Zürichsee-Schiffahrtsgesellschaft

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Zürichsee-Schiffahrtsgesellschaft (ZSG)
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1838 (DGZ)
1890 (ZDG)
Sitz Zürich, Schweiz
Leitung Hans Dietrich
(Direktor)
Peter Weber
(VR-Präsident)
Mitarbeiter 88 (2008)
Umsatz 19,252 Mio. CHF (2008)
Branche Schifffahrtsunternehmen
Website www.zsg.ch

Die Zürichsee-Schiffahrtsgesellschaft (ZSG) ist ein schweizerisch konzessioniertes Unternehmen, welches Schifffahrt auf dem Zürichsee betreibt. Das Unternehmen ist eine Aktiengesellschaft mit Sitz in Zürich und ist unter dem Namen Zürichsee-Schiffahrtsgesellschaft im schweizerischen Handelsregister eingetragen, tritt jedoch gegen Aussen mit dem Namen Zürichsee Schifffahrtsgesellschaft auf.

Das Einsatzgebiet der ZSG umfasst den Zürichsee, den Obersee und die durch die Stadt Zürich führende Limmat. Der Sommerfahrplan (Stand 2009) ist so gestaltet, dass sich für beide Seeufer zwischen Zürich und Rapperswil ungefähr ein Zweistundentakt ergibt. Daneben gibt es die sogenannten „kleinen Rundfahrten“ von Zürich über Erlenbach nach Thalwil und zurück sowie in die umgekehrte Richtung. Neben den fahrplanmässigen, ganzjährigen Einsätzen bietet die Gesellschaft auch verschiedene Extra- und Charterfahrten an. Beliebt sind die Tanz-, Lunch- und Rundfahrten. In der Wintersaison stellt das Unternehmen auch einige seiner Schiffe für spezielle Anlässe wie die Degustations- und Weinausstellung Expovina zur Verfügung. Insgesamt beförderte die ZSG 2008 auf 369'258 Schiffskilometern knapp 1,765 Millionen Passagiere.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Zürichsee-Schiffahrtsgesellschaft entstand 1957 aus verschiedenen Fusionen und Umbenennungen verschiedener Vorgängerunternehmen, welche seit 1834 kommerzielle Schiffstransporte auf dem Zürichsee anboten.

Im Jahre 1835 nahm der erste Zürichseedampfer der Gesellschaft Caspar und Lämmlin, Unternehmer der Dampfschifffahrt auf dem Zürcher- und Walensee, der Dampfer Minerva seinen Betrieb auf. Im Jahren 1837 wurde die Gesellschaft Linth-Escher und 1839 die Republik AG gegründet und betrieb unter deren Namen ebenfalls ein eigenes Schiff.

1838 schlossen sich die drei Gesellschaften zur Zürichsee- und Walenseegesellschaft AG zusammen, welche sich nach der Fusion mit der Dampfbootgesellschaft linkes Ufer neu Dampfbootgesellschaft für den Zürichsee (DGZ) nannte. Im Jahre 1874 übernahm die Gründerin der linksufrigen Eisenbahn, die Schweizerische Nordostbahn (NOB), den gesamten Schiffspark auf dem Zürichsee. Im Jahr 1900 übernahm sie die im Jahr 1894 gegründete Dampfbootgesellschaft Wädenswil.

Bei der Verstaatlichung der NOB im Jahr 1903 wurde der Schiffsbetrieb ausgelagert und gelangte an die im Jahr 1890 gegründete Zürcher Dampfbootgesellschaft (ZDG). Im Jahr 1957 wurde die Gesellschaft aufgrund ihrer technischen Entwicklung in Zürichsee-Schiffahrtsgesellschaft (ZSG) umbenannt.

Die ZSG ist Teil des Zürcher Verkehrsverbunds (ZVV) seit dessen Gründung im Jahre 1990 und eines von acht marktverantwortlichen Unternehmen (MVU). Zum Marktgebiet gehören der Zürichsee inklusive Obersee und die Limmat. Auf den Kursschiffen sind die üblichen ZVV-Zonenbilette gültig, dies schliesst auch den Personentransport bei der selbständig auftretenden ZSG-Limmatschifffahrt und der eigenständigen Zürichsee-Fähre Horgen-Meilen AG ein.

Flotte[Bearbeiten]

Die Flotte der ZSG besteht (Stand 2007) aus insgesamt 17 Schiffen:

    • Linth (1952)
      1000 Personen, Bodan, 2×365 kW (MAN)
    • Limmat (1958)
      850 Personen, Bodan, 485 kW (MAN)
    • Wädenswil (1968)
      700 Personen, Bodan, 442 kW (MAN)
    • Panta Rhei (2007)
      700 Personen, ÖSWAG, 2×442 kW (MAN)
    • Säntis (1957)
      400 Personen, Bodan, 331 kW (MWM)
      300 Personen, ZSG-Werft, 440 kW (MAN) seit Umbau Winter 2006/2007
    • Albis (1997)
      300 Personen, Bodan, 2×250 kW (MAN)
    • Pfannenstiel (1998)
      300 Personen, Bodan, 2×250 kW (MAN)
    • Uetliberg (1999)
      300 Personen, Bodan, 2×250 kW (MAN)
    • Bachtel (1962)
      250 Personen, Bodan, 250 kW (MAN)
    • Zimmerberg (2001)
      150 Personen, Bodan, 2×147 kW (MAN)
    • Forch (2001)
      150 Personen, Bodan, 2×147 kW (MAN)
  • Drei Limmatboote
    • Turicum (1992)
      51 Personen, Bodan, 2×58 kW (MWM)
    • Felix (1993)
      51 Personen, Bodan, 2×58 kW (MWM)
    • Regula (1993)
      51 Personen, Bodan, 2×58 kW (MWM)

Ehemalige Schiffe der ZSG[Bearbeiten]

  • Etzel (1934)
    Erstes Motorschiff auf dem Zürichsee, erbaut von Escher Wyss & Cie. in Zürich; 2001 ausgemustert, revidiert und an die «Genossenschaft MS Etzel» übergeben
  • Halbinsel Au
  • Möwe
  • Speer
    Die drei «Landi»-Schiffe, die zusammen mit der Etzel während der Schweizerischen Landesausstellung 1939 in Zürich, Dienst im unteren Seebecken zwischen den beiden Arealen der Ausstellung taten, wurden Ende der 1990er-Jahre ausgemustert. Die Halbinsel Au und die Speer wurden nach Holland verkauft, die Möwe nach Belgien.

Ersetzt wurden die vier genannten Schiffe durch den grösseren Albis-Typ (300 Personen; Albis, Pfannenstiel, Uetliberg) und einen etwas kleineren Schiffstyp (150 Personen; Zimmerberg, Forch).

  • Ufenau
    Die Ufenau wurde im Jahr 2001 an die Schiffahrtsbetrieb Hensa AG in Rapperswil SG verkauft. Sie wurde auf den Namen Davidoff umgetauft und ist im Hafen Rapperswil stationiert.[2]
  • Glärnisch (1955)
    Mit dem Bau der MS 700 und mangelnden Perspektiven für einen weiteren Einsatz absolvierte die Glärnisch am 15. Oktober 2006 ihre letzte Kursfahrt bei der ZSG. Während des reduzierten Winterfahrplans folgte mit der übrigen Flotte nochmals ein Einsatz als geankertes Ausstellungsschiff an der Weinmesse Expovina und eine Abschiedsfahrt am 8. Dezember mit anschliessender Überführung und Übergabe an den neuen Eigner in Wädenswil. Seit Frühjahr 2007 dient die «Glärnisch» dort als Restaurant.

Ausser Dienst gestellte Dampfschiffe der Vorgängergesellschaften der heutigen ZSG:

  • Minerva
    Die Minerva war das erste mit einer Dampfmaschine betriebene Schiff auf dem Zürichsee. Die erste Fahrt erfolgte am 19. Juli 1835; 1839 wurde die Minvera für weitere Fahrten auf den Walensee verlegt und durch den Dampfer Republikaner ersetzt.
  • Delphin
    Die Delphin lief 1834 von Stapel und gehörte der Vereinigten Dampfschiffgesellschaft Zürich- und Walensee. In der Sturmnacht vom 16. auf den 17. Dezember 1850 ging die Delphin unter, wobei 13 Menschen ihr Leben verloren.
  • Helvetia
    Die Helvetia lief 1875 von Stapel und war bis 1959 in Betrieb. Bis 1961 diente sie als Restaurant, dann wurde sie nach Nuolen geschleppt und 1963 verschrottet.

Neubeschaffungen und Ausmusterungen[Bearbeiten]

Ab Juni 2006 wurde ein neues, von der ÖSWAG in Linz errichtetes, 700 Personen fassendes Passagierschiff in Teile zerlegt nach Zürich-Wollishofen in die ZSG-Schiffswerft überführt, wo die Endmontage stattfand. Aufgrund von diversen Lieferverzögerungen fand der für Oktober 2006 vorgesehene Stapellauf schliesslich am 22. Januar 2007 statt, Mitte Februar wurden erste Testfahrten unternommen.

Zur Namensgebung wurde zu einem Wettbewerb aufgerufen, worauf die siebenköpfige Jury aus über 1400 Vorschlägen den Namen «Panta Rhei» auswählte. Die Schiffstaufe auf den Namen MS «Panta Rhei» und die offizielle Jungfernfahrt fanden am 26. März 2007 statt, die Aufnahme des regulären Betriebs erfolgte am 1. April zur Eröffnung der Sommersaison 2007. Bereits per 19. April musste das Schiff wieder aus dem Verkehr genommen werden, da die «Panta Rhei» eine zu starke Hecksee hatte, welche zu Beschädigungen von Yachten und Anlegern führen konnte. Eine erste Untersuchung zeigte, dass das Schiff mit 450 Tonnen ein 15 % höheres Gesamtgewicht aufwies als ursprünglich geplant und entsprechend tief im Wasser lag. Von September bis Januar 2008 wurde das Schiff umgebaut. Beim zweiten Wassern am 28. Januar zeigte sich jedoch, dass die zusätzlichen Auftriebskörper undicht geklebt wurden; das Schiff musste erneut repariert werden.

Die Panta Rhei ersetzte indirekt die 300 Personen fassende MS «Glärnisch». Ursprünglich sollte die Glärnisch versuchsweise dazu genutzt werden, mit Rundfahrten ab Rapperswil das touristische Angebot auf dem Obersee auszubauen und zudem die Erschliessung von Ufenau und Pfäffikon SZ zu verbessern. Da sich Stadtrat der Gemeinde Rapperswil-Jona als einziger der betroffenen Seegemeinden weigerte, seinen Anteil an den Kosten zu übernehmen, liess die ZSG das Projekt fallen. Im August 2006 konnte das Schiff an einen Wädenswiler Bootsvermieter verkauft werden, der die Glärnisch nach ihrer Ausmusterung im Dezember zu einem im Hafen von Wädenswil fest geankerten Restaurant-Schiff umbauen liess.

Werft[Bearbeiten]

Die Schiffswerft der ZSG im Zürcher Stadtteil Wollishofen ist Teil des ZSG-Hauptsitzes, der neben dem Verwaltungsgebäude, Betriebs- und Gastronomiegebäuden, auch den Betriebshafen mit Schiffsankerplätzen für die gesamte Flotte umfasst.

Das Werftgelände der ZSG
Werfthalle der ZSG in Wollishofen mit der aufgebockten Stadt Zürich nach dem Schaufelbruch im August 2010

Die Werfthalle mit gut 1100 m² Nutzfläche (64×18 Meter) ist vollumfänglich auf das Bedürfnis ausgelegt, den grössten Schiffstyp – die Schaufelraddampfer mit den Dimensionen 59×13 Meter – vollständig in die Halle ziehen zu können. Sämtliche «modernen» Schiffe weisen, trotz teilweise höherer Passagierkapazität, kleinere Dimensionen auf, wobei bei Neubeschaffungen die Grösse der Werfthalle die maximalen Schiffsdimensionen mitbestimmt. Die Halle erlaubt parallele Arbeiten an zwei Schiffen, der Grösse der MS «Säntis» oder kleiner, was bei längerfristigen Revisionen praktiziert wird.

Die Halle ist nicht als klassisches Trockendock ausgelegt, sondern liegt à Niveau und ist permanent trocken. Die Schiffe werden mittels einer Hebebühne ausgewassert und dabei auf schienengeführte Stützen und Gestelle gelagert – ähnlich einem Rollwagen – auf welchen sie mittels Seilwinden in die Halle gezogen werden können. Das Einwassern gestaltet sich analog in umgekehrter Reihenfolge.

Im Gegensatz zum ganzjährigen Fährbetrieb zwischen Horgen und Meilen ist die ZSG gesamthaft touristisch geprägt, mit stark asymmetrischer Sommer- und Wintersaison. Dies schlägt sich in der Nutzung und Auslastung der Werft nieder, die im Regelfall nur während der Wintersaison ausgelastet wird. In diesem Zeitraum können Schiffe für längere Zeit für Arbeiten ausser Dienst genommen werden, ohne dass es zu betrieblichen Engpässen kommt.

Während der Sommersaison steht die Werft in der Regel leer und wird von der ZSG als Eventhalle vermietet. Als reine Betriebswerft ausgelegt, werden von der ZSG keine Fremdaufträge ausgeführt. Dies hängt insbesondere damit zusammen, dass praktisch das gesamte Werftpersonal über eine Ausbildung in einem Zweitberuf verfügt, den es während der Sommersaison für die ZSG ausübt. Trotz des saisonal schwankenden Angebots, verfügt das Unternehmen auf diese Weise über einen verhältnismässig hohen Anteil an Ganzjahres-Mitarbeitern.

Das ZSG-Areal verfügt über ein normalspuriges Anschlussgleis zum SBB-Bahnhof Wollishofen, der unmittelbar gegenüber der die Areale trennenden Seestrasse liegt. Dieses ermöglicht die Anlieferung von Material und Betriebsstoffen via Bahn. Da das ZSG-Areal unmittelbar am Ufer liegt und den Uferweg durchtrennt, wurde beim Neubau der Werft und der Betriebsgebäude eine öffentliche Passerelle durch das Areal erstellt. Nördlich und südlich des Areals führen vom Uferweg Rampen auf eine begrünte Dachterrasse, die als Zuschauerterrasse direkten Blick auf die Ankerplätze der ZSG-Flotte bietet. Als Passerelle führt die Dachterrasse an der landseitigen Stirnseite der Werfthalle vorbei, die auf dieser Höhe verglast ist, um einen Einblick ins Innere zu ermöglichen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Geschäftbericht 2008
  2. Davidoff