Albrecht Dold
Albrecht Egon Dold (* 5. August 1928 in Nußbach (bei Triberg im Schwarzwald); † 26. September 2011 in Neckargemünd)[1] war ein deutscher Mathematiker. Er gilt als Pionier der algebraischen Topologie.[2]
Seine Arbeit als Mitherausgeber der Lecture Notes in Mathematics verschaffte ihm einen weiten Überblick über die Entwicklung nahezu aller Bereiche der modernen Mathematik.[3]
Inhaltsverzeichnis
Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Albrecht Dold wurde im Januar 1944 als Flakhelfer einberufen und verlor seinen Vater im November 1945 an Kriegsfolgen. Trotzdem gelang es ihm, einen Studienplatz an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg zu erhalten,[4] wo er ab 1948 Mathematik studierte und 1954 bei Herbert Seifert zum Dr. rer. nat. promoviert wurde (Über fasernweise Homotopieäquivalenz von Faserräumen. Mathematische Zeitschrift Bd. 62, 1955, S. 111). 1956 bis 1958 war er Assistent bei Hassler Whitney am Institute for Advanced Study in Princeton, New Jersey. 1958 habilitierte er sich in Heidelberg. 1960 war er zunächst Assistant- später Associate Professor an der New Yorker Columbia University, ordentliche Professuren erhielt er 1962 an der Universität Zürich und ab 1963 an der Universität Heidelberg, wo er bis zu seiner Emeritierung 1996 Professor für reine Mathematik war.[5]
Er war zu Gastaufenthalten, die länger als einen Monat dauerten, an der Universität Amsterdam, Warwick University (Coventry), Harvard (Cambridge), University of Washington (Seattle), University of British Columbia (Vancouver), IHES (Paris), Universität Genf, ETH Zürich, University of Osaka, PUC Rio de Janeiro, USP Sao Paulo, University of Mexiko, Politecnico Mexiko, Academia Sinica (Taiwan), Nankai University (Tianjin), Macquarie University (Sydney), University of Minnesota (Minneapolis), University of Chicago, University of Wisconsin (Madison), University of California (Los Angeles), Universität Mailand, Universität Rom, University of Calabria (Cosenza), Universität Lecce, Hebrew University (Jerusalem)
Er war mit der Mathematikhistorikerin Yvonne Dold-Samplonius verheiratet.
Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Albrecht Dold beschäftigte sich im Wesentlichen mit Algebraischer Topologie und Homologischer Algebra. Er schrieb ein verbreitetes Lehrbuch der algebraischen Topologie im Springer-Verlag, bei dem er auch Mitherausgeber der Lecture Notes in Mathematics war. Er arbeitete u. a. über die Kobordismentheorie von René Thom. Seine Arbeiten über Fixpunktsätze haben Anwendungen u. a. in den Wirtschaftswissenschaften. Zu seinen Doktoranden zählen Eberhard Freitag, Volker Puppe und Carl-Friedrich Bödigheimer.
Von 1984 bis 1985 war er Präsident der Deutschen Mathematiker-Vereinigung.[4] Von 1995 bis 1998 war er Vizepräsident der International Mathematical Union.[6] Er war Sekretär der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse der Heidelberger Akademie der Wissenschaften von 1991 bis 1994 und danach bis zum 1999 Vertreter des Sekretärs.
Er war von 1964 bis 2000 einer der Herausgeber der Lecture Notes in Mathematics des Springer Verlags. Zusammen mit Beno Eckmann (1964–1994) und Floris Takens (1994–2000) verantwortete er 1750 Ausgaben der Lecture Notes. Veröffentlicht wurden unter anderem wesentliche Arbeiten von Alexander Grothendieck.[7]
Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- 1962 war Dold Invited Speaker auf dem Internationalen Mathematikerkongress in Stockholm.[8]
- Aufnahme in die Heidelberger Akademie der Wissenschaften (1974)[9]
- Aufnahme in die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften (1985)[1]
- Korrespondierendes Mitglied der Mexikanischen Akademie der Wissenschaften (Academia Mexicana de Ciencias)
- Ehrendoktorwürde zum Dr. rer. pol. h. c. 1983 verliehen von der Fakultät der Wirtschaftswissenschaften der Universität Karlsruhe[9]
Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Lectures on Algebraic Topology. Springer-Verlag, Grundlehren der Mathematischen Wissenschaften, 1972, 2. Auflage 1980, neu 2004 in der Reihe Classics in Mathematics herausgekommen, ISBN 3540586601.
- Dold: Fixed point indices of iterated maps. Inventiones Mathematicae Bd. 74, 1983.
- Dold: Fixed Point theory and Homotopy theory. In: Symposium in Algebraic Topology in Honor of Josef Adem. AMS 1982.
- Dold: The Fixed Point Index of Fibre-Preserving Maps. Inventiones Mathematicae, Bd. 25, 1974, S. 281.
- Dold: Homotopie und Kohomologie. Jahresbericht DMV 1966.
- Dold: Partitions of unity in the theory of fibrations. Ann. of Math. (2) 78 1963 223–255.
- Dold, Puppe: Homologie nicht-additiver Funktoren. Anwendungen. Ann. Inst. Fourier Grenoble 11 1961 201–312.
- Dold, Thom: Quasifaserungen und unendliche symmetrische Produkte, Ann. of Math. (2) 67 (1958), S. 239–281
- Dold: Erzeugende der Thomschen Algebra . Mathematische Zeitschrift Bd. 65, 1956, S. 25.
Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- ↑ a b Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina: Jahrbuch 2011. (PDF; 20,1MB) Abgerufen am 11. Mai 2017 (hier S. 194).
- ↑ zitiert aus dem Nachruf der Europäischen Vereinigung der Mathematiker
- ↑ zitiert aus einem von Albrecht Dold selbst formulierten Lebenslauf.
- ↑ a b Volker ter Meulen, Werner Ballmann: Albrecht Dold: Laudatio zum 80. Geburtstag. In: Jahrbuch 2008. Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina. Reihe 3, Jahrgang 54, 2009, ISBN 978-3-8047-2753-3, S. 173–174.
- ↑ die Titel werden von ihm selbst in einem tabellarischen Lebenslauf genannt.
- ↑ The IMU Executive Committee (1995-1998). (Nicht mehr online verfügbar.) Internationale Mathematische Union, ehemals im Original; abgerufen am 11. Mai 2017. (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven)
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- ↑ Laudatio des Springer Verlags
- ↑ Albrecht Dold: Partitions of unity in the theory of fibrations. In: Proceedings of the International Congress of Mathematicians 1962. Mittag-Leffler-Institut, Djursholm 1963, S. 459–461 (PDF (88,7 MB) – Siehe auch S. X u. XII). PDF (88,7 MB) (Memento des Originals vom 28. Dezember 2013 im Internet Archive)
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- ↑ a b Albrecht DOLD. (Nicht mehr online verfügbar.) Internationale Mathematische Union, ehemals im Original; abgerufen am 11. Mai 2017. (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven)
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Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Literatur von und über Albrecht Dold im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Eintrag von Albrecht Dold in der Universitätsbibliothek Heidelberg
- Albrecht Dold im Mathematics Genealogy Project (englisch)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Dold, Albrecht |
| ALTERNATIVNAMEN | Dold, Albrecht Egon (Geburtsname) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Mathematiker |
| GEBURTSDATUM | 5. August 1928 |
| GEBURTSORT | Nußbach |
| STERBEDATUM | 26. September 2011 |
| STERBEORT | Neckargemünd |
- Mathematiker (20. Jahrhundert)
- Mathematiker (21. Jahrhundert)
- Topologe (20. Jahrhundert)
- Mitglied der Leopoldina (20. Jahrhundert)
- Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften
- Mitglied der Mexikanischen Akademie der Wissenschaften
- Hochschullehrer (Universität Zürich)
- Hochschullehrer (Columbia University)
- Hochschullehrer (Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg)
- Deutscher
- Geboren 1928
- Gestorben 2011
- Mann