Abitur nach der zwölften Jahrgangsstufe

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Das Abitur nach der zwölften Jahrgangsstufe (auch achtjähriges Gymnasium, kurz G8 oder umgangssprachlich Turbo-Abitur, selten auch Gy8) war das Ergebnis einer Schulreform an den Gymnasien in Deutschland. Die Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur von dreizehn auf zwölf Jahre war zwischen 2012 und 2015 in fast allen Ländern eingeführt. Die Idee geht zurück auf ökonomische Überlegungen der OECD, der Bertelsmann-Stiftung und anderer Institutionen.[1]

Lediglich in Rheinland-Pfalz blieb es bei einem Modellversuch an 19 Ganztagsschulen, während die reguläre Schulzeit an Gymnasien bis zum Abitur weiterhin zwölf Jahre und acht Monate (genannt Mainzer Studienstufe) dauert.[2] Die Schulen in Sachsen und Thüringen waren von dieser Reform nicht betroffen, da diese schon seit 1949 in zwölf Jahren zum Abitur führten. Im Jahr 2014 brach Niedersachsen als erstes Land mit der G8-Reform, weitere westdeutsche Länder folgten und kehrten ebenfalls zum Regelabitur nach dreizehn Jahren zurück.

Zweck der Reform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Hauptargument für die Einführung der verkürzten Schulzeit wurde von Politikern die zu anderen Ländern vergleichsweise lange Dauer der Schulzeit angeführt.[3][4] Die Abiturienten sollten durch die Schulzeitverkürzung ein Jahr früher ihre Berufsausbildung beginnen und entsprechend früher Steuern und Sozialabgaben zahlen.[5] Die Wirtschaft sollte auf im Durchschnitt ein Jahr jüngere Berufseinsteiger mit Abitur bzw. abgeschlossener Hochschulreife zurückgreifen können. Gesamtwirtschaftlich betrachtet sollte die Lebensarbeitszeit der Menschen um mehrere Jahre zunehmen, um den finanziellen Versäumnissen in der demografischen Altersstruktur entgegenzuwirken. Dies sollte einerseits durch einen späteren Eintritt in die Rente und andererseits durch einen früheren Einstieg ins Berufsleben erzielt werden.[6][7]

Geschichtlicher Hintergrund und Einführung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das neunjährige Gymnasium (Jahrgangsstufen 5 bis 13 bzw. Klassen Sexta bis Oberprima) wurde in der Weimarer Republik eingeführt. Es konnte neben anderen weiterführenden Schulformen wie der Volksschule nach der für alle Kinder obligatorischen vierjährigen Grundschule (statt der bisher meist üblichen dreijährigen Vorschule im Kaiserreich) von besonders befähigten Schülern besucht werden und war nicht koedukativ. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde per Erlass vom 30. November 1936 die höhere Schulzeit auf zwölf Jahre verkürzt. Ein Hintergrund dieser Regelung war, die dadurch frei werdenden Offiziersanwärter ein Jahr früher zur Aufrüstung der Wehrmacht einsetzen zu können.[8]

Nach Kriegsende hielt die neu gegründete Deutsche Demokratische Republik (DDR) vor allem aus bildungstheoretischen Gründen am Reifezeugnis nach zwölf Klassen fest. Aber auch ideologische Gründe spielten eine Rolle, da hierdurch das eigene Bildungssystem als effizienter wahrgenommen wurde.[9] Das Abitur konnte für wenige Schüler auf der Erweiterten Oberschule nach zwölf Jahren Schulzeit und mit Samstagsunterricht abgelegt werden (Abiturquote: 10 Prozent). Eine weitere Möglichkeit bestand in der dreijährigen Berufsausbildung mit Abitur.

Um sich des ideologischen Erbes der Zeit des Nationalsozialismus zu entledigen, kehrte die 1949 gegründete Bundesrepublik Deutschland 1951 zum Abitur nach 13 Jahren zurück.[10][11]

In dem Jahrzehnt nach der Wiedervereinigung führten drei der fünf neuen Länder aufgrund der hohen Wochenstunden-Vorgaben der Kultusministerkonferenz nach und nach dreizehn Klassen bis zum Abitur ein, nur Sachsen und Thüringen blieben beim Abitur nach zwölf Jahren.[12] Anfang der 2000er Jahre wurde der umgekehrte Weg gefordert und die Abiturprüfung nach dem 12. Jahrgang verlangt. Dem schlossen sich sowohl die neuen als auch fast alle alten Länder ab 2003 an und führten das Abitur nach zwölf Schuljahren (wieder) ein[12]. Ab den 2010er Jahren wurde in den meisten alten Ländern dieser G8-Versuch beendet, und sie kehrten nach und nach wieder zum 13-jährigen Schulsystem zurück.

Abitur nach der zwölften (G8) oder dreizehnten (G9) Jahrgangsstufe in den deutschen Ländern
Land Erster
G8-Ab­schluss
Letzter
G8-Ab­schluss
ehe­mals
ein­ge­führt
Stand: Schuljahr 2023/2024
Baden-Württemberg Baden-Württemberg 2012 G8 für fast alle, außer G9 Modellversuch an zurzeit 44 Gymnasien von Schuljahr 2012/13 bis 2032/33[13]
Bayern Bayern 2011 2024 Rückkehr von G8 zu G9 bis 2024, G8 noch an Gymnasien für den Jahrgang zwölf, G9 sonst
Berlin Berlin 2012 1949–2000 (Ost-Berlin) G8 an Gymnasien, G9 sonst[14]
Brandenburg Brandenburg 2012 1949–2000 G8 an Gymnasien, G9 sonst[15]
Bremen Bremen 2012 G8 an Gymnasien, G9 sonst[16]
Hamburg Hamburg 2010 G8 an Gymnasien, G9 sonst (z. B. Stadtteilschulen)[17]
Hessen Hessen 2013 2004 G9 für fast alle, 2019/20 noch an etwa 5 % der Schulen G8 (Wahlfreiheit (kooperative) Gesamtschulen + Gymnasien entweder nur G8, nur G9 oder G8 + G9 parallel)
Mecklenburg-Vorpommern Mecklenburg-Vorpommern 2008 1949–2001 G8 an Gymnasien, G9 sonst[18]
Niedersachsen Niedersachsen 2011 2019 G9 für alle
Nordrhein-Westfalen Nordrhein-Westfalen 2013 2025 Rückkehr von G8 zu G9 bis 2025, G8 noch an Gymnasien für die Jahrgänge elf und zwölf.[19] Drei Gymnasien bleiben bei G8,[20] G9 sonst
Rheinland-Pfalz Rheinland-Pfalz 2016 G9 für fast alle, außer G8 Modellversuch an 19 Ganztagsschulen[21]
Saarland Saarland 2009 2028 Rückkehr von G8 zu G9 bis 2028, G8 noch an Gymnasien für die Jahrgänge acht bis zwölf,[22] G9 sonst
Sachsen Sachsen 1949–heute G8 an Gymnasien und Gemeinschaftsschulen, G9 sonst[23]
Sachsen-Anhalt Sachsen-Anhalt 2007 1949–2000 G8 an Gymnasien und Gesamtschulen, G9 sonst[24]
Schleswig-Holstein Schleswig-Holstein 2016 2025 Rückkehr von G8 zu G9 bis 2025, G8 noch an Gymnasien für Jahrgänge elf und zwölf, ein Gymnasium bleibt bei G8,[25] G9 sonst
Thüringen Thüringen 1949–heute G8 an Gymnasien, G9 sonst[26]

Umsetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Vorfeld der Umstellung wurde gefordert, dass die kürzere Schulzeit nicht zu einer Qualitätsminderung des Abiturs führen dürfe. Die Kultusministerkonferenz (KMK) entsprach dem, indem sie die Anzahl der Wochenstunden, die für den Erwerb der allgemeinen Hochschulreife erforderlich sind, unverändert bei insgesamt 265 Jahreswochenstunden beließ, diese aber statt auf 13 nunmehr auf 12 Schuljahre aufteilte. Trotz des Wegfalls eines Unterrichtsjahres sollen weiterhin alle Inhalte vermittelt werden, die bisher die Stoffmenge für 13 Schuljahre darstellten.[27] Der Idee wohnte die ökonomische Vorstellung inne, dass Schulen ineffizient arbeiten und Schüler durch zusätzlichen Unterricht am Nachmittag mehr und schneller lernen würden.

Folge war eine signifikante Erhöhung der Wochenstundenzahlen für die Schüler mit verkürzter Schulzeit: Mussten Schüler des neunstufigen Gymnasiums auf neun Jahre aufgeteilt durchschnittlich 30 Wochenstunden absolvieren, müssen Schüler des achtstufigen Gymnasiums durchschnittlich 34 Stunden pro Woche belegen, das bedeutet regelmäßigen Nachmittagsunterricht für Schüler aller Altersstufen. Daran üben Eltern-, Lehrer- und Schülerorganisationen zum Teil heftige Kritik.[28] Die 265 Jahreswochenstunden werden je nach Land unterschiedlich auf die Jahrgangsstufen verteilt. Um jüngeren Schülern eine zu große Stundenzahl zu ersparen, werden die Stunden oftmals asymmetrisch aufgeteilt, so dass Schüler in den niedrigeren Jahrgangsstufen weniger und Schüler in älteren Jahrgängen deutlich mehr als 34 Wochenstunden Unterricht bekamen. So kamen pädagogisch und didaktisch fragwürdige Stundentafeln mit bis zu 36 Wochenstunden zustande.[29]

Kritik und Kontroversen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Voraussetzung für die Sinnhaftigkeit des Abiturs nach der zwölften Jahrgangsstufe ist insbesondere, dass sich die Zahl der Sitzenbleiber durch die Verdichtung des Unterrichts nicht erhöht und dass die Schulabgänger zügig an die Universitäten und auf den Arbeitsmarkt drängen. Beides ist nicht gelungen, die Rückmeldungen der Universitäten ergaben stattdessen, dass die Studierfähigkeit der Studienanfänger trotz nominell besserer Noten im Zentralabitur durch die Umstellung auf G8 deutlich nachgelassen hat.

Bei der Vorziehung von Unterrichtsinhalten auf jüngere Jahrgänge wurde nicht reflektiert, ob die Schüler die intellektuellen und auf ihre Persönlichkeit bezogenen Voraussetzungen erfüllen, um sich vertieft mit den entsprechenden Inhalten befassen zu können. Letztlich betraf diese Frage auch die ein Jahr jüngeren Abiturienten, deren Persönlichkeitsentwicklung (unabhängig vom erworbenen Wissen) dementsprechend bei Aufnahme eines Studiums oder einer Berufsausbildung einen anderen Stand hatte als die der bisherigen G9-Absolventen.

Kritik wurde auch bezüglich der nachmittäglichen Versorgung der Schüler geäußert: Anders als in Deutschland sind die Schulen in anderen europäischen Staaten durchweg als Ganztagsschulen mit Mensa konzipiert und bieten am Nachmittag deutlich mehr Förderangebote als in Deutschland.[30]

Kritisiert wird ferner die hohe Belastung, die Jugendliche durch die G8-Reform erfahren würden. Viele Gymnasiasten hätten kaum noch Freizeit, sie müssten Hobbys wie Musikunterricht und Sportvereine aufgeben, um in der Schule bestehen zu können.[31]

Befürworter der Reform weisen darauf hin, dass die beiden Länder Sachsen und Thüringen seit über sechzig Jahren das Abitur nach der zwölften Jahrgangsstufe verleihen; dabei seien dort weder die Abbrecherquoten signifikant höher noch die Leistungen der Abiturienten schlechter, wenngleich der Anteil der Abiturienten geringer ausfalle. In den Stadtstaaten Hamburg, Berlin und Bremen spielt dagegen die dort erfolgte Auflösung des dreigliedrigen Schulsystems eine besondere Rolle in der G8/G9-Diskussion. Die dort neben dem Gymnasium existierenden Stadtteilschulen oder Gemeinschaftsschulen ermöglichen ebenfalls den Weg zum Abitur (dann aber nach neun Jahren) und würden sich von Gymnasium kaum mehr wahrnehmbar unterscheiden, wenn auch am Gymnasium G9 wieder eingeführt werden würde.

Der Bildungsforscher Olaf Köller behauptet, dass die Annahme, die kompaktere Schulzeit schade jungen Leuten und erbringe nicht die erhofften Ergebnisse, auf einem „Mythos“ beruhe. Auch seien Freizeitaktivitäten von Gymnasiasten nicht wesentlich im Vergleich zur G9-Ära zurückgegangen. Lediglich die Hoffnung, dass Abiturienten im Schnitt zwölf Monate jünger seien als zu G9-Zeiten, sei nicht erfüllt worden (sie sind nur zehn Monate jünger), was aber nicht an häufigerem Sitzenbleiben liege, sondern vor allem daran, dass Rückkehrer von Auslandsaufenthalten öfter als früher freiwillig ein Schuljahr wiederholten.[32] Dagegen hält der deutsche Astrophysiker Harald Lesch die Zeitkomprimierung durch das Abitur in acht Jahren im deutschen Schulsystem für unsinnig.[33][34] Als Argument führt er an, dass die Menschen auf Grund des medizinischen Fortschritts immer länger arbeiten werden und durch mehr Zeit die Möglichkeit haben sollten, sich in ihren jungen Jahren entwickeln zu können, statt verunsichert und ahnungslos studieren oder in die Berufswelt gehen zu müssen.[33][34]

Die Reform wurde bundesweit eingeführt, obwohl es zuvor keinerlei belastbare und generalisierbare empirische Befunde zum Abitur nach zwölf Jahren Schulzeit gab.[35] Sie wird mittlerweile auch „als größter Holzweg [in] der Geschichte des deutschen Bildungswesens“ bezeichnet.[1]

Rücknahme in westdeutschen Flächenländern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach anhaltender Kritik wurde ab 2013 die verbindliche Einführung des Abiturs nach zwölf Schuljahren in vielen westdeutschen Ländern in Frage gestellt und teilweise oder ganz wieder zurückgenommen. Das Land Niedersachsen beschloss 2014 als erstes Land die vollständige Abkehr vom G8-Gymnasium und die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium, die mit Beginn des Schuljahres 2015/16 für die in den fünften bis achten Jahrgangsstufen befindlichen Schüler vollzogen wurde.[36] Bis 2019 legten Schüler das Abitur nach den alten G8-Plänen am Ende des zwölften Schuljahres ab, bekamen jedoch Erleichterungen und zusätzliche Unterstützung zur Minderung der schlimmsten G8-bedingten Probleme, z. B. in Form einer höheren Zahl an zulässigen „Unterkursen“ in Nicht-Prüfungsfächern. Im Jahr 2020 gab es wegen der Umstellung nur an wenigen niedersächsischen Gymnasien Abiturprüfungen.[37] Seit 2021 legen niedersächsische Schüler ihr Abitur wieder nach neun Jahren ab.

Schematische Darstellung NRW: rot die Jahrgangsstufe, die beim Übergang auf G9 jeweils entfällt

Auch in Hessen und Nordrhein-Westfalen erfolgte eine Entwicklung zur Rücknahme der verkürzten Schulzeit. In Hessen bestand abhängig vom Schulstandort die Möglichkeit, die Abiturprüfungen nach neun Schuljahren abzulegen.[38][39] Laut Kultusminister Ralph Alexander Lorz waren in Hessen im Schuljahr 2013/14 von den 107 Gymnasien im Land nur 31 Schulen G8-Gymnasien. Weitere Gymnasien wechselten zu G9; im Schuljahr 2019/2020 boten nur noch neun Schulen einen G8-Abschluss an.[40] In Nordrhein-Westfalen konnten Gymnasien im Jahr 2010 beantragen, im Rahmen eines Schulversuchs wieder von acht auf neun Jahre umzusteigen,[41] 2017 wurde dann die allgemeine Rückkehr zum Abitur nach 13 Schuljahren beschlossen, was ab 2026 zum Abitur nach G9 führen wird. Drei Gymnasien in Nordrhein-Westfalen haben sich dafür entschieden, G8 beizubehalten.[42] Das Land versucht Schulträger dafür zu gewinnen, in besonderen Bündelungsgymnasien Schüler unterzubringen, die in die 2023/2024 ausfallende Einführungsphase wechseln wollen oder müssen[43].

In Schleswig-Holstein trat am 1. Januar 2018 ein Gesetz in Kraft, durch das ab dem Schuljahr 2019/20 die Jahrgänge sechs und darunter wieder zu G9 zurückkehren.[44]

In Baden-Württemberg wurde im Schuljahr 2012/2013 ein Modellversuch zur Wiedereinführung des G9 an 22 Schulen gestartet. Weitere 22 Schulen folgten im Schuljahr 2013/14, eine davon kehrte einige Jahre später wieder zu G8 zurück. Der Modellversuch läuft sieben Jahre (bis der erste Jahrgang Klasse 11 erreicht) und startet derweil jedes Jahr in Klasse 5. Im Anschluss besuchen die Modellversuchs-G9-Schüler zusammen mit Schülern des G8 die Kursstufe in den Jahrgangsstufen 12–13 (11–12 für G8). Somit wird der Modellversuch komplett erst in den Jahren 2026/2027 bzw. 2027/2028 abgeschlossen sein, wenn die letzten Modelljahrgänge das Abitur ablegen.[45] Bis dahin gilt in etwa 90 % der baden-württembergischen Gymnasien weiterhin G8 als Regelmodell. Jedoch zeichnet sich auch in Baden-Württemberg nach langen Diskussionen eine Abkehr von G8 ab.[46]

Der Bayerische Landtag beschloss 2017, dass in Bayern die letzten Gymnasiasten im Jahr 2024 das Abitur nach acht Jahren ablegen werden, so dass 2025 an den meisten bayerischen Gymnasien kein Abitur abgehalten werden wird.

Die Regierung des Saarlandes beschloss im Juli 2022 ebenfalls die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium ab dem Schuljahr 2022/23.[47]

Derzeitiger Stand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den alten Ländern wird nur in den Stadtstaaten Hamburg und Bremen an G8 als alleinigem Modell für Gymnasien festgehalten. In allen anderen westdeutschen Ländern wurde G9 entweder vollständig wieder eingeführt oder wird in unterschiedlichem Ausmaß (Hessen zu 95 %, Baden-Württemberg zu etwa 11 %) zumindest als Alternative angeboten. Im September 2022 bekräftigte die baden-württembergische Landesregierung erneut, dass das Abitur nach acht Jahren die Regel bleibe, verlängerte aber den G9-Modellversuch an den 44 noch teilnehmenden Gymnasien,[48] während die Kritik an G8 im Land wächst.[49] Im Juni 2023 zeigte sich die Landesregierung erstmals dafür offen, eventuell zu G9 zurückzukehren,[50] und kündigte im Dezember desselben Jahres nach der Empfehlung eines Bürgerforums, das zur Diskussion über die Dauer des allgemeinbildenden Gymnasiums eingerichtet worden war und das mit großer Mehrheit für die Rückkehr zu G9 votiert hatte, die Erarbeitung eines neuen G8/G9–Konzepts an.[51]

In den neuen Ländern und in Berlin ist keine Entwicklung zu G9 erkennbar.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Ferdinand Knauß: Das Ende des achtjährigen Gymnasiums. In: Wirtschaftswoche. 4. November 2016, abgerufen am 22. August 2022.
  2. Ralf Augsburg: Rheinland-Pfalz: G8 nur mit Ganztag. In: ganztagsschulen.org. 16. Juli 2013, abgerufen am 22. August 2022 (Schulzeit endet im März).
  3. Heike Klovert: Das irrationale Geschacher um G8. Spiegel Online, 22. Juni 2016, abgerufen am 14. Dezember 2016: „Hinter G8 standen vor allem ökonomische Interessen: Jugendliche sollten früher für den Arbeitsmarkt bereitstehen. Deutschland sollte international nicht länger von anderen Ländern abgehängt werden, in denen die Nachwuchsfachkräfte die Schulen eher verlassen.“
  4. Constantin Binder: Das „Turbo-Abi“: Die größte Schulreform seit 40 Jahren. Neue Osnabrücker Zeitung, 23. November 2012, abgerufen am 14. Dezember 2016: „Warum wurde G8 eingeführt? Als Hauptgrund für die Verkürzung der Schulzeit gilt die im europäischen Vergleich lange Ausbildungsdauer in Deutschland. Ähnlich wie die europaweite Vereinheitlichung der Studiendauer mit der Einführung von Bachelor und Master im sogenannten Bologna-Prozess soll auch G8 der Vereinheitlichung und besseren Vergleichbarkeit der Ausbildung in Europa dienen.“
  5. Silvia Schwarz-Jung: Allgemeinbildende Gymnasien in Baden-Württemberg – flächendeckend fünf Jahrgänge im „G8“. In: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg (Hrsg.): Statistisches Monatsheft Baden-Württemberg. Band 2008, Nr. 10, 2008, S. 3 (baden-wuerttemberg.de [PDF; 127 kB; abgerufen am 14. Dezember 2016]): „Die Ziele von G8 sind […] die Ausbildungszeiten an internationale Standards anzupassen und so die Chancen der Abiturienten in der weiteren Ausbildung und beim Einstieg in die Berufswelt zu verbessern […]“
  6. G8-Reform. Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung, Mai 2015, abgerufen am 9. Dezember 2016: „Das primäre Ziel der G8-Reform war, das im internationalen Vergleich hohe Schulentlassungsalter in Deutschland zu senken. So sollen die Abiturienten früher in den Arbeitsmarkt eintreten. Dies könnte auch die Folgen des demografischen Wandels abmildern: Je früher der Berufseinstieg erfolgt, desto länger zahlen die Arbeitnehmer in die Sozialkassen ein und desto größer ist für die Arbeitgeber das Angebot an Fachkräften.“
  7. Medina Avdagic: Falsche Entscheidungen durch Turbo-Abi? DerWesten, 15. Juni 2015, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 14. Dezember 2016; abgerufen am 14. Dezember 2016: „Wirtschaftlich betrachtet können Staat und Wirtschaft auf ein Jahr jüngere Berufseinsteiger zurückgreifen und somit dem demografischen Wandel entgegentreten. Die Lebensarbeitszeit verlängert sich automatisch und durch den späten Bezug von Rentengeldern wird dieser Effekt zusätzlich unterstützt.“  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.derwesten.de
  8. Franz-Werner Kersting: Wehrmacht und Schule im „Dritten Reich“. In: Rolf-Dieter Müller, Hans-Erich Volkmann (Hrsg.): Die Wehrmacht. Mythos und Realität. Oldenbourg-Verlag, München 1999, ISBN 3-486-56383-1, S. 447.
  9. Julius Kamper: Nachgedacht über... ...G8 – so schlecht wie sein Ruf? Athenaeum Stade, abgerufen am 15. Dezember 2016: „Dass die westdeutschen Schüler vergleichsweise lange für ihre Reifeprüfung brauchten, stieß bei vielen in der DDR auf Unverständnis. ‚Warum brauchen die im Westen 13 Jahre bis zum Abitur, wir im Osten aber nur zwölf?‘ ‚Weil im Westen ein Jahr Schauspielunterricht dabei war!‘, lautete beispielsweise in beliebter Witz, den man sich jenseits des eisernen Vorhangs gerne erzählte.“
  10. MEMORANDUM 9 Argumente für 9 Jahre Gymnasium. Deutscher Lehrerverband, April 1998, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 18. Dezember 2009; abgerufen am 14. Dezember 2016: „Die Länder der Bundesrepublik Deutschland stellten im Zuge des Wiederaufbaus 1951 wieder auf 13 Jahre um. Die DDR blieb bei zwölf Jahren.“
  11. Manfred Keßler: Als das G8 zum G9 wurde. Augsburger Allgemeine, 5. April 2014, abgerufen am 9. Dezember 2016: „Die kulturpolitischen Intentionen bei der Neuausrichtung des bayerischen Schulwesens zur ‚Bewältigung des Erbes der NS-Zeit‘ in den Nachkriegsjahren führten dazu, dass mit ministerieller Bekanntmachung vom 5. Juni 1951 die ‚Wiedereinführung der neunten Klasse an den achtklassigen höheren Lehranstalten‘ verfügt wurde […]“
  12. a b Jochen Wiesigel: Im Osten nichts Neues. In: Spiegel Online. 11. Februar 2008, abgerufen am 1. April 2011.
  13. https://km-bw.de/,Lde_DE/Startseite/Schule/G9_Modellschulen_n?
  14. https://www.berlin.de/sen/bildung/schule/bildungswege/gymnasium/auf_kurs_zum_abitur_2021_22.pdf
  15. https://schule-in-deutschland.de/die-oberstufe-in-brandenburg/
  16. https://www.bildung.bremen.de/sixcms/media.php/13/Sek_I_WEB.pdf
  17. Schulfrieden verlängert: G8-Abitur bleibt, ndr.de, 13. August 2019
  18. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 5. November 2021 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.regierung-mv.de
  19. Weiterentwicklung des Gymnasiums (G8/G9). Schulministerium NRW, abgerufen am 21. September 2019.
  20. Trend zu G9 an Schulen: Nur drei Gymnasien in NRW bleiben bei G8. In: rp-online.de. Abgerufen am 23. Februar 2020.
  21. https://www.studienkreis.de/infothek/bundeslandinfos/schulsysteme/rheinland-pfalz/
  22. https://www.sr.de/sr/home/nachrichten/politik_wirtschaft/interview_oltmanns_lev_gymnasien_g9_100.html
  23. https://www.schule.sachsen.de/saechsisches-schulsystem-3979.html
  24. https://mb.sachsen-anhalt.de/themen/schulsystem/
  25. https://coppernicus.de
  26. https://bildung.thueringen.de/fileadmin/ministerium/publikationen/gymnasiale_oberstufe.pdf
  27. Vereinbarung zur Gestaltung der gymnasialen Oberstufe in der Sekundarstufe II (Beschluss der KMK vom 7. Juli 1972 i.d.F. vom 9. Februar 2012) (Memento vom 13. Mai 2014 im Internet Archive), Website der Kultusministerkonferenz (PDF; 88 kB) Seite 4, abgerufen am 4. Januar 2013
  28. Matthias Bartsch, Andrea Brandt, Simone Kaiser und Conny Neumann: Diebstahl der Kindheit. In: Der Spiegel. Nr. 3, 2008 (online).
  29. Birgitta vom Lehn: Turbo-Abi wird zur Belastung für Schüler. In: welt.de. 22. Oktober 2007, abgerufen am 1. April 2011.
  30. Kultusminister bessern beim Turbo-Abi nach, Spiegel Online
  31. Autor Anonym: Ich habe ein illegales Abitur, in: Bettina Malter/Ali Hotait (Hg.): Was bildet ihr uns ein? Eine Generation fordert die Bildungsrevolution. Berlin 2012. Vergangenheitsverlag.
  32. Olaf Köller: Rückkehr zu G9: ‚Eltern verhalten sich postfaktisch‘. zeit.de, 3. Mai 2017
  33. a b Benjamin Köhler: Harald Lesch: „Gebt den Kindern Zeit und lasst sie sich entwickeln“. 12. Oktober 2016, abgerufen am 20. Februar 2020 (deutsch).
  34. a b Unser Schulsystem ist Mist! | Harald Lesch. 21. September 2016, abgerufen am 9. September 2019.
  35. Empirische Befunde zu Auswirkungen der G8-Schulzeitverkürzung, DIW Roundup No. 57, 02/2015.
  36. Niedersachsen kehrt als erstes Bundesland zu G9 zurück. In: sueddeutsche.de. Sueddeutsche Zeitung, 19. März 2014, abgerufen am 23. März 2017.
  37. Hinweise zur Umstellung vom acht- auf den neunjährigen Bildungsgang an nieder- sächsischen Gymnasien und an nach Schulzweigen gegliederten Kooperativen Gesamtschulen
  38. Hessisches Kultusministerium räumt auch Gymnasien Wahlmöglichkeit ein (Memento vom 2. Januar 2013 im Internet Archive)
  39. Ab 2011 Abitur wieder nach neun Jahren auf welt.de, 2. November 2009
  40. G8 wird zum Auslaufmodell, hessenschau.de vom 7. Oktober 2019, abgerufen am 3. Juni 2020 (Memento des Originals vom 3. Juni 2020 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.hessenschau.de
  41. RP vom 27. November 2010 (Memento vom 30. November 2010 im Internet Archive)
  42. Trend zu G9 an Schulen: Nur drei Gymnasien in NRW bleiben bei G8, rp-online.de, 3. April 2019
  43. Informationsseite des Bildungsministeriums NRW, aufgerufen am 21. Januar 2022
  44. Rückkehr zu G9, schleswig-holstein.de, abgerufen am 29. Dezember 2017
  45. G9-Modellschulen, auf km-bw.de, abgerufen am 1. Mai 2020
  46. https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilung/pid/weiteres-vorgehen-nach-dialogprozess-zu-g8g9 Pressemitteilung der Landesregierung vom 12. Dezember 2023, abgerufen am 12. Dezember 2023
  47. https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/g9saarland-101.html, abgerufen am 21. Juni 2022
  48. https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/modellversuch-bw-abitur-g9-100.html, SWR aktuell, 4. September 2022, abgerufen am 7. September 2022
  49. Zurück zu G9: Eltern fordern Abschaffung des G8 | Südwest Presse Online. In: swp.de. 28. Juni 2022, abgerufen am 11. Februar 2024.
  50. https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/g8-g9-gymnasien-bw-debatte-landtag-100.html, SWR Aktuell, 19. Juli 2023, abgerufen am 27. Juli 2023
  51. https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilung/pid/weiteres-vorgehen-nach-dialogprozess-zu-g8g9 Pressemitteilung der Landesregierung vom 12. Dezember 2023, abgerufen am 12. Dezember 2023