Abtei Montecassino

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Kloster Montecassino
Abtei Montecassino
Basisdaten
Staat Italien
Kirchenprovinz Immediat
Abt Pietro Vittorelli OSB
Fläche 567 km²
Pfarreien 53 (31. Dezember 2007 / AP 2008)
Einwohner 79.500 (31. Dezember 2007 / AP 2008)
Katholiken 79.500 (31. Dezember 2007 / AP 2008)
Anteil 100 %
Diözesanpriester 39 (31. Dezember 2007 / AP 2008)
Ordenspriester 34 (31. Dezember 2007 / AP 2008)
Katholiken je Priester 1.089
Ordensbrüder 56 (31. Dezember 2007 / AP 2008)
Ordensschwestern 54 (31. Dezember 2007 / AP 2008)
Ritus Römischer Ritus
Liturgiesprache Italienisch
Kathedrale Maria Santissima Assunta e San Benedetto Abate
Anschrift Piazza Corte
03043 Montecassino [Frosinone], Italia
Website www.officine.it/montecassino

Die Abtei Montecassino (auch Monte Cassino) ist das Stamm-Kloster (lat. archicoenobium) aller Benediktiner und liegt in Italien. Sie steht im Range einer Erzabtei. Zudem ist ihr als Territorialabtei ein kirchliches Territorium zugeordnet. Der Klosterkomplex liegt auf einem 516 m hohen felsigen Hügel westlich der Stadt Cassino (dem römischen Casinum, später San Germano) zwischen Rom und Neapel. Montecassino gilt als eines der bedeutendsten geistlichen Zentren des Mittelalters.

Geschichte

Die Krypta von Montecassino mit der Grabstätte des Benedikt von Nursia.

Benedikt von Nursia gründete der späteren Überlieferung zufolge im Jahr 529 an der Stelle der früheren römischen Befestigungsanlage Casinum ein Kloster und verfasste für die Gemeinschaft eine Klosterregel, welche später die Grundlage für den nach ihm benannten Benediktinerorden wurde.

Im Jahre 577 wurde das Kloster durch die Langobarden zerstört. Abt Petronax von Brescia besiedelte es im Jahr 717 im Auftrag Papst Gregors II. und unterstützt durch Willibald von Eichstätt neu.

In der Folge gewann das Kloster rasch an Bedeutung. Der fränkische Hausmeier Karlmann verbrachte seinen Lebensabend in Monte Cassino. Sein Neffe Karl der Große besuchte das Kloster 787, stattete es mit umfangreichen Privilegien aus und ließ sich eine authentische Abschrift der Benediktsregel geben. Das Kloster Fulda wurde unter Abt Sturmius nach dem Vorbild Montecassinos erbaut und reguliert. Paulus Diaconus, ein langobardischer Adliger, verfasste hier als Mönch seine Historia Langobardorum. Auf dem Aachener Konzil (816-819) wurde die Benediktregel als alleinverbindliche Mönchsregel festgelegt, was die Bedeutung des Klosters als Gründungskloster des lateinischen Mönchslebens erhöhte. Zeitgleich, unter Abt Gisulf, wurde eine dreischiffige Kirche errichtet.

Das Kloster wurde 883 von Sarazenen ausgeplündert und zerstört. Abt Bertharius wurde bei dem Überfall getötet. Die Mönche zogen sich nach Teano, später nach Capua zurück.

Die cluniazensische Reform des Ordenslebens konnte aufgrund der normannischen Präsenz nicht richtig Fuß fassen, auch wenn Abt Aligernus als Schüler Odos von Cluny den Versuch unternahm.

Die Äbte und späteren Päpste Friedrich von Lothringen und Desiderius ließen das Kloster ausbauen, und die nahe gelegene Schule von Salerno erlangte unter der Schirmherrschaft der Benediktiner einen hervorragenden Ruf als medizinische Ausbildungsstätte. Während der Amtszeit des Desiderius füllte sich die Bibliothek des Klosters zudem mit Handschriften - unter anderem auch Schriften der Mönche Amatus und Petrus Diaconus - die mit Miniaturen ausgeschmückt waren, mit Mosaiken, Emailmalereien und Goldarbeiten orientalischer Prägung. Am 1. Oktober 1071 weihte Papst Alexander II. eine neu errichtete Basilika ein.

Mit Paschalis II. wurde 1118 ein weiterer Mönch aus Montecassino zum Papst gewählt. Zumindest zwei Äbte wurden auch zum Kardinal ernannt. 1230 besetzte Kaiser Friedrich II., auch König von Sizilien, das Kloster und vertrieb die Mönche. Unter Papst Coelestin V. wurde die Abtei 1294 in die Kongregation der Cölestiner eingegliedert. 1321 erhob Papst Johannes XXII. das Kloster und sein Territorium zur Diözese. Dieses Privileg wurde 1367 wieder abgeschafft.

In der Zwischenzeit, im Jahr 1349, wurde das Kloster durch ein Erdbeben zum dritten Mal fast völlig zerstört. Während des nachfolgenden Wiederaufbaus wurden verschiedene Ergänzungen und Verschönerungen im Stil der Renaissance und des Barock vorgenommen, die dem Kloster sein stattliches Aussehen verliehen, das es bis zum 15. Februar 1944 beibehalten hat.

In der Endphase des Zweiten Weltkrieges war Montecassino Zufluchtsort für Zivilpersonen. Trotz gegenteiliger Versicherungen seitens der Wehrmacht und des Vatikans befürchteten die Alliierten, dass sich aufgrund der militärisch günstigen Lage deutsche Soldaten im Kloster aufhalten könnten. Die deutsche Seite gab Anweisung, sich keinesfalls der Anlage zu nähern, und tat dies über unverschlüsselte Funksprüche auch kund. Andere Quellen berichteten hingegen, in dem Kloster seien deutsche Soldaten gesehen worden. Die Alliierten führten am 15. Februar 1944 einen massiven, dreistündigen Bombenangriff auf das Kloster durch, wobei 250 verbliebene Flüchtlinge und Mönche den Tod fanden. Mit Ausnahme der Krypta wurde das Kloster an diesem Tag bis auf die Grundmauern zerstört.

Nach der Bombardierung rückte die deutsche Wehrmacht in die Ruinen ein und besetzte sie für die Dauer mehrerer Monate. Es folgte eine der blutigsten Schlachten des Zweiten Weltkriegs, die Schlacht um Monte Cassino.

Der Vatikan erklärte später, vor der Bombardierung hätten sich weder deutsche Soldaten noch Kriegsgerät im Kloster befunden. Der Wehrmachts-Oberstleutnant Julius Schlegel hat, als sich die Front näherte, die Kunstschätze des Klosters Montecassino auf 100 Armeelastwagen verladen lassen und in die Engelsburg nach Rom evakuiert. Der Wiederaufbau des Klosters war nicht zuletzt deshalb möglich, weil Julius Schlegel auch alle Baupläne rettete. Nach 1945 wurde die Abtei mit Hilfe des italienischen Staates in zehn Jahren nach den ursprünglichen Bauplänen wiederaufgebaut, dem Leitsatz des Abtes Ildefonso Rea „Wo es stand und wie es war“ folgend.


Sehenswürdigkeiten

Kreuzgang am Eingang

Man betritt das Kloster über den „Kreuzgang am Eingang“. An dieser Stelle stand ein dem Apoll geweihter Tempel, den Benedikt in eine Kapelle für das gemeinsame Gebet der Mönche umgewandelt und dem hl. Martin, dem Bischof von Tours, geweiht hatte. Im Jahre 1953 fand man bei Bauarbeiten Reste der ursprünglichen Fundamente dieser Kapelle.

Hier verstarb der hl. Benedikt, wobei er die von Papst Gregor I. dem Großen beschriebene Haltung einnahm: „aufrecht, von einigen Mönchen gestützt, nachdem er die Eucharistie empfangen hatte“. An diese Episode erinnert eine Gruppe von Bronzefiguren inmitten des Kreuzgangs, die ein Geschenk Konrad Adenauers sind.

Kreuzgang des Bramante
Brunnenhof hinter dem Kreuzgang des Bramante
Innenhof am Museumseingang neben der Abteikirche

Von hier aus gelangt man in einen weiteren Kreuzgang, der dem Renaissance-Künstler Bramante zugeschrieben wird und nach ihm auch benannt ist. In der Mitte befindet sich eine achteckige Zisterne, an deren Seiten korinthische Säulen ein Krönungsgebälk tragen. Von den Balkonen dieses Kreuzgangs fällt der Blick auf den Friedhof, in dem mehr als 1.000 polnische Soldaten begraben liegen, die in den Kämpfen von 1944 ihr Leben ließen.

Zu Füßen der Treppe stehen zwei Statuen: links die des Heiligen Benedikt, die während der Kriegszerstörung fast unversehrt geblieben ist und aus dem Jahre 1736 stammt. Zu seinen Füßen ist die Inschrift zu lesen: „Benedictus qui venit in nomine Domini“ (Gesegnet sei, der im Namen des Herrn kommt). Rechts findet sich die Statue der hl. Scholastika, die eine Nachbildung der zerstörten ursprünglichen Statue ist und die Inschrift trägt: „Veni columba mea, veni, coronaberis“ (Komm', meine Taube, komm', du wirst gekrönt werden).

Kreuzgang der Wohltäter

Am Ende der Treppe gelangt man zum oberen Kreuzgang. In den beiden Nischen aus grauem Marmor stehen die Statuen Urbans V. (des Benediktinerpapstes, der sich nach dem Erdbeben von 1349 für den Wiederaufbau des Klosters eingesetzt hatte), ein Werk aus dem 18. Jahrhundert, sowie Clemens XI., der die Abtei großzügig unterstützt hatte. Der vor der Kirche befindliche Kreuzgang im reinen Renaissancestil (1513) wird wegen der Statuen von Päpsten und Herrschern, die sich im Laufe der Jahrhunderte gegenüber dem Kloster großzügig gezeigt hatten, „Kreuzgang der Wohltäter“ genannt.

Die Fassade der Kathedrale harmoniert mit der architektonischen Struktur des Kreuzganges. Im Bogenfeld findet sich das Wappen von Montecassino und seinen Äbten: ein auf den Hinterbeinen stehender Löwe und ein zwischen zwei in den Himmel ragenden Zypressen errichteter Turm.

Die Kirche selbst wurde nach den ursprünglichen Plänen des 17./18. Jahrhundert wiederaufgebaut. Von dem vorangegangenen Baumaterial, wie dem Marmor, ist vieles wiederbenutzt worden, um die Böden neu anzulegen, die Wände zu vertäfeln oder sie mit Einlegearbeiten zu versehen. Hingegen ist die ursprüngliche Ausschmückung durch Gemälde, seien es Fresken oder Leinwandgemälde, die sich an den Gewölben oder Wänden befanden, für immer verloren gegangen.

Auf der Rückseite des Altars befindet sich das Grab des Heiligen Benedikt.

Andere Orte gleichen Namens

Monte Cassino ist auch der Name eines Bergs bei Ciechanow in Polen, auf dem sich ein Sendeturm befindet.[1]

Siehe auch

Literatur

  • Mariano Dell'Omo, Montecassino. Un'abbazia nella storia, Montecassino, 1999.
  • Mariano Dell'Omo, Storia del monachesimo occidentale dal medioevo all'età contemporanea. Il carisma di san Benedetto tra VI e XX secolo, Jaka Book, Milano, 2011, passim.
  • Korbinian Birnbacher: Montecassino. In: Walter Kasper (Hrsg.): Lexikon für Theologie und Kirche. 3. Auflage. Band 7. Herder, Freiburg im Breisgau 1998, Sp. 438–439.

Einzelnachweise

  1. Niekomercyjny serwis poświęcony radiofonii i telewizji w Polsce (polnisch) radiopolska.pl. Abgerufen am 24. Dezember 2011.

Weblinks

Commons: Montecassino – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 41° 29′ 24″ N, 13° 48′ 50″ O