Altenmittlau

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Altenmittlau
Gemeinde Freigericht
Koordinaten: 50° 8′ 41″ N, 9° 8′ 28″ O
Höhe: 160 (152–184) m
Einwohner: 2320 (30. Jul. 2019)[1]
Eingemeindung: 1. Januar 1970
Postleitzahl: 63579
Vorwahl: 06055

Altenmittlau ist ein Ortsteil der Gemeinde Freigericht im Main-Kinzig-Kreis in Hessen.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altenmittlau liegt am Birkigsbach im Naturpark Spessart auf einer Höhe von 160 m über NN, 8,5 km südwestlich von Gelnhausen direkt an der Landesgrenze zu Bayern.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die älteste erhaltene Erwähnung von Altenmittlau stammt aus dem Jahr 1191. Erwähnt wird dabei, dass das Stift St. Johannis in Mainz im Besitz eines Hofes und eines Meierhofes im Ort war. Das Dorf gehörte zum Gericht Somborn, das wiederum Teil des Freigerichts Alzenau war. Dieses war zwar reichsunmittelbar, aber das Reich verpfändete oder vergab das Gebiet immer wieder. So wechselten die Landesherren, zu denen die Herren und späteren Grafen von Hanau, die Herren von Randenburg, die Herren von Eppstein und Kurmainz zählten.

Das Dorf hatte eine Kapelle, die dem Evangelisten Markus geweiht und nach Somborn eingepfarrt war.

Historische Namensformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mittilaha (1191)
  • Alden Mittela (1366)
  • Mytloche (1369)
  • Mittelauwe (1394)

Frühe Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kath. Pfarrkirche St. Markus in Altenmittlau

1500 erhielten der Kurfürsten-Erzbischof von Mainz und die Grafen von Hanau-Münzenberg das Freigericht und damit auch Altenmittlau gemeinsam. Es wurde nun als Kondominat regiert. Da im Freigericht auch zur Zeit des Kondominats die kirchliche Jurisdiktion bei den Erzbischöfen von Mainz verblieb, konnte sich die Reformation – im Gegensatz zur Grafschaft Hanau-Münzenberg – hier nicht durchsetzen. Altenmittlau blieb römisch-katholisch.

1740 wurde das Kondominat im „Partifikationsrezess“ aufgelöst. Altenmittlau fiel dabei an die Landgrafschaft Hessen-Kassel, die 1736 die Grafen von Hanau beerbt hatte. Altenmittlau wurde nun dem Amt Altenhaßlau zugeschlagen.[2]

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1803 wurde die Landgrafschaft Hessen-Kassel zum Kurfürstentum Hessen erhoben. Während der napoleonischen Zeit stand das Amt Altenhaßlau ab 1806 zunächst unter französischer Militärverwaltung, gehörte 1807–1810 zum Fürstentum Hanau und dann von 1810 bis 1813 zum Großherzogtum Frankfurt, Departement Hanau. Anschließend fiel es wieder an das Kurfürstentum Hessen zurück. Nach der Verwaltungsreform des Kurfürstentums Hessen von 1821, durch die Kurhessen in vier Provinzen und 22 Kreise eingeteilt wurde, ging das Amt Altenhaßlau im neu gebildeten Landkreis Gelnhausen auf. Mit der Annexion Kurhessens durch das Königreich Preußen nach dem verlorenen Krieg von 1866 wurde auch Altenmittlau preußisch.

An Betriebsgräben, die vom Birkigsbach abzweigten, lagen im Ortsbereich mehrere Mühlen:

  • am südlichen Ortsrand die sogenannte Hüttelsmühle (Getreidemühle, 1967 stillgelegt)
  • Ölmühle, 1936/38 stillgelegt
  • Kempfmühle (stillgelegt 1963)
  • die Heilosemühle am nördlichen Ortsrand (stillgelegt 1955)
  • Bohnenmühle.

Zum 1. Januar 1970 wurde Altenmittlau im Zuge der Gebietsreform in Hessen auf freiwilliger Basis mit weiteren Gemeinden zu der neuen Gemeinde Freigericht zusammengeschlossen.[3] Gleichzeitig ging der Kreis Gelnhausen im Main-Kinzig-Kreis auf.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung

 Quelle: Historisches Ortslexikon[4]

  • 1632: 20 Dienstpflichtige
  • 1753: 59 Haushaltungen
  • 1812: 84 Feuerstellen, 449 Seelen
Somborn: Einwohnerzahlen von 1834 bis 2019
Jahr  Einwohner
1834
  
1.498
1840
  
1.494
1846
  
1.598
1852
  
1.603
1858
  
1.584
1864
  
1.627
1871
  
1.551
1875
  
1.721
1885
  
1.643
1895
  
1.804
1905
  
2.141
1910
  
2.344
1925
  
2.663
1939
  
2.718
1946
  
3.747
1950
  
4.034
1956
  
3.916
1961
  
4.338
1967
  
4.922
1970
  
1.934
1980
  
?
1990
  
?
2000
  
?
2011
  
2.343
2015
  
2.035
2019
  
2.320
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [4]; Gemeinde Freigericht; Zensus 2011[5]

Religionszugehörigkeit

 Quelle: Historisches Ortslexikon[4]

• 1885: ein evangelischer (= 0,16 %), 514 katholische (= 99,84 %), 34 jüdische (= 5,51 %) Einwohner
• 1961: 63 evangelische (= 3,60 %), 1666 katholische (= 95,15 %) Einwohner

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Zusammenschluss der selbstständigen Gemeinden zur Gemeinde Freigericht im Jahr 1970 wurden die einzelnen Gemeindevertretungen aufgelöst und durch Ortsbeiräte ersetzt. Die Ortsbeiräte in den einzelnen Ortsteilen sind in allen wichtigen Entscheidungen, die den jeweiligen Ortsteil betreffen zu hören und haben ein Vorschlagsrecht. Die Mitglieder der Ortsbeiräte wählen aus ihrer Mitte als Vorsitzenden des Ortsbeirates einen Ortsvorsteher, eine Art Bürgermeister des jeweiligen Ortsteils. Mit Ablauf der kommunalen Wahlperiode 2021 werden die Ortsbeiräte aufgelöst.[6]

Parteien und Wählergemeinschaften 2016 2011 2006 2001 1997
Sitze Sitze Sitze Sitze Sitze
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 1 1 2 2 2
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 1 1 1 1 2
UWG Unabhängige Wählergemeinschaft Freigericht 3 3 2 2 1
gesamt 5 5 5 5 5

Ortsvorsteher:

  • Joachim Lucas, UWG (1997–2006)
  • Stefan Hartmann, UWG (2007–2021)

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Altenmittlau treffen sich die Landesstraße 3269 und die Kreisstraße 983.

Von 1904 bis 1963 hatte das Dorf einen Bahnhof an der dann stillgelegten Freigerichter Kleinbahn.

Die Schule am Dorfplatz ist die örtliche Grundschule.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Konrad Trageser (1884–1942), deutscher Priester und NS-Opfer, geboren in Altenmittlau

Wissenswert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Früher wurden nahe beim Ort Zechsteinkalk und Dolomit gewonnen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ludwig Bickell: Die Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Cassel. Band 1: Alhard von Drach: Kreis Gelnhausen. Marburg 1901, S. 119.
  • Willi Klein: Zur Geschichte des Mühlenwesens im Main-Kinzig-Kreis = Hanauer Geschichtsblätter 40. Hanau 2003, S. 309 ff.
  • Heinrich Reimer: Historisches Ortslexikon für Kurhessen. Marburg 1926., S. 331 f.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Meldewesen Gemeinde
  2. Uta Löwenstein: Grafschaft Hanau. In: Ritter, Grafen und Fürsten – weltliche Herrschaften im hessischen Raum ca. 900–1806 = Handbuch der hessischen Geschichte 3 = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 63. Marburg 2014. ISBN 978-3-942225-17-5, S. 212.
  3. Zusammenschluß der Gemeinden Altenmittlau, Bernbach, Horbach, Neuses und Somborn im Landkreis Gelnhausen zu der neuen Gemeinde „Freigericht“ vom 17. Dezember 1970. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1970 Nr. 1, S. 5, Punkt 8 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 4,0 MB]).
  4. a b c Altenmittlau, Main-Kinzig-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 8. September 2020). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  5. Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,9 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt;
  6. Änderung der Hauptsatzung - Ortsbeirat gestrichen Bekanntmachung der Gemeinde, Abgerufen am 19. Februar 2020