Zensur (Informationskontrolle)

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Ein von den iranischen Behörden im Februar 2006 zensiertes Exemplar des Magazins National Geographic. Das vom weißen Aufkleber verdeckte Titelfoto zeigt ein sich umarmendes Paar.
Brennende Bücher auf dem Titelblatt des katholischen Index
Karikatur von Luis Bagaría auf die spanische Zensur unter Diktator Primo de Rivera: „Zusammenarbeit – der Karikaturist: 'Herr Zensor: Bekanntlich ist ihr Stift besser als meiner. Also bitte ich Sie, mir die Karikatur anzufertigen. Wenn Sie wollen, mache ich Ihnen einen Vorschlag: Könnten Sie einen stämmigen und optimistischen Spanier zeichnen, der sagt: 'Nie ging es mir besser als heute.'?'“

Zensur (censura) ist ein restriktives Verfahren,[1] um durch Massenmedien oder im persönlichen Informationsverkehr (etwa per Briefpost) vermittelte Inhalte zu kontrollieren, unerwünschte beziehungsweise Gesetzen zuwiderlaufende Inhalte zu unterdrücken und auf diese Weise dafür zu sorgen, dass nur erwünschte Inhalte veröffentlicht oder ausgetauscht werden. Oftmals wenden insbesondere totalitäre Staaten Zensur an.[2]

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Ziele und Begründungen von Zensur

Vor allem Nachrichten, künstlerische Äußerungen und Meinungsäußerungen sind Gegenstände der Zensur. Sie dient dem Ziel, das Geistesleben in religiöser, sittlicher oder politischer Hinsicht zu kontrollieren. Diese Kontrolle wird begründet, man wolle oder müsse zur Eigendefensive unfähige oder unwillige Gesellschaftsgruppen vor der schädlichen Wirkung solcher Inhalte zu schützen.

  • So begründete die katholische Kirche ihr Verbot häretischer Schriften (siehe auch Index Librorum Prohibitorum) mit dem Schutz des Glaubens (schon früh wurde auch Sittlichkeit als Argument herangezogen). Sittlich begründet wird eine Zensur z. B. mit dem Schutz Minderjähriger vor Inhalten und Darstellungen, die deren seelische Entwicklung gefährden (zum Beispiel Gewaltdarstellungen oder menschenverachtende Formen der Sexualität), siehe hierzu auch Jugendschutz.
  • Politische Zensur bezweckt mit ihrer Kontrolle die Abwehr von die politische Ordnung bedrohenden Inhalten, etwa mit der Zensur pseudowissenschaftlicher Literatur (gemeint sind meist auf die nationalsozialistische Rassentheorie gestützte Schriften) in Deutschland.[3]

Von Seiten der von Zensur Betroffenen und auch in wissenschaftlichen Untersuchungen wurde und wird der Vorwurf erhoben, der wahre Beweggrund der Zensuraktivität seien der Schutz und der Machterhalt der sie ausübenden Eliten.[4]

[Bearbeiten] Methoden der Zensur

Die Pressezensur umfasst das Verbot der Verbreitung (Ausstrahlung, Vertrieb) oder die inhaltliche Veränderung bzw. Kürzung. Bei Filmen werden beispielsweise zensurwürdige Szenen herausgeschnitten, Objekte verdeckt, oder Ausdrücke mit einem Piepston (engl. Bleep) überlagert, letzteres auch bei der Wiedergabe von Tonaufnahmen.

[Bearbeiten] Unterscheidungen

Häufig wird – wie etwa im Grundgesetz – unter Zensur die Kontrolle von Presseerzeugnissen vor ihrer Veröffentlichung verstanden. Zensur in diesem Sinne, die sogenannte „Vorzensur“, ist ein Verbot mit Erlaubnisvorbehalt, das in Art. 5 Abs. 2 GG festgelegt ist. Davon unterscheidet man die „Nachzensur“, bei der erst nach der Veröffentlichung in die Meinungsfreiheit eingegriffen wird:[5]

Bei der Vorzensur müssen Medien (Filme, Bücher, Zeitschriften usw.) vor Veröffentlichung entsprechenden Institutionen zur Prüfung vorgelegt werden, die dann gegebenenfalls Abänderungen fordern oder das Werk indizieren.

Die Nachzensur ist Bestandteil auch jener Rechtssysteme, in denen Vorzensur laut Verfassung verboten ist. Jeder darf seine Meinung zum Ausdruck bringen, kann aber nachträglich zur Verantwortung gezogen werden, wenn er dabei gegen Gesetze verstößt. Die Konsequenzen können Einziehung und Indizierung des betreffenden Werkes oder Bestrafung der Person sein.

[Bearbeiten] Literatur über Zensur

Eine als klassisch geltende Stellungnahme gegen die Vorzensur ist die 1644 erschienene Rede „Areopagitica“ von John Milton, ähnlich wie die 1859 von John Stuart Mill veröffentlichte Schrift On Liberty.[6] Die klassische soziologische Studie zur Zensur stammt aus dem Jahr 1911 und ist von Vilfredo Pareto: Le mythe vertuiste et la littérature immorale (dt. Der Tugendmythos und die unmoralische Literatur, 1968).

  • Werner Pieper (Hrsg.): 1000 Jahre Musik und Zensur in den diversen Deutschlands. Pieper & Die Grüne Kraft, Löhrbach 2001, ISBN 3-922708-09-9 (Der grüne Zweig 209).
  • Werner Pieper (Hrsg.): Musik & Zensur – weltweit. Pieper & Die Grüne Kraft, Löhrbach 1999, ISBN 3-922708-06-4 (Verfemt, verbannt, verboten 1 = Der Grüne Zweig 206).

[Bearbeiten] Siehe auch

Zensur in einzelnen Ländern

[Bearbeiten] Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Zensur – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikiquote: Zensur – Zitate
 Commons: Zensur – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Merle Tönnies: Zensur, in: Basislexikon Literaturwissenschaft, Bochum.

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Duden | Zensur. Duden. Abgerufen am 23. Oktober 2011.
  2. Klaus Schubert, Martina Klein (2006): Das Politiklexikon., 4. Auflage]. Dietz, Bonn. Abgerufen am 23. Oktober 2011.
  3. Ulla Otto: Die literarische Zensur als Problem der Soziologie der Politik, 1969, S. 89–105
  4. Otto, Ulla: Die Zensur als Problem der Soziologie der Politik,107–114,130–146, sowie Pareto, Vilfredo: Der Tugendmythos und die unmoralische Literatur (entnommen aus Otto)
  5. Melanie Bär: Präventive Aufsichtsmaßnahmen im Bereich des privaten Fernsehens. Inaugural-Disseration zur Erlangung der Doktorwürde der Juristischen Fakultät der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. Druckerei Hans-Joachim Köhler, Tübingen 2003, S. 81 f. mit Nachweisen.
  6. Ulla Otto: Die literarische Zensur als Problem der Soziologie der Politik, 41.
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