Albert Kitzler

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Albert Kitzler

Albert Kitzler (* 12. November 1955 in Oberwesel) ist ein deutscher Philosoph, Rechtsanwalt und Filmproduzent. Unter dem Namen „MASS UND MITTE“ gründete er 2010 in Berlin eine philosophische Schule für antike Lebensphilosophie.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Albert Kitzler wurde als dritter und letzter Sohn einer Bäuerin und eines Schiffsmaschinisten geboren. Noch vor Vollendung seines ersten Lebensjahres zog die Familie aus einem Dorf im Hunsrück nach Homberg am Niederrhein. Dort lebte die Familie in sehr bescheidenen Verhältnissen. Im Alter von zehn Jahren riss er kurzzeitig von zu Hause aus, um auf eine höhere Schule gehen zu dürfen, was seinen beiden älteren Brüdern wegen fehlender finanzieller Mittel versagt war. Daraufhin stimmten die Eltern dem Eintritt in eine Realschule zu. Sein Abitur machte Kitzler auf einem Gymnasium in Rheinkamp.[1]

Im Alter von 16 Jahren weckte die Lektüre von Will Durants Die großen Denker sein Interesse für Philosophie.[2]

Er hat zwei Töchter, lebt in Berlin und München und ist neben seiner philosophischen Tätigkeit als Medienanwalt tätig.[3]

Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kitzler begann 1974 an der Universität Freiburg im Breisgau ein Studium der Rechtswissenschaft, zwei Semester später nahm er Philosophie dazu. Er studierte unter anderem Heidegger bei dessen Lehrstuhlnachfolger Werner Marx. An dem von diesem geleiteten Husserl-Archiv transkribierte er ein Jahr lang Texte aus Husserls stenographischem Nachlass für die Gesamtausgabe seiner Werke. 1980 schloss er in Freiburg das erste juristische Staatsexamen als Jahrgangsbester ab. Von der Studienstiftung des Deutschen Volkes erhielt er ein Promotionsstipendium. Bei Alexander Hollerbach promovierter er 1984 über die „Auslegungslehre des Anton Friedrich Justus Thibaut“.[4] Im gleichen Jahr absolvierte er sein zweites juristisches Staatsexamen und begann eine Tätigkeit als Rechtsanwalt in einer Freiburger Kanzlei.

Tätigkeit als Filmproduzent[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Jahren 1986/1987 unternahm Kitzler eine einjährige Studienreise durch Südamerika, die großen Einfluss auf seinen weiteren Werdegang hatte. Während dieser Reise entschloss er sich, seiner Leidenschaft für die Filmkunst nachzugehen. 1988 ging er deshalb nach Berlin. Ein Jahr später produzierte er seinen ersten Spielfilm, die deutsch-argentinische Koproduktion Hijo del Rio („Der Junge vom Fluss“), Regie Ciro Cappellari. In den folgenden zehn Jahren produzierte er rund 20 Filme, die zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen erhielten. Den größten Erfolg erzielte er mit dem Kurzfilm Schwarzfahrer von Pepe Danquart, der weltweit über sechzig Preise erhielt und im Jahre 1994 mit einem Oscar ausgezeichnet wurde. Seit 2012 ist er gelegentlich als Executive Producer tätig. Bei drei Kurzfilmen führte Kitzler unter dem Pseudonym Arvo Blechstein selbst Regie. Von 2003 bis 2013 war Kitzler Mitglied der Europäischen Filmakademie.

Tätigkeit als Philosoph[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 2000 gab er die Produzententätigkeit weitgehend auf und widmete sich wieder verstärkt der Philosophie. In den folgenden Jahren betrieb er intensive Studien der praktischen Philosophie im antiken Griechenland, China und Indien. 2010 gründete er in Berlin MASS UND MITTE – Schule für antike Lebensweisheit, eine gemeinnützige Einrichtung, die sich das Studium und die Verbreitung des antiken Weisheitswissens durch Veranstaltungen, philosophische Urlaube, Seminare, Matineen, philosophische Beratung und Publikationen zur Aufgabe gemacht hat.[5] Seit Januar 2011 veröffentlicht die Schule auf ihrer Homepage und über soziale Netzwerke täglich „Worte der Weisheit“, Zitate aus der westlichen und östlichen Antike, die Kitzler mit kurzen Kommentaren erläutert.[6]

2014 erschien im Pattloch Verlag sein erstes Buch Wie lebe ich ein gutes Leben? Philosophie für Praktiker. Dort versucht er die These zu belegen, dass das antike Weisheitswissen einen der größten kulturellen Schätze der Menschheit darstellt, dass aber die Bedeutung und praktische Relevanz dieses Wissens für die Lebensführung des modernen Menschen weitgehend in Vergessenheit geraten ist.[7] 2015 erschien im gleichen Verlag sein zweites Buch Philosophie to go. Große Gedanken für kleine Pausen, eine Auswahl der tägliche erscheinenden „Worte der Weisheit“ mit einem Nachwort zur Geschichte dieser Art der Weisheitsvermittlung. 2016 veröffentlichte der Droemer Verlag sein drittes Buch Denken heilt! Philosophie für ein gesundes Leben, in dem Kitzler die therapeutische Philosophie der westlichen und östlichen Antike wiederbelebt und Wege im Denken zur Vermeidung, Linderung und Heilung seelischer Alltagsleiden und damit auch körperlicher Krankheiten aufzeigt. Im Oktober 2017 erscheint im Herder Verlag "Leben lernen - ein Leben lang. Eine praktische Philosophie", in dem Kitzler die Lebenslehre des römischen Philosophen Seneca darstellt.

Filmografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Produzent[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1989: Der Junge vom Fluss (Hijo del Rio)
  • 1990: Stiller Mensch
  • 1990: Die blaue Stunde
  • 1991: Ingalo im gründen Meer (Ingaló)
  • 1991: Sommer in Mezra (TV)
  • 1992: Vaterland
  • 1992: Der große Postraub
  • 1992: Schwarzfahrer
  • 1993: Frankie, Jonny und die Anderen
  • 1994: Emil und der kleine Skundi (Skýjahöllin)
  • 1994: Schrei der Erde
  • 1996: Zeit der Flamingos (Sin Querer)
  • 1996: Illegitim (A törvénytelen)
  • 1997: Playboys
  • 1997: Geschwister – Kardeşler
  • 1997: Es wird Regen geben – eine Reise in Patagonien (TV)
  • 1998: Der Strand von Trouville
  • 1998: Reise ins Nichts (El Entusiasmo)
  • 1999: Dealer
  • 2000: Es ist nie zu spät (Qui a tué Clémence Acérat?)
  • 2001: Das Verbrechen
  • 2012: Hinter der Tür (Az ajtó)
  • 2013: The International Criminal Court
  • 2013: Das große Heft (A nagy füzet)

Als Regisseur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1989: Stiller Mensch
  • 1994: Schrei der Erde
  • 2001: Das Verbrechen

Als Schauspieler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1990: Die blaue Stunde

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Angaben beruhen auf einer biographischen Skizze von Kitzler: http://www.massundmitte.de/dr-albert-kitzler.html, ferner der Artikel „Schwarz gefahren, Gold gewonnen“ im Tagesspiegel vom 29. Februar 2004 http://www.tagesspiegel.de/berlin/schwarz-gefahren-gold-gewonnen/494894.html Abgerufen am 31. März 2014
  2. Will Durant: Die großen Denker. Orell Füssli, Zürich und Leipzig 1930; engl. Original The Story of Philosophy, The Lives and Opinions of the Greater Philosophers, Simon and Schuster, New York 1926
  3. http://www.kilawmedia.de/ und Artikel „Promis als Anwälte“ im Handelsblatt vom 11. November 2004 http://www.handelsblatt.com/unternehmen/management/strategie/name-und-netzwerk-bringen-das-geld-promis-als-anwaelte/2434114.html Abgerufen am 31. März 2014
  4. erschienen bei Duncker & Humblot, Berlin 1986
  5. http://www.massundmitte.de/ Abgerufen am 31. März 2014
  6. http://www.massundmitte.de/tagessaetze.html; die „Worte der Weisheit“ der letzten drei Monate sind als pdf abrufbar unter http://www.massundmitte.de/texte.html Abgerufen am 16. August 2017
  7. Wie lebe ich ein gutes Leben? Philosophie für Praktiker, S. 15