen Stils gilt die Marineschule Mürwik in Flensburg-Mürwik.[2] – Im literarischen Bereich blühte zu dieser Zeit die „Heimatkunst“, ein Begriff, der von Adolf Bartels geprägt wurde.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Götz Wiedenroth: Analyse des Bildes (2013)
  2. a b Flensburger Straßennamen. Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte, Flensburg 2005 , ISBN 3-925856-50-1, Artikel: Kelmhof, Kelmstraße

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Wilhelminismus – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen