Alfred Alexander

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Alfred John Alexander (* 7. März 1880 in Bamberg; † Mai 1950 in Zürich) war ein deutsch-britischer Arzt. Er war Präsident der Berliner Ärztekammer.[1][2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alfred John Alexander wurde 1880 als drittes Kind des Herman Alexander (1841–1885) und seiner Ehefrau Bella Lehmaier (1855–1906) in Bamberg geboren. Er entstammte einer angesehenen jüdischen Familie. Trotz des frühen Todes des Vaters, der fünf Jahre nach Alfreds Geburt an Leukämie starb, konnte Alfred das Abitur machen und in München und Berlin Medizin studieren. Sein Studium hatte er mit Bestnoten abgeschlossen. Er bekam eine Arztstelle im Städtischen Klinikum Frankfurt am Main angeboten, für den Fall dass er konvertieren würde. Dies lehnte er ab und nahm eine Ausbildungsstelle in Berlin an. Er wurde 1903 in München promoviert. Nach Abschluss der Ausbildung ließ er sich in Berlin nieder und eröffnete eine Arztpraxis. Im Ersten Weltkrieg wurde er als Militärarzt eingesetzt. U.a. leitete er ein Lazarett im Elsass.

Die Familie Alexander lebte in einer großen Wohnung mit 22 Zimmer in der Kaiserallee (Berlin) (heute: Bundesallee) 219/220 in der ersten Etage. Die Wohnung diente auch als Praxis des Internisten Alfred Alexander. Die Wohnung und die Praxis waren ideal gelegen im Zentrum der jüdischen Gemeinde im Berliner Westen.

Nachdem die Praxisräume in der Kaiserallee zu klein wurden, fand er 1922 geeignete Räume für ein Krankenhaus in unmittelbarer Nähe seines Wohnhauses. Von der Eröffnung 1923 bis 1937 betrieb Alfred Alexander ein zunächst gut gehendes, privates Sanatorium in der Achenbachstraße 15 in Wilmersdorf. Zu seinen Patienten zählten zahlreiche prominente Schriftsteller, Künstler, Schauspieler und Musiker. Zu seinen Patienten sollen u. a. gezählt haben: Alfred Einstein, Max Reinhardt, James Franck, Alfred Polgar, Walter Hasenclever Von seinem gesellschaftlichen Ansehen zeugt das noch heute erhaltene Gäste- und Gratulationsbuch, das anlässlich seines 50. Geburtstages aufgelegt wurde. Darin hat sich auch Albert Einstein eingetragen, der Alfred Alexander auch wegen seiner menschlichen Güte schätzte.

Im Jahre 1927 schloss Alexander einen Pachtvertrag mit dem Gutsbesitzer Otto Wollank (1862–1929) über ein Grundstück in Groß Glienicke, einem Dorf nördlich von Potsdam, direkt an der westlichen Stadtgrenze von Berlin. Danach wurde auf diesem Grundstück unter anderem das Alexander-Haus, ein Sommerhaus, eine Garage sowie ein Gartenhaus gebaut werden. Nachdem die baulichen Anlagen errichtet waren, hat die Familie meist die Sommerferien dort verbracht.[3][4]

Im NS-Staat wurden nach und nach Beschränkungen für jüdische Ärzte eingeführt, die die Führung der Klinik immer mehr erschwerte. Die Zahl der Patienten, insbesondere der nicht-jüdischen ging stark zurück. Nachdem er 1936 von Otto Meyer, seinem Kommandeur im Ersten Weltkrieg gewarnt worden war, dass sein Name auf einer Liste von Personen stand, die demnächst von der Gestapo verhaftet werden sollten, kehrte Alfred Alexander von einer Reise nach London nicht mehr nach Deutschland zurück. In der Folgezeit versuchte er, seine Frau und seine noch in Deutschland lebenden Kinder nach England zu holen, was schließlich auch glückte.

Im Juli 1939 wurde im Reichsgesetzblatt bekanntgegeben, dass Alfred Alexander mit seiner Familie ausgebürgert wurde und die deutsche Staatsangehörigkeit verloren hatte. Der Besitz der Familie ging auf das Deutsche Reich über.

Alfred Alexander kehrte nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges nicht nach Deutschland zurück. Er gründete eine kleine Praxis in der Harley Street in Westminster, London und betrieb diese bis kurz vor seinem Tod. 1947 erhielt er die britische Staatsbürgerschaft.

Alfred Alexander war mit Henriette (Henny) Picard (1888–1970) verheiratet. Ihr Vater, Lucien Picard (1854–1935), war als Teilhaber von “Lazard Speyer-Ellissen” ein angesehener Bankier und schweizerischer Konsul in Frankfurt am Main. Aus der Ehe sind vier Kinder hervorgegangen: Bella Alexander (1911–2000), Elsie Alexander, verheiratete Ellie Harding, (1912–2004), Paul Alexander (1917–2003) und Hanns Alexander (1917–2006). Alexander starb im Alter von 70 Jahren nach einem Herzanfall. Sein Grab befindet sich auf dem Jüdischen Friedhof in Willesden in Nordlondon.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Über traumatische kryptogene septische Infektion und traumatische eiterige Gonarthritis: mit Tafel. München: Kastner & Callwey 1903. München, Univ., Diss., 1903 [5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Thomas Harding: Sommerhaus am See. Fünf Familien und 100 Jahre deutscher Geschichte. Aus dem Englischen von Daniel Bussenius. dtv, München 2016. ISBN 978-3-423-28069-3
  • Thomas Harding: Hanns und Rudolf. Der deutsche Jude und die Jagd nach dem Kommandanten von Auschwitz, dtv, München 2014.
  • Rebecca Schwoch (Hrsg.): Berliner jüdischer Kassenärzte und ihr Schicksal im Nationalsozialismus. Ein Gedenkbuch. Hentrich & Hentrich, Berlin 2009.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.alexanderhaus.org/timeline/
  2. http://www.ggforum.de/Material/EinladungHausAlexander.pdf
  3. Sonja Richter: Das Holzhaus am Gutspark:Die Enteignung des Dr. Alexander, bei Kreis Groß Glienicke
  4. Jana Hasse: Als Albert Einstein zu Gast war am Glienicker See, Der Tagesspiegel, 4. Mai 2014.
  5. Nachweis der Dissertation bei WorldCat und Stabi Berlin