Ali Can

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Ali Can, 2019

Ali Can (* 31. Oktober 1993 in Pazarcık) ist ein deutsch-türkischer Sozialaktivist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ali Can ist der älteste Sohn einer immigrierten, türkisch-kurdisch alevitischen Familie aus der südöstlichen türkischen Provinz Kahramanmaraş. Im Alter von zwei Jahren suchten seine Eltern nach Diskriminierung von kurdischen Aleviten 1995 Asyl in Deutschland. Can wuchs in Warendorf auf.[1] 2006 erhielt die Familie eine Aufenthaltserlaubnis. Zwei Jahre später zog sie nach Watzenborn-Steinberg, wo die Eltern einen Döner-Imbiss eröffneten und Can Abitur machte sowie ein Praktikum bei der Unicef-Gruppe in Gießen absolvierte.[2]

2016 gründete er den Friedensverein Interkultureller Frieden e.V., der sich für ein friedliches Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Religionen, Nationalitäten und Interessen einsetzt. Im gleichen Jahr gründete Can im Rahmen der Flüchtlingskrise nach Besuchen von Veranstaltungen der Pegida und der Alternative für Deutschland die Hotline für besorgte Bürger.[3] Er will mit dem Bürgertelefon Deutschen, die sich vor Flüchtlingen fürchten, die Angst nehmen.[4] Mit der Aktion erreichte Ali Aufmerksamkeit[5][6] und veröffentlichte im August 2017 das Buch Hotline für besorgte Bürger: Antworten vom Asylbewerber Ihres Vertrauens.[7] Im September 2016 war Can Gast des ARD-Morgenmagazins,[8] im Dezember 2016 der ARD-Talkshow Maischberger.[9] Im Bundestagswahlkampf 2017 sprach er sich dagegen aus, alle AfD-Anhänger als Nazis und Rassisten abzustempeln.[10]

Nach dem öffentlichen Rücktritt des Fußballspielers Mesut Özil aus der deutschen Fußballnationalmannschaft, bei dem Özils Thematisierung des von ihm erlebten Rassismus in Deutschland zu großem Medienecho sowie einer breiten Diskussion in der Öffentlichkeit führte, rief Can in einem Video zusammen mit Online-Magazine Perspective Daily in Anlehnung an den #MeToo-Hashtag zur Schilderung persönlicher Erlebnisse unter dem Hashtag #MeTwo auf.[11][12] Während unter #MeToo Frauen mit der Schilderung persönlicher Erfahrungen auf das Ausmaß sexueller Belästigungen und sexueller Übergriffe aufmerksam machten, teilen unter #MeTwo zahlreiche Menschen mit Migrationshintergrund ihre eigene Wahrnehmung von Diskriminierungen im Alltag.[13] Innerhalb weniger Tage teilten zehntausende User den #MeTwo-Hashtag und Medien griffen das Thema international auf.[14]

Can studiert an der Justus-Liebig-Universität Gießen Deutsch und Ethik im Lehramt.[15]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hotline für besorgte Bürger: Antworten vom Asylbewerber Ihres Vertrauens, Bastei Lübbe, 2017, ISBN 978-3785726044

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2016: RTL Com.mit Award in der Kategorie „Publikumspreis“ sowie 2. Platz in der Kategorie „Einzelpersonen“[16]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Christina Waechter: Das ist … Ali Can, Begründer des Hashtags #MeTwo. In: jetzt. 27. Juli 2018.
  2. Sarah Obertreis: Lachen mit Fremdenfeinden. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 18. Oktober 2016.
  3. „Mein Angebot richtet sich an AfD-Wähler“. In: Der Spiegel. 6. September 2016.
  4. Luisa Jacobs: Ali und die AfD. In: Die Zeit. 23. September 2016.
  5. Susanne Luerweg: Ali Cans „Hotline für besorgte Bürger“ – „Besser Fragen stellen, statt Antworten geben“. In: Deutschlandfunk. 31. August 2017.
  6. Nastassja Shtrauchler: Ali Can: Der Migrant und die Hotline. In: Deutsche Welle. 25. August 2017.
  7. Ali Can im Porträt – „Zwischen Gutmensch und Rassist gibt es viele Graustufen“. In: Der Tagesspiegel. 21. Oktober 2017.
  8. Ali Can und seine „Hotline für besorgte Bürger“ (Memento vom 11. September 2016 im Internet Archive) In: ARD-Morgenmagazin. 8. September 2016.
  9. Luise Checchin: „Meine Scharia sagt, dass ich loyal sein soll zu dem Land, in dem ich lebe“. In: Süddeutsche Zeitung. 17. November 2016.
  10. Justus Bender: Ali, Bernd und die Chilischoten, in: F.A.S. Nr. 35, 3. September 2017, S. 12.
  11. „Solche wie dich hat mein Opa früher erschossen“. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 27. Juli 2018.
  12. fs: Özil ist nicht allein: #MeTwo geht viral. In: Neue Zürcher Zeitung. 27. Juli 2018.
  13. „Sie sprechen aber gut Deutsch!“ . In: Süddeutsche Zeitung. 27. Juli 2018.
  14. German and Something Else: Minorities Say #metwo After Ozil Quits. In: New York Times. 27. Juli 2018.
  15. Anja Willner: Dieser Ex-Asylbewerber beantwortet am Telefon die Fragen „besorgter Bürger“. In: Focus. 9. September 2016.
  16. RTL verleiht Com.mit-Award. In: n-tv. 7. September 2016.