Anna Pawlowna

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Anna Paulowna, Porträt von Jan Baptist van der Hulst, 1837.

Anna Pawlowna von Holstein-Gottorp-Romanow, Großfürstin von Russland, auch Anna Paulowna genannt (* 7. Januarjul./ 18. Januar 1795greg. in Sankt Petersburg; † 1. März 1865 in Den Haag) war Königin der Niederlande von 1840 bis 1849.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kindheit und Jugend[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Großfürstin Anna mit ihrem Bruder Nikolaus, von Wladimir Lukitsch Borowikowski, 1797.

Großfürstin Anna Pawlowna wurde 1795 im Schloss Gattschina geboren. Sie war die jüngste Tochter des russischen Zaren Paul I. und der Zarin Maria Fjodorowna, geborene Prinzessin Sophie Dorothee von Württemberg. Außerdem war sie die Schwester der Zaren Alexander I. und Nikolaus I. von Russland.

Den Großteil ihrer Kindheit verbrachte sie mit ihrer Mutter und den Brüdern Michail und Nikolaus in Zarskoje Selo. Sie wurde standesgemäß von Hauslehrern und Gouvernanten ausgebildet. Sie erhielt Unterricht in den Fremdsprachen Deutsch, Englisch und Französisch sowie Mathematik und Geschichte. Ein besonderes Talent zeigte die junge Großfürstin in Kunsthandwerk und Malerei.[1]

Nach dem 1809 gescheiterten Eheprojekt zwischen Annas älterer Schwester Katharina und Napoleon Bonaparte, beabsichtigte dieser, stadtessen Anna Pawlowna zur Frau zu nehmen. Zarin Maria Fjodorowna zögerte lange, dem französischen Kaiser eine Antwort zu geben, damit dieser sein Interesse an dieser Verbindung verlor. Er heiratete 1810 Erzherzogin Marie-Louise von Österreich, die Tochter von Kaiser Franz II.[2]

Heirat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

König Wilhelm II. und seine Familie: Kronprinz Wilhelm, Prinz Alexander, König Wilhelm II., Königin Anna, Prinzessin Sophie und Prinz Heinrich (Gemalt von Jan Baptist van der Hulst, 1832)

Am 21. Februar 1816 heiratete Anna Pawlowna im Winterpalast in Sankt Petersburg den späteren König der Niederlande, Wilhelm II. von Oranien-Nassau. Die Hochzeit wurde nach orthodoxem und anschließend nach lutherischem Ritus vollzogen. Anna blieb dem orthodoxen Glauben bis an ihr Lebensende treu. Die Mitgift der Braut betrug eine Million Rubel und der sagenhafte Reichtum weckte Begehrlichkeiten. 1829 wurden in Brüssel, dem damaligen Wohnsitz des Paares, die berühmten Juwelen der Anna Pawlowna gestohlen. Ein Großteil wurde zwar gefunden und zurückgebracht, jedoch fiel ein Verdacht auch auf ihren Ehemann, der ständig in Geldnöten war. Erst zwei Jahre später wurde der Kronprinz entlastet – der Dieb konnte gefasst werden und wurde zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt. Ihre Juwelen gehören noch heute zu den Kostbarkeiten des niederländischen Kronschatzes.

Anna und Wilhelm hatten zusammen fünf Kinder:

Königin Anna der Niederlande, 1846

Die Ehe des Paares galt als turbulent. Der Ehebruch ihres Gatten führte immer wieder zu Konflikten. Sie lebten bis 1843 weitestgehend voneinander getrennt. Trotzdem versuchte sie zwischen ihrem Ehemann und ihrem Schwiegervater König Wilhelm I. zu vermitteln und Spannungen bei politischen Problemen zu lösen. Ansonsten hielt sie fern von der Politik, trotz starker Überzeugungen. Anna wurde als intelligent, sensibel und treu zur ihrer Familie beschrieben. Zudem besaß sie ein heftiges Temperament. Während ihrer Zeit in Holland lernte sie Niederländisch, das sie bald besser sprach als ihr Ehemann, und studierte die Geschichte und Kultur des Landes. Sie gründete mehr als 50 Waisenhäuser.[2]

Am 7. Oktober 1840 dankte König Wilhelm I. zugunsten seines Sohnes ab und Anna wurde Königin der Niederlande. Am 1. Februar 1842 wurde sie 343. Dame des königlichen Ordens der Königin Maria Luisa.

Als Königin wurde Anna nie sehr populär. Sie galt der Öffentlichkeit gegenüber als würdevoll, aber arrogant und distanziert. Am Königshof erwartete sie stets strenge Etikette. Sie schätzte Pomp, Etikette, formale Zeremonien und Rituale. Anna schätzte auch die Erinnerung an ihr Geburtsland. Sie gründete einen russischen Knabenchor, in dem die Mitglieder in traditionelle Kostüme gekleidet wurden. Ihr wurde nachgesagt, immer die russische Großfürstin geblieben zu sein, mehr, als Königin der Niederlande.

Nach dem Tod ihres Mannes 1849, verließ sie den Königspalast, zog sich vom Hofleben zurück und führte ein zurückgezogenes Leben. Nach einem Streit mit ihrem Sohn König Wilhelm III. im Jahre 1855, wollte sie zunächst nach Russland zurückkehren, tat es am Ende aber doch nicht.

Denkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach ihr heißt der Ort Anna Paulowna in Nordholland, auch die Pflanzengattung der Paulownien (mit dem Blauglockenbaum) wurde von Philipp Franz von Siebold nach ihr benannt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jean-Charles Volkmann: Généalogie des rois et des princes. Éditions Jean-Paul Gisserot, Paris 1998, ISBN 2-87747-374-0.
  • Oranje, ons vorstenhuis door de eeuwen heen. De koningen en hun familie. Lekturama, Breda 1990, ISBN 90-5141-173-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Anna Pavlovna - Hermitage Amsterdam. In: www.hermitage.nl. Abgerufen am 3. Mai 2016.
  2. a b Kenneth: Grand Duchess Anna Pavlovna. In: www.rusartnet.com. Abgerufen am 3. Mai 2016.
Vorgängerin Amt Nachfolgerin
Wilhelmine von Preußen Königin der Niederlande
1840–1849
Sophie von Württemberg