Ajanta-Höhlen

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Ajanta-Höhlen
अजंता गुफाएँ
*
UNESCO-Welterbe
UNESCO-Welterbe-Emblem

1 Ajanta Caves Viewpoint.jpg
Talkessel mit den Ajanta-Höhlen
Staatsgebiet: IndienIndien Indien
Typ: Kultur
Kriterien: (i)(ii)(iii)(vi)
Fläche: 8,242 ha
Referenz-Nr.: 242
Region: ª Asien und Ozeanien
Geschichte der Einschreibung
Einschreibung: 1983  (Sitzung 7)

* Der Name ist auf der Welterbe-Liste aufgeführt.
ª Die Region ist von der UNESCO klassifiziert.

Höhle 1, Vihara mit sitzendem Buddha sowie Wand-und Deckenmalereien
Höhle 26, Chaitya-Halle

Die seit dem Jahr 1983 zum UNESCO-Weltkulturerbe zählenden Ajanta-Höhlen im Bundesstaat Maharashtra gehören – neben denen von Ellora – zu den meistbesuchten Kulturstätten Indiens.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Höhlen liegen in einem Talkessel etwa 4 km (Luftlinie) westlich der Kleinstadt Ajanta (Marathi अजिंठा, Ajiṇṭhā) im Norden des indischen Bundesstaates Maharashtra. Die nächste Stadt mit einer Bahnstation, Jalgaon, ist rund 77 km entfernt, doch meist werden die Höhlen im Rahmen einer Tagestour zusammen mit denen von Ellora von der knapp 100 km südlich gelegenen Stadt Aurangabad angefahren. Von dort verkehren auch öffentliche Busse und Taxis.

In einem steil durch den – nur in und nach der Monsunzeit wasserführenden – Fluss Waghora in den Fels eingeschnittenen, U-förmigen Tal findet man zahlreiche in den Fels getriebene, große Höhlentempel.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom 2. Jahrhundert vor bis zum Ende des 7. Jahrhunderts nach der Zeitenwende war das Tal von buddhistischen Mönchen bewohnt. Während der Vakataka-Dynastie im 5. Jahrhundert wurden die meisten Höhlen gebaut, wenngleich die Vertreter des Vakataka als Anhänger des Brahmanismus selbst nicht Hand anlegten. Die Baumeister waren anfänglich die Mönche selbst; später wurden die einfachen, vielleicht aber auch Teile der komplizierteren Arbeiten von geschulten und bezahlten Steinmetzen erledigt. Nach offizieller Zählung des Archaeological Survey of India wurden 29 große Höhlen in den Fels getrieben; diese waren bis zu 30 m breit und tief (Höhle 4) und ca. 4 bis 8 m hoch. Aus verschiedenen Gründen (schmucklose Stützen und Architrav, anikonischer Stupa) kann man davon ausgehen, dass die Höhle 10 die älteste aller Höhlen von Ajanta ist und im 2. Jahrhundert v. Chr. geschaffen wurde. Die Bauphasen und Meißelzeiten schwanken je nach Größe und Dekor pro Höhle zwischen 1 und 5 Jahren. Im 7./8. Jahrhundert erreichte eine Welle der Feindlichkeiten gegen Buddhisten in ganz Indien auch dieses abgeschiedene Tal. Die Mönche wurden vertrieben; die Höhlen gerieten in Vergessenheit und wurden im Laufe der Zeit vom Verwitterungsschutt der darüberliegenden Felswände verdeckt.

Im April 1819 passierte eine Truppeneinheit der britischen Madras-Armee das Ajanta-Ghat. Während einer Tigerjagd ergründete der britische Kavallerieoffizier John Smith die kaum zugängliche Schlucht und entdeckte die seit Jahrhunderten verwaisten Höhlentempel (in Höhle 10 hinterließ er eine kurze Inschrift). Weitere Höhlen wurden nach und nach freigelegt.[1]

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den insgesamt 29 Höhlen sind nur drei (Nrn. 9, 10 und 26) reine Kulthöhlen (chaityas). Alle anderen Höhlen sind entweder reine Wohnhöhlen (viharas) oder gemischte Kult- und Wohnhöhlen. Die quadratischen aber auch rechteckigen Wohnhöhlen sind oft breiter als tief, wohingegen die dreischiffigen, im hinteren Bereich abgerundeten reinen Kulthöhlen insgesamt eher schmal, aber sowohl tiefer als auch höher als die Wohnhöhlen sind – bei ihnen werden Anlehnungen an die ältere, aber nicht erhaltene Holzbauweise deutlich (z. B. in den Dachsparren). Beim Betreten der gemischten vihara-Höhlen wird der Blick meist auf eine gegenüberliegende Nische mit einer aus dem Fels gehauenen sitzenden Buddha-Statue gelenkt; der Blickfang in den chaitiya-Höhlen ist dagegen ein Stupa mit einer manchmal davor befindlichen Buddha-Statue.

Malereien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Höhle 1: Prinzessin und Dienerin

Die bedeutendsten Höhlen wurden mit Wandputz versehen, auf dem mit Mineralfarben Szenen aus dem Leben Buddhas dargestellt sind, die sich sehr wahrscheinlich am höfischen Leben der Zeit ihrer Entstehung orientieren – interessant sind hier vor allem die Frisuren, die Kleidung und der Schmuck der Frauen. In einer Höhle huldigen zwei Krieger dem Buddha, der eine in chinesischer und der andere in römischer Soldatenkleidung – es muss also bereits damals ein kultureller Austausch zwischen Indien und dem Mittelmeerraum stattgefunden haben. Da das römische Reich zur Zeit seiner maximalen Ausdehnung auch das Gebiet Mesopotamiens umfasste, reichte möglicherweise eine Verbindung dorthin für die Kenntnis römischer Uniformen.

Die Maler beherrschten die Trompe-l’œil-Malerei so gut, dass dem Betrachter in einer anderen Szene ein gemalter Balkon entgegen zu ragen scheint.

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Malerei in Höhle 1 (heutiger und ehemaliger Zustand)

Trotz der Abgeschiedenheit Ajantas bedroht der Tourismus die teilweise etwa 2100 Jahre alten Malereien zunehmend; in einigen Höhlen wurden daher feste Barrieren installiert, um die Malereien vor häufig auftretender, mutwilliger Zerstörung zu schützen – außerdem wurden viele Gemälde mit Plexiglasscheiben gesichert. Zeitweise erhöhte Werte der Luftfeuchtigkeit, verursacht durch große Mengen von Besuchern in den Tempeln, haben die Deckenmalereien in einigen Höhlen bereits irreversibel beschädigt. Das Fotografieren mit Blitzlicht ist in den wenig beleuchteten Höhlen mittlerweile untersagt, um die Malereien vor weiterem Verfall zu schützen. Das Fotografieren mit Stativ ist ebenfalls untersagt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Simon P. M. Mackenzie: Adschanta: die geheiligten Höhlen Buddhas. Die Welt der Religionen. Herder, Freiburg i.Br./Basel/Wien 1983
  • Amina Okada, Jean-Louis Nou: Ajanta. Frühbuddhistische Höhlentempel. Metamorphosis, München 1993
  • Herbert Plaeschke und Ingeborg Plaeschke: Indische Felsentempel und Höhlenklöster. Köhler & Amelang, Leipzig 1982
  • Bernd Rosenheim: Die Welt des Buddha. Frühe Stätten buddhistischer Kunst in Indien. Philipp von Zabern, Mainz 2006
  • Benjamin Rowland: Malereien aus indischen Felsentempeln (Ajanta). Piper, München 1963 (Unesco Taschenbücher der Kunst).
  • Dietrich Seckel: Kunst des Buddhismus. Werden, Wanderung und Wandlung. Holle, Baden-Baden 1962
  • Walter M. Spink: Ajanta: History and Development. Reihe: Bertold Spuler (Hrsg.): Handbook of Oriental Studies. Section 2: South Asia. Volume 18/1–5. Brill, Leiden 2005–2008

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ajanta-Höhlen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Herbert und Ingeborg Plaeschke: Indische Felsentempel und Höhlenklöster. Ajanta und Ellura. Wien, Köln, Graz: Böhlau 1983. S.11 f.

Koordinaten: 20° 33′ 10″ N, 75° 42′ 3″ O