Zweites Konzil von Nicäa

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2. Konzil von Nicäa
24. September - 23. Oktober 787
Nicäa
Akzeptiert von
Einberufen von Kaiserin Irene von Athen
Präsidium

Kaiserin Irene von Athen

Teilnehmer 350 Kleriker (2 päpstliche Legaten)
Themen
Dokumente

Einberufung[Bearbeiten]

Das Zweite Konzil von Nicäa wurde von Kaiserin Irene im Jahr 787 in der Stadt Nicäa (heute İznik/Türkei) südöstlich von Konstantinopel einberufen. Es war ein Ökumenisches Konzil, da außer orthodoxen Bischöfen auch Abgesandte der römisch-katholischen Kirche teilnahmen.

Lehre[Bearbeiten]

Die Hagia Sophia in Nicäa

Das Zweite Konzil von Nicäa erlaubte, ja forderte im Bilderstreit die Verehrung, jedoch nicht die Anbetung von Ikonen, allerdings nur unter bestimmten Auflagen.

Unter Berufung auf die Tradition der Kirche definierte das Konzil:

„… sowohl die Gestalt des kostbaren und lebenschenkenden Kreuzes, wie auch verehrungswürdige heilige Bilder seien darzubieten, sowohl mit Farben gemalt als auch als Mosaiken wie aus jedem anderen passenden Material, in den heiligen Kirchen Gottes auf heiligen Gefäßen und Gewändern an Wänden und auf Tafeln, als nämlich das Bild unseres Herrn und Gottes und Heilands Jesus Christus wie auch unserer unbefleckten Herrin, der heiligen Gottesgebärerin, und der verehrungswürdigen Engel und aller heiligen und segenbringenden Männer.
Denn je öfter man sie in bildlicher Gestaltung sieht, desto mehr werden die, die sie betrachten, zur Erinnerung an deren Urbilder und zur Sehnsucht nach diesen angeregt, und dazu, ihnen Küsse und ehrende Gebete darzubringen. Nicht jedoch, ihnen wirkliche Anbetung zukommen zu lassen, im Sinne des Glaubens an sie, die nur dem göttlichen Wesen gebührt!
Die dem Bild dargebrachte Verehrung geht ja auf dessen Urbild über, und wer zu einem Bild hin betet, betet eigentlich zu dem, was darauf abgebildet ist.“

Hierin schloss sich das Konzil im Wesentlichen der Argumentation des Johannes von Damaskus an. Das ikonoklastische Konzil von Hiereia von 754 wurde für ungültig und zur „Pseudosynode“ erklärt.

Zum dogmatischen Teil der Beschlüsse gehören auch Bestimmungen über die Bischofswahl:

„… Kandidaten für das Bischofsamt müssen über Kenntnis des Psalters verfügen und sich in der Lage erweisen, biblische Texte auszulegen.
Jede Wahl eines Bischofs, Priesters oder Diakons durch weltliche Fürsten soll ungültig bleiben. […] Bischöfe müssen von allen Bischöfen einer Kirchenprovinz gewählt werden, bei äußeren Hinderungsgründen mindestens von drei anwesenden Bischöfen. Die Weihe soll vorgenommen werden, wenn die anderen brieflich ihr Einverständnis gegeben haben. Die Aufsicht darüber liegt beim jeweiligen Metropoliten.“

Weiterhin wurden zahlreiche disziplinarische Bestimmungen erlassen bzw. eingeschärft:

Rezeption und Weiterungen[Bearbeiten]

Ikone des 17. Jahrhunderts aus dem Nowodewitschi-Kloster in Moskau

Das Konzil gilt bei der Katholischen Kirche und der Orthodoxen Kirche als siebentes Ökumenisches Konzil. Im Protestantismus werden seine Beschlüsse sehr verschieden beurteilt, von grundsätzlicher Anerkennung bis hin zu offener Ablehnung.

Karl der Große, der nicht gefragt worden war, kritisierte gegenüber dem Papst Leo III. die Teilnahme der römischen Kirche an diesem Konzil, weil er der Meinung war, dass Kaiserin Irene als Frau sich in religiösen Fragen zurückhalten solle und er ohnehin, besonders in diesen Angelegenheiten, immer das letzte Wort haben wollte. Das führte zum karolingischen Filioque im Glaubensbekenntnis (der Heilige Geist geht nicht allein aus dem Vater hervor, sondern aus dem Vater und dem Sohn). Dieser subtile Zusatz wurde von Leo III. als häretisch, aber für das gegenseitige Verhältnis als „unwichtig“ eingestuft, da letzten Endes nur der Dienst an Gott maßgebend sei, und darin sei man sich einig.[1] Es kündigte sich aber schon hier ein Streit über die Ernennung der Bischöfe (Investiturstreit) an, der in späteren Jahrhunderten des Mittelalters das Verhältnis zwischen Papst und Kaiser belastete.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stefan Weinfurter: Karl der Große - Der heilige Barbar, München und Zürich, Piper-Verlag, 2013, ISBN 978-3-492-05582-6 , Kapitel 10, S. 214 ff.

Literatur[Bearbeiten]

  • Lamberz, Erich (Hrsg.): Concilium universale Nicaenum secundum. Concilii Actiones I-III (Acta Conciliorum Oecumenicorum 2,3,1), Berlin, New York 2008.
  • Uphus, Johannes Bernhard: Der Horos des Zweiten Konzils von Nizäa 787. Interpretation und Kommentar auf der Grundlage der Konzilsakten mit besonderer Berücksichtigung der Bilderfrage. (Konziliengeschichte, Reihe B: Untersuchungen), Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 2004.
  • Die ikonoklastische Synode von Hiereia 754. Einleitung, Text, Übersetzung und Kommentar ihres Horos besorgt von T. Krannich, Chr. Schubert und C. Sode nebst einem Beitrag zur Epistula ad Constantiam des Eusebius von Cäsarea von A. von Stockhausen. STAC 15, Tübingen 2002.
  • Yannopoulos, Panayotis A.: Vom Zweiten Konzil von Konstantinopel (553) zum Zweiten Konzil von Nicaea (786–787), in: Geschichte der Konzilien, hrsg. von Giuseppe Alberigo, Wiesbaden 1998, 161–168.

Weblinks[Bearbeiten]