Kaunertal

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Kaunertal
Blick vom Kaunerberg ins Kaunertal mit der Weißseespitze im Hintergrund

Blick vom Kaunerberg ins Kaunertal mit der Weißseespitze im Hintergrund

Lage Tirol, Österreich
Gewässer Fagge
Gebirge Ötztaler Alpen
Geographische Lage 47° 0′ N, 10° 45′ OKoordinaten: 47° 0′ N, 10° 45′ O
Kaunertal (Ötztaler Alpen)
Kaunertal
Typ Trogtal
Höhe 900 bis 1900 m ü. A.
Länge 20 km
Vorlage:Infobox Gletscher/Wartung/Bildbeschreibung fehlt
Blick von Kaunerberg auf den nördlichen Kaunergrat mit Wallfahrtskirche Kaltenbrunn

Das Kaunertal ist ein nord-südlich verlaufendes Tal in den Ötztaler Alpen im österreichischen Bundesland Tirol. Teile des Tals sind als Naturpark Kaunergrat unter Schutz gestellt.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage und Abgrenzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kaunertal zweigt bei Prutz vom Oberen Gericht nach Osten ab und macht nach rund 5 km einen scharfen Knick nach Süden. Der Talschluss wird vom Gepatschferner, dem zweitgrößten Gletscher Österreichs, gebildet. Begrenzt wird das Kaunertal im Osten durch den Kaunergrat und im Westen durch den Glockturmkamm. Der hintere Abschnitt des Tales wird vom rund 6 km langen Gepatschspeicher eingenommen. Die Fagge durchzieht vom Gepatschferner kommend das Tal und mündet bei Prutz in den Inn. Bei Feichten zweigt vom Kaunertal Richtung Osten das Verpeiltal ab.

Gemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Großteil des Tals gehört zur Gemeinde Kaunertal, der Ausgang ins Inntal zu den Gemeinden Kauns, Kaunerberg, Faggen und Prutz.

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Temperaturen im Kaunertal betragen in den Wintermonaten durchschnittlich − 8 bis 2 Grad Celsius und in den Sommermonaten zwischen 13 und 25 Grad Celsius. Der wärmste Monat ist der Juni und der kälteste Monat der Januar. Insgesamt herrscht somit im Kaunertal ein gemäßigtes Klima und damit ist das Tal ein geeigneter Standort für Sommer- und Wintertourismus.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kaunertal in den österreichischen Alpen hatte in den vergangenen 100 Jahren eine große Entwicklung in der Tourismusbranche. Das Kaunertal wurde immer schon als romantisch und zugleich wildes Tal beschrieben, wobei es früher noch sehr mühsam war, dort hinzugelangen.

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war das Kaunertal abgeschottet und für Post- und Fremdenverkehr nur schwer erreichbar. Die im Tal gelegenen Almen waren dann der Grund für den Bau einer Zufahrt. Über diese kamen die ersten Besucher in den Ort, Einheimische dienten als Reiseführer und einzelne Gasthöfe wurden gebaut. Zunächst nebenberuflich wurden 1873 aus manchen Bergbauern Bergführer. Grund dafür war das im selben Jahr errichtete Gepatschhaus, die erste deutsche Alpenvereinshütte in Österreich.

1930 wurde der erste Verkehrsverein im Kaunertal gegründet, nachdem das Tal schon 1928 einen Anschluss an die Verkehrsverbindungen gefunden hatte.

Allerdings erfolgte durch die beiden Weltkriege 1914 und 1939 ein Rückschlag der bisherigen Entwicklung. Die positive Veränderung des Raumes wurde durch die NS-Regierung gestoppt.

Ab Mitte der 1950er Jahre zeichnete sich ein stetiger Urlauberstrom ab. Aus den vor Ort lebenden Menschen wurden Arbeiter und Wirte, die immer mehr zum Tourismus orientiert waren. Die Zusammenarbeit mit dem Kolpingfamilien Werk ab 1960 sorgte für stetig steigende Besucherzahlen, vor allem im Sommer. Seit 1960 werden immer mehr Touristenattraktionen errichtet: In Fendels wird 1966 der erste Lift eröffnet, Straßen wurden ausgebaut. Seit 1981 sind die Besucherzahlen auf ein Vierfaches mit 63.705 Gästeankünften im Jahr 2013 angestiegen. Seit 1960 wurde die Gletscherstraße gebaut. Erst bis zum neugebauten Gepatschspeicher und Kraftwerk, welche schließlich die Voraussetzung für die Eröffnung des Gletscherskigebiets auf dem Gepatschferner in 1980 war. Seitdem ist die Zahl der Touristen deutlich angestiegen. Das Gletscherskigebiet zog in den 1980er Jahren besonders viele Snowboarder an, weil die Liftbetreiber gegenüber der jungen Sportart keine Vorbehalte hatten, anders als es bei vielen anderen Skigebieten in den Alpen der Fall war. 1985 wurde zum ersten Mal das heute legendär gewordene Snowboarder-Kaunertal-Opening veranstaltet und im Gletscher entstand in dieser Zeit einer der ersten Halfpipes der Alpen.

Die gut ausgebauten Wintersportgebiete haben zur Folge, dass im Winter fast genauso viele Touristen das Kaunertal besuchen wie im Sommer und so zur Konsolidierung der Besucherzahlen führen. Allerdings hat der überhöhte Tourismus Konsequenzen, welche vor allem das Geoökosystem der Alpenlandschaft negativ beeinflussen. Die durch den Wintertourismus hohe Beanspruchung der Region hat zur Folge, dass die Biodiversität und die Lebensräume gestört werden und somit die Region für den Sommertourismus weniger attraktiv wird. Außerdem fordert der zu intensive Tourismus vermehrt Murenabgänge sowie Lawinen heraus.

Das Kaunertal ist seit dem Jahr 2003 in Teilen offiziell ein Naturpark.

Am 25. Juli 2019 kam es nach heftigen Regenfällen und Gewitter nachmittags zu einer Vermurung der Straße ins hintere Kaunertal. (Der Abgang der Mure erfolgte gegen 18.40 Uhr im Bereich der Bushaltestelle Seewiese.) 40 dort eingeschlossene Personen wurden am Folgetag per Helikopter ausgeflogen. Auch im Gschnitztal etwa 30 km östlich des Kaunertals und im Vinschgau in Südtirol, gingen am selben Tag Muren ab.[1][2]

Verkehr und Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zentraler Ort des Tales ist Feichten. Etwa 1,3 Kilometer südlich des Ortes wird die Kaunertaler Gletscherstraße mautpflichtig. Sie führt am Gepatschspeicher sowie an der Schutzhütte Gepatschhaus vorbei durch hochalpines Gelände bis an den Rand des Weißseeferners. Das Ende der Straße liegt auf 2750 m ü. A. und ist im Sommer ein beliebtes Ziel für Motorradfahrer. Ein Skigebiet auf dem allerdings durch die Gletscherschmelze zurückweichenden Weißseeferner, unterhalb der Weißseespitze, ermöglicht den liftunterstützten Skiabfahrtslauf vom Herbst bis zum Frühsommer. Das Gebiet um die Verpeilhütte im Verpeiltal ist in den letzten Jahren bedeutend für das Eisklettern geworden.

Vom Bahnhof Landeck-Zams existiert viermal am Tag eine Busverbindung ins Kaunertal, mit jeweiligem Umstieg in Prutz. In der Wintersaison fährt ein Bus von Prutz bzw. Platz im Kaunertal bis zum Gletscherskigebiet fünfmal am Tag, in der übrigen Zeit sind es je zwei Relationen. Mit einem Liftticket ist die Fahrt kostenlos. (Stand: 2020/21)

Zudem bietet das Kaunertal Sehenswürdigkeiten wie zum Beispiel alte Kirchen, Kulturdenkmäler oder auch Kunstskulpturen. Das Kaunertal bietet eine unberührte Naturlandschaft mit vielen Flüssen und Bächen und eine vielfältige Tierwelt. Durch die steigenden Touristenzahlen leidet jedoch die Umwelt stark.

Entwicklung der Touristenzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Kaunertal Gastankünfte
1840 1.066 k. A.
1981 521 16.339
1991 588 48.831
2001 593 55.821
2013 620 63.705

Naturräumliches Potential[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kaunertal weist ein umfassendes Naturraumdargebot auf, welches für Touristen sehr ansprechend ist. Neben der Idylle und der Landschaft, die aus Wäldern, Wiesen und Gebirgen besteht, können Besucher die umliegende Flora und Fauna betrachten. Darüber hinaus kennzeichnet ein ruhiges Umfeld und wenig Industrie das Kaunertal aus.

Personen und Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der frühere Wirtschaftswissenschaftler, Grünpolitiker und heutige österreichische Bundespräsident Alexander Van der Bellen verbrachte einige Jahre in seiner frühen Kindheit im Kaunertal.

Die deutsche Band Rammstein drehte ihr Musikvideo zur 2004 erschienenen Single Ohne Dich ebenfalls im Kaunertal.

Die deutsche TV-Serie Die Bergretter drehte die Winterepisoden der bisherigen 12 Staffeln auf dem Kaunertaler Gletscher.

Karte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Kaunertal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kaunertal: Dutzende per Heli geborgen orf.at, 26. Juli 2019, abgerufen 27. Juli 2019.
  2. Murenabgänge und Blitzrekord in Südtirol orf.at, 26. Juli 2019, abgerufen 27. Juli 2019.