Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft

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 Logo der Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft e.V.
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Die Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft (ASM) ist ein eingetragener gemeinnütziger Verein mit Sitz in Tübingen. Es handelt sich um eine liberale Denkfabrik von Unternehmern und Ordoliberalen zur Förderung der Sozialen Marktwirtschaft.[1][2]

Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut dem Sozialwissenschaftler Ralf Ptak wurde die Aktionsgemeinschaft unter der Leitung von Alexander Rüstow eine wichtige Institution für den Transfer ordoliberaler Ideen in den politischen Raum, um so eine breitere Öffentlichkeit auch über den rein wissenschaftlichen Bereich hinaus zu erreichen und zu beeinflussen.[3] Der Politikwissenschaftler Elmar Altvater sah darin ein Instrument zur Propagierung der Marktwirtschaft.[4] Allerdings zielte die Institution mit ihrem elitär-intellektuellen Habitus eher auf bürgerlich-akademisches Publikum, als dass sie eine Strategie wirksamer Massenbeeinflussung erreichte.[5]

Die Sozialforscher Dieter Plehwe und Bernhard Walpen sehen die Aktionsgemeinschaft als Denkfabrik in direkter Beziehung zu der Mont Pelerin Society.[6]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein wurde am 23. Januar 1953 von dem Ökonomen Otto Lautenbach gegründet. Lautenbach war zuvor Leiter des Freiwirtschaftsbundes, kam jedoch nach dem Krieg zu der Überzeugung, dass nicht der Zins das Hauptproblem sei, wie dies vom Sozialreformer Silvio Gesell gesehen wurde, sondern dass eine immer stärker ausufernde Staatstätigkeit im Kollektivismus und einem totalen Staat enden müsse. Daher überwarf er sich mit den Freiwirtschaftern und trat zusammen mit mehreren Anhängern aus dem Freiwirtschaftsbund aus.[7] Nach dem Tod Lautenbachs im Jahr 1954 wurde Alexander Rüstow, der bereits bei der Gründung der ASM dabei war, neuer Vorsitzender. Die ASM wurde zu einem Forum, das fast ausschließlich neoliberale Positionen repräsentierte.

Die ASM galt als „inoffizielles Sprachrohr“ der Wirtschaftspolitik der Bundesregierung und engagierte sich vor allem in Zeiten des Wahlkampfes für die Politik Ludwig Erhards.[8]

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorsitzender des Vorstands ist Nils Goldschmidt. In der Geschäftsführung sind Julian Dörr (Forschung und Projekte) und Ute Friederich (Management und PR).

Jenaer Aufruf zur Erneuerung der Sozialen Marktwirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Aktionsgemeinschaft, vertreten durch Joachim Starbatty, war zusammen mit Michael Borchard (Konrad-Adenauer-Stiftung), Uwe Cantner, Andreas Freytag und Rupert Windisch (Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Universität Jena), Nils Goldschmidt und Michael Wohlgemuth (Walter Eucken Institut), Gerd Habermann (Die Familienunternehmer – ASU), Martin Wilde (Bund Katholischer Unternehmer), Lars Vogel (Ludwig-Erhard-Stiftung) und Joachim Zweynert (Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut/Wilhelm-Röpke-Institut) Mitautor des 2008 initiierten Jenaer Aufruf zur Erneuerung der Sozialen Marktwirtschaft.[9] Sie ist eine der Initiatoren der Jenaer Allianz zur Erneuerung der Sozialen Marktwirtschaft.

Alexander-Rüstow-Plakette[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein verleiht seit 1964 die Alexander-Rüstow-Plakette an Persönlichkeiten, die sich um die Stärkung und Weiterentwicklung der sozialen Marktwirtschaft verdient gemacht haben. Unter den Preisträgern waren:[10]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bernhard Löffler, Soziale Marktwirtschaft und administrative Praxis: das Bundeswirtschaftsministerium unter Ludwig Erhard, Franz Steiner Verlag, 2002, ISBN 978-3-515-07940-2, S. 81–82
  2. Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft e. V. (ASM), in: Hermann May, Claudia Wiepcke: Lexikon der ökonomischen Bildung. De Gruyter, Berlin/Boston 2012, 8. völlig überarb. und erw. Aufl., ISBN 978-3-486-71733-4, S. 6–8; eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  3. Ralf Ptak: Vom Ordoliberalismus zur Sozialen Marktwirtschaft - Stationen des Neoliberalismus in Deutschland, Leske + Budrich, Opladen 2004, S. 260.
  4. Elmar Altvater: „Globalisierter Neoliberalismus“, in: Christoph Butterwegge et al.: Neoliberalismus - Analysen und Alternativen, Wiesbaden: VS-Verlag, 2008, S. 50–68, hier: S. 51.
  5. Ralf Ptak: Vom Ordoliberalismus zur Sozialen Marktwirtschaft - Stationen des Neoliberalismus in Deutschland, Leske + Budrich, Opladen 2004, S. 280
  6. Dieter Plehwe, Bernhard Walpen: „Buena Vista Neoliberal?“, in: Klaus-Gerd Giesen: Ideologien in der Weltpolitik, Wiesbaden: VS-Verlag, 2004, S. 49–88, hier: S. 83.
  7. Stephan Lindner, Neoliberale Think-Tanks in Deutschland, in Werner Rügemer (Herausgeber), Die Berater: ihr Wirken in Staat und Gesellschaft, transcript Verlag, 2004, ISBN 3899422597, S. 53
  8. Vgl. Dieter Haselbach: Autoritärer Liberalismus und soziale Marktwirtschaft - Gesellschaft und Politik im Ordoliberalismus, Baden-Baden, Nomos, 1991, S. 213–214.
  9. Jenaer Aufruf zur Erneuerung der Sozialen Marktwirtschaft (deutsch)
  10. Preisträger der Alexander-Rüstow-Plakette, Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft, abgerufen am 16. Januar 2016.