Antifaschistisches Pressearchiv und Bildungszentrum Berlin

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Das Antifaschistische Pressearchiv und Bildungszentrum Berlin e. V. (apabiz) ist eine Initiative gegen Rechtsextremismus mit Sitz in Berlin. Das angegliederte Archiv sammelt Informationen aus dem Bereich des Rechtsextremismus. Es ist Mitglied im Antifa-Net. International Antifascist Network for Research and Action.

Organisation und Zielstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der aus einer 1985 in Berlin entstandenen gleichnamigen Initiative hervorgegangene Verein wurde 1991 gegründet.[1] Er hat sich zur Aufgabe gemacht, systematisch Publikationen der extremen Rechten und Informationen über Vorfälle, die mit der extremen Rechten in Zusammenhang stehen, zu sichten, zu sammeln und zu archivieren. Ergebnisse solcher Analysen werden in Veranstaltungen und Seminaren präsentiert. Zudem wird Zuarbeit für wissenschaftlich und journalistisch Tätige geleistet. Des Weiteren ist der Verein in der Bildungs- und Aufklärungsarbeit aktiv und erstellt Expertisen.[2]

Der Verein erfährt im Rahmen des Berliner Landesprogrammes gegen Rechtsextremismus eine Förderung durch die Beauftragte für Integration und Migration des Berliner Senats. Die Arbeit wird ehrenamtlich geleistet.

Archiv[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Archiv verfügt über eine Vielzahl von Publikationen wie Bücher oder Zeitschriften aus dem rechten und rechtsextremen Spektrum in erster Linie in Deutschland, darüber hinaus aber auch aus anderen Ländern. Um dem Schwerpunkt Musik- und Jugendkulturen von rechts gerecht werden zu können, werden auch Musikveröffentlichungen auf CD, Video etc. archiviert. Der Bestand beträgt derzeit über 600 CDs mit Musik aus dem In- und Ausland, vor allem aus den Bereichen deutscher Rechtsrock und Liedermacher, aber auch Veröffentlichungen aus dem Black Metal- oder Dark-Wave-Bereich sowie Militärmusik aus dem Nationalsozialismus.

Gesammelt wird grundsätzlich all das, was die extreme Rechte produziert: Vom Aufkleber über Flugblätter und Plakate, Broschüren, offene und interne Briefe, Rundschreiben und Programme bis hin zu Internet-Seiten. Diese Sammlung geht zurück bis in die 1930er Jahre. Der deutliche Schwerpunkt liegt jedoch auf der Zeit von den 1980er Jahren bis heute. Die enthaltenen Quellen sind in Rubriken unterteilt, in einer Datenbank erfasst und zum Teil qualitativ ausgewertet. Das Archiv ist eines der größten dieser Art in der Bundesrepublik.

Der Archivbestand wächst kontinuierlich an. So wurden beispielsweise in den neunziger Jahren mehrere hundert Bücher aus der Zeit des Nationalsozialismus aus aufgelösten Fremdbeständen der Deutschen Staatsbibliothek der DDR übernommen. 1999 kam das Foto- und Redaktionsarchiv der Deutschen Volkszeitung (DVZ) – die tat hinzu. Außerdem wird die Sammlung des Projekts für interdisziplinäre Faschismus-Forschung an der Freien Universität Berlin verwaltet.

Diese Quellen werden ergänzt durch eine Datenbank, in der Presseveröffentlichungen seit Anfang der 1990er Jahre erfasst sind, eine umfangreiche Präsenzbibliothek sowie antifaschistische Publikationen aus der gesamten Bundesrepublik, Europa und den Vereinigten Staaten.

Presseauswertung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein weiterer Kernbereich der Vereinsarbeit ist die kontinuierliche Auswertung der Tagespresse. Auch wenn die ältesten ausgewerteten Quellen aus den fünfziger Jahren stammen, ist der Beginn der systematischen Auswertung auf das Jahr 1991 zu datieren. Seither werden etwa sieben Tageszeitungen auf Beiträge zum Thema Rechtsextremismus durchgesehen und inhaltlich ausgewertet. Hinzu kommen verschiedene Wochen- und Monats- sowie sonstige Zeitungen und Zeitschriften. Die entsprechenden Artikel werden in einer Datenbank erfasst, inhaltlich verschlagwortet und archiviert. Nach dreizehn Jahren systematischer Presseauswertung kann mit deren Hilfe auf 45.000 Artikel zugegriffen werden, die in mehr als 120 Presseordnern aufbewahrt sind.

Praktische Ergebnisse dieser Presseauswertung sind unter anderem auf der Website zu finden. So werden beispielsweise immer zu Beginn eines Jahres Chronologien zu rechtsextremen Übergriffen und weiteren Vorkommnissen veröffentlicht.

In Zusammenarbeit mit dem Onlinemagazin Hagalil werden Chronologien antisemitischer Vorfälle seit dem Jahr 1992 zusammengestellt.

Frühste Erwähnung des NSU[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Recherchen stießen Apabiz-Mitarbeiter auf eine Publikation, in der bereits 2002 auf den Nationalsozialistischen Untergrund hingewiesen wurde. In der Ausgabe Nr. 18 des Neonazi-Fanzines Der Weiße Wolf, mit vielen Lesern aus der rechten Szene Mecklenburg-Vorpommerns und Brandenburgs findet sich unter dem Vorwort ein fett gedruckter, kryptischer Gruß: „Vielen Dank an den NSU, es hat Früchte getragen“, gefolgt von einem Zwinkersmiley und der RAF-inspirierten Parole: „Der Kampf geht weiter...“[3]

Bildungsprogramm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein bietet ein breites Bildungsprogramm mit Vorträgen, Workshops oder Seminaren an, die sowohl als Abendveranstaltungen oder als Tages- oder Wochenendseminar gehalten werden können. Außerdem werden spezielle Gruppenseminare, Workshops in Schulen, Vortragsreihen oder Wochenseminare durchgeführt. Das Veranstaltungsverzeichnis umfasst Vorträge und Seminare aus den Bereichen Judentum und Antisemitismus, Frauen und Mädchen im Rechtsextremismus, Neofaschismus, Neue Rechte, Burschenschaften, Esoterik und Heidentum, rechtsextreme Publizistik, Internet, Vertriebenenverbände, Jugendsubkulturen, Rassismus sowie Praxistipps.

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2001 erscheint alle zwei Monate der Rundbrief des apabiz e.V. Monitor, bei dem auf jeweils acht Seiten über rechte Aktivitäten und Neuigkeiten aus dem Archiv berichtet wird. Die älteren Ausgaben des Monitors werden auf der Website zum Download angeboten, ebenso die Pressemitteilungen des Vereins.

Mitarbeiter waren und sind an zahlreichen Büchern, Broschüren und anderen Publikationen als Herausgeber oder Autoren beteiligt, die zum großen Teil ebenfalls über den Verein bezogen werden können.

Zum Beispiel:

Die Publikation von Michael Weiss Das Versteckspiel – Lifestyle, Symbole und Codes rechtsextremer Gruppen wurde 2009 mit dem Alternativen Medienpreis ausgezeichnet, die Veröffentlichung von Annika Eckel und Uli Jentsch Schattenbericht erhielt 2011 den Alternativen Medienpreis in der Sparte Print.

Weitere Tätigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Darüber hinaus initiiert und betreibt der Verein weitere Projekte wie die Initiative Turn it down! und versucht, auch andere Initiativen gegen Rassismus, Antisemitismus und Neofaschismus zu fördern und zu vernetzen. Das apabiz ist Mitglied im Verein „Argumente – Netzwerk antirassistischer Bildung e.V.“ einem bundesweiten Netzwerk von antirassistischen/antifaschistischen Initiativen und arbeitet eng mit anderen antifaschistischen Jugendgruppen, Bildungsträgern, Gewerkschaften und kulturellen Projekten zusammen.

Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die laufenden Kosten werden hauptsächlich durch Spenden und Fördermitgliedschaften gedeckt. Des Weiteren wurde das apabiz im Rahmen des Berliner Landesprogrammes gegen Rechtsextremismus durch den ehemaligen Beauftragten für Integration und Migration gefördert.[4] 24.300 Euro kamen 2015 von europäischen Teilen des Netzwerks der Open Society Foundations.[5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Beauftragte des Berliner Senats für Integration und Migration: Landesprogramm gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus. Kompetente Netzwerke gegen Rechts: Antifaschistisches Pressearchiv und Bildungszentrum Berlin e.V. (Apabiz)
  • Berliner Forum Gewaltprävention Nr. 18: apabiz
  • Felix Lee: Der rechte Lifestyle ist auf dem Vormarsch. In: "Das Parlament". Jahrgang 2005. Ausgabe 45.
  • Bildungsinitiative Engagierte Schüler_innen (BES): Lernst du nur oder denkst du schon? Broschüre zu den Projekttagen zur Politischen Bildung. Bezirksamt Pankow von Berlin. Abteilung Jugend und Immobilien. Stelle für Politische Bildung & Beteiligung von Kindern und Jugendlichen. 2007.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Über uns | apabiz. Abgerufen am 22. September 2021.
  2. Was wir machen | apabiz. Abgerufen am 22. September 2021.
  3. Maik Baumgärtner, Sven Röbel: Rechtsterrorismus: NSU-Mordserie schon 2002 in der Neonazi-Szene bekannt? In: Der Spiegel. 28. März 2012, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 27. März 2022]).
  4. Webseite des Berliner Landesbeauftragten für Integration und Migration: Landesprogramm gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus – Liste der geförderten Projekte (APABIZ unter der Überschrift Stärkung von Demokratie und Menschenrechten) (Memento vom 17. August 2013 im Internet Archive)
  5. "Open Society Initiative for Europe: Our Grantees", Open Society Foundations, 2015, Seite 24