Olecko

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Olecko
Wappen von Olecko
Olecko (Polen)
Olecko
Olecko
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Landkreis: Olecko
Fläche: 11,42 km²
Geographische Lage: 54° 2′ N, 22° 30′ O54.03333333333322.5Koordinaten: 54° 2′ 0″ N, 22° 30′ 0″ O
Einwohner: 16.511
(30. Jun. 2014)[1]
Postleitzahl: 19-400
Telefonvorwahl: (+48) 87
Kfz-Kennzeichen: NOE
Wirtschaft und Verkehr
Straße: EłkGołdap
Nächster int. Flughafen: Warschau
Danzig
Gemeinde
Gemeindeart: Stadt- und Landgemeinde
Gemeindegliederung: 44 Ortschaften
Fläche: 266,60 km²
Einwohner: 22.159
(30. Jun. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 83 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2813043
Verwaltung (Stand: 2015)
Bürgermeister: Wacław Olszewski[2]
Adresse: pl. Wolności 3
19-400 Olecko
Webpräsenz: www.olecko.pl



Olecko [ɔˈlɛtskɔ] (deutsch bis 1928 Marggrabowa (umgangssprachlich auch Oletzko), 1928–45 Treuburg) ist eine Stadt im nordöstlichen Masuren in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren in der Nähe von Ełk und Suwałki. Sie liegt an der Mündung des Flusses Lega (früher Oleg) in den Jezioro Oleckie Wielkie (Großer Oletzkoer See, 1928–1945 Großer Treuburger See) an dessen westlichem Ufer.

Die Stadt Olecko (Marggrabowa/Treuburg)[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Stadt Marggrabowa oder Oletzko wurde am 1. Januar 1560 vom Herzog Albrecht von Brandenburg-Ansbach gegründet und erhielt das Kulmer Recht. Margrabia ist eines der zahlreichen deutschen Lehnwörter im Polnischen und bedeutet Markgraf. Bereits 1544 hatte an dieser Stelle eine, 1599 erstmals erwähnte, Jagdhütte namens Oletzko bestanden. Auf einer der Stadt vorgelagerten Halbinsel zwischen Lega und See wurde 1619 das Schloss Oletzko errichtet. 1709 erlag der größte Teil der Einwohner einer Pestepidemie (1100 Tote, 98 Überlebende).

Die Stadt war von 1818 bis 1945 Sitz eines eigenen preußischen Kreises Oletzko (1933 umbenannt in Treuburg, ab 1933 Landkreis Treuburg).

Nach Ende des Ersten Weltkrieges fand 1920 im Abstimmungsgebiet Allenstein / Masuren eine Volksabstimmung statt, in der sich die Bevölkerung für eine Zugehörigkeit zu Ostpreußen oder aber zu Polen entscheiden sollte. Im Kreis Oletzko wurden nur zwei von 28.627 Stimmen für Polen abgegeben. Ein Ministerialerlass vom 21. Dezember 1928 genehmigte die Umänderung des Stadtnamens Marggrabowa in Treuburg.[3] Am 27. Juni 1933 wurde dann auch der Kreis in „Kreis Treuburg“ umbenannt; diese Umbenennung beendete die jahrzehntelange Verwirrung um die unterschiedlichen Namen von Stadt (Marggrabowa) und Kreis (Oletzko). Sie wurde von der Bevölkerung begrüßt – ganz im Gegensatz zu den späteren Umbenennungen durch die Nationalsozialisten, die ab 1938 die traditionellen masurischen und altpreußischen Namen vieler Orte der Umgebung durch historisch nicht gerechtfertigte, „rein deutsche“ Bezeichnungen ersetzten.

Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Stadt im Oktober 1944 geräumt und im Januar 1945 aufgegeben. 1945 wurde die zu 80 Prozent zerstörte Stadt unter polnische Verwaltung gestellt, 1991 wurde mit der formalen Beendigung des Kriegszustandes zwischen Deutschland und des Siegermächten durch den Zwei-plus-Vier-Vertrag auch völkerrechtlich die Stadt Polen zuerkannt. 1946 bis 1975 war Olecko Sitz eines Powiats, durch eine Verwaltungsreform kam der Ort 1975 zu der neu gebildeten Wojewodschaft Suwałki, 1999 dann zu der Wojewodschaft Ermland-Masuren und wurde wieder Powiatsitz.

Einwohnerzahlen
1875:   4.212
1890:   4.887, davon 108 Katholiken, 86 Juden und 100 Polen
1910:   5.391
1939:   7.118
2000: 16.128

Kirche[Bearbeiten]

Evangelisch[Bearbeiten]

Kirchengebäude[Bearbeiten]

Eine evangelische Kirche gibt es in Olecko nicht mehr. Das einstige lutherische Gotteshaus, das auf dem früheren Marktplatz stand, wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und danach abgeräumt[4]. Bei diesem Bauwerk hatte es sich um einen verputzten Backsteinbau aus dem 17. Jahrhundert mit dreiseitigem Schluss und vorgelegtem Westturm gehandelt[5]. Im Jahre 1901 war das Gebäude grundlegend renoviert worden.

Der Altaraufsatz im Innern der Kirche war eine reiche Schnitzarbeit aus der Werkstatt des Johann Chr. Döbel von 1702, die Kanzel entstand bereits 1692. Die Orgel aus dem 17. Jahrhundert wurde 1857 umgebaut.

Bereits in der Mitte des 16. Jahrhunderts wurden in Marggrabowa zwei amtierende Geistliche genannt[6], so dass damals bereits ein Gotteshaus bestanden hat. Beim Tatareneinfall brannte die Kirche im Jahre 1656 nieder, wurde aber wieder aufgebaut[4].

Auf dem Platz der kriegszerstörten evangelischen Pfarrkirche entstand zwischen 1984 und 1987 ein neues Kirchengebäude als Gotteshaus für die Katholiken.

Kirchengemeinde[Bearbeiten]

Im Jahre 1560 wurde in Marggrabowa eine evangelische Kirchengemeinde gegründet[7], wenige Jahre also nach Einführung der Reformation in Ostpreußen. Im Jahre 1925 zählte sie in der Stadt und näheren Umgebung insgesamt 10.000 Gemeindeglieder in 16 Kirchspielorten. Sie wurden von zwei Geistlichen betreut, seit 1862 durch einen Hilfsprediger verstärkt[6]. Die Pfarrei gehörte bis 1945 zum Kirchenkreis Oletzko/Treuburg in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.

Aufgrund von Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung brach das kirchliche Leben ein. Eine neue evangelische Gemeinde konnte sich in der Zeit nach 1945 in Olecko nicht bilden, evangelische Kirchenglieder besuchen die Kirchen in Gołdap (Goldap) bzw. Ełk (Lyck), die zur Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen gehören.

Friedhof[Bearbeiten]
Evangelischer Friedhof in Olecko

In Olecko hat sich ein früherer evangelischer Friedhof (polnisch Cmentarz ewangelicki) erhalten. Er wurde um die Jahrtausendwende neu hergerichtet und am 25. Oktober 2003 wieder eingeweiht[4].

Kirchenkreis Oletzko/Treuburg[Bearbeiten]

Marggrabowa resp. Treuburg war bis 1945 Sitz der Superintendentur für den Kirchenkreis Oletzko/Treuburg, der in etwa dem Umfang des Kreises Oletzko mit einigen dazugehörigen Ortschaften aus dem Kreis Lyck entsprach. Ihm waren neun Kirchengemeinden mit acht Pfarreien zugeordnet[7]:

Deutscher
Ortsname
Änderungsname
1938 bis 1945
Gründungs-
jahr
Polnischer
Name
Czychen Bolken (Reformationszeit) Cichy
Gonsken Herzogskirchen 1741 Gąski
Groß Czymochen (ab 1928:)
Reuß
1906 Cimochy
Marggrabowa (Oletzko) (ab 1928:)
Treuburg
1560 Olecko
Mierunsken/Eichhorn:
** Mierunsken Merunen 1545 Mieruniszki
** Szceczinken (ab 1916:)
Eichhorn
1913 Szczecinki
Schareyken Schareiken 1581 Szarejki
Schwentainen Altenkirchen 1577 Świętajno
Wielitzken Wallenrode (vorreformatorisch) Wielieczki

Katholisch[Bearbeiten]

Kirchengebäude[Bearbeiten]

In der Stadt Olecko gibt es heute vier katholische Kirchengebäude:

Die Kreuzerhöhungskirche von 1862
  • Die neugotische Kirche aus den Jahren 1859 bis 1861 bestand somit bereits vor 1945 als katholische Kirche. Im Jahre 1862 wurde die Kirche vom ermländischen Weihbischof Anton Frenzel geweiht. Nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten der Jahre 1987 bis 1989 wurde die Kirche erneut geweiht, dieses Mal durch Bischof Edmund Piszcz aus Ełk (Lyck). Sie heißt heute Kościół Podwyższenia Krzyża Świętego („Kreuzerhöhungskirche“/„Heilig-Kreuz-Kirche“).
  • In den Jahren 1984 bis 1987 wurde an der Stelle der einstigen und im Krieg zerstörten evangelischen Kirche ein neues – nun katholisches – Gotteshaus errichtet[4]. Am 15. August 1987 wurde es durch Bischof Edmund Piszcz geweiht. Sie trägt den Namen Kościol Niepokalanego Poczęcia Maryi Panny („Mariä-Empfängnis-Kirche“).
Die an der Stelle des kriegszerstörten evangelischen Gotteshauses errichtete Pfarrkirche von 1987
  • Zwischen 1990 und 1994 entstand die dritte Kirche in Olecko. Sie wurde am 16. September 1994 durch Bischof Edward Samsel eingeweiht. Ihr Name lautet: Kościół Świętej Rodziny („Heilige-Familie-Kirche“).
  • Eine vierte Kirche wurde 1994 bis 1995 errichtet, die am 28. Juni 1995 geweiht wurde. Die dazugehörige Pfarrgemeinde wurde am 1. September 1998 durch Bischof Wojciech Ziemba errichtet. Das Gotteshaus trägt den Namen Kościół Wniebowzięcia Najświętszej Maryi Panny („Mariä-Himmelfahrt-Kirche“).
Pfarreien[Bearbeiten]

Zählte im Jahre 1890 die damalige katholische Pfarrei Marggrabowa lediglich 108 Kirchenglieder in der Stadt, so war eine weitaus größere Zahl von ihnen in einem den ganzen Kreis Oletzko umfassenden Bereich zu betreuen. Seit 1945 stellt sich die Situation ganz anders dar: heute gibt es in der Stadt Olecko vier katholische Kirchen, in der Umgebung der Stadt noch weitere neun Pfarrgemeinden. Sie gehören seit 1992 zum Bistum Ełk der Katholischen Kirche in Polen.

Dekanate Olecko[Bearbeiten]

Olecko ist der Sitz zweier Dekanate im Bistum Ełk[8]:

Verkehr[Bearbeiten]

Der am westlichen Ende der Stadt gelegene Bahnhof ist ein regionaler Eisenbahn-Knotenpunkt. 1879 eröffnete die Preußische Ostbahn die Strecke Gołdap–Ełk (Goldap–Lyck). Es folgten 1908 bzw. 1918 die Staatsbahnstrecken nach Kruklanki (Kruglanken) und Suwałki. Die 1911 eröffneten Treuburger Kleinbahnen nach Mieruniszki (Mierunsken)–Garbassen und Schwentainen bei Sulejki (Suleiken) sind 1944/1945 zerstört und nicht wieder aufgebaut worden. Nachdem in Olecko zwischenzeitlich kein Personenzug mehr fuhr, gibt es mittlerweile (Stand: Sommer 2008) wieder Verbindungen nach Suwałki (nur Schnellzüge, teils nur in den Sommermonaten) und Ełk (zwei tägliche Personenzüge sowie Schnellzüge, teils nur in den Sommermonaten).

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Gmina Olecko[Bearbeiten]

Allgemeines[Bearbeiten]

Mit einer Fläche von 266,6 km² nimmt die Landgemeinde Olecko 30,51 % der Fläche des gesamten Powiat Olecki ein. Die Gesamteinwohnerzahl beträgt 22.159 (2014).

Nachbargemeinden sind:

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die Stadt- und Landgemeinde Olecko besteht aus folgenden Ortschaften:

Polnischer Name Deutscher Name
(bis 1945)
Polnischer Name Deutscher Name
(bis 1945)
Polnischer Name Deutscher Name
(bis 1945)
Babki Gąseckie Babken, Kirchspiel Gonsken
1938–45 Babeck
Imionki PKP Przytuły Przytullen
1938–45 Siebenbergen
Babki Oleckie Babken, Kirchspiel Marggrabowa
1938–45 Legenquell
Jaśki Jaschken
1938–45 Jesken
Raczkie Wielkie Groß Retzken
Biała Olecka Bialla
1938–45 Billstein
Judziki Judzicken
1938–45 Wiesenhöhe
Rosochackie Rosochatzken
1938–45 Albrechtsfelde
Borawskie Borawsken
1938–45 Deutscheck
Kijewo Kiöwen Sedranki Seedranken
Borawskie Małe Klein Borawsken
1938–45 Kleindeutscheck
Kolonie Dąbrowskie Siejnik Elisenhöhe
Dąbrowskie Dombrowsken
1938–45 Königsruh
Kukowo Kukowen
1938–45 Reinkental
Skowronki Birkenort
Dąbrowskie-Osada Łęgowo Lengowen
1938–45 Lengau
Ślepie Schlepien
1938–45 Schlöppen
Dobki Dopken
1938–45 Markgrafsfelde
Lenarty Lehnarten Świdry Schwiddern
Doliwy Doliwen
1938–45 Teichwalde
Lesk Legahof Szczecinki Sczeczinken
1916–45 Eichhorn
Duły Dullen Lipkowo Lindenhof Wólka Kijewska Kiöwenhorst
Dzięgiele Oleckie Dzingellen
1938-45 Dingeln
Możne Moosznen
1936–38 Mooschnen
1938–45 Moschnen
Zabielne Sabielnen
1938–45 Podersbach
Gąski Gonsken
1938-45 Herzogskirchen
Olecko Marggrabowa (Oletzko)
1928–45 Treuburg
Zajdy Sayden
1938–45 Saiden
Giże Giesen Olecko Kolonia Zatyki Sattycken
1938–45 Satticken
Gordejki Gordeyken
1938–45 Gordeiken
Olschewo Olschöwen
1933–45 Erlental
Zielonówek Grüneberg
Gordejki Małe Klein Gordeyken
1938–45 Kleingordeiken
Pieńki Stobbenorth
1928–45 Stobbenort
Imionki Prostkergut Plewki Plöwken

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In Silber auf grünem Boden eine blaue dreitürmige Burg mit höherem Mittelturm, belegt mit einem Schild: gespalten, rechts am Spalt ein halber, roter Adler (Brandenburg), links von Silber und Schwarz geviertet (Zollern).“[9]

Die Stadt Marggrabowa erhielt am 1. Januar 1560 ein „gewöhnlich Insiegel“ vom Herzog Albrecht von Preußen mit obigem Wappen, das auch auf dem SIGILLVM CIVITATIS MARGGRABOVIENSIS ANNO 1575 steht.[3]

Verweise[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Olecko – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2014. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), archiviert vom Original am 7. Dezember 2014, abgerufen am 22. November 2014.
  2. Website der Stadt, Urząd Miejski, abgerufen am 23. Januar 2015
  3. a b Otto Hupp: Deutsche Ortswappen. Kaffee-Handels-Aktiengesellschaft, Bremen 1925.
  4. a b c d Kirchen in Treuburg
  5. Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2: Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen, 1968, S. 116, Abb. 526, 527
  6. a b Friedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968, S. 91
  7. a b Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3: Dokumente, Göttingen, 1968, S. 484
  8. Die Dekanatsgemeinden Olecko auf der Webseite des Bistums Ełk
  9. Erich Keyser: Deutsches Städtebuch. Handbuch städtischer Geschichte, Bd. I: Nordostdeutschland, S. 113. W. Kohlhammer Verlag, Stuttgart 1939.