Home Theater Personal Computer

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Ein Home Theater Personal Computer [həʊm ˈθiɛtə ˈpɜːsənəl kəmˈpjuːtə] (HTPC) ist ein auf PC-Komponenten basierendes Gerät, das klassische Hi-Fi-Geräte ersetzen soll und durch seinen modularen Aufbau besonders flexibel ist. Neben der Bezeichnung HTPC ist auch die Bezeichnung Media Center PC geläufig. Sie wurde vor allem durch Microsofts Windows XP Media Center Edition geprägt. Im deutschen Sprachgebrauch sind daneben noch die Bezeichnungen Wohnzimmer-PC, Mediencomputer, Mediacenter oder Fernsehcomputer möglich.

Beispiele für Home Theater Personal Computer Systeme
Media Center mit Fernbedienung vom Hersteller Telsey Telecommunications S.p.A.

Vor- und Nachteile eines HTPC-Systems[Bearbeiten]

Durch seinen sowohl software- als auch hardwareseitig modularen Aufbau kann ein HTPC u. a. folgende Einsatzgebiete übernehmen:

Ein HTPC kann daher DVD-Spieler, CD-Spieler, DVB-Receiver, Videorekorder bzw. Festplattenreceiver ersetzen und in einem Gerät integrieren. Darüber hinaus ermöglicht er die Wiedergabe von hochauflösenden Video- (z. B. HDTV, Blu-ray Disc) und Audioquellen (z. B. DVD-Audio).

Der größte Vorteil eines HTPC besteht darin, dass er wie ein normaler PC funktioniert und für ihn daher eine enorme Vielfalt an Software zur Verfügung steht. Je nach Aktualität der verwendeten Hardware dauert das Einschalten zwischen 1 und 2 Sekunden (Energiemodus S4, Viiv-Chipsatz und Windows Vista) bis zu 60 Sekunden (Normales Hochfahren eines XP-Rechners).

Nachteilig ist, dass ein HTPC schnell sehr teuer werden kann. Das liegt daran, dass er zur optischen Integration häufig in ein kleines Gehäuse gebaut wird, das sich an das Aussehen eines DVD-Players oder ähnlicher Geräte anlehnt. Dieses kleine Gehäuse macht hochintegrierte Komponenten nötig, die vergleichsweise teuer sind. Weiterhin verbraucht ein HTPC trotz stromsparender Komponenten meistens mehr Strom als das äquivalente Einzelgerät (ausgenommen HTPCs auf Basis eines Notebooks).

Beim HTPC kann es durch die Bündelung von mehreren Funktionen, wie Videorecorder und IPTV in einem Gerät zu kurzzeitigen Ressourcenkonflikten kommen, die dann als Ruckeln oder Klötzchenbildung wahrgenommen werden können. In diesen Fällen kann die Nutzung von externen Geräten wie Festplattenrekorder helfen, den HTPC zu entlasten.

Hintergrund[Bearbeiten]

Der Begriff HTPC tauchte erstmals Anfang des 21. Jahrhunderts auf, da PCs vorher noch nicht leistungsfähig genug waren. In Deutschland erlangte das Thema erstmals größere Aufmerksamkeit durch einen Artikel in der Fachzeitschrift c't, die ausführlich den Zusammenbau eines S.V.P. (Sound and Vision Platform) genannten Wohnzimmer-Computers dokumentierte.[1] Weitere Artikel in anderen Zeitschriften folgten schnell. Das Commodore CDTV, das noch auf Amiga-Hardware basierte, nahm schon 1991 einen Teil der HTPC-Entwicklung vorweg. Der erste praxistaugliche in CD-Player-Optik gehaltene PC dürfte der Olivetti Envision von 1995 gewesen sein. Er verfügte über eine MPEG-Beschleunigerkarte, die trotz des relativ langsamen Intel 80486-DX/4-100 bzw. Pentium 75-Prozessors ein ruckfreies Abspielen von (S)VCD ermöglichte. Der Envision war mit Fernbedienung, Infrarottastatur und einer wohnzimmerfreundlichen Benutzeroberfläche namens „Olipilot“ ausgestattet, die unter Windows 95 lief. Das nächste interessante Modell war der Fujitsu-Siemens Multitainer, der das Konzept mit einer integrierten TV-Karte vervollständigte.

Eine der ersten speziell für die Darstellung auf dem Fernseher optimierten Oberflächen (Frontend) waren das ACTIVY MediaCenter von Fujitsu Siemens Computers (2001) und das kostenlose myHTPC, das allerdings im Alpha-Stadium eingestellt wurde.

2002 veröffentlichte Microsoft erstmals die Media Center Edition seines Windows-XP-Betriebssystems, vorerst allerdings nur in den USA. Zwei Jahre später wurde der Nachfolger auch in Europa vertrieben.

Von 2005 bis 2011 waren auch viele Computer von Apple mit einer simplen HTPC-Oberfläche namens Front Row und einer einfachen Fernbedienung ausgestattet.

Mittlerweile wird anstelle von HTPC meist der Begriff Media Center PC verwendet.

Technisches[Bearbeiten]

Aufbau als All-in-One-Lösung[Bearbeiten]

HTPCs basieren auf Standard-PC-Hardware und sind dadurch besonders flexibel. Ihre Leistungsfähigkeit variiert je nach Anwendungsgebiet sehr stark. Im Gegensatz zu normalen PCs wird bei HTPCs besonderer Wert auf eine niedrige Geräuschentwicklung gelegt. Viele Modelle haben daher sehr aufwändige (und teure) Kühlungsmechanismen wie Heat-Pipes, um auf den typischen geräuschintensiven PC-Lüfter verzichten zu können.

Meistens startet direkt nach dem Booten eine Software (Frontend), die die auf der Festplatte liegenden Daten für die Darstellung auf einem Fernseher optimiert und sich einfach per Fernbedienung bedienen lässt. Sie ist in der Regel auch für den Empfang von Fernsehprogrammen zuständig und kann auch andere Informationen verarbeiten, wie etwa RSS-Feeds oder die Wettervorschau.

Aufbau nach dem Client-Server-Modell[Bearbeiten]

Ein anderes, nicht ganz so verbreitetes Konzept ist das des Client-Server-Modell. Dabei gibt es zentrale Server und mehrere Festplatten mit Multimedia-Dateien (wie Musik, DVDs usw.), wobei der Server die Daten speichert und sie per Stream an die Clients sendet.

HTPC als Streaming Client[Bearbeiten]

Der HTPC kann selbst auch als universeller Streaming-Client verwendet werden. Die Ausgabe kann dann durch seine HDMI-Ausgänge an einem Fernsehgerät und Audiosignale über eine vorhandene Stereoanlage erfolgen.

Streaming Clients als Nutzer der Dienste eines HTPC[Bearbeiten]

Diese Clients sind einfache Abspielgeräte, vergleichbar mit DVD-Playern ohne DVD-Laufwerk, die die empfangenen Daten direkt entweder an den Fernseher oder die Stereoanlage weiterleiten.

Der Vorteil an diesem Konzept ist, dass mehrere Empfänger im Haus auf den zentralen Speicher des HTPC zugreifen können und die Clients relativ preiswert sind.

Ein Nachteil ist, dass die Clients aus Preisgründen meist auf speziellen Chips basieren, die die Dekodierung selbst übernehmen. Dadurch geht ein Teil der Flexibilität verloren, da diese Chips nur bestimmte Formate dekodieren können und nicht aufrüstbar sind. Clients auf PC-Basis sind dagegen teurer. Ein weiterer Nachteil ist, dass der Server meist den ganzen Tag läuft. Dadurch können durchaus zusätzliche Stromkosten in Höhe von mehreren 100 € pro Jahr entstehen.

Die Alternative, mehrere vollwertige HTPCs zu installieren, wäre nicht nur wesentlich teurer, sondern es würde auch die Synchronität fehlen: Die Daten müssen nur einmal in den Server eingespeist werden und sind fortan überall im Haus verfügbar. Häufig besitzt der Server auch mehrere TV-Tuner (meist DVB-S), wodurch die Clients auch als Set-Top-Boxen fungieren.

Media-Center-Betriebssysteme[Bearbeiten]

Windows[Bearbeiten]

Linux[Bearbeiten]

Folgende Linux-Distributionen verwenden MythTV in der Standardinstallation:

Folgende Linux-Distributionen verwenden XBMC in der Standardinstallation:

Media-Center-Anwendungen/Frontends[Bearbeiten]

Eine (unvollständige) Liste über die auf dem Markt befindlichen (sowohl kostenlose als auch kommerzielle) Produkte, die sich für die Verwendung in Media-Center-Rechnern eignen.

Plattformunabhängig[Bearbeiten]

Nur Windows[Bearbeiten]

Nur Mac OS X[Bearbeiten]

  • Apple Front Row (eingestellt)
  • CenterStage (eingestellt)
  • iTheater (eingestellt)
  • XHub (eingestellt)
  • nessViewer
  • MediaCentral

Nur Linux[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dr. Volker Zota, Peter Röbke-Doerr, Christof Windeck: Der PC als multimedialer Alleskönner fürs Wohnzimmer. In: c't Magazin. heise.de, Oktober 2001, abgerufen am 5. März 2011.
  2. http://www.microsoft.com/germany/windows/products/windowsvista/editions/n/choose.mspx