Österreichisches Weltraum Forum

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Logo of the Austrian Space Forum (OeWF)

Das ÖWF (Österreichisches Weltraum Forum) ist ein Netzwerk für Raumfahrt-Spezialisten und Weltrauminteressierte. Die Organisation hat sich in den letzten 10 Jahren im Bereich Analog-Forschung spezialisiert[1] und gehört weltweit zu den führenden Organisationen, die eine bemannte Raumfahrt vorbereiten. Gemeinsam mit nationalen und internationalen Forschungseinrichtungen, Industrie und Unternehmen unterschiedlicher Branchen wird hier Forschung auf höchstem Niveau betrieben. Dabei nutzt das ÖWF seine ausgezeichneten Kontakte zu Meinungsbildnern, Politik und Medien, um österreichische Spitzenforschung und Technologie international voranzutreiben und bekanntzumachen. Das Österreichische Weltraum Forum ist zudem einer der wichtigsten Bildungsträger in Österreich, wenn es um Raumfahrt geht und darum, junge Menschen für Wissenschaft und Technik zu begeistern sowie ihnen einen Zugang zu dieser Branche zu ermöglichen. Neben der Betreuung von universitären Arbeiten bietet das ÖWF auch immer wieder Studierenden und SchülerInnen die Möglichkeit, im Rahmen von Praktika ihr Wissen zu erweitern.[2]

Das Forum hat einen sehr aktiven Kern an Mitgliedern, die oft auch beruflich, in enger Zusammenarbeit mit anderen nationalen und internationalen Weltraum-Organisationen als Raumfahrtspezialsisten tätig sind. Dazu kommen Weltraumbegeisterte, die sich aus Begeisterung im ÖWF engagieren und aus verschiedensten Disziplinen ihre Expertise einbringen.

Das Spektrum der Tätigkeiten reicht von Schulbesuchen um das Thema Weltraum der nächsten Generation näherzubringen, bis zur 80.000-Besucher Ausstellung zum Thema Weltraumforschung und Raumfahrt; von Expertengutachten für die Republik, internationalen Mars-Expeditionssimulationen bis zur Vermittlung von Raumfahrt-Technologien für terrestrische Anwendungen:

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Idee, ein Forum als Kommunikationsplattform zwischen Raumfahrtenthusiasten, Experten und der nächsten Generation von Raumfahrtspezialisten zu gründen, entstand 1997 in Turin, als dort die Internationale Astronautische Föderation ihre Jahrestagung abhielt.

Motiviert durch den großen Erfolg der Aktivitäten des Space Generation Forums im Zuge der UNISPACE III Konferenz in Wien im Juli 1999, wurde das Österreichische Weltraum Forum als Verein gegründet.[3]

Die Aktivitäten als eigenständige Organisation begannen mit zwei Vortragsabenden in den Jahren 1998 und 1999, an denen Vertreter nationaler und internationaler Organisationen teilnahmen. Mit Beginn 2001 begann das ÖWF seine Aktivitäten auf kleine Projekte, technische Seminare und Schulvorträge auszuweiten.

Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Missionspatch von AustroMars

Zu den erfolgreichsten Veranstaltungen in den Anfängen des Forums zählte die Science-Fiction-Woche, die im September 2002 im Wiener Donauzentrum stattfand und mehr als 10.000 Besucher zählte. Der Bogen dieser Großveranstaltung spannte sich von Podiumsdiskussionen mit Raumfahrt-Experten aus ganz Europa und Science-Fiction-Autoren, über Modellraketen-Basteln mit Kindern, einer Weltraum- und Science-Fiction-Ausstellung bis hin zu Klingonen-Schaukämpfen. Weitere Initiativen umfassten eine österreichweite Wanderausstellung zum Thema Faszination Weltraum unter dem Titel „New Horizons“ mit 15.000 Besuchern 2004 und Einzelveranstaltungen wie der „Sinkflug II“ anlässlich der Landung der Cassini-Huygens Sonde auf dem Saturnmond Titan. Dazu kommt eine intensive Zusammenarbeit mit Schulen, Planetarien und Organisationen der Amateurastronomie. 2001 wurde „Spacecity Salzburg“ mit 3500 Teilnehmern (in einem einzigen Bundesland) zum größten und erfolgreichsten rein privat organisierten Weltraum-Jugendwettbewerb Österreichs.

Neben der Öffentlichkeitsarbeit ist das Forum auch in steigendem Ausmaß in Weltraumaktivitäten eingebunden, darunter fallen ein medizinisches Experiment für bemannte Langzeit-Weltraumflüge im Rahmen einer Parabelflug-Kampagne der Europäischen Weltraumorganisation ESA, eine Tagung zum Thema Weltraum und Sicherheitspolitik, die erfolgreiche Simulation einer bemannten Marslandung in der Wüste von Utah unter dem Namen „AustroMars“. Das Projekt führte zu großer Medienpräsenz des Themas „bemannter Marsflug“ in Österreich und schließlich zum ambitionierten Nachfolgeprojekt „PolAres“.

Seit 2007 fokussiert sich das Forum im Forschungsbereich auf Analog-Forschung inklusive Entwicklung eines eigenen Mars-Raumanzugssimulator Aouda[4][5] und führte 12 simulierte Mars-Expeditionen durch. Im Jahr 2016 organisierte das ÖWF gemeinsam mit Raumfahrer Franz Viehböck in Wien den 29. Planetary Congress (3.–7. Oktober 2016) der Association of Space Explorers.[6]

AustroMars[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

AustroMars war ein Projekt des Forums mit dem Ziel, eine zweiwöchige Missions-Simulation im April 2006 durchzuführen. Erstmals bestand die Crew aus rein österreichischen Kandidaten, die durch ein psychologisch-medizinisches Auswahlverfahren selektiert wurden. Ebenso kamen österreichische Experimente sowie auch ein Großteil der Hardware aus Österreich. Das Mission Control Center hatte seinen Sitz in Salzburg im Christian-Doppler-Gymnasium und Realgymnasium.

Die vier Hauptziele des Projekts waren:

  1. die Leistungsfähigkeit österreichischer Weltraumkapazitäten zu zeigen,
  2. die Analog-Wissenschaften zum Thema Mars zu fördern,
  3. wissenschaftliche Impulse in benachbarte Fachgebiete zu geben, und
  4. die Öffentlichkeit über die Mission zu informieren bzw. zu begeistern.

PolAres[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

PolAres Programm Logo

Das PolAres Programm war das Leuchtturmforschungsprograms des ÖWF von 2007–2017. Dieses interdisziplinären Projekt, das unter internationaler Beteiligung, untersuchte Teilaspekte zukünftiger Marsexpeditionen. Die Ziele umfassten die Entwicklung von Prozeduren für die Interaktion zwischen Menschen und Robotern/Sonden sowie die Festlegung von Verfahrensweisen, um eine Kontamination einer fremden Umwelt mit irdischen Mikroorganismen zu verhindern. Das Projekt gliederte sich in vier große Teilbereiche:

  • Scout: Ziel war es, marsähnliche Landschaften in Europa zu finden und zu klassifizieren.
  • Ballon „Passepartout“: Bau eines Stratosphärenballons, der erstmals anlässlich von 50 Jahre Raumfahrt am 4. Oktober 2007 gestartet wurde und eine Höhe von über 28 km erreichte. Starts weiterer Ballons bis zuletzt am 21. April 2012, zum Jubiläum von 100 Jahre Entdeckung der kosmischen Strahlung.
  • Rover „Phileas“: hatte 80-80-80 als Missionsziel. Bis zu −80 °C in Wüste und Arktis aushalten, 80 Tage lang funktionieren und jenseits des 80. Breitengrades einsetzbar sein.
  • Suit „Aouda“: Entwicklung eines Analog-Raumanzuges.

Rio Tinto Simulation 2011[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom 18. bis 22. April 2011 führte das Österreichische Weltraum Forum zusammen mit internationalen Partnern (wie zum Beispiel der ESA mit deren Rover „Eurobot“) eine simulierte Marsexpedition in der Halbwüste von Rio Tinto durch. Getestet wurden der Suit „Aouda“ und der Rover „Phileas“, welche verschiedenste wissenschaftliche Experimente durchführten sowie sowohl deren Autonomie als auch die Kooperation miteinander. Das Mission Control Center, in dem die Mission geplant, koordiniert und gesammelte wissenschaftliche Daten ausgewertet wurden, wurde in Innsbruck eingerichtet.

Dachstein Mars Simulation 2012[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom 27. April bis 1. Mai 2012 führte das Österreichische Weltraum Forum erneut mit internationalen Partner (wie z. B. des JPL) eine simulierte Marsexpedition durch. Die Dachstein Rieseneishöhlen dienten dabei als analoge Marsumgebung. Zum ersten Mal wurde eine Mars Simulation in einem Höhlensystem durchgeführt. Am Mars sind Höhlensysteme schon seit mehreren Jahren bekannt und vor allem astrobiologisch interessant, da Höhlen die kosmische Strahlung abschirmen.[7] Im Zuge der Dachstein Mars Simulation wurden auch zum ersten Mal ein Raumfahrt Tweetup in Österreich durchgeführt. So kamen 18 Nutzer der Microbloggingplattform Twitter zum MarsTweetup und konnten einen exklusiven Blick hinter die Kulissen einer Mars Analog Mission werfen.[8][9]

Mars2013 – Marokko Mars Analog Feld-Simulation 2013[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom 1. bis 28. Februar 2013 führte das ÖWF – in Zusammenarbeit mit dem Ibn Battuta Center in Marrakesh – im Rahmen des PolAres Wissenschaftsprogramms in der nördlichen Sahara in der Nähe von Erfoud, Marokko, eine vierwöchige Mars-Feldsimulation durch. Dabei wurde die Feldcrew in Marokko von der Missionskontrolle, dem Mission Support Center in Innsbruck, angeleitet und überwacht. Die geplanten Experimente dienen der Grundlagenforschung für zukünftige bemannte Marsmissionen. Sie stammen v. a. aus den Bereichen Ingenieurwissenschaften, Arbeitseinsätze auf Planetenoberflächen, Astrobiologie, Geophysik/Geologie und Biowissenschaften.[10] Die wissenschaftlichen Ergebnisse dieser Mission wurden in einer Spezialausgabe des renommierten Astrobiologie Magazins veröffentlicht.[11]

AMADEE-15 – Kaunertal Gletscher Mission[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom 3.–15. August 2015 fand eine zweiwöchige Mars Simulation mit dem Namen "AMADEE-15"[12], gemeinsam mit internationalen Partnern, auf einem Eis- und Blockgletscher im Kaunertal, Österreich statt. Auch bei dieser Mission wurde die Feldcrew von einem Mission Support Center in Innsbruck, Österreich unterstützt. Die durchgeführten Experimenten, deckten unterschiedliche Disziplinen ab und reichten von geologischen und astrobiologischen Experiment bis hin zu robotischen und technischen Experimenten. Erstmals wurde bei dieser Mission auch virtuell erforscht. Dabei bewegte sich der Analogastronaut mit einer Video-Brille auf einer Simulations-Plattform und wie die anderen Test-Astronauten war dieser über Funk mit der Missionskontrolle in Verbindung gestanden. Entwickelt wurde das Verfahren (V-ERAS) von der italienischen Mars Society.

Wissenschaftliche Publikationen zu dieser Mars-Simulation:

AMADEE Program[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das AMADEE[13] ist das neue Leuchtturmprogam des ÖWF und baut auf dem PolAres Mars-Forschungsprogram auf. Als Rahmenkonzept ist es verantwortlich für die Entwicklung von Hardware, Arbeitsabläufen und der Wissenschaft für zukünftige, planetare Oberflächenmission von Mensch und Robotern. Ein ganz großer Fokus des Programs ist es Strategien zur Detektierung von Lebensspuren zu entwickeln. Im Gegensatz zu PolAres sind die simulierten Planetenoberflächen des AMADEE Programs nicht auf den Mars beschränktsondern es wird die Möglichkeit zur Untersuchung von Oberflächenoperationen auch an anderen Planeten (z. B. dem Mond) eingeführt.

AMADEE-18 Mars Simulation Oman[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die AMADEE-18[14] Mars Simulation fand im Februar 2018 in der Dhofar Wüste im Süden des Sultanats Oman statt. Diese simulierte Mars-Expedition wurde erstmals als Teil des AMADEE Programs, gemeinsam mit dem Oman National Steering Committee für AMADEE-18, durchgeführt. Eine Spezialausgabe der wissenschaftlichen Publikationen im Astrobiologie Magazin wird mit Mitte Juni 2019 erwartet.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Analogforschung als wissenschaftliche Disziplin, abgerufen am 26. März 2019
  2. ÖWF Praktikannten berichten über ihr Praktikum, abgerufen am 26. März 2019
  3. ÖWF Vereinsgeschichte, abgerufen am 26. März 2019
  4. Kurzbeschreibung des Aouda Raumanzugsimulators, abgerufen am 26. März 2019
  5. G. E. Groemer, S. Hauth, U. Luger, K. Bickert, B. Sattler, E. Hauth, D. Föger, D. Schildhammer, C. Agerer, C. Ragonig, S. Sams, F. Kaineder, M. Knoflach: The Aouda.X space suit simulator and its applications to astrobiology. In: Astrobiology. Band 12, Nummer 2, Februar 2012, S. 125–134, doi:10.1089/ast.2011.0673, PMID 22300413.
  6. Kurzbeschreibung & Endbericht des ASE Kongress 2016, abgerufen am 26. März 2019.
  7. Exploring Mars in Austrian Alps. In: www.astrobio.net. Abgerufen am 3. Juni 2012.
  8. First Austrian Spacetweetup held during Dachstein Mars Simulation, abgerufen am 26. März 2019
  9. Space Tweetup – from a participant to a Mars Tweetup organizer and a new format of space communication, Acta Astronautica, Volume 94, January–February 2014, Pages 215-221
  10. Testing Mars Mission in Morocco. In: www.astrobio.net. Abgerufen am 3. Juni 2012.
  11. Astrobiology Special Collection: MARS2013 FIELD CAMPAIGN, Simulating Mars on Earth, Astrobiology Volume 14, Issue 5 / May 2014
  12. Kurzbeschreibung AMADEE-15 Mission und Endbericht, abgerufen am 26. März 2019
  13. Kurzbeschreibung des AMADEE Programs, abgerufen am 26. März 2019
  14. Kurzbeschreibung AMADEE-18 & Endbericht, abgerufen am 26. März 2019