Alter Dom (Linz)

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Der Alte Dom, vom Hauptplatz aus gesehen

Der römisch-katholische Alte Dom ist eine Kirche im Rathausviertel der oberösterreichischen Landeshauptstadt Linz.

Der Dom, der bis zum Bau des Mariä-Empfängnis-Doms (Neuer Dom) als Ignatiuskirche bekannt war, wurde von 1669 bis 1678 gebaut. Der Architekt ist nicht bekannt, jedoch werden die Pläne dem Architekten Pietro Francesco Carlone unter Mitarbeit von Carlo Antonio Carlone zugeschrieben. Von 1785 bis 1909 war er die Bischofskirche der Diözese Linz. Seitdem er in dieser Funktion vom Neuen Dom abgelöst wurde, wird der Alte Dom vom Jesuitenorden betreut.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Alte Dom, Süd-Ost-Ansicht
Innenraum

Anfänglich war der Dom eine Jesuitenkirche. Die Grundsteinlegung erfolgte 1669 durch David Fuhrman. Nach einer Bauzeit von knapp unter 20 Jahren wurde das Gebäude 1678 Ignatius von Loyola geweiht, dem Gründer des Jesuitenordens.

Der Dom ist einschiffig, besticht aber durch seine Weiträumigkeit. Dem Baustil des Barock entsprechend ist das Innere leuchtend hell und hat seitliche Kapellennischen. Über dem Eingangstor befinden sich Wappen der Grafengeschlechter Starhemberg, Weissenwolf und Kuefstein.

1773 wurde der Jesuitenorden aufgehoben, die Kirche stand daraufhin leer. Kaiser Joseph II. zwang die Diözese Passau mit einem Vertrag vom 4. Juli 1784 zum Verzicht auf ihre Pfarren in Oberösterreich und gründete die Diözese Linz. Nach der Bestätigung per päpstlicher Bulle vom 28. Januar 1785 durch Papst Pius VI. wurde der Passauer Weihbischof Ernest Johann Nepomuk Graf Herberstein als erster Linzer Bischof eingesetzt. Dieser wählte die immer noch unbenutzte Kirche als Dom, anstelle der zuerst dafür vorgesehenen Stadtpfarrkirche.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war Linz so stark gewachsen, dass der Platz im Dom nicht mehr ausreichte. Bischof Rudigier ließ daraufhin einen neuen, größeren Dom errichten (den heutigen Neuen Dom). Bis 1909 blieb die Kirche die Domkirche von Linz, seither heißt sie Alter Dom.

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hochaltar[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hochaltar

Der Hochaltar[1] ist ein Meisterwerk von Giovanni Battista Colombo und Giovanni Battista Baberini. Das Altarbild zeigt Mariens Aufnahme in den Himmel. Ursprünglich befand sich dort ein Bildnis des hl. Ignatius. Dieses Bild wurde allerdings ersetzt durch eben das Marienbild. Es stammt ursprünglich aus der Schwarzspanierkirche in Wien.

Chorgestühl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Chorgestühl stammt aus dem Stift Garsten. Bischof Rudigier erwarb es, da ihm das vorhandene zu einfach war. Das Chorgestühl kam auf dem Wasserweg bis Mauthausen und per Pferd dann nach Linz.

Kanzel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Besondere Aufmerksamkeit verdient die Kanzel mit ihrem wunderbaren Schalldeckel. An den vier Ecken befinden sich Engelsputten, dann die vier Evangelisten. In der Mitte befindet sich Jesus mit der Weltkugel als Verkünder des Evangeliums. Den Abschluss bildet die Statue von Johannes dem Täufer.

Brucknerorgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brucknerorgel

Die Linzer Brucknerorgel ist in mehrerer Hinsicht eine herausragende Denkmal-Orgel: wegen ihrer Qualität, ihrem Bezug zu Anton Bruckner, ihrer Größe und ihres Erhaltungszustandes.
Sie war 1768–1770 von Franz Xaver Chrismann für die Stiftskirche Engelszell angefertigt worden. Nach der Säkularisation des Klosters wurde er angewiesen, das Instrument nach Linz zu verfrachten, um sie in einem neu entworfenen Orgelgehäuse in der gerade inaugurierten Domkirche einzubauen. Aus dem Protokoll des Stadtmagistrats vom 20. Juni 1786 geht hervor, dass man vorhatte, die Empore um über 3 Meter (10 Fuß = 3,16 Meter)[2] abzusenken.[3] Das Tieferlegen der Empore und die damit einhergehenden Arbeiten wurden 1792 abgeschlossen, die Arbeiten an der Orgel durch Franz Xaver Krismann dauerten noch bis 1795.[4] Bei den Renovierungs- und Umbauarbeiten im Inneren des Domes 1853–1857 wurde die Orgel wieder vollständig abgetragen, da man den Emporenboden wieder geringfügig anhob.[5] Anton Bruckner, der 1856–1868 Domorganist war, ließ sie danach peu à peu nach seinen Wünschen umgestalten. Die Arbeiten, die Josef Breinbauer durchführte, dauerten bis 1867. Unter anderem wurden das Blockwerk durch Schleifladen registrierbar gemacht und die vorhandenen Halbregister voll ausgebaut. Auch nach seiner Übersiedlung nach Wien kam Bruckner häufig nach Linz zurück, um auf dem nach seinen Klangvorstellungen adaptierten Instrument zu improvisieren.
Die im hergebrachten Zustand erhaltene Schleifladen-Orgel hat auf drei Manualen und Pedal 32 Register, die Spiel- und Registertrakturen sind mechanisch. 2016 wurde sie von Kuhn restauriert.[6][7]

Eine Gedenktafel an der Fassade des Alten Domes erinnert an Anton Bruckners Wirken als Linzer Domorganist.

I Hauptwerk CDEFGA–c3
Pordun 16′
Salicional 8′
Coppel 8′
Quint 6′
Octav 4′
Piccolo 4′
Quint 3′
Superoctav 2′
Mixtur VII
Cornett IV
II Mittelmanual CDEFGA–c3
Flauto 16′
Principal 8′
Coppel 8′
Gamba 8′
Vox humana 8′
Echo 8′
Octav 4′
Flöte 4′
Fagott (B) 8′
Trombete (D) 8′
III Oberwerk CDEFGA–c3
Principal 8′
Coppel 8′
Salicet 8′
Spitzfloete 4′
Quint 3′
Superoctav 2′
Mixtur III
Pedal CDEFGA–gis0
Principalbaß II 16′ + 8′
Subbaß 16′
Octavbass 8′
Pedal Mixtur VI
Pombarton 16′

Gräber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Alten Dom befindet sich das Grab von Maria Elisabeth, einer Tochter von Maria Theresia. Ebenso sind alle Jesuiten, die vor der Auflösung verstorben sind, hier begraben. Auch heute ist der Dom wieder Begräbnisort für die Jesuiten des Domes und des Kollegiums Aloisianum am Freinberg. Die zwischen 1785 und 1924 verstorbenen Bischöfe von Linz wurden ebenfalls im Alten Dom bestattet, ihre Särge wurden nach der Fertigstellung des Neuen Doms in die neue Kathedrale verlegt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Otto Constantini: Die Linzer Jesuitenkirche. (= Linzer Sehenswürdigkeiten. Band 3 (richtiger 4)), 2. Auflage, Linz 1966.
  • Benedikt Pillwein (Hrsg.): Dom-Kirche in Linz, nebst den Bischöfen, Domherren und Ehren-Domherren seit der Entstehung des Bisthums, sammt einem Anhange, dann der ältesten Dekanats- und Pfarr-Eintheilung in Oesterreich ob der Enns in der dortmaligen Passauer-Diöcese. Druck der J. Weinmayr’schen Buchdruckerein, Linz 1843.
  • Jesuitenkommunität St. Ignatius (Hrsg.): Gefährten Jesu – Gefährten der Menschen. 100 Jahre Jesuiten am Alten Dom 1909–2009. Linz 2009, ISBN 978-3-902330-35-2.
  • Heinz Urban: St. Ignatius – Alter Dom Linz. Innsbruck 1994.
  • Hans Winterberger: Die Hauptorgeln der Ignatiuskirche („Alter Dom“) in Linz. Quellenkundliche Materialien zur Baugeschichte. In: Historisches Jahrbuch der Stadt Linz 1971., hrsg. vom Archiv der Stadt Linz, Linz 1972, S. 115–156, online (PDF) im Forum OoeGeschichte.at

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Alter Dom (Linz) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ruth Pucher: Mit der Lilie durch die Kirche … . Entdeckungen und Anmerkungen zur Ikonografie ausgewählter Bilder und Altäre. In: Literatur Gefährten Jesu 2009, S. 127–136.
  2. Das Längenmaß „Wiener Fuß“ bzw. „Wiener Schuh“ wurde 1848 mit 31,6102 cm angegeben.
  3. Die Vertiefung hätte wenigstens um 10 Schuh zu geschehen […]. Zitiert nach: Winterberger: Die Hauptorgeln der Ignatiuskirche („Alter Dom“) in Linz, S. 121.
  4. Winterberger: Die Hauptorgeln der Ignatiuskirche („Alter Dom“) in Linz, S. 122.
  5. Der Boden erfährt dabei eine geringe Erhöhung. Plan vom 15. Dezember 1853. Zitiert nach: Winterberger: Die Hauptorgeln der Ignatiuskirche („Alter Dom“) in Linz, S. 124.
  6. Brucknerorgel. Die Brucknerorgel im Alten Dom Linz (Jesuitenkirche St. Ignatius) zählt zu den bedeutendsten Klangdenkmälern Österreichs. auf dioezese-linz.at
  7. Nähere Informationen zur Disposition@1@2Vorlage:Toter Link/dioezese-linzold.at (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.

Koordinaten: 48° 18′ 18,1″ N, 14° 17′ 16,5″ O