Acis et Galatée

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Acis et Galatée ist eine Pastoraloper (Pastorale heroïque) in drei Akten und in einem Prolog von Jean-Baptiste Lully.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lully schuf diese Oper für eine Aufführung im Schloss Anet. Das Libretto lieferte auf Jean Racines Vermittlung Jean-Galbert de Campistron, da Lully sich mit Philippe Quinault entzweit hatte, der zuvor die meisten seiner Texte geschrieben hatte.

Grundlage für den Stoff bilden die mythologischen Figuren Akis und Galateia, die in Ovids Metamorphosen auftauchen. Galbert reicherte den Stoff um zahlreiche zusätzliche Personen an, darunter das Paar Telemus und Skylla.

Seit zwei Jahrhunderten war die Gattung der Pastorale ein Muster für im leichten Ton dargebrachte Liebesgefühle, und Lully hatte derlei eigentlich seit George Dandin zugunsten eines tragischen Stils weitgehend aufgegeben. Molière hatte im Bourgeois gentilhomme seinen Monsieur Jourdain noch fragen lassen: „Pourquoi toujours des bergers?“ (Warum immer Schäfer?) und La Fontaine konnte nicht anders, als Musiktheater mit Bukolik zu verbinden – Lully war dies zuwider, er mied ihn deswegen als Librettisten.[1] Was Campistrons Libretto mit der von Lully verfolgten Linie verträglich machte, war die von ihm ein das althergebrachte Szenario eingebaute Figur des Zyklopen Polyphème: bedrohlich, furchterregend und gleichzeitig bedauernswert schwerfällig. Die Figuren handeln zunächst nach dem üblichen Schema: Die Nymphe Scylla bleibt gegenüber dem Liebeswerben des einen Schäfers Télème gleichgültig, während der andere, Acis, zunächst insgeheim, dann offen die Zuneigung der Nymphe Galatée findet. Doch sein Nebenbuhler Polyphème lässt kein glückliches Ende zu. Er schmettert auf Acis einen Felsen und lässt Galatée verzweifelt zurück.

In den drei Akten sparte Lully viel ein, was seine Zeitgenossen sonst unterhaltsam fanden, heute jedoch mitunter langatmig wirkt. Gewonnen hat hierdurch das Orchester, das stellenweise entfesselt aufspielen durfte, wie bei Lully nie zuvor.[2]

Bei der Uraufführung am 6. September 1686 war der Dauphin anwesend, was im Prolog des Werks seinen Niederschlag findet. Die Oper wurde in Anet fünfmal wiederholt und kam schließlich am 17. September in Paris zur Aufführung. Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts gab es noch mehrere Wiederaufnahmen.

Nachdem das Werk in Vergessenheit geraten war, wurde es 1930 von Pierre Monteux in Amsterdam wiederbelebt. Die erste Einspielung auf Tonträger von Marc Minkowski stammt aus dem Jahr 1998.

Acis et Galatée war Lullys letzte vollendete Oper. Er begann noch die Komposition einer weiteren Tragédie lyrique, starb aber darüber im März 1687.

Personen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Acis
  • Galatée
  • Télème
  • Scylla
  • Polyphème
  • Tircis
  • Aminte
  • Comus
  • Prêtre du Junon (Priester der Juno)
  • Une Dryade
  • Un Sylvain
  • Première Naïade
  • Deuxième Naïade
  • L’Abondance (Der Überfluss)
  • Diane
  • Appolon
  • Neptune

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Philippe Beaussant: Lully ou Le Musicien du Soleil, Gallimard/Théâtre des Champs-Élysées, [Paris] 1992, S. 552.
  2. Beaussant 1992: S. 706–709.