Aldobrandini (Adelsgeschlecht)

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Wappen der Aldobrandini

Aldobrandini ist der Name eines italienischen Adelsgeschlechts, das ursprünglich aus Florenz stammte, in Rom einen Papst und mehrere Kardinäle stellte und so in den päpstlichen Adel und in den europäischen Hochadel aufstieg. Das Geschlecht ist im Mannesstamm erloschen, jedoch führt heute ein Zweig der Fürsten Borghese den Titel Fürst Aldobrandini.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ippolito Aldobrandini (1536–1605), Papst Clemens VIII.

Die Familie wurde im Florenz des 14. Jahrhunderts durch die internationalen Handelsbeziehungen der Stadt wohlhabend und teilte sich in mehrere Stämme (di Caruccio, di Neri, Bellincioni, di Lippo, di Madonna u. a.) Sie standen in engen Beziehungen zu den Medici und breiteten sich in Nord- und Mittelitalien sowie nach Rom aus, vergleichbar den Chigi aus Siena oder den Odescalchi aus Como.

Silvestro Aldobrandini (1499–1558) aus dem Zweig di Neri, Anwalt und Politiker, ging 1530 aus Opposition gegen Cosimo I. de’ Medici nach Fano, wurde dann als Reformator für die Gesetzgebung nach Venedig und Faenza berufen und ging 1548 nach Rom, wo er Sekretär von Papst Paul IV. wurde. Aus seiner Ehe mit Lisa Donati stammten die Söhne Giovanni Aldobrandini (1525–1573), der spätere Kardinal, und Ippolito Aldobrandini (1536–1605), der spätere Papst Clemens VIII. Letzterer betrieb den damals üblichen Nepotismus und berief seine Neffen Pietro Aldobrandini und Cinzio Passeri Aldobrandini zu Kardinälen, ferner seinen Urenkel Silvestro Aldobrandini und Verwandte aus anderen Familienzweigen wie Bonifazio Bevilacqua Aldobrandini und Gian Francesco Aldobrandini. Die Tochter des Neffen Giovanni Francesco Aldobrandini, Margherita (1588–1646), wurde mit Ranuccio I. Farnese, Herzog von Parma und Piacenza, verheiratet. In das Pontifikat Clemens' VIII. fielen die Hinrichtungen von Beatrice Cenci und Giordano Bruno. Nach seinem Tod 1605 verloren die Aldobrandini in Rom rasch an Einfluss, sicherten sich jedoch Besitzungen außerhalb des Kirchenstaats in Meldola, Sarsina und Rossano. Der römische Zweig starb mit Olimpia Aldobrandini 1681 aus. Ihr Fideikommiß fiel an ihre Nachkommen aus der Familie Pamphilij und nach deren Erlöschen an die ebenfalls von Olimpia abstammenden Borghese, die daraus eine Sekundogenitur für Fürst Francesco Aldobrandini Borgheses (1776–1839) jüngeren Sohn Camillo (1816–1902) errichteten.[1] Dazu gehörte bis 1929 die (dann in Staatsbesitz übergegangene) Villa Aldobrandini auf dem Quirinal in Rom mit reicher Kunstsammlung sowie (bis heute) die ab 1598 – ebenfalls für Kardinal Pietro Aldobrandini – von den Architekten Giacomo della Porta und Carlo Maderno errichtete Villa Aldobrandini in Frascati. Heutiger Titelträger ist Fürst Don Camillo Aldobrandini (* 1945), verheiratet mit Stefania Gallarati Scotti (* 1946), Titelerbe ist der Sohn Don Clemente Federico (* 1982).

Die Aldobrandini gehören, neben ihrem Hauptstamm Borghese sowie den Familien Barberini, Caetani, Chigi, Colonna, Doria-Pamphilj, Lante della Rovere, Massimo, Odescalchi, Orsini, Pallavicini, Riario Sforza, Rospigliosi, Ruspoli und Torlonia zu den bekanntesten Fürstenhäusern des stadtrömischen Adels.

Die Florentiner Linie erlosch erst 1861 und wurde von den Papadopoli, den Banchieri und den de Peon beerbt.

Bekannte Familienmitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Marcello Vannucci, Le grandi famiglie di Firenze, Newton Compton Editori, 2006 ISBN 88-8289-531-9

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: House of Aldobrandini – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stammtafel der Borghese, Aldobrandini und Salviati