Österreich-ungarischer weißer Esel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Junger Esel in Schloss Hof
Adultes Tier in Schloss Hof, deutlich zu erkennen die blauen Augen

Der Österreich-ungarische weiße Esel oder Barockesel ist eine Rasse, deren Ursprung mindestens bis in die Barockzeit zurückreicht und die im Rokoko in Ostösterreich und Ungarn gezüchtet wurde. Zu dieser Zeit waren in der adeligen Gesellschaft helle Tiere sehr beliebt, da sie als Lichtbringer galten, während dunkle Tiere eher Tod bedeuteten. So wurden bei Begräbnissen beispielsweise Rappen eingesetzt, während als Zugpferde für Herrscherkutschen viel eher Schimmel verwendet wurden. So wurde auch der weiße Esel gezüchtet, der auch Österreich-ungarischer Albinoesel genannt wird.

Diese mittelgroße Eselrasse hat ein weißgelbes Fell und hellblaue Augen. Die Haut und die Hufe sind unpigmentiert. Die Fohlen weisen meist eine intensivere gelbe Farbe auf. Welches Gen für die Farbaufhellung verantwortlich ist, wurde bisher nicht untersucht. Da gleichmäßige Farbaufhellungen wie diese in nahezu allen bekannten Fällen auf Gene des Albinismusspektrums zurückzuführen sind[1], handelt es sich wahrscheinlich um eine Mutation in diesem Bereich. Die Tiere entsprechen etwa den Perlinos bei den Pferden. Die Mähnen sind meist Stehmähnen, Hängemähnen sind seltener, so wie das ganze Fell eine eher kürzere Haarlänge aufweist, auch hier sind Tiere mit langen Haaren seltener.

Der Bestand war weitgehend unbekannt und wurde erst im Jahr 1986 im Tierpark des Schlosses Herberstein vom Universitätsprofessor Fritz Dietrich Altmann wiederentdeckt. Während man in Österreich noch weitere 30 Tiere fand, die aber alle von Herberstein stammten, fand, unabhängig davon und ohne von Herberstein zu wissen, der Direktor des Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel Kurt Kirchberger ein Tier dieser Rasse in Ungarn. Es wurde auf Betreiben von Helmut Pechlaner auch nach Österreich gebracht.

Von beiden wurde ein neues Zuchtprogramm ausgearbeitet, um einer Inzucht entgegenzuwirken. Dazu wurden drei Zuchtlinien entwickelt, eine Herberstein-Linie, eine Neusiedler See-Linie und eine dritte, bei der die beiden gekreuzt werden.

Durch Erhaltungsmaßnahmen steigt der Bestand wieder langsam. Zu der Zusammenarbeit zwischen Österreich und Ungarn gesellten sich noch deutsche und Schweizer Forscher, so dass der Bestand heute (Stand 2010) etwa 200 Tiere beträgt. In der Zwischenzeit gibt es auch wieder Privatbestände.

Herden bestehen in

Man nimmt auch an, dass sich einzelne Tiere praktisch „unerkannt“ bei ungarischen Bauern befinden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Martin Haller: Seltene Haus- und Nutztierrassen, Leopold Stocker Verlag, Graz 2000; 2. Auflage 2005, ISBN 3-7020-0893-4.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Krista Siebel: Analyse genetischer Varianten von Loci für die Fellfarbe und ihre Beziehungen zum Farbphänotyp und zu quantitativen Leistungsmerkmalen beim Schwein. Institut für Nutztierwissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin, Juli 2001 (Dissertation), Kap 2 (Literaturübersicht)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Österreich-ungarischer weißer Esel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien