Rapperswil SG

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SG ist das Kürzel für den Kanton St. Gallen in der Schweiz und wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen Einträgen des Namens Rapperswil zu vermeiden.
Rapperswil
Wappen von Rapperswil
Staat: Schweiz
Kanton: Kanton St. Gallen (SG)
Wahlkreis: See-Gaster
Gemeinde: Rapperswil-Jonai2
Postleitzahl: 8640
UN/LOCODE: CH ZJW
Koordinaten: 704487 / 23155647.2266658.818334409Koordinaten: 47° 13′ 36″ N, 8° 49′ 6″ O; CH1903: 704487 / 231556
Höhe: 409 m ü. M.
Fläche: 1.74 km²
Einwohner: 7601 (31. Dezember 2006)
Einwohnerdichte: 4368 Einw. pro km²
Website: www.rapperswil.ch
Rapperswil SG

Rapperswil SG

Karte
Rapperswil SG (Schweiz)
Rapperswil SG
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Gemeindestand vor der Fusion am 1. Januar 2007

Rapperswil (SG) ist eine Ortschaft in der Gemeinde Rapperswil-Jona im Südwesten des Schweizer Kantons St. Gallen. Bis zum 1. Januar 2007 war Rapperswil eine eigenständige Gemeinde.

Rapperswil liegt am östlichen Zürichseeufer und ist dank der Lage am See, der Altstadt und Knies Kinderzoo ein beliebter Ausflugsort. In Rapperswil beginnt der Seedamm nach Pfäffikon SZ.

Wappen[Bearbeiten]

Das Stadtwappen zeigt auf silbernem Grund zwei rote Rosen mit goldenen Butzen und ebenfalls roten, entgegengeasteten Stielen. Es ist dem Dreirosenwappen der Rapperswiler Grafen nachempfunden. Rapperswil wird daher auch die «Rosenstadt» genannt.

Zur Entstehung der Wappen: Der Toggenburger Diethelm VI. soll zwischen 1180 und 1195 Guta von Rapperswil geheiratet und die Grafschaft Uznach sowie eine Rose aus dem Rapperswiler Wappen als Mitgift erhalten haben. Das alte Wappen der Freiherren von Rapperswil hatte drei Rosen, das Einrosenstädtchen Uznach führt noch heute eine Rose im Wappen.

Auf die Grafen von Rapperswil geht auch das Wappen von Altendorf zurück, das eine Rose zeigt[1].

Rosenstadt Rapperswil[Bearbeiten]

Hauptartikel: Rosengärten in Rapperswil
Rosengarten Kapuzinerkloster, Detailansicht

1913 liess der «Verkehrs- und Verschönerungsverein Rapperswil und Umgebung» die Rosenanlagen (Pergola) am Seehafen einrichten, sowie weitere Anpflanzungen am Seehafen anfangs der 1920er Jahre und an Strassen und Plätzen, sofern dies in der dicht bebauten Rapperswiler Altstadt noch möglich war. Rosengärten im eigentlichen Sinn folgten um 1965 unter anderem im ehemaligen Obstgarten des Kapuzinerklosters, auf Initiative des Verkehrsvereins respektive von Dietrich Woessener, Gründer (1959) und Ehrenpräsident der «Gesellschaft Schweizerischer Rosenfreunde». Er soll die Rosensorten ausgewählt und die meisten Rosen eigenhändig gepflanzt haben.[2]

Duftrosengarten, Zierbrunnen von Hans Erni

Eine landesübergreifende Besonderheit ist der Duftrosengarten für Sehbehinderte auf dem unterirdischen Parkhaus Schanz, basierend auf einer Idee von Hans Rathgeb, Auftragsvergabe durch den Verkehrsverein Rapperswil-Jona. Am 20. Oktober 1984 haben 75 Freiwillige unter der Leitung von Dietrich Woessener 1664 Rosenstöcke von 58 Duftsorten angepflanzt. Drei Parzellen wurden von zwei privaten Gönnern und zwei Firmen zur Verfügung gestellt, die Stadt Rapperswil ist für den Unterhalt des Duftrosengartens verantwortlich. Die heute rund 1522 Rosen aus 75 Duftsorten sind durchgehend mit Braille- und Normalschrift beschildert. Ausgewählt wurden 33 Sorten Busch-, 20 Kletter- und 6 Strauchrosen, die einen besonders starken Duft ausströmen. Hans Erni schuf einen für Sehbehinderte konzipierten Zierbrunnen, finanziert vom Cirkus Knie.[3]

Zwischen Juni und Oktober erblühen insgesamt rund 15’000 Edelrosen, Polyantha- und Strauchrosen[4] in den Gärten und Gassen in und um die Altstadt, sodass sich Rapperswil mit Stolz als 'internationaler Mittelpunkt der Duftrosen' und somit als «Rosenstadt» bezeichnen darf.

Gründungslegende[Bearbeiten]

Burg und Altstadt

Die Entstehung des heutigen Rapperswil – ursprünglich Neu-Rapperswil – wird in einer Legende beschrieben:

«Eines Morgens in der Früh fuhr der Herr von Rapperswil zusammen mit seiner Frau und einigen Knechten (von Altendorf) über den See um zu jagen. Kaum waren sie am Ufer angelangt, spürten seine Hunde eine Hirschkuh auf und verfolgten sie bis auf die Höhe des Felsrückens (Schlossberg). Hier verbarg sich das Tier in einer Höhle. Als die Jäger zur Höhle kamen, sahen sie, dass sich darin neben der Hirschkuh auch zwei Kälbchen befanden. Da erbarmte sich die Frau der Tiere und brachte ihren Gatten dazu, die Hunde zurückzuziehen und der Hirschkuh das Leben zu schenken.

Um die Mittagszeit ruhten der Graf und seine Frau im Schatten, da erschien die Hirschkuh und legte ihren Kopf in den Schoss der Frau, um ihr für die Rettung des Lebens zu danken. Der Graf war gerührt und befahl die drei Tiere nach Altendorf zu bringen und sie in einem Gehege grosszuziehen. Er sah in dieser Begebenheit auch einen Wink des Himmels und beschloss bereits am folgenden Tag, auf dem Felsen eine neue Burg und am südlichen Abhang eine kleine Stadt zu gründen.» Heute erinnert der Hirschpark auf dem Lindenhügel an diese 800 Jahre alte Überlieferung.[5]

Geschichte[Bearbeiten]

Hauptartikel: Geschichte der Stadt Rapperswil

Rapperswil und Jona im 20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Das 20. Jahrhundert bescherte Rapperswil und Jona 1902 die Gründung des Elektrizitätswerkes (Aktiengesellschaft) in Jona und 1903 eine 1908 durch die Gemeinde übernommene private Gasfabrik.

1942 wurde Ferdinand Fürer in Rapperswil als erster Stadtammann im Vollamt gewählt.

Die Kunsteisbahn, ab 1986 die feste Eishalle von Rapperswil und Jona, wurde 1961 von privaten Investoren eröffnet. Ebenfalls 1961 erfolgte der Beitritt von Rapperswil und Jona zur Kehrichtverwertung Zürcher Oberland (KEZO), einem Zweckverband von 39 Zürcher Oberländer Gemeinden, die gemeinsam unter anderem sechs Kehrichtverbrennungsanlagen betreiben.

1964 weihten Rapperswil und Jona am Meienberg ein gemeinsames Altersheim ein, 1990 öffnete das Alters- und Pflegeheim Bühl in Jona seine Tore.

Rapperswil feierte 1972 die Eröffnung des interkantonalen Technikums Rapperswil (die heutige HSR), für deren Bau Ortsgemeinde und Politische Gemeinde Rapperswil das Bauland geschenkt haben. 1976 brachte die Einweihung des Berufschulhauses für kaufmännische und gewerbliche Lehrlinge und Lehrtöchter, das heutige Berufs- und Weiterbildungszentrum (BWZ).[6]

Jona unterhielt seit 1979 drei SBB-Haltestellen: Jona-Dorf (Rapperswil-Uster-Zürich), Kempraten (Rapperswil-Meilen-Zürich) und Bollingen (Rapperswil – Uznach), etwas später kam die Haltestelle Blumenau dazu (Rapperswil – Uznach). 2006 wurde die Haltestelle Bollingen stillgelegt. Das kulturelle und gesellschaftliche Gemeindezentrum «Kreuz» in Jona steht der Öffentlichkeit seit 1981 zur Verfügung.

Die Rapperswiler Bürgerschaft bewilligte 1991 einen Kredit von 13 Mio. Franken für die Erstellung einer weiteren unterirdischen Parkanlage (224 Plätze, 1996 fertiggestellt) am Fischmarktplatz, zusammen mit dem Hauptplatz einer der bekanntesten öffentlichen Plätze. Das Parkhaus Schanz im Stadtzentrum wurde bereits 1984 eröffnet – mit einer Besonderheit, dem oberirdischen Duftrosengarten für Sehbehinderte.

Eröffnung der Sporthalle im Joner Grünfeld (11,9 Mio. Franken Kosten) und der Bürgerbeschluss zur Zusammenlegung der zentralen Kläranlagen von Rapperswil und Jona (40 Mio. Franken Kosten) sind wichtige Ereignisse im Jahr 1994.

Tourismus und Verkehr[Bearbeiten]

Entwicklung des Tourismus in Rapperswil[Bearbeiten]

Auslöser der touristischen Entwicklung war die Ankunft des ersten Dampfschiffs «Minerva» vor der Stadt Rapperswil am 29. Juli 1835.

Der Rorschacher Bürger Franz Carl Caspar, Gründer der «Dampfschiffahrtsgesellschaft für den Bodensee und Rhein» war auch daran interessiert, auf dem Zürichsee und dem Walensee die Dampfschifffahrt einzuführen, zusammen mit dem Schaffhauser Johann Jakob Lämmlin als technischem Fachmann. Die beiden Pioniere gründeten am 19. März 1834 die Gesellschaft «Caspar und Lämmlin, Unternehmer der Dampfschifffahrt auf dem Zürcher- und Walensee». Bei der Maschinenfabrik William Fairbairn in Manchester bestellten sie den ersten Zürichseedampfer, die «Minerva».[7] Im November 1834 verliess die «Minerva» die englische Ostküste und gelangte über die Nordsee und den Rhein nach Basel. Dort wurde sie zerlegt und mit fünf Fuhrwerken an den Zürichsee transportiert.

Der Schaufelraddampfer «Stadt Rapperswil»

Aus dieser ersten touristischen Erschliessung des Zürichseegebiets entstand die heutige Zürichsee-Schiffahrtsgesellschaft (ZSG, seit 1957), deren Flotte aus insgesamt 17 Schiffen (Stand 2007) auf dem Zürichsee, dem Obersee und auf der durch die Stadt Zürich führenden Limmat den fahrplanmässigen, ganzjährigen Personenverkehr garantiert. Auf den Kursschiffen sind die üblichen ZVV-Zonenbilette gültig, dies schliesst auch den Personentransport bei der selbständig auftretenden ZSG-Limmatschifffahrt und der eigenständigen Zürichsee-Fähre Horgen-Meilen AG ein.

Mit dem ersten Dampfschiffverkehr einher ging der Bau der seeseitigen Gasthöfe Schwanen, Steinbock, Schwert, Bellevue, Anker und Du Lac.

Zur Steigerung des Tourismus und zur Erstellung Quaianlagen wurden 1867 der «Einwohnerverein», gefolgt von 1886 «Verschönerungsverein» und 1892 «Verkehrsverein», die sich ab 1892 zusammengeschlossen haben. Die 1886 begonnene Anlage der «Bühler-Allee» um das Kapuzinerkloster und den Burghügel ist der Initiative von Johann Heinrich Bühler-Honegger zu verdanken, der Industrieller, Gründungsmitglied der Südostbahn, Nationalrat und seinerzeit wichtigster Steuerzahler der Stadt war.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Nachstehend sind nur einige der zahlreichen Rapperswiler Sehenswürdigkeiten kurz erwähnt:

Schloss Rapperswil[Bearbeiten]

Schloss Rapperswil, der Zeitturm und das doppelte Tor

Schloss Rapperswil, auf einem felsigen weit in den Zürichsee reichenden Sporn zwischen 1220 und 1230 errichtet, ist von drei Seiten von Wasser umgeben und war so während Jahrhunderten bestens geschützt. Weithin mit seinen hohen Türmen sichtbar, dominiert es das Stadtbild der darunter liegenden Altstadt des Städtchens Rapperswil.

Von seinem neuen Platz aus konnte der kurz darauf zum Graf ernannte Rudolf die Wasserstrasse von Zürich Richtung Bündnerpässe sowie die Pilgerströme zum Kloster Einsiedeln und den Querverkehr über die Seeenge beim Seedamm von Rapperswil überwachen. Das heutige Schloss bildet ein fast gleichseitiges Dreieck, wobei jede Ecke mit einem Turm verstärkt ist. Der höchste Turm im Südwesten wird Bergfried oder auch Gügeliturm genannt und war lange Zeit der Sitz des Hochwächters. Der fünfeckige Zeitturm im Osten beherbergt 3 Glocken und neben einer Sonnenuhr zeigen zwei große Zifferblätter die Uhrzeit an. Zwischen diesen beiden Türmen befindet sich in südöstlicher Lage das wuchtige Schlossgebäude. Daneben führen von den beiden Ecktürmen Wehrgänge zum dritten Turm im Nordwesten, dem Pulverturm.

Auf der Burgterrasse, dem Lindenhof, befindet sich seit 1868 die polnische Freiheitssäule, als Zeichen der schweizerischen Verbundenheit mit Völkern, die um ihre Freiheit ringen. Die Terrasse gewährt zudem einen beeindruckenden Ausblick auf die Altstadt, den Zürichsee, auf den Seedamm und die in der Ferne liegenden Alpen. Auf der Nordseite zieht sich ein betreuter Hirschpark mit 10-15 Damhirschen hinunter gegen den See, welcher an die Sage der Stadtgründung erinnern soll.

Im Schloss befindet sich neben dem Polenmuseum ein Restaurant, welches die Gäste zu besonderen Anlässen auch im kleinen Rittersaal bewirtet.

Polnisches National-Museum[Bearbeiten]

Schloss Rapperswil, Polnisches National-Museum

Im Beisein von 10'000 Polen aus aller Welt wurde 1868 auf dem Lindenhof eine polnische Freiheitssäule errichtet und die Weichen für das Polnische National-Museum im Schloss Rapperswil gestellt. 1869 schloss die Ortsgemeinde mit Graf Władysław Plater aus Kilchberg einen 99-jährigen Mietvertrag für das Schloss ab. Zwischen 1870 und 1927 befand sich auf dem Schloss das von Wladislaw Plater errichtete Polnische National-Museum. Nach dessen Verlegung nach Polen blieb das Schloss leer. In der Zeit von 1936 bis 1952 wurden die Räume des Schlosses ein zweites Mal für ein Museum des zeitgenössischen Polen genutzt, und während des Zweiten Weltkrieges übernahm dieses Museum die kulturelle Betreuung von im Jahr 1940 in der Schweiz internierten polnischen Soldaten. 1952 wurde die Sammlung des Museums nach Polen transportiert und das Schloss beherbergte ab diesem Zeitpunkt das internationale Burgenforschungsinstitut und zwischen 1962 und 1975 das Schweizerische Burgenmuseum. Seit einer Renovation im Jahr 1975 befindet sich zum dritten Mal ein polnisches Museum innerhalb der Mauern des Schlosses, das von polnischen Emigranten gegründete Polenmuseum.

Fischmarktplatz und Hafen[Bearbeiten]

Sicht vom Hafen, am rechten Bildrand ist der Fischmarktplatz

Der offene Fischmarktplatz und die Anlagen am See mit den zahlreichen Gasthöfen, Restaurants und Bars sind mit dem aufkommenden Tourismus nach 1834 entstanden. An der Stelle des heutigen Fischmarktplatzes befand sich bis 1837 der mittelalterliche befestigte ’innerer Hafen’, der zusammen mit dem überwiegenden Teil der Stadtbefestigung ab 1834 geschleift worden ist. Noch bis 1859 (Inbetriebnahme des steinernen Seedamms und der Bahnlinie) führte der Holzsteg von Hurden zum ehemaligen südlichen Brückentor beim damaligen Fischmarkt. Der Verkehr, mehrheitlich Kaufleute und Pilger, durch die Stadt Rapperswil verlief bis in die 1830er Jahre vom östlichen Halstor über den Hauptplatz durch die Fischmarktstrasse zum befestigten Tor am Fischmarkt (Gasthöfe Hecht und Hirschen). Das Südtor am heutigen Übergang vom Fischmarktplatz zur Seedammstrasse war die Hautpassage zum Holzsteg nach Hurden. Befestigungsmauern schützten bis 1834 den inneren Hafen, der im Bereich des heutigen Parkhauses lag, und wiederum durch das hölzerne Fallgatter im 1610 ausgebauten Schutzgatterturm die Schiffszufahrt sperrte.

Die Quaianlagen am Seehafen unterstützte der Schirmfabrikant August Baumann. 1913 bis 1964 zierte eine sehr beliebte Pergola den Fischmarktplatz; heute bildet er die Deckfläche des 1996 fertiggestellten unterirdischen Parkhauses und Lokal des Verkehrsvereins. Die nordöstliche Achse des Fischmarktplatzes bestimmen seit 1844 der klassizistische Spitalbau von Felix Wilhelm Kubly, das heutige Altersheim anstelle des mittelalterlichen Heilig-Geist-Spitals, und seit 1845 der Schalenbrunnen aus Solothurner Jurastein.

Der Schleifung von Stadtmauern und Toren folgten die Aufschüttung des inneren Hafens und die Erstellung des neuen äusseren Hafens mit zwei markanten Wellenbrechern. Bis zu jenem Zeitpunkt reichte der Zürichsee bis an die Stadtmauern, die sich über den Fischmarktplatz an der heutigen Häuserfront mit den Hotels und Restaurants bis zum Endingerhorn (Kapuzinerkloster) erstreckten.

Stadtpfarrkirche St. Johann[Bearbeiten]

Bis zum Jahr 1253 unterstand die Kirche dem Kloster Pfäfers bei Ragaz, seither ist Rapperswil eine eigenständige Stadtpfarrei. Die erste Kirche im Schatten der Burg ist im Auftrag des Grafen von Rapperswil zeitgleich mit Stadt und Schloss Rapperswil um 1229 erbaut worden. Rechtlich unterstand St. Johann bis 1253 der Pfarrei Busskirch und damit dem Benediktinerkloster Pfäfers.[8] Für das Rapperswiler Grafenhaus war der Bau der Stadtkirche nur eine einer ganzen Reihe namhafter kirchlicher und klösterlicher Stiftungen und Gründungen: 1192 das Ritterhaus Bubikon, 1227 das Zisterzienser-Kloster Wettingen, um 1250 das Kloster Oberbollingen, 1253 das Zisterzienserinnen-Kloster Wurmsbach und 1259 das Dominkanerinnen-Kloster Weesen. Diese nicht ganz uneigennützige, zu jener Zeit aber standesübliche Wohltätigkeit sicherte den Mitgliedern des Hauses Rapperswil ihr Seelenheil und irdische Güter samt Einkünften.

Aus den archäologischen Ausgrabungen anlässlich der Renovationsarbeiten von 1971/72 konnten über die ursprüngliche Bausubstanz aufschlussreiche Erkenntnisse gewonnen werden: Die romanische Saalkirche mit gerader Chorabschlussmauer, an die sich Teile des Friedhofs anfügten, wurde 1383 zur Burg hin um 8 Meter verlängert und erhöht. Zum romanischen Nordturm gesellte sich nach 1441 der gotische, etwas grössere Südturm. 1493–1497 ermöglichten Sammelaktionen in habsburgischen Städten sowie der Nachlass von Gräfin Gutta von Reinach-Wertheim den Umbau in einen dreiseitigen gotischen Chor mit Rippengewölbe und Masswerkfenster. Die nach der Reformation um 1531 entstandenen Renaissance-Flügelaltare in den Seitenkapellen blieben vom verheerenden Kirchenbrand am 30. Januar 1882 verschont, da sie in der Barockzeit in andere Kapellen versetzt wurden. Auch der im Turmgewölbe gesicherte Kirchenschatz blieb verschont: Meisterwerke unter anderem der Rapperswiler Goldschmiede Breny, Dietrich, Dumeisen, Rüssi, Ysenschlegel.

Beraten durch den Kunsthistoriker Johann Rudolf Rahn, errichtete der Architekt Xaver Müller die Kirche weitgehend neu, in Anlehnung an den zerstörten Bau. Die erhaltenen Türme wurden um 1.2 Meter erhöht. Neu waren ein Chor mit neugotischem Sternengewölbe, die Verlängerung des Kirchenschiffs um einige Meter und eine doppelt gewalmte Holzdecke. Die neugotischen Altäre und die Kanzel schuf das Atelier Marggraf in München. Die Neuweihe war am 6. Oktober 1885. Den grossen Leuchter lieferte 1894 die Firma Benziger & Co. aus Einsiedeln. Renovationen folgten 1959–1960 (Aussenfassade, neue Glocken) und 1971–1973 sowie 1981.

Die 1737 von einigen «Herren Musicanten» gegründete «Bruderschaft der hl. Caecilia und Katharina» (Caecilia-Musikgesellschaft) sorgt noch heute für hochstehende Kirchenmusik. In ihrem Repertoire finden sich auch Kompositionen des in Rapperswil geborenen Kirchenmusikers und Komponisten Carl Greith (1828–1887), Domkapellmeister in München. Von ihm und seinem Vater Franz Josef Greith sind über 1000 Kompositionen bekannt.

Stadtmuseum im Breny-Haus und Breny-Turm[Bearbeiten]

Unter dem Patronat des Verkehrsvereins Rapperswil-Jona wurden 1943 Teile der Liegenschaft Paulina und Heinrika Breny als Heimatmuseum lokaler Geschichte und Kunst eingerichtet. Die Liegenschaft (Obere Halsgasse bis 1960) gelangte 1958 als Vermächtnis der Geschwister in den Besitz der Ortsgemeinde Rapperswil-Jona. Seither sind die Namen Breny-Haus und Breny-Turm geläufig.

Breny-Haus-Turm, Zwischentrakt/Stadtmauer

Aktuelle (Stand Februar 2008) Sammlungsschwerpunkte des Museums sind prähistorische und römische Grabungsfunde vom Seegelände und aus Rapperswil/Kempraten, mittelalterliche Wappensteine der Stadt Rapperswil, sakrale Goldschmiedekunst und eine spätgotische Wohndiele im Breny-Haus. Der Zwischentrakt (Stadtmauer) beherbergt die Wohnräume Breny, die Göldlin-Stube mit Antikenbildnissen aus der Renaissance, das Curti-Zimmer der gleichnamigen Rapperswiler Seidenhändler aus dem 15. Jahrhundert und das Greith-Zimmer. Im Breny-Turm untergebracht sind ein Stadtmodell, Informationen zur Stadtgeschichte und Stadtbefestigung sowie Beispiele des mittelalterlichen Rapperswiler Gewerbes, wie Waffen, Apotheke, Schuhmacher-Werkstatt und Ofenkeramik.

Die baulichen Strukturen von Breny-Haus und der mit dem Breny-Turm verbindenden Stadtmauer reichen bis ins späte 13. Jahrhundert zurück. Die einstige Burganlage mit dem 28 Meter hohen Wohnturm am Herrenberg markierte bis zur Stadterweiterung im 16. Jahrhundert die Nordostecke der früheren Stadtanlage. Der Breny-Turm war in die südwärts (seewärts) führende Stadtmauer mit dem Herrenbergtor (Abbruch 1848) integriert. In der heutigen Form wurde das Breny-Haus um 1492 von Ritter Hans von Landenberg aus dem Tösstal anstelle des früheren Sitzes der Herren von Russikon (Russinger) erbaut. Die weitgehend erhaltene Wohnausstattung stammt aus der Zeit (16. Jahrhundert) des Eigentümers Hauptmann Thuring Göldli. Nach weiteren Besitzwechseln wurde Familie Breny 1758 Eigentümer der Liegenschaft.

Verkehr[Bearbeiten]

Rapperswil im Eisenbahnfieber[Bearbeiten]

Eisenbahnfieber 1859: Panoramabild aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts (Bild aus Jona, Die Geschichte)

Bereits 1859 verkehrte die erste Dampfeisenbahn in Rapperswil – als Knotenpunkt der Bahnlinien von Rapperswil nach Rüti und von Rapperswil nach Schmerikon. Drehscheibe und Kräne ermöglichten ab 1859 den Güterumschlag auf die Schiffe am Fischmarktplatz.

Der legendäre Arlberg-Orient-Express fuhr eine Zeit lang von Bukarest, Budapest, Wien über Rapperswil nach Zürich und weiter nach Basel, Paris und Calais, allerdings ohne planmäßigen Halt. Die beiden Bahnlinien links und rechts des Zürichsees entstanden erst 1875 respektive 1894.

Rapperswil ist seit 1877 ein wichtiger Knotenpunkt der heutigen Südostbahn (SOB). 1877 wurde die erste der beiden Vorläuferinnen der Südostbahn gegründet, die Wädenswil-Einsiedeln-Bahn (WE). Bereits 1878 folgte die Zürichsee–Gotthardbahn (ZGB), die Bahnstrecke über den gleichzeitig eröffneten Seedamm von Rapperswil errichtete.

Bahnhof Rapperswil, Fotografie um 1895. Zentralbibliothek Zürich, Graph. Sammlung.

Am 1. Januar 1890 entstand die Schweizerische Südostbahn mit Sitz in Wädenswil, durch die Fusion der WE und der ZGB. Das Streckennetz umfasste auch die Strecke Rapperswil-Pfäffikon SZ. Im Jahr 1891 wurde die Verbindung zur Gotthardbahn eröffnet und damit auch die Seedammlinie mit dem Stammnetz der SOB verbunden.

Das heutige Bahnhofsgebäude im Stil der Neurenaissance wurde 1894–1895 nach den Plänen von Architekt Karl August Hiller erbaut und unterstrich schon damals die wachsende touristische Bedeutung.

Durch die verschiedenen Berührungspunkte, arbeiteten sowohl die BT, als auch die SOB schon früh mit den SBB zusammen. Die durchgehenden Züge von Romanshorn über Rapperswil und Arth-Goldau nach Luzern, werden seit 1992 unter dem Namen Voralpen-Express geführt.

Sport[Bearbeiten]

In Rapperswil ist der Eishockey Nationalliga A Club Rapperswil-Jona Lakers zu Hause. Der Club spielt seit dem Aufstieg 1994 in der höchsten Schweizer Hockeyliga. Ebenfalls in Rapperswil-Jona spielt der einheimische FCRJ. Der Fussballverein wurde 1928 gegründet. Die 1. Mannschaft spielt in der Gruppe 3 der 1. Liga.

Kultur[Bearbeiten]

Seit 1999 findet in der Rapperswiler Altstadt das über drei Tage andauernde blues'n'jazz-Festival statt. Dieses hat sich mit jährlich 35'000 bis 40'000 Besuchern zu einer der grössten Kulturveranstaltungen der Obersee-Region entwickelt.

Schulen[Bearbeiten]

In Rapperswil ist die Hochschule für Technik Rapperswil (HSR) ansässig mit Schwerpunkten in Technik/Informatik sowie Bau- und Planungswesen. Zudem gibt es die Sekundarschulen Bollwies, Burgerau und Weiden, Realschulen Kreuzstrasse und Rain sowie die Primarschulen Hanfländer, Bollwies, Schachen, Herrenberg, Weiden und Lenggis.

Fusion mit Jona[Bearbeiten]

Wohnbevölkerung und Wirtschaft von Rapperswil konnten sich auf Grund der räumlichen Begrenzung auf gerade nur 1,72 km² Stadtgebiet nur sehr beschränkt entwickeln, und Rapperswil war mit dem flächenmässig zwölfmal grösseren Jona im Verlauf des 20. späten Jahrhunderts baulich zusammengewachsen. Die Grenze verlief fliessend und war aus der Luft kaum auszumachen.

Nach früheren erfolglosen Versuchen bejahte die Bevölkerung 2003 an einer Volksabstimmung eine Fusion der Gemeinden Rapperswil (2001: 7400 Einwohner; Ja-Anteil 82 %) und Jona (2001: 17'100 Einwohner; Ja-Anteil 52 %). Die Fusion zur Gemeinde Rapperswil-Jona fand am 1. Januar 2007 statt. Der Fusionsvertrag wurde im Frühling 2005 von der Bevölkerung beider Gemeinden angenommen. Rapperswil und Jona haben heute zusammengenommen 25'200 Einwohner. Rapperswil-Jona ist somit nach der Stadt St. Gallen die zweitgrösste Gemeinde des Kantons.

Circus Knie[Bearbeiten]

Lang verbunden ist Rapperswil mit dem Schweizer Nationalzirkus Circus Knie, der hier seit 1919 sein Winterquartier bezieht und seinen Sitz hat. Knies Kinderzoo wurde 1962 eröffnet.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Graf Rudolf III. von Rapperswil (1180/90–1251): Gründer von Rapperswil, Erbauer des Schlosses; Stifter der Pfarrei Rapperswil; Jerusalemfahrt 1217.
  • Rudolf III. von Vaz-Rapperswil (Rudolf IV. von Rapperswil, c. 1230–1262): Sohn von Walter III. von Vaz und Adelheid von Rapperswil; Erbe Rudolf III.; Gründer des Klosters Wurmsbach 1259, zweiter Stifter von Bollingen.
  • Elisabeth von Rapperswil (c. 1251–1309): Schwester Rudolfs IV.; war mit Graf Ludwig von Homberg und später mit Graf Rudolf von Habsburg-Laufenburg verheiratet; nach dem Tod ihrer Gatten erbten zuerst Graf Johann I., danach sein Sohn Graf Johann II. die Grafschaft Rapperswil.
  • Graf Johann(es) I. von Habsburg-Laufenburg (vor 1295/96–1337): Vater von Graf Johann II.; gewährte 1336 den 22 von Rudolf Brun aus Zürich verbannten Constafflern in Rapperswil Asyl; wurde in der Schlacht bei Grynau getötet.
  • Graf Johann II. von Habsburg-Laufenburg-Rapperswil (vor 1337–1380): Beteiligte sich 1350 an der „Mordnacht von Zürich“, worauf der Zürcher Bürgermeister Rudolf Brun Rapperswil in einem Vergeltungsakt verwüstete; während seiner Gefangenschaft im Wellenberg in Zürich dichtete der Graf ein Minnelied, welches Goethe in die Ballade „Das Blümlein Wunderschön des gefangenen Grafen“ umgedichtet hat.
  • Ulrich Feierabend († 1480 Rapperswil): Grafiker und Drucker von Holzschnitten
  • Johannes Hettlinger (* vor 1452; †1489 Rapperswil): Stadtschreiber von Rapperswil; Anführer der proeidgenössischen Kräfte und des Aufstands gegen Habsburg-Österreich.
  • Marianne Ehrmann geb. Brentano (* 1755 Rapperswil, † 1795 Stuttgart), Schriftstellerin und Journalistin, Herausgeberin der frühen deutschsprachigen Frauenzeitschriften Amaliens Erholungsstunden und Die Einsiedlerin aus den Alpen
  • Felix Maria Diogg (* 1762 Andermatt, † 1834 Rapperswil): Bedeutendster klassizistischer Porträtist der Schweiz; malte auch im Elsass, in Karlsruhe und Frankfurt am Main.
  • Franz Josef Greith (* 1799 Rapperswil, † 1869 St. Fiden): Komponist und Musikpädagoge; komponierte die Melodie des Rütliliedes („Von ferne sei herzlich gegrüsst, du stilles Gelände am See“).
  • Graf Władysław Plater (1809–1889): Polnischer Patriot; übernahm 1869 das Schloss Rapperswil auf Grund eines 99-jährigen Pachtvertrages und richtete dort das Polnische Nationalmuseum (1870–1927) ein.
  • Joachim Raff (* 1822 Lachen, † 1882 Frankfurt a.M.): Komponist und Musikpädagoge; Lehrer an der Primarschule Rapperswil; Orchestrierung der Sinfonischen Dichtungen von Franz Liszt.
  • Johann Heinrich Bühler-Honegger (1833–1929): Industrieller, Gründungsmitglied der Südostbahn, Nationalrat; Initiant der «Bühler-Allee».
  • Theodor Curti (* 1848 Rapperswil, † 1914 Thun): Journalist, Politiker, Historiker („Geschichte der Schweiz im XIX. Jh.“, 1902); Redaktor der „St. Galler Zeitung“, Leiter der Frankfurter Zeitung; Nationalrat.
  • Louie Knie (1880–1949), Friedrich Knie (1884–1941), Rudolf Knie (1885–1933), Karl Knie (1888–1940), Eugen Knie (1890–1955): Gründer des Circus Knie (1919).
  • Hans Rathgeb (* 1922 Rapperswil, † 2001): Publizist, Korrespondent, Redaktor, Kantonsrat; in zahlreichen Rapperswiler Vereinen tätig; Autor von unter anderem: „Rapperswil die Rosenstadt“, „Rapperwiler Chronik 1933–1948“, „Rapperswil zur guten alten Zeit“, „Rapperswil Stadt und Land“, „Ostschweiz – eine Landesregion präsentiert sich“, „Zwischen Zürichsee und Walensee“,„Rapperswil, die kleine Stadt, unsere grosse Liebe“ (Zielsetzungen für die künftige Entwicklung... Wettbewerb des Europarats), „Von der Arena zum Circus / 175 Jahre Dynastie Knie“, „Raperswiler Handwerk und Gewerbe / 750 Jahre im Dienst von Stadt und Region“, „Die Rosenstadt Rapperswil“, „Rapperswil-Jona: Unsere schöne kleine Welt“, „Die Zirkusfamilie Knie“ und zusammen mit O. Eggmann „Rapperswil – Stadt und Land“.
  • Gerold Späth (* 1939 Rapperswil): Schriftsteller. „Rapperswil ist der Raum, in dem meine Geschichten wohnen, hier bin ich aufgewachsen, hier habe ich die Übersicht und die Durchsicht.
  • Alfredo Battistini (* 1953 Rapperswil, † 2008 St.Gallenkappel), Bildhauer, Zeichner und Sportler. Schuf u. a. die Clownskulptur zu Ehren des Circus Knie am Stadteingang von Rapperswil.
  • Fritz Mommendey (* 1954 Rapperswil): Jurist, Unternehmer und Buchautor; 1982 Mitbegründer der Handels- und Bürofachschule (HBS).

Galerie[Bearbeiten]

Hafenpanorama

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rapperswil – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gemeinden des Kantons Schwyz (Altendorf)
  2. Website der Gesellschaft Schweizerischer Rosenfreunde
  3. Quellen: Website Tourist Information Rapperswil-Jona und Plakette im Duftrosengarten.
  4. Website Nationale Informationsstelle für Kulturgüter & Erhaltung, Rosenstadt Rapperswil
  5. Geschichtssektion der Webseite Rapperswil-Jona, Alt-Rapperswil
  6. Website des BWZ
  7. Quelle: Website Stadt Opfikon, Verkehr (ÖV)
  8. Quellen: Kulturbaukasten Rapperswil-Jona, 36 Museen ohne Dach Diese und weitere Informationen zu den Rapperswiler Sehenswürdigkeiten entstammen unter anderem den 36 Schaukästen in der Altstadt.