4-Hydroxybenzoesäuremethylester

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Strukturformel
Strukturformel von 4-Hydroxybenzoesäuremethylester
Allgemeines
Name 4-Hydroxybenzoesäuremethylester
Andere Namen
  • p-Hydroxybenzoesäuremethylester
  • PHB-Methylester
  • Methyl-4-hydroxybenzoat (IUPAC, Ph. Eur.)
  • Methyl-p-hydroxybenzoat
  • Methyl-para-hydroxybenzoat
  • Nipagin M
  • METHYLPARABEN (INCI)[1]
  • E 218
Summenformel C8H8O3
Kurzbeschreibung

weißes, fast geruchloses, kristallines Pulver[2]

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer 99-76-3
EG-Nummer 202-785-7
ECHA-InfoCard 100.002.532
PubChem 7456
Wikidata Q229987
Eigenschaften
Molare Masse 152,15 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Dichte

1,361 g·cm−3 (20 °C)[3]

Schmelzpunkt

125–128 °C[2]

Siedepunkt

Zersetzung bei 270–280 °C[2]

Dampfdruck

8,63·10−2 Pa (50 °C)[4]

Löslichkeit
Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [2]
keine GHS-Piktogramme
H- und P-Sätze H: 412
P: 273 [2]
Toxikologische Daten

> 8000 mg·kg−1 (LD50Mausoral)[6]

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

4-Hydroxybenzoesäuremethylester, auch para-Hydroxybenzoesäuremethylester (PHB-Methylester), ist der Methylester der aromatischen Carbonsäure 4-Hydroxybenzoesäure und gehört zu den Parabenen. Als Trivialname ist auch Nipagin gebräuchlich.

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

4-Hydroxybenzoesäuremethylester ist eine weiße, geruchlose, kristalline Substanz, die einen leicht brennenden Geschmack besitzt und schwach anästhesierend wirkt. Der Schmelzpunkt liegt bei 126,0 °C mit einer Schmelzenthalpie von 166,5 J·g−1.[3] Die Verbindung kristallisiert in einem monoklinen Kristallgitter mit der Raumgruppe Cc.[3] Die Dampfdruckfunktion ergibt sich nach August entsprechend ln(P) = −A/T+B (P in Pa, T in K) mit A = 34,3 ±0,3 und B = 11889 ±92 im Temperaturbereich von 30 °C bis 54 °C.[4] Aus der Dampfdruckfunktion lässt sich eine molare Sublimationsenthalpie von 98,8 kJ·mol−1 ableiten.[4] Die Verbindung löst sich wenig in Wasser (2,5 g/l bei 25 °C), aber gut in organischen Lösungsmitteln wie Aceton, Chloroform, Ethanol und Ether. In alkalischen Lösungen bildet sich das Phenolat (Natriummethyl-p-hydroxybenzoat).[7]

Löslichkeit in verschiedenen Lösungsmitteln (bei 25 °C, in g/100 g Lösungsmittel)[8]
Lösungsmittel Wasser Wasser (80 °C) Methanol Ethanol Propylenglycol Aceton Diethylether Erdnussöl
Löslichkeit 0,25 2,0 59 52 22 64 23 0,5

Der 4-Hydroxybenzoesäuremethylester bildet mit anderen 4-Hydroxybenzoesäureestern eutektisch schmelzende Mischungen.[3]

Eutektika bei Mischungen von 4-Hydroxybenzoesäureestern[3]
Ethylparaben Propylparaben Butylparaben
Molanteil Methylparaben 0,46 0,35 0,78
Eutektischer Schmelzpunkt 88,5 °C 77,8 °C 59,8 °C

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

4-Hydroxybenzoesäuremethylester wird als Konservierungsmittel beispielsweise in Shampoos, Duschgels und anderen Kosmetika sowie in flüssigen Arzneimitteln verwendet. Außerdem wird er in der Forschung zum Vermeiden von unerwünschten Verpilzungen auf bakteriologischen Agarplatten verwendet.

PHB-Methylester ist in der EU als Lebensmittelzusatzstoff der Nummer E 218 zugelassen. Wegen besserer Löslichkeit wird meist das Natriumsalz (Natriummethyl-p-hydroxybenzoat, E 219) verwendet.

Gesundheitsrisiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

4-Hydroxybenzoesäuremethylester – wie Parabene im Allgemeinen – können beim Menschen, vor allem bei Asthmatikern, pseudoallergische Reaktionen hervorrufen, wie z. B. Nesselsucht oder asthmatische Anfälle.[9]

4-Hydroxybenzoesäuremethylester wurde 2012 von der EU gemäß der Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 (REACH) im Rahmen der Stoffbewertung in den fortlaufenden Aktionsplan der Gemeinschaft (CoRAP) aufgenommen. Hierbei werden die Auswirkungen des Stoffs auf die menschliche Gesundheit bzw. die Umwelt neu bewertet und ggf. Folgemaßnahmen eingeleitet. Ursächlich für die Aufnahme von 4-Hydroxybenzoesäuremethylester waren die Besorgnisse bezüglich der Einstufung als CMR-Substanz, Verbraucherverwendung, Exposition empfindlicher Bevölkerungsgruppen, hoher (aggregierter) Tonnage und weit verbreiteter Verwendung sowie als potentieller endokriner Disruptor. Die Neubewertung läuft seit 2014 und wird von Frankreich durchgeführt. Um zu einer abschließenden Bewertung gelangen zu können, wurden weitere Informationen nachgefordert.[10]

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Natur spielt der Stoff eine Rolle als Sexuallockstoff der läufigen Hündin.[11] Außerdem kommt er als natürlicher Inhaltsstoff im Gelée royale der Bienen vor.[12]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eintrag zu METHYLPARABEN in der CosIng-Datenbank der EU-Kommission, abgerufen am 28. Dezember 2019.
  2. a b c d e f Eintrag zu Methyl-4-hydroxybenzoat in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 8. Januar 2018 (JavaScript erforderlich).
  3. a b c d e Giordano, F.; Bettini, R.; Donini, C.; Gazzaniga, A.; Caira, M.R.; Zhang, G.G.Z.; Grant, D.J.W.: Physical properties of parabens and their mixtures: Solubility in water, thermal behavior, and crystal structures in J. Pharm. Sci. 88 (1999) 1210–1216, doi:10.1021/js9900452.
  4. a b c Perlovich, G.L.; Rodionov, S.V.; Bauer-Brandl, A.: Thermodynamics of solubility, sublimation and solvation processes of parabens in Eur. J. Pharm. Sci. 24 (2005) 25–33, doi:10.1016/j.ejps.2004.09.007.
  5. Europäisches Arzneibuch, 8. Ausgabe, Grundwerk 2014, S. 4078.
  6. Eintrag zu 4-Hydroxybenzoesäuremethylester in der ChemIDplus-Datenbank der United States National Library of Medicine (NLM).
  7. Hermann P. T. Ammon, Curt Hunnius: Hunnius pharmazeutisches Wörterbuch, 2004, de Gruyter Verlag, ISBN 3-11-017475-8.
  8. Eintrag zu 4-Hydroxybenzoate. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 10. Juli 2016.
  9. Markus D. W. Lipp: Notfalltraining für Zahnärzte: Prophylaxe, Diagnose, Therapie, 1997, Schlütersche Verlagsgesellschaft, ISBN 3-87706-465-5.
  10. Community rolling action plan (CoRAP) der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA): Methyl 4-hydroxybenzoate, abgerufen am 26. März 2019.Vorlage:CoRAP-Status/2014
  11. Goodwin, M. et al.: Sex pheromone in the dog. In: Science (1979) Bd. 203, S. 559–561; PMID 569903; doi:10.1126/science.569903.
  12. Ishiwata et al.: Determination and confirmation of methyl p-hydroxybenzoate in royal jelly and other foods produced by the honey bee. in: Food additives & contaminants (1995) Band 12(2), S. 281–285; PMID 7781824.