Adler Modemärkte

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Koordinaten: 49° 57′ 50,8″ N, 9° 11′ 30,1″ O

Adler Modemärkte AG

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Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN DE000A1H8MU2
Gründung 1948
Sitz Haibach, DeutschlandDeutschland Deutschland
Leitung Thomas Freude,[1]
Vorsitzender
Karsten Odemann,
CFO
Carmine Petraglia,
CCO
Wolfgang Burgard
Aufsichtsratsvorsitzender
Mitarbeiterzahl 3.612[2]
Umsatz 495 Mio. Euro (2019)[2]
Branche Großhandel, Einzelhandel
Website www.adlermode-unternehmen.com
Stand: 31. Dezember 2018

Neueröffnung eines Modemarktes in Solingen, 2015

Die Adler Modemärkte AG mit Sitz in Haibach bei Aschaffenburg ist eine börsennotierte Textil-Einzelhandelskette mit insgesamt 172 Geschäften in Deutschland (142 Geschäfte), Österreich, Luxemburg und der Schweiz. Im Januar 2021 stellte Adler einen Insolvenzantrag.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung und erste Jahre als unabhängiges Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Firma wurde 1948 von Wolfgang Adler als kleiner Konfektionsbetrieb in Annaberg in Sachsen gegründet. Die erste Kollektion bestand ausschließlich aus Mänteln und wurde von der Familie in einer Dachkammer genäht. Wolfgang Adler selbst reiste in sogenannten Verkaufsbussen durchs Land und verkaufte seine Ware. Der Betrieb zog 1959 aus der DDR nach Engen bei Konstanz. Hier gründete Wolfgang Adler die Adler Mäntel KG, die 1966 einen Umsatz von einer Million DM erreichte. 1967 zog das Unternehmen nach Haibach bei Aschaffenburg. Zu dieser Zeit wurde die Ware mit Lkw an die Händler verteilt, die sie auf Provision verkauften. 1970 wurde in Haibach der erste Modemarkt eröffnet; weitere Standorte in Neckartenzlingen bei Stuttgart und Eching bei München folgten.

Verkauf und Eingliederung bei Metro[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1982 verkaufte Wolfgang Adler sein Unternehmen an die Asko Deutsche Kaufhaus AG und zog sich aus dem Geschäft zurück. Unter neuer Leitung vergrößerte sich der Betrieb stetig weiter. Bald wurden in Österreich, Luxemburg und, nach dem Fall der Mauer 1989, auch in den neuen Bundesländern weitere Filialen eröffnet.

1987 wurden mehrere Brandanschläge auf Verwaltungsgebäude[3] sowie Filialen der Adler-Modemärkte durch die terroristische Gruppierung Rote Zora verübt, die damit den blutig niedergeschlagenen Streik um bessere Arbeitsbedingungen beim Adler-Tochterunternehmen Flair Fashion in Südkorea unterstützen wollte.[4] Der entstandene Sachschaden wurde auf 30 Millionen DM geschätzt.[5]

Bis in die 1990er Jahre hatte das Unternehmen eine Verkaufsfiliale am Frankfurter Flughafen, die auch am Sonntag geöffnet war. 1995 wurde die Firma Motex als Tochterfirma in das Unternehmen integriert. 1996 wurde ASKO der Metro AG angeschlossen. Zu dieser Zeit hatte die Modekette Adler 55 Standorte. 1998 gliederte die Metro die Firma Adler zusammen mit 200 weiteren Tochterfirmen aus dem Metro-Konzern aus und brachte sie in ein zusammen mit der Deutschen Bank gegründetes Beteiligungsunternehmen Divaco ein, um für sie einen Käufer zu finden. Bis zum Ende der 1990er Jahre war die Anzahl der Standorte auf 113 angestiegen. 2000 vergrößerte Adler für seine Tochterfirma Motex sein Logistikzentrum auf eine Gesamtfläche von 155.000 m². Dadurch wurde das Unternehmen zu einem der größten und bedeutendsten in Europa für Logistik und Bekleidungswirtschaft.

Verkauf an Finanzinvestoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Januar 2004 trennte sich Metro von ihren Anteilen an der Divaco und erwarb im Zuge dieser Ablösung die Adler Modemärkte GmbH für 60 Millionen Euro sowie der Übernahme von Bankverbindlichkeiten im Umfang von 280 Millionen Euro zurück. Metro trennte sich im Februar 2009 von Adler und veräußerte Adler an den Finanzinvestor BluO.[6] Nach erfolgter Umwandlung der Gesellschaft in eine Aktiengesellschaft im März 2011 fand im Juni 2011 der Börsengang an der Frankfurter Wertpapierbörse statt.

Im März 2013 gab die Steilmann-Gruppe bekannt, eine Mehrheit an Adler Modemärkte übernehmen zu wollen; es kam zu einem freiwilligen Übernahmeangebot und gleichzeitig wurde mit dem Hauptaktionär, der luxemburgischen BluO, für rund 46,96 Prozent der Anteile eine Kaufvereinbarung vereinbart.[7] Nach dem Angebot hielt Steilmann 52,8 % am Kapital; der Streubesitz lag bei rund 41 %.[8] Im März 2016 erklärte sich der Großaktionär Steilmann für zahlungsunfähig und stellte am darauf folgenden Tag einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Dortmund.[9] Am Folgetag gab Adler Modemärkte bekannt, in keiner Weise von der Insolvenz betroffen zu sein. Es gebe weder einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag noch habe Steilmann Verbindlichkeiten gegenüber Adler und umgekehrt. Auch im Bereich Einkauf sei Adler kaum von Steilmann abhängig.[10]

Expansion und Erwerb weiterer Modeketten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im März 2010 startete das Unternehmen als zusätzlichen Vertriebsweg neben dem stationären Handel einen eigenen Online-Shop, der das Sortiment der Modekette in den Internet-Versandhandel brachte. 2015 wurde das Angebot um einen Online-Shop für Übergrößen erweitert. Zur weiteren Vergrößerung und Festigung der Marktposition erwarb die Adler Modemärkte im September 2011 die 18 Filialen der Wehmeyer GmbH & Co. KG (285 Mitarbeiter).[11]

2015 expandierte das Unternehmen weiter und übernahm von Rewe und der Familie Sanktjohanser die Anteile an der Textilkette Kressner. Dies führte zu einem weiteren Ausbau des Filialnetzes um acht Märkte. Im Zuge der Akquisition konnte Adler das eigene Kundenkarten-Programm, das etwa 90 % aller Adler-Käufer nutzen, um 100.000 Kressner-Kunden erweitern.[12][13] Zusätzlich erwarb Adler 2015 im Rahmen eines Asset Deals zwei Modehäuser in Mömlingen und Lollar von hefa Moden.[14] Ende 2018 betrieb die Unternehmensgruppe insgesamt 178 Adler Modemärkte, davon 150 in Deutschland, 23 in Österreich, 3 in Luxemburg und 2 in der Schweiz.

Zum 31. Dezember 2019 wurden 52,81 % der Adler-Aktien von S&E-Kapital, einer gemeinsamen Holding der seit 2016 insolventen Steilmann-Gruppe und eines Finanzinvestors, gehalten. 5,12 % werden von Wolfgang Stolz und 5,03 % von Gerhard Wöhrl gehalten; 32 % der Anteile befinden sich im Streubesitz.[15] Im Laufe des Jahres 2020 kamen Berichte auf, S&E wolle seinen Anteil veräußern.[16] Am 10. Januar 2021 stellte das Unternehmen in Deutschland einen Insolvenzantrag in Eigenverwaltung. Die Tochtergesellschaften in Österreich, der Schweiz und Luxemburg seien davon nicht betroffen.[17] Laut eigenen Aussagen des Unternehmens seien die Umsatzeinbußen aufgrund des Lockdowns wegen der COVID-19-Pandemie hierfür ursächlich.[18][19]

Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Adler Modemärkte zählt zu den größten Textileinzelhandelsketten in Deutschland: Mit einem Umsatz von € 566 Mio. im Jahr 2015 gehört Adler gemäß dem Top-100-Ranking 2015 des Branchenmagazins TextilWirtschaft[20] zu den Top 20 der umsatzstärksten Textilhändler und beschäftigte 4.203 Mitarbeiter.

Adler positioniert sich im unteren Mittelpreissegment und fokussiert sich hauptsächlich auf die Zielgruppe der Frauen und Männer ab 45 Jahren. Dabei verfolgt Adler eine Multimarkenstrategie und konzentriert sich auf Großflächenkonzepte zwischen 1.400 und 3.500 m². Zum 23. März 2016 betrieb der Konzern 183 Modemärkte,[21] davon 156 in Deutschland, 22 in Österreich, drei in Luxemburg und zwei in der Schweiz sowie einen Online-Shop. Seit dem 22. Juni 2011 ist das Unternehmen börsennotiert; die Aktie wird im regulierten Markt sowie im Teilbereich mit weiteren Zulassungsfolgepflichten (Prime Standard) gehandelt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Impressum. Abgerufen am 2. Mai 2021.
  2. a b Geschäftsbericht 2019 (PDF)
  3. Rote Zora: „Ich werde versuchen, Arbeit zu finden“. Spiegel Online vom 16. April 2007.
  4. Anschlagserklärung der Roten Zora vom Juni 1987, dokumentiert auf freilassung.de
  5. Terrorgruppe „Rote Zora“: Überraschendes Comeback. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 11. April 2007.
  6. Metro verkauft Modehaus-Kette Adler. Archiviert vom Original am 18. August 2012; abgerufen am 26. Februar 2018., AFP, 13. Februar 2009.
  7. Ad-hoc-Mitteilung der Adler Mopdemärkte AG. (pdf; 35 kB) 21. März 2013, abgerufen am 15. Oktober 2013.
  8. Aktionärsstruktur (auf Investor-relations Webseite des Unternehmens). 16. Juni 2013, abgerufen am 15. Oktober 2013.
  9. Modefirma Steilmann – Von der Börse in die Pleite. Abgerufen am 24. Juni 2019.
  10. http://www.adlermode-unternehmen.com/fileadmin/2016/IR/PM/240316/de/2016-03-24_PM-Steilmann_DE.pdf
  11. Textilhandel: Adler Mode übernimmt Wehmeyer. Abgerufen am 24. Juni 2019.
  12. Kressner: Adler Moden erwirbt Textilkette von Rewe. Abgerufen am 24. Juni 2019.
  13. Jana Tilz: Hier geht noch was...: Adler schlägt Hennes. In: Focus Online. 18. Juni 2014, abgerufen am 14. Oktober 2018.
  14. Reinhold Koehler: Adler übernimmt Hefa Moden-Standorte. 5. März 2015, abgerufen am 24. Juni 2019 (deutsch).
  15. Geschäftsbericht 2019, abgerufen am 11. Januar 2020
  16. deal-advisors.com: S&E Kapital GmbH nimmt Erwägungen zur Veräußerung ihres Mehrheitsanteils an der Adler Modemärkte AG wieder auf, 21. November 2020, abgerufen am 11. Januar 2020
  17. Modekette Adler stellt Insolvenzantrag. In: nachrichten.at. 10. Januar 2021, abgerufen am 10. Januar 2021 (englisch).
  18. Modekette Adler stellt Insolvenzantrag. In: nachrichten.at. 10. Januar 2021, abgerufen am 10. Januar 2021 (englisch).
  19. Süddeutsche Zeitung: Adler Modemärkte AG stellt Insolvenzantrag. Abgerufen am 11. Januar 2021.
  20. Die größten Textileinzelhändler in Deutschland 2014 (Memento vom 19. April 2016 im Internet Archive)
  21. http://www.adlermode-unternehmen.com/fileadmin/2016/IR/PM/23032016/de/20160323_ADLER_steuerfreie_Dividende_DE.pdf