Kodi Media Center

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Kodi Media Center
Logo

XBMC Hauptmenü mit Confluence Skin
Kodi Hauptmenü mit Confluence Skin

Basisdaten
Entwickler Team Kodi[1]
Aktuelle Version 14 „Helix“
(23. Dezember 2014)
Betriebssystem Linux, FreeBSD,[2] Windows, Mac OS X, Apple TV, Apple iOS, Android[3]
Programmier­sprache C++, Python
Kategorie HTPC
Lizenz GNU GPL
Deutschsprachig Ja
www.kodi.tv

Kodi Media Center, kurz Kodi, ehemals XBMC Media Center ist eine freie und plattformunabhängige Software für die Einrichtung eines Home Theater PCs. Das Projekt ist durch wählbare Add-ons stark erweiterbar und erhielt bereits mehrere Auszeichnungen.[4]

Ursprünglich für die Spielkonsole Xbox entwickelt, hieß die Software anfangs noch Xbox Media Player. Im Jahr 2002 wurde der Name beschreibender in Xbox Media Center geändert, wobei letztlich das Akronym XBMC Verwendung fand. Mit der Version 14 wurde die Software in Kodi umbennannt, womit die Abkehr von der Xbox-Konsole reflektiert- und rechtliche Probleme ausgeräumt werden sollen.[5][6]

Überblick[Bearbeiten]

Das Projekt selbst versteht sich als klassisches Mediacenter, welches üblicherweise im Wohnzimmer an einem regulären Fernseher betrieben und mit einer Fernbedienung gesteuert wird.

Hauptsächlich übernimmt XBMC die Aufgabe, die beim Nutzer vorliegenden Mediendateien zu katalogisieren, organisieren, optisch ansprechend darzustellen und auszugeben bzw. abzuspielen. Im Unterschied zu einem reinen Medienabspieler nutzt XBMC zusätzliche Inhalte aus dem Internet, um dem Nutzer einen Mehrwert zur klassischen reinen Abspielfunktionalität zu bieten: Das Programm kann unter anderem Filmposter, Darstellerlisten, Untertitel oder Trailer abrufen. Grundlage dafür ist die Erweiterungsmöglichkeit von XBMC mittels herunterladbarer Plugins, die von Drittanbietern zur Verfügung gestellt werden. So werden u. a. Internet-Videoportale wie YouTube, Hulu oder Veoh, ebenso die Mediatheken der ARD und des ZDF über XBMC abrufbar.

Bedient wird die Software per Maus (Computer), Tastatur, Joypad, Fernbedienung, Webinterface, Wiimote oder durch ein WLAN-/Bluetooth-Handy. Die Oberfläche ist durch Skins vollständig veränderbar.

Hardwareanforderungen[Bearbeiten]

XBMC wurde dahingehend entworfen, mit vorhandenen Ressourcen sparsam umzugehen. Das Programm läuft auf vergleichsweise schwacher (z. B. Intel Atom, Raspberry Pi) oder älterer Hardware. Für die Darstellung der Benutzeroberfläche wird dennoch eine 3D-fähige Grafikkarte benötigt.

Aktuell relevante Technologien werden von dem Projekt zeitnah aufgegriffen und in die Software integriert. So war XBMC sehr früh in der Lage, die Videobeschleunigung über entsprechende Grafikkarten zu unterstützen (siehe VDPAU, DXVA) und damit das Abspielen von HD-Videos auf schwächeren Systemen zu ermöglichen.

Abspielfähigkeiten[Bearbeiten]

XBMC unterstützt zahlreiche Audio-, Video- und Bild-Formate:

Physische Medien
CDs, DVDs, DVD-Video, Video CDs (inkl. VCD/SVCD/XVCD), Audio-CD (CDDA), Blu Rays (unverschlüsselt), USB Flash Drives, und Festplatten
Netzwerkprotokolle
UPnP, NFS, SMB/SAMBA/CIFS, XBMSP, DAAP, HTTP, HTTPS, FTP, RTSP (RTSPU, RTSPT), MMS (MMSU, MMST), RTMP, Podcasting, TCP, UDP, SFTP, RTP
Medien-Container
AVI, MPEG, WMV, ASF, FLV, Matroska, QuickTime, MP4, M4A, AAC, NUT, Ogg, OGM, RealMedia RAM/RM/RV/RA/RMVB, 3gp, VIVO, PVA, NUV, NSV, NSA, FLI, FLC, und DVR-MS (beta support)
Videoformate
MPEG-1, MPEG-2, H.263, MPEG-4 SP and ASP, MPEG-4 AVC (H.264), HuffYUV, Indeo, MJPEG, RealVideo, RMVB, Sorenson, WMV, Cinepak
Audioformate
MIDI, AIFF, WAV/WAVE, MP2, MP3, AAC, AACplus, AC3, DTS, ALAC, AMR, FLAC, Monkey's Audio (APE), RealAudio, SHN, WavPack, MPC/Musepack/Mpeg+, Speex, Vorbis und WMA.
Digitalbild-Formate
RAW-Formate, BMP, JPEG, GIF, PNG, TIFF, MNG, ICO, PCX und Targa/TGA
Untertitelformate
AQTitle, ASS/SSA, CC, JACOsub, MicroDVD, MPsub, OGM, PJS, RT, SMI, SRT, SUB, VobSub, VPlayer
Metadaten
APEv1, APEv2, ID3 (ID3v1 and ID3v2), ID666, Exif und IPTC (mit GeoTagging) für Bildformate

Bibliothekfunktion[Bearbeiten]

XBMC bietet die Möglichkeit, beim Benutzer vorliegende Inhalte in einer Bibliothek zu organisieren. Durch das Abrufen zusätzlicher Metadaten aus dem Internet ermöglicht XBMC die Kategorisierung von Inhalten, beispielsweise von Musik nach Genre, Filmen nach Schauspielern oder die Zuordnung einzelner Episoden einer Fernseh-Serie zu einer bestimmten Staffel.

Die zur Verfügung stehenden Metadaten erlauben dem Benutzer, sich beispielsweise alle auf der Festplatte vorhandenen Science-Fiction-Filme der 1970er Jahre anzeigen zu lassen und anschließend auf Grundlage des angezeigten Covers oder Filmposters zu entscheiden, welchen Film er schauen möchte. Das Stöbern in der Bibliothek erweist sich als ein zentrales Nutzungskonzept der Software.

Geschichte[Bearbeiten]

2002 begannen zwei Programmierer unabhängig voneinander mit der Entwicklung eines Medienabspielprogramms für die Microsoft Xbox. Ein unter den Pseudonymen „d7o3g4q“ und „duo“ auftretender Entwickler schrieb eine Software, die er „Xbox Media Player“ nannte. Ein anderer Entwickler unter dem Pseudonym „RUNTiME“ nannte seine Software anfänglich „XBPLAYER“. Später tauschten sie den Quelltext untereinander aus, bis beide Programme in der Beta 5-Version von Xbox Media Player vollständig zusammengeführt wurden.

XBMC mit „PM3.HD“-Ansicht

Mit der Version Beta 5 beginnend wurde die Videocodecbibliothek FFmpeg als Basis zur Dekodierung von Film- und Musikdateien genutzt. Mit der Version Beta 6 kam die Unterstützung für den populären MPEG-Codec Xvid hinzu. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten die beiden Entwickler die Software privat zu zweit weiterentwickelt und lediglich versprochen, den Quelltext ihrer Software erst mit der Version 1.0 ebenfalls zu veröffentlichen. Wegen der Verwendung der unter den Bestimmungen der GNU GPL stehenden FFmpeg- und Xvid-Bibliotheken veröffentlichten sie jedoch nach einigen Beschwerden den Quelltext der Beta 6 des Xbox Media Player am 15. Oktober 2002.

Im November 2002 stieß ein weiterer Programmierer mit dem Nicknamen „Frodo“ hinzu. Er hatte bis dahin ein eigenes Programm mit Namen „YAMP – Yet Another Media Player“ entwickelt, welches daraufhin mit dem Xbox-Media-Player-Projekt vereinigt wurde. Das erste Release des weiter vereinigten Xbox Media Player erfolgte bald darauf am 14. Dezember 2002 mit der Version 2.0 (Versionsnummer 1.0 wurde übersprungen). Die Version 2.0 des Xbox Media Player war eine Neufassung mit einem neuen auf MPlayer basierenden Kern (welches aber wiederum ebenfalls die Codecsammlungen FFmpeg und Xvid nutzt).

Am 28. Dezember 2002 wurde schließlich Version 2.1 veröffentlicht, welche neben zahlreichen Fehlerkorrekturen AC3-5.1-Tonausgabe (Dolby Digital), Lautstärkenormalisierung und zusätzliche Effektfilter als Neuerungen bot. Zwei Wochen später folgte am 12. Januar 2003 die finale Version 2.2 dieses Entwicklungszweiges, welche einen Dashboardmodus zum Starten weiterer Xboxprogramme, separate Oberflächenübersetzungsdateien, Streams von Windowsfreigaben, Wiedergabe von ISO9660-CDs und die Unterstützung von Windows Media Video (WMV) mittels Windows-DLLs bot.

Nach dieser Version wurde das Projekt in Xbox Media Center umbenannt, da es mit seinem eigenständigen Dashboard mit einer vollständigen grafischen Benutzeroberfläche zu einem vollständigen Media Center und somit zu einem Ersatz für das vorinstallierte Xbox Dashboard herangewachsen war.

Den Namen „XBox Media Center“ behielt das Projekt noch einige Zeit bei, auch als es schon für diverse andere Plattformen verfügbar war. Heute (Stand 2011), nennt sich das Projekt „XBMC Media Center“. Die Unterstützung für die XBox-Plattform wird aufgrund der Einschränkungen des in die Jahre gekommenen Systems seit dem 27. Mai 2010 vom leitenden Entwicklerteam nicht mehr fortgeführt.[7]

Von den Entwicklern wurde Ende Januar 2011 eine Version für Apple iOS vorgestellt, die für AppleTV2, iPad und iPhone4 vorgesehen sind. [8]

Seit 2012 ist XBMC auch für den Mini-Rechner Raspberry Pi verfügbar. Es kann dadurch als Medienzentrale für ein Fernsehgerät oder einen PC-Monitor mittels HDMI Port oder Composite und 3,5 mm-Klinkenstecker (bei höheren Ansprüchen an die Klangausgabe auch über USB-Soundkarte) fungieren.

Am 1. August 2014 wurde angekündigt das Produkt ab Version 14 in "Kodi" umzubenennen.[9]

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Farbe Bedeutung
Rot Alte Versionen
Grün Aktuelle Versionen
Blau Zukünftige Versionen
Version Erscheinungsdatum Codename
1.0.0 29. Juni 2004
1.1.0 18. Oktober 2004
2.0.0 29. September 2006
8.10 15. November 2008 Atlantis
9.04 6. Mai 2009 Babylon
9.11 24. Dezember 2009 Camelot
10.0 und 10.1 18. Dezember 2010 Dharma
11.0 24. März 2012 Eden
12.0, 12.1, 12.2 und 12.3 29. Januar 2013 Frodo
13.0, 13.1 und 13.2 4. Mai 2014 Gotham
14.0 23. Dezember 2014 Helix
15.0 Voraussichtliches Veröffentlichungsdatum: ?  ?

Auf XBMC basierende Projekte[Bearbeiten]

Plex[Bearbeiten]

Mitte 2008 entschlossen sich einige Entwickler, das Xbox Media Center speziell für Mac OS und Apple iOS weiterzuentwickeln. Der daraus entstandene Entwicklungszweig wird Plex genannt[10] und basiert auf der Linux-Version von XBMC. Seit 2011 läuft Plex auf Windows, Mac OS und Android-Betriebssystemen.

Boxee[Bearbeiten]

Ebenso existiert seit Mitte 2008 das auf dem XBMC basierende Projekt „Boxee“,[11] welches einen Schwerpunkt auf die Integration sozialer Netzwerke legt. Boxee war[12] für Mac OS, Linux, Windows und Apple TV bis Anfang 2012 erhältlich, die Software für Desktop-Rechner wurde jedoch eingestellt, da das Unternehmen die Zukunft auf Settop-Boxen wie Boxee Box und Iomega TV with Boxee sieht.[13]

XBMC4Xbox[Bearbeiten]

Nach der Aufkündigung weiterer Unterstützung für die Xbox-Platform, wurde das Projekt XBMC4Xbox[14] ins Leben gerufen. Soweit möglich, versucht man hier Verbesserungen aus dem Ursprungsprojekt einfließen zu lassen.

OpenELEC[Bearbeiten]

OpenELEC (Open Embedded Linux Entertainment Center) ist ein freies Betriebssystem, das die vorkonfigurierte Mediacenter-Software XBMC und Drittanbieter-Plugins mit Retro-Videospielkonsolen-Emulatoren und PVR-Erweiterungen mitbringt. OpenELEC ist ein extrem kleines und schnell startendes Linux-Betriebssystem – hauptsächlich entwickelt, um von Flash-Speichern wie CompactFlash oder auch SSD-Festplatten zu booten.[15]

GeeXboX[Bearbeiten]

Geexbox setzte früher für die Benutzeroberfläche auf eine Eigenentwicklung namens „Enna“. Im Zuge der Entwicklung von GeeXboX 2.0 wurde dieser Ansatz jedoch fallengelassen; stattdessen wurde XBMC als Benutzeroberfläche integriert.

Raspbmc/Rasplex/XBian[Bearbeiten]

Raspbmc, RasPlex und XBian sind auf Debian-basierende Linux-Distributionen, die XBMC auf dem Raspberry Pi laufen lassen.

XBMC from Debian[Bearbeiten]

In das Repository der weit verbreiteten Linux-Distribution Debian konnte XBMC lange Zeit nicht aufgenommen werden, da es eingebettete Programmbibliotheken mitliefert, obwohl diese unter Debian (und vielen anderen Distributionen) bereits extern zur Verfügung stehen. Diese Praxis kollidiert mit den vom Debian-Entwicklerteam aufgestellten Regeln, die solche Redundanzen verbieten und ein möglichst schlankes Programmpaket voraussetzen. Der Entwickler Réczey Bálint entwarf daraufhin die Abspaltung „XBMC from Debian“, welche - neben anderen Anpassungen - auf die externe Implementierung von FFmpeg bzw. libav zurückgreift.[16]

Lizenzierung[Bearbeiten]

Der XBMC-Quelltext liegt offen unter der GNU General Public License vor, ist also freie Software.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: XBMC Media Center – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Who We Are (englisch) – Seite bei Kodi; Stand: Dezember 2009
  2. XBMC-Package auf freebsd.org (Englisch) Stand: 3. März 2011
  3. XBMC For Android (Englisch) Stand: 29. Januar 2011
  4. Offizielle Beschreibung (englisch)
  5. Offizielle Stellungnahme (englisch)
  6. Artikel bei heise.de
  7. Farewell XBOX – XBMC.org, 27. Mai 2010
  8. XBMC für iOS und Apple TV vorgestellt – (vom 21. Januar 2011)
  9. XBMC Is Getting a New Name – Introducing Kodi 14 – XBMC.org, 1. August 2014
  10. Announcing Plex (englisch). Plex, 5. Juli 2008.
  11. Boxee (englisch) – Hersteller-Webseite
  12. Die Tage der Boxee-Version für den PC sind gezählt von heise.de am 1. Februar 2012
  13. [1] (englisch) – Boxee Blog - "This 1.5 release will be the last version of Boxee"
  14. XBMC4Xbox (englisch) – Projekt-Webseite
  15. OpenELEC (englisch) – Projekt-Webseite
  16. Projektvorstellung