Kapitol-Komplex in Chandigarh

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Kapitol-Komplex in Chandigarh
UNESCO-Welterbe UNESCO-Welterbe-Emblem

Palace of Assembly Chandigarh 2006.jpg
Parlamentsgebäude
Vertragsstaat(en): IndienIndien Indien
Typ: Kultur
Kriterien: (i)(ii)(vi)
Fläche: 98,48 ha
Referenz-Nr.: 1321
UNESCO-Region: Asien und Pazifik
Geschichte der Einschreibung
Einschreibung: 2016  (Sitzung 40)

Der Kapitol-Komplex in Chandigarh ist der Regierungssitz der gemeinsamen Hauptstadt der heutigen indischen Bundesstaaten Punjab und Haryana. Er wurde vom französisch-schweizerischen Architekten Le Corbusier in den 1950er Jahren entworfen und realisiert. Einige Teile seines ursprünglichen Plans wurden erst nach seinem Tod (1965) vervollständigt. Im Jahr 2016 wurde der Regierungskomplex zusammen mit weiteren 16 seiner weltweit verstreuten Bauten in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen. Andere Bauten von Le Corbusiers und seinen Mitarbeitern Maxwell Fry, Jane Drew und Pierre Jeanneret, die zeitgleich in Chandigarh entstanden, wurden bislang nicht in die UNESCO Liste aufgenommen worden.

Geschichtlicher Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

indischer Teil des Punjab (1951–1966)

Nach der Unabhängigkeit und Teilung Indiens im Jahr 1947 lag Lahore, die alte Hauptstadt des Punjab in Pakistan; lediglich der kleinere Teil der fruchtbaren Region blieb indisch. Da der indische Bundesstaat dadurch über keine Hauptstadt mehr verfügte, wurde ein Dorf namens Chandigarh als Platz für die Neugründung ausgewählt. Internationale Architektenteams wirkten bei der Planung und Bauausführung entscheidend mit. Im Jahr 1966 wurde der mehrheitlich von Hindus bewohnte südliche Teil des indischen Punjab als neuer Bundesstaat Haryana abgespalten, außerdem entstand im nördlichen Teil der Bundesstaat Himachal Pradesh. Chandigarh blieb gemeinsame Hauptstadt der Bundesstaaten Punjab und Haryana.

Der Status Chandigarhs blieb allerdings in den folgenden Jahrzehnten zum Teil umstritten. Nationalistische Sikh-Politiker der Akali Dal wollten die Stadt in den Bundesstaat Punjab eingliedern. Im Punjab-Abkommen vom 24. Juli 1985 zwischen Premierminister Rajiv Gandhi und dem Sikh-Führer und Präsidenten der Shiromani Akali Dal Harchand Singh Longowal wurde unter anderem die Angliederung Chandigarhs an den Punjab vereinbart. Diese kam jedoch nicht zustande, da die Übereinkunft nicht umgesetzt wurde.[1]

Architektur und Skulptur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Skulptur Offene Hand
Regierungsgebäude Sekretariat 1952–1958
Justizpalast 1952–1956

Der Kapitol-Komplex vereint Architektur und Skulptur. Von den ursprünglich vier geplanten Gebäuden des Komplexes wurden bis auf den Gouverneurspalast alle umgesetzt. Das Parlamentsgebäude wurde von 1952-1963 auf einem quadratischen Grundriss erbaut. Es bietet Platz für die beiden Kammern (Ober- und Unterhaus).[2] Das Sekretariat ist das Verwaltungsgebäude der einzelnen Ministerien. Es wurde auf einem langgezogenen Grundriss von 1952-1958 errichtet.[3] Gegenüberliegend auf der anderen Seite des großen Platzes befindet sich der Justizpalast mit mehreren großen Gerichtsräumen. Er wurde von 1952-1956 auf einem L-förmigen Grundriss errichtet. Markant sind hier vor allem die drei großen, farbigen Stützen am Eingang zum Platz.[4] Kennzeichen der Bauten Le Corbusiers ist der organisch-skulpturale Stil, der bei allen drei Gebäuden deutlich wird. Zudem sind die geometrischen Formen der Gebäudeteile besonders gut an die Funktionen der Gebäude angepasst. Alle Gebäude besitzen mindestens einer Fassade mit Le Corbusiers brise-soleil und sind in Sichtbeton gestaltet.

Die wohl wichtigste Skulptur des Komplexes ist die der Offenen Hand. Sie besteht aus einem Sockel, der über einen Stab mit der eigentlichen Hand verbunden ist. Die Offene Hand nimmt Bezug auf die uralte buddhistische Geste des Grußes, der Schutzgewährung und der Furchtlosigkeit (abhayamudra). Gleichzeitig kann sie auch als Friedenstaube verstanden werden.

Geometrischer Hügel
Schattenturm (Links), Parlamentsgebäude (Hintergrund), Märtyrerdenkmal (Vordergrund)

Weitere Denkmäler des Komplexes sind der Schattenturm, der Geometrische Hügel und das Denkmal der Märtyrer.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Carlo Cresti: Le Corbusier, Kunstkreis Luzern 1969.
  • Bärbel Högner: Chandigarh. Living with Le Corbusier, Berlin 2010.
  • Klaus-Peter Gast: Le Corbusier Paris – Chandigarh, Basel 2000.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Chandigarh, Regierungsgebäude – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rajiv-Longowal Memorandum of Settlement (Accord), July 24, 1985. The Sikh Times, abgerufen am 15. März 2017 (englisch).
  2. Klaus-Peter Gast: Le Corbusier Paris - Chandigarh. Basel 2000, S. 116.
  3. Klaus-Peter Gast: Le Corbusier Paris - Chandigarh. Basel 2000, S. 140.
  4. Klaus-Peter Gast: Le Corbusier Paris - Chandigarh. Basel 2000, S. 128.

Koordinaten: 30° 45′ 35″ N, 76° 48′ 10″ O