Chaconne

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Die Chaconne (französisch, spanisch chacona, vom Baskischen chocuna „niedlich“) ist ein spanischer Volkstanz des 16. Jahrhunderts und ist mit der Passacaglia eng verwandt. Bei musikalischen Werken wird im Titel häufig der italienische Begriff ciaccona verwendet; auch davon abgewandelte Schreibweisen wie ciacona, chiaccona, ciaconia und ähnliche kommen vor.

Nach Curt Sachs ist die Chaconne hispanoamerikanischen Ursprungs und hatte ehemals einen sinnlichen, wilden und zügellosen Charakter.

In der Kunstmusik versteht man unter Chaconne eine Ostinato-Form mit einem sich ständig wiederholenden vier bis acht Takte dauernden Harmonieschema. Der Unterschied zur Passacaglia liegt darin, dass sich die Basslinie im Verlauf auch ändern darf. Muss bei der Passacaglia das Thema immer klar erkennbar sein, so ist dies bei der Chaconne nicht der Fall. Das Thema kann auch durch die Stimmen gehen und so schwer erkennbar gemacht werden.

Barock[Bearbeiten]

Herausragende frühbarocke Beispiele einer Vokalciaccona sind Claudio Monteverdis „Zefiro torna“ (9. Madrigalbuch, SV 251) und – davon inspiriert – Heinrich Schütz‘ „Es steh Gott auf“ („Symphoniae sacrae“ II, SWV 356, Schlussteil). [1]

Die bekannteste Chaconne ist jene aus der Partita Nr. 2 d-Moll für Violine solo (BWV 1004) von Johann Sebastian Bach, von der einige Transkriptionen existieren. So komponierte Johannes Brahms ein Werk für die linke Hand solo, das auf diese Weise die Beschränkungen der Violine nachgestalten sollte, während Ferruccio Busoni in seiner virtuosen Bearbeitung die klanglichen Möglichkeiten des Klaviers ausschöpfte.

Bekannt ist außerdem die Chaconne für Cembalo in G-Dur (HWV 435) von Georg Friedrich Händel. Die Chaconne in g-Moll für Violine und Generalbass, die der Violinvirtuose Ferdinand David um 1860 dem italienischen Barockkomponisten Tomaso Antonio Vitali zuschrieb, stammt wahrscheinlich nicht aus der Barockzeit, sondern wurde im 19. Jahrhundert komponiert. Dafür sprechen vor allem die umfangreichen harmonischen Modulationen in den Variationen.[2]

Auch nennenswert ist die Chaconne Purcells aus „King Arthur“. Sie repräsentiert die englische Barockschule und ist äußerst typisch für Purcells Stil.

19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Vereinzelt wurde die Form im 19. Jahrhundert wieder aufgegriffen. Zu den großartigsten Chaconne-Schöpfungen der Romantik gehört der Schlusssatz der Sinfonie No. 4 e-Moll op. 98 von Johannes Brahms. Das achttaktige Thema ist (mit leichten Veränderungen) der Bach-Kantate „Nach dir, Herr, verlanget mich“ BWV 150 entnommen. Es wird zu Beginn von den Bläsern vorgestellt und anschließend in über 30 Variationen kunstvoll variiert, wobei das Thema zumeist in den Bassinstrumenten präsent ist. Allerdings sind sich auch heute noch Kritiker und Musikwissenschaftler nicht einig, ob sie als reine Chaconne bezeichnet werden kann. Da der Satz in entwickelnder Sonatenhauptsatzform steht, ist das Thema anfangs als Passacaglia zu deuten, doch wird es in der Durchführung nur noch schwer erkennbar und bekommt so Charakterzüge der Chaconne.

20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Bedeutende Chaconne-Kompositionen aus dem 20. Jahrhundert stammen von Carl Nielsen, Emil Bohnke und Hans Werner Henze (Finalsatz aus dem Konzert für Kontrabass und Orchester).

Literatur[Bearbeiten]

  • Thomas Schmitt: Passacaglio ist eigentlich eine Chaconne. Zur Unterscheidung zweier musikalischer Kompositionsprinzipien. In: Frankfurter Zeitschrift für Musikwissenschaft. Jg. 13, 2010, ISSN 1438-857X, S. 1–18, (PDF; 364 kB).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gerald Drebes: Schütz, Monteverdi und die „Vollkommenheit der Musik“ – „Es steh Gott auf“ aus den „Symphoniae sacrae“ II (1647). In: Schütz-Jahrbuch. Jg. 14, 1992, S. 25–55, online.
  2. Hermann Keller: Die Chaconne g-Moll von – Vitali? In: Neuen Zeitschrift für Musik. Jg. 125, Nr. 4, April 1964, ISSN 0170-8791, S. 147.