Akademisches Kunstmuseum

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Akademisches Kunstmuseum, Front.
Luftaufnahme (2016).

Das Akademische Kunstmuseum ist das älteste Bonner Museum. Es beherbergt die Antikensammlung der Universität Bonn mit über 500 Abgüssen antiker Statuen und Reliefs und über 2000 Originalen. Es befindet sich in einem klassizistischen Bau am südlichen Ende des Hofgartens direkt gegenüber dem Kurfürstlichen Schloss.

Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundriss des Akademischen Kunstmuseums

Das Gebäude, das heute das Akademische Kunstmuseum beheimatet, geht auf das 1824/25 entstandene, von dem Bonner Universitätsbaumeister Friedrich Waesemann, dem Vater des Architekten Hermann Friedrich Waesemann, entworfene Gebäude des anatomischen Instituts der Universität zurück. Es weist auf den Bau der Anatomie (Anatomisches Theater) der Berliner Tierarzneischule von Carl Gotthard Langhans zurück, wurde allerdings von Karl Friedrich Schinkel maßgeblich überarbeitet. An den in dieser Zeit entstandenen Demonstrationssaal, die Rotunde, waren zwei Seitengebäude zu Anschauungs- und Vorbereitungszwecken angebaut. Der Komplex wurden bis 1872 von der medizinischen Fakultät genutzt.

Baulicher Zustand und vorhandene Fläche entsprechen nicht der Bedeutung der Sammlung. Die Exponate befinden sich in den Räumlichkeiten dicht gedrängt. Ein Förderverein versucht, die für Sanierung und Ausbau verfügbaren Mittel zu ergänzen. Auch mit Hilfe der Deutschen Stiftung Denkmalschutz konnten bis 2006 Erneuerungsarbeiten an den Fußböden durchgeführt werden. Das Gebäude der ehemaligen Anatomie steht als Baudenkmal unter Denkmalschutz.[1] 2012 wurden weitere Schäden an der Außenfassade und vor allem am Dachstuhl entdeckt. Das Ende der Renovierungsarbeiten war für Ende 2014 geplant[2] und erfolgte im Frühjahr 2015.

Einige Szenen der Münsteraner Tatort-Folge Der Fluch der Mumie wurden vor und in dem Gebäude gedreht.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Planung für das Akademische Kunstmuseum begann bereits 1815 in Vorbereitung der Gründung der Preußischen Rhein-Universität, der späteren Universität Bonn, im Jahr 1818. Friedrich Gottlieb Welcker wurde 1819 zum ersten Leiter der Antikensammlung und Professor für Klassische Archäologie berufen. Sie befand sich im Hauptgebäude der Universität, dem Kurfürstlichen Schloss sowie der auch dort untergebrachten Universitätsbibliothek.

Die ersten Exponate kamen 1820 aus Paris, darunter wahrscheinlich von französischen Truppen requirierte Stücke, über deren Rückgabe Preußen verhandelte. 1827 umfasste die Sammlung nach Angabe des ersten Kataloges bereits 189 Nummern. Erste Ankäufe von Originalen tätigte Welcker mit dem Erwerb von Münzen und Funden aus dem Rheinland vom Canonicus Pick. Welcker erweiterte die Sammlung erheblich, begünstigt auch durch die umfassenden Reisen in den Mittelmeerraum, die er in den 1840er Jahren durchführte. Siebzigjährig trat er 1854 von seinen Ämtern an der Universität zurück.

Den Nachfolgern Welckers im 19. Jahrhundert, Friedrich Ritschl, Otto Jahn, Reinhard Kekulé und Georg Loeschcke, gelang es, die Antikensammlung verstärkt in das archäologische Studium und die beginnende kritische Bewertung der historischen Welt zu integrieren. Die Sammlungstätigkeit teilte man zeitweise mit dem damals noch zur Universität gehörigen Museum Rheinischer Altertümer, das heute das selbstständige Rheinische Landesmuseum ist. Während das Rheinische Museum die lokalen Funde sammelte, konnte sich das Kunstmuseum auf das Sammeln der Funde aus dem Mittelmeerraum konzentrieren. Besonders Georg Loeschcke verlegte den Fokus vermehrt von den Abgüssen hin zu den Originalen. Dank ihm entwickelte sich die Sammlung zu einer der herausragenden Universitätssammlungen nicht nur bei Abgüssen, sondern auch bei den Originalwerken. Wie bei Universitätssammlungen zumeist üblich, lag der Fokus hier nicht im Ankauf großer und repräsentativer Schaustücke, sondern darin beispielhafte Stücke für verschiedene Stile zu bekommen, wobei etwa auch Scherben und nicht mehr nur ganze Gefäße von Bedeutung sein konnten.

Schon zuvor Reinhard Kekulé machte sich um die Erweiterung der Sammlung verdient, indem er zahlreiche Ankäufe, auch von Vasen und Terrakotten, hinzufügen konnte. Ihm gelang es auch, die ehemalige Anatomie für die Antikensammlung zu sichern und 1884 noch um ein Gebäude für die Abguss-Sammlung erweitern zu lassen, das sich im Erscheinungsbild dem klassizistischen Stil der älteren Bauten anschloss. Im Jahr 1908 wurde für das Archäologische Institut noch ein weiterer Anbau hinzugefügt. Zwischen den Weltkriegen war die Ausstattung des Museums mit Mitteln beschränkt, nennenswerte Ankäufe konnten kaum geleistet werden, selbst der Unterhalt des Museums war oft schwierig.

Nachdem 1940 Richard Delbrueck als Professor auf politischen Druck hin emeritiert wurde, die Gebäude aufgrund einer defekten Heizung nur noch im Sommer genutzt werden konnten und kriegsbedingt erhebliche Sammlungsverluste aufgetreten waren, wussten nach 1945 Ernst Langlotz und als sein Nachfolger ab 1969 Nikolaus Himmelmann unter hohem persönlichen Einsatz die Sammlung wiederaufzubauen und die Gebäude erneut ganzjährig nutzbar zu machen. Seitdem die Abgußsammlungen der Berliner und Münchener Universitäten im Zweiten Weltkrieg vernichtet wurden, ist die Bonner Sammlung die größte derartige Sammlung in Deutschland.

Die Leiter der Antikensammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sie waren bis auf Friedrich Wilhelm Ritschl auch gleichzeitig Professoren für Klassische Archäologie an der Universität Bonn. Seit Reinhard Kekulé ist die Leitung des Museums mit dem Ordinariat verbunden.

Kuratoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bezeichnung der Kuratoren änderte sich im Laufe der Zeit; die Liste ist nicht komplett

Sammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Minoische Larnax im Meeresstil.
Blick in die Abgusssammlung.

Die Abgusssammlung des Akademischen Kunstmuseums ist inzwischen eine der weltweit größten ihrer Art geworden, und die Originalsammlung stellt die größte Sammlung in Nordrhein-Westfalen dar. Neuestes repräsentatives Stück in der Sammlung ist eine minoische Larnax im Meeresstil.

In der Dauerausstellung werden derzeit 300 Statuen und 200 Reliefs gezeigt. Hinzu kommen 2000 Originalwerke, vorrangig der Kleinkunst. Die übrigen Stücke der Sammlung sind magaziniert, werden aber zum Teil von Zeit zu Zeit beispielsweise durch Sonderausstellungen erschlossen und der Öffentlichkeit präsentiert. Zudem werden Teile der Sammlungen durch Katalogwerke erschlossen, die Keramik etwa durch das Corpus Vasorum Antiquorum Deutschland.

Sonderausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2000: Meisterwerke griechischer Keramik aus der Sammlung Giuseppe Sinopoli
  • 2001: Gips nicht mehr. Abgüsse als letzte Zeugen antiker Kunst
  • 2001: Schätze der Kelten aus dem Rheinischen Landesmuseum
  • 2001/2002: Hand und Fuß. Werner Schaarmann und Ilse Wegmann
  • 2002: Nur eine halbe Unze Gold. Römischer Schmuck aus dem Rheinischen Landesmuseum Bonn
  • 2002/2003: Siegel und Abdruck. Antike Gemmen in Bonn
  • 2003: Stilles Vertrautes. Werke Heiner Meyers im Dialog mit der Antike
  • 2003: Vorbilder
  • 2003: Die Bibliothek von Theodor Mommsen. Eine Auswahl
  • 2004: Daheim in neuem Glanze. Restaurierte Kunstwerke des Akademischen Kunstmuseums Bonn
  • 2004: Schläft ein Lied in allen Dingen. Goldschmiedearbeiten von Heide Simm
  • 2004: Sportschau. Antike Athleten in Aktion
  • 2005: Antike – Körper – Formen von Donald von Frankenberg
  • 2006: Antike à la carte. Meisterwerke des Klassizismus aus Neapel
  • 2006: L\'antica maniera - Arbeiten in Edelstein. Giovanni Calandrelli (1784–1853) und Gerhard Schmidt (geb. 1953)
  • 2006: Hier bei den Göttern. Zeitgenössische Kunst von Hildegard von Chappuis und Andreas Schumacher
  • 2006/2007: Caesaren in Bonn
  • 2007: Mythos und Entstellung. Arbeiten von Peter Stauder
  • 2007/2008: Massenhaft, tönern und hohl. Terrakotten der Westgriechen
  • 2008: Bunte Steine. Marmorluxus in der römischen Architektur
  • 2008/2009: RASNA - Die Etrusker
  • 2009/2010: Echt antik oder falsch. Vasen auf dem Prüfstand
  • 2010: Studieren im Krieg. Wenn Zukunft warten muss
  • 2010: ΣΤΗΝ ΒΙΤΡΙΝΑ. Athener Schaufensterpuppen, fotografiert von Ingrid Keller
  • 2010/2011: TonArt. Virtuosität antiker Töpferkunst
  • 2011/2012: Dionysos und Apollon
  • 2012: Die Restaurierung der Athener Akropolis mit Photographien von Socratis Mavrommatis
  • 2013: Kleopatra VII - Die wohlvertraute Unbekannte
  • 2014: Kopier mir die Sonne
  • 2014: Ferne Zeit. Zeugnisse frühgriechischer Kunst im Akademischen Kunstmuseum Bonn
  • 2014: Antike Plastik 5.0://. Dokumentationsmedien in der Archäologie - Von der Skizze zum 3D-Modell
  • 2015: Vergöttert
  • 2015/2016: „Ein lehrreicher Überblick“. Georg Loeschcke und das Akademische Kunstmuseum
  • 2017: Tanz in der Antike
  • 2017/18: Spiele(n) in der Antike

Sonntagsführungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Akademischen Kunstmuseum finden mittlerweile seit über 40 Jahren jeden Sonntag um 11.15 Uhr (außer im September und an Feiertagen) 45-minütige Führungen zu den Themenbereichen, die das Museum bietet statt[3]. Diese Führungen sind komplett von den Studenten der Klassischen Archäologie organisiert und werden auch von diesen geplant und durchgeführt. Ebenfalls komplett in studentischer Hand ist die Planung und Durchführung von Kinderführungen, die 4-mal im Jahr für 5- bis 8- und 9- bis 12-jährige Kinder (Eintritt frei) stattfinden, um den jungen Besuchern einen Eindruck von der Antike zu vermitteln[4]. Die komplett ehrenamtlich tätigen Studenten organisieren daneben einmal im Jahr eine "Kinderlesenacht", bei der sie - als antike Griechen verkleidet - den Kindern Geschichten aus der Welt der griechischen Mythen vorlesen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolfgang Ehrhardt: Das Akademische Kunstmuseum der Universität Bonn unter der Direktion von Friedrich Gottlieb Welcker und Otto Jahn. Westdeutscher Verlag, Opladen 1982, ISBN 3-531-05082-6. (Abhandlungen der Rheinisch-Westfälischen Akademie der Wissenschaften 68)
  • Wilfred Geominy, Das Akademische Kunstmuseum der Universität Bonn unter der Direktion von Reinhard Kekulé, Amsterdam 1989, ISBN 9060320778.
  • Johanna Kinne: Das akademische Kunstmuseum der Universität Bonn unter der Direktion von Georg Loeschke von 1889 bis 1912. Petersberg, Imhof 2004, ISBN 3-937251-55-3.
  • Andreas Denk, Ingeborg Flagge: Architekturführer Bonn. Dietrich Reimer Verlag, Berlin 1997, ISBN 3-496-01150-5, S. 19.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Akademisches Kunstmuseum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Denkmalliste der Stadt Bonn, S. 5, Nummer A 177
  2. General-Anzeiger: Akademisches Kunstmuseum am Hofgarten wird aufwendig saniert (abgerufen am 27. Mai 2014)
  3. http://www.ai.uni-bonn.de/akademisches-kunstmuseum/fuehrungen
  4. http://www.ai.uni-bonn.de/akademisches-kunstmuseum/junge-besucher/kinderfuehrungen

Koordinaten: 50° 43′ 54″ N, 7° 6′ 23″ O