Ätiologie (Erzählung)

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Erklärungssage oder fachsprachlich Ätiologie, Aitiologie (altgriechisch aitía „Ursache“, und -logie: Lehre von den Ursachen) bezeichnet in der Mythologie, Religionswissenschaft und Erzählforschung eine sinnstiftende Erzählung (Narrativ), die gegenwärtige Gegebenheiten durch Vorgänge in der Vergangenheit erklären oder begründen will, beispielsweise eine Naturerscheinung, eine Steinformation, ein Ereignis, einen bestimmten Brauch oder den Namen eines Gewässers, Berges oder heiligen Ortes. Eine solche Erklärungserzählung kann die Form einer Sage, einer Legende, eines Mythos haben oder ein literarisches Motiv sein. Umstritten ist dabei oft, inwieweit die erzählten Vorgänge nur erfunden sein müssen (Fiktion) oder tatsächliche Geschehnisse der Vergangenheit aufgreifen.[1]

Ätiologische Erzählungen sind nicht gleichbedeutend mit Herkunftssagen von Personen und Völkern oder mit Gründungsmythen von Orten.

Ätiologien in der antiken Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Viele Ätiologien gab es in der Antike zur Herkunft von Tieren, Pflanzen, eigentümlichen Gesteinsbildungen, lokalen Kulten und Ortsnamen, beispielsweise Venedig: Venetia aus der lateinischen Losung Veni etiam „Auch ich kam“ – in der Lagunenstadt gerne übersetzt als „Komm wieder!“ Derartige Gründungsmythen sammelte der hellenistische Dichter Kallimachos und stellte sie um 270 v. Chr. in seinem Werk Aitia zusammen. Ein weiteres Beispiel aus der antiken Literatur zur Aitia sind um 8 n. Chr. die Metamorphosen des römischen Dichters Ovid (vergleiche dazu die aitiai von Aristoteles).

In der biblischen Schöpfungsgeschichte des 1. Buch Mose wird das Ausruhen des Gottes JHWH am siebten Tag als ätiologische Legende für die jüdische Sabbatruhe an Samstagen gesehen. Die biblische Erzählung von der Jakobsleiter (Gen 28,10–22 EU) gilt als ätiologische Kultlegende zur Begründung von Bethel als altem Kultort: Nach dem Erwachen aus seinem Traum nennt Jakob den Platz Bet-El „Haus Gottes“.[2] Als eine Ätiologie für ein Naturereignis gilt die Erzählung von Noach am Ende der biblischen Sintflut: JHWH schließt einen Bund mit Noach und setzt den Regenbogen als Bundeszeichen in die Wolken.[3]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Andreas Scherer: Ätiologie. In: Michaela Bauks, Klaus Koenen, Stefan Alkier (Hrsg.): Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet (WiBiLex), Stuttgart 2006 ff. (Artikel vom September 2008.)
  2. Gerhard von Rad: Theologie des Alten Testaments. Band 1: Die Theologie der geschichtlichen Überlieferungen Israels (= Einführung in die evangelische Theologie. 1, 1, ZDB-ID 518995-0). 6. Auflage. Chr. Kaiser, München 1969, S. 51.
  3. Bernhard Kirchmeier: Der Noachbund – Eine umfassende Analyse. Grin, München 2009, ISBN 978-3-640-48301-3, S. 24–26 (Studienarbeit; Seitenansichten in der Google-Buchsuche).