Świętajno (Powiat Olecki)

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Świętajno
Wappen der Gemeinde Świętajno (Powiat Olecki)
Świętajno (Polen)
Świętajno
Świętajno
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Powiat: Olecko
Fläche: 2,15 km²
Geographische Lage: 54° 0′ N, 22° 19′ OKoordinaten: 54° 0′ 0″ N, 22° 19′ 0″ O
Einwohner: 1100
Postleitzahl: 19-411
Telefonvorwahl: (+48) 87
Kfz-Kennzeichen: NOE
Wirtschaft und Verkehr
Straße: Dunajek/DW 655GiżeRosochackieOlecko/DK 65
PołomSulejki → Świętajno
Schienenweg: kein Bahnanschluss
Nächster int. Flughafen: Danzig
Sołectwo
Gmina
Gminatyp: Landgemeinde
Gminagliederung: 34 Ortschaften
24 Schulzenämter
Fläche: 214,91 km²
Einwohner: 4029
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 19 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2813052
Verwaltung (Stand: 2011)
Gemeindevorsteher: Janina Trus
Adresse: Świętajno 104
19-411 Świętajno
Webpräsenz: www.swietajno.pl



Świętajno (deutsch Schwentainen) ist eine Ortschaft mit ca. 1.100 Einwohnern im Powiat Olecki in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren. Der Ort ist Sitz der gleichnamigen Landgemeinde Świętajno, die ca. 4.000 Einwohner hat. Ort und Gemeinde liegen im Powiat Olecki (Kreis Lötzen).

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Świętajno liegt in der östlichen Mitte der Woiwodschaft Ermland-Masuren, zwölf Kilometer südwestlich der Kreisstadt Olecko (Marggrabowa, 1928 bis 1945 Treuburg), und erstreckt sich am Ostufer des Jezioro Świętajno (Schwentainer See).

Der Ort Świętajno (Schwentainen)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsname[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name „Schwentainen“ leitet sich von dem prußischen Wort swents (= „heilig“) ab[2].

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1554 wurde das Kirchdorf Schwentainen gegründet[3]. Im Jahre 1874 wurde es Sitz und namensgebend für einen Amtsbezirk[4], der bis 1945 bestand und zum Kreis Oletzko (ab 1933 „Kreis Treuburg“) im Regierungsbezirk Gumbinnen der preußischen Provinz Ostpreußen gehörte.

Im Jahre 1910 waren in Schwentainen 682 Einwohner gemeldet[5]. Eine Zählung im Jahre 1933 ergab 761 Einwohner[6], und 1939 waren es noch 689[7].

In Kriegsfolge kam Schwentainen 1945 mit dem gesamten südlichen Ostpreußen zu Polen und erhielt die polnische Namensform „Świętajno“. Heute ist das Dorf Sitz eines Schulzenamtes (polnisch sołectwo) und zentrales Dorf der Landgemeinde Świętajno im Powiat Olecki (Kreis Oletzko bzw. Treuburg), vor 1998 der Woiwodschaft Suwałki, seither der Woiwodschaft Ermland-Masuren zugehörig.

Amtsbezirk Schwentainen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 27. Mai 1874 wurde der Amtsbezirk Schwentainen errichtet[4]. Er zählte anfangs sechs dazugehörige Orte, am Ende waren es aufgrund struktureller Veränderungen acht:

Name Änderungsname
1938 bis 1945
Polnischer Name Bemerkungen
Barannen, Forst
Dworatzken (ab 1934:)
Herrendorf
Dworackie
Krzywen (ab 1934:)
Bergenau
Krzywe
Polommen, Domäne 1928 in die Landgemeinden Duttken, Dworatzken bzw. Schwentainen eingegliedert
Schwentainen Świętajno
Suleyken Suleiken Sulejki
ab etwa 1908:
Duttken Sargensee Dudki vorher dem Amtsbezirk Orzechowken zugehörig
Giesen Giże vorher: Amtsbezirk Orzechowken
Orzechowken (ab 1925:)
Nußdorf
Orzechówko vorher: Amtsbezirk Orzechowken
ab 1929:
Polommen, Dorf
Herzogsmühle Połom vorher dem Amtsbezirk Wessolowen zugehörig

Am 1. Januar 1945 gehörten zum Amtsbezirk Schwentainen die Dörfer: Bergenau, Giesen, Herrendorf, Herzogsmühle, Nußdorf, Sargensee, Schwentainen und Suleiken.

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche „mitten im Dorf“ Świętajno (Schwentainen)

Kirchengebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Kirche brannte 1787 nieder und wurde drei Jahre später wieder aufgebaut[8], zunächst ohne den Turm, der erst 1909 errichtet wurde. Der Innenraum hatt eine gewölbte Holzdecke, Altar und Kanzel waren vereinigt, die Glocken stammten aus den Jahren 1803 und 1850. Die bis 1945 evangelische Pfarrkirche dient jetz als katholisches Gotteshaus und wurde der veränderten liturgischen Nutzung baulich angepasst. Sie trägt heute den Namen der Mutter Gottes vom Berge Karmel (Kościół Matki Bożej Szkaplerznej)[9].

Kirchengemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evangelisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1555 bestand in Schwentainen ein evangelisches Kirchspiel[10], dessen Pfarrstelle durchgehend besetzt war. Es war Teil des Kirchenkreises Oletzko/Treuburg in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union und zählte 1925 insgesamt 4.550 Gemeindeglieder. Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung ließ das kirchliche Leben um 1945 einbrechen. Heute hier lebend evangelische Kirchenglieder orientieren sich nach Wydminy (Widminnen), einer Filialkirche der Pfarrei Giżycko in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen oder zu deren entlegenen Kirchengemeinden in Ełk (Lyck) bzw. Węgorzewo (Angerburg).

Römisch-katholisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor 1945 war die katholische Pfarrkirche für die Schwentainer Kirchenmitglieder das Gotteshaus in Marggrabowa (1933 bis 1945 Treuburg, polnisch Olecko). Seit 1962 ist die Kirche in Świętajno die Pfarrkirche und gehört zum Dekanat Olecko - Niepokalanego Poczęcia NMP im Bistum Ełk der Römisch-katholischen Kirche in Polen[9].

Persönlichkeiten des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Region ist heute noch immer von der Landwirtschaft geprägt und weist eine hohe Arbeitslosigkeit auf.[11]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Świętajno liegt südlich der Woiwodschaftsstraße DW 655 und ist von ihr über eine Nebenstraße, die bei Dunajek (Duneyken, 1938 bis 1945 Duneiken) zu erreichen. Außerdem führt von der Landesstraße DK 65 (ehemalige deutsche Reichsstraße 131) eine – zum Teil unwegsame – Nebenstraße von Olecko (Marggrabowa, 1933 bis 1945 Treuburg) über Rosochackie (Rosochatzken, 1938 bis 1945 Albrechtsfelde) und Giże (Giesen) nach Świętajno, und eine weitere Nebenstraße von Połom (Polommen) über Sulejki (Suleyken, 1938 bis 1945 Suleiken).

Für Świętajno besteht heute kein Bahnanschluss mehr. Von 1911 bis 1945 war der Ort Endstation einer Kleinbahnlinie von Marggrabowa (1933 bis 1945 Treuburg, polnisch Olecko), die von den Oletzkoer Kleinbahnen (später: Treuburger Kleinbahnen) betrieben, deren Betrieb jedoch 1945 eingestellt wurde.

Landgemeinde Świętajno[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gmina Świętajno umfasst eine Fläche von 214,91 km², was 24,6 % der Fläche des Powiat Olecki ausmacht, in dessen Südwestregion die Gemeinde liegt. 55 % der Gemeindefläche werden landwirtschaftlich, 25 % forstwirtschaftlich genutzt.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachbargemeinden der Gmina Świętajno sind:

Einwohner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einwohnerzahl belief sich am 30. Juni 2015 auf 4029. Über die Altersstruktur der Bevölkerung gibt die Alterspyraminde aus dem Jahre 2014 Auskunft[12]: Piramida wieku Gmina Swietajno Powiat Olecki.png

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Landgemeinde Świętajno gehören 24 Ortsteile (deutsche Namen amtlich bis 1945)[13] mit einem Schulzenamt:

  • Barany (Barannen, 1938–1945 Barnen)
  • Borki (Borken)
  • Chełchy (Chelchen, 1938–1945 Kelchen)
  • Cichy (Czychen, 1938–1945 Bolken)[14]
  • Dudki (Duttken, 1938–1945 Sargensee)
  • Dunajek (Duneyken, 1938–1945 Duneiken)
  • Dworackie (Dworatzken, 1934–1945 Herrendorf)
  • Dybowo (Diebowen, 1938–1945 Diebauen)
  • Giże (Giesen)
  • Gryzy (Griesen)
  • Jelonek (Grünheyde, 1938–1945 Grünheide, Dorf)
  • Jurki (Jurken, 1938–1945 Jürgen)
  • Kije (Röbel)
  • Krzywe (Krzywen, 1934–1945 Bergenau)
  • Kukówko (Kukowken, 1938–1945 Heinrichstal)
  • Mazury (Masuhren, 1938–1945 Masuren)
  • Orzechówko (Orzechowken, 1938–1945 Nußdorf)
  • Pietrasze (Pietraschen, 1938–1945 Petersgrund, Gut)
  • Połom (Polommen, 1938–1945 Herzogsmühle)
  • Rogojny (Rogonnen, Dorf)
  • Sulejki (Suleyken, 1938–1945 Suleiken)
  • Świętajno (Schwentainen)
  • Wronki (Wronken, 1938–1945 Fronicken)
  • Zalesie (Salleschen, 1938–1945 Tannau)

Weitere Ortschaften der Gemeinde sind Cichy Młyn, Jurki (osada), Jurkowo, Leśniki (Leschnicken, 1936–1945 Kleinheinrichstal), Niemsty (Könitzberg, 1938–1945 Gertrudenhof), Nowiny (Neusaß), Rogowszczyzna (Rogowszisna, 1911-1945 Konradsfelde), Smolnik (Theerbude), Świdrówko (Schwidrowken I, 1929–1945 Eduardsfelde), Zajdy (Sayden, 1938–1945 Saiden).

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im heutigen Gebiet der Gemeinde Świętajno gab es bis 1945 zwei evangelische Pfarrkirchen: die Kirche Czychen und die Kirche Schwentainen. Sie gehörten zum Kirchenkreis Oletzko/Treuburg in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Beide Kirchen, sowohl in Cichy als auch in Świętajno – letztere ergänzt um eine Filialkirche in Wronki – sind heute katholische Kirchen, die in eines der Dekanate Olecko im Bistum Ełk der Römisch-katholischen Kirche in Polen eingegliedert sind.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptverkehrsader im Gemeindegebiet ist die Woiwodschaftsstraße DW 655, die die Regionen Giżycko (Lötzen) und Olecko (Oletzko/Treuburg) in der Woiwodschaft Ermland-Masuren mit der Region Suwałki in der Woiwodschaft Podlachien verbindet. Die einzhelnen Orte der Gemeinde sind durch Nebenstraßen und Landwege untereinander vernetzt.

Schienen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für das Gebiet der Gemeinde besteht keine Bahnanbindung mehr. Vor 1945 wurde es von zwei Bahnlinien durchzogen:

Beide Bahnstrecken sind seit 1945 nicht mehr in Betrieb.

Luft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der nächste internationale Flughafen befindet sich in Danzig und ist nur mit viel Zeitaufwand auf Straßen oder/und Schienen zu erreichen.

Verweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Świętajno – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. Suleyken am Schwentainer See mit Schwentainen und Duneyken
  3. Dietrich Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005):Schwentainen
  4. a b Rolf Jehke, Amtsbezirk Schwentainen
  5. Uli Schubert, Gemeindeverzeichnis, Landkreis Oletzko
  6. Landkreis Treuburg
  7. Michael Rademacher, Deutsch-österreichisches Ortsbuch, Landkreis Treuburg (Oletzko)
  8. Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2 Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen, 1968, S. 116, Abb. 519
  9. a b Parafia Świętajno im Bistum Ełk
  10. Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente, Göttingen, 1968, S. 484
  11. Merle Hilbk: Europa kommt nach Masuren. In: Die Zeit, 1. April 2004
  12. Kobiety = Frauen, Mężyczyźni = Männer
  13. Das Genealogische Orts-Verzeichnis
  14. In Cichy war August Ballnus Pfarrer und sozialer Wohltäter.