Archäologisches Nationalmuseum (Athen)

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Portikus des Museums
Poseidon vom Kap Artemision, Bronzestatue 460 v. Chr., gefunden 1926 auf dem Meeresgrund vor dem Kap Artemision.

Das Archäologische Nationalmuseum (griechisch Εθνικό Αρχαιολογικό Μουσείο) ist ein griechisches Nationalmuseum in Athen. Es ist vor allem der griechischen Antike gewidmet, und gilt als wichtigste Sammlung von Kunstwerken und Gebrauchsgegenständen jener Zeit[1]. Die 11.000 ausgestellten Objekte stammen aus allen Regionen Griechenlands, da alle wichtigen Funde bis ins 20. Jahrhundert ausschließlich dorthin gebracht wurden, darüber hinaus gibt es eine Sammlung ägyptischer Exponate. Vor dem Akropolismuseum ist es das am meistbesuchte Museum der Stadt.

Mit dem Katalog Sculpture in the National Archaeological Museum, Athens wurden 2002 erstmals alle ausgestellten Plastiken der Sammlung in einer Publikation veröffentlicht.

Gebäude[Bearbeiten]

Bereits mit der Gründung des griechischen Königreichs begann die Planung eines Archäologischen Museums, ab 1854 wurde jährlich 10.000 Drachmen aus dem Haushalt dafür zurückgestellt, 1856 spendete Dimitrios Bernardakis, ein Grieche aus St. Petersburg 200.000 Drachmen und somit veranlasste König Otto noch im selben Jahr eine öffentliche Ausschreibung, die durch die Akademie von München geleitet wurde. Ausgezeichnet wird der Italiener Arturo Conti, den Auftrag zur Ausführung bekommt der Architekt und Direktor der Akademie Ludwig Lange welcher zuvor bereits in Griechenland tätig war. Die Pläne galten jedoch als zu teuer und die Ausführung wurde zurückgestellt. Als die Finanzierung gesichert war, begann 1865 die Ausführung unter der Betreuung von Panagiotis Kalkos. Dieser starb und man schlug Theophil von Hansen vor, die Ausführung zu übernehmen. Dieser weigerte sich jedoch, nach den Plänen von Lange zu bauen, so dass letztendlich sein Schüler und Kollege Ernst Ziller mit der Fertigstellung des Gebäudes betraut wurde,[2] von dem auch die Fassade stammt. 1874 wurde das Hauptgebäude eingeweiht, 1881 und 1885 die beiden Seitenflügel.

Ende Februar 2009 wurde das Museum um rund 24.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche erweitert, so dass nun über 2000 weitere antike Exponate gezeigt werden können, die bislang wegen Platzmangels in den umfangreichen Depots des Museums lagerten. Die neuen Räumlichkeiten befinden sich zum Teil unterirdisch und sind die bislang größte Erweiterung in der Museumsgeschichte. Die Baukosten betrugen rund 50 Millionen Euro.

Abteilungen[Bearbeiten]

Säle des Museums, 1901

Trotz vieler Renovierungen ist der Charakter des Museums als Ausstellungsgebäude und Sammlung des 19. Jahrhunderts präsent. Die Gegenstände werden nicht inszeniert, sondern zumeist in Schauvitrinen sehr sachlich gezeigt. Der historistische Bau sucht nicht den Kontrast zu den Exponaten, sondern verschmilzt zu einem Gesamteindruck.

Die Abteilungen sind:

  • Prähistorische Sammlung mit den Unterabteilungen:
    • Neolithische Sammlung
    • Kykladensammlung
    • Thera-Sammlung
    • Mykenische Sammlung
  • Skulpturensammlung (16.000 Objekte)
  • Bronzesammlung (auch Sammlung der Metallarbeiten)
  • Vasen- und Kleinkunstsammlung (mit 6.000 ausgestellten Objekten ist es die größte Teilsammlung, davon zeigen allein 2.500 Vasen die lückenlose Entwicklung der antiken griechischen Keramik vom 11. zum 4. Jahrhundert v. Chr.) mit spezielleren Einzelsammlungen:
    • Stathatos-Sammlung (etwa 970 Objekte von der mittleren Bronzezeit bis in die nachbyzantinische Zeit mit einem Schwerpunkt auf Goldschmuck, die Sammlung wird anders als die anderen Stiftersammlungen separat in einem Raum ausgestellt)
    • Vlastou-Serpieri-Sammlung
    • Terrakotta-Figurensammlung
    • Schmucksammlung
    • Glassammlung
  • Ägyptologische Sammlung
  • Zypernsammlung (850 Objekte)
  • Sonderausstellungen

Separat wird die Sammlung Karpanos präsentiert.

Rundgang[Bearbeiten]

Das Museum besitzt 52 Räume von unterschiedlicher Größe für die Präsentation, 49 Räume davon für die Dauerausstellung und drei Räume für wechselnde Sonderausstellungen. Während das Erdgeschoss fast vollständig für die Präsentation der Sammlung offen ist, abgesehen vom Anbau im Nordosten, ist im Obergeschoss nur der hintere Teil für die Öffentlichkeit zugänglich.

Prähistorische Sammlungen[Bearbeiten]

Direkt hinter dem Eingangssaal betritt man einen zentralen Flügel, der den vorderen mit dem hinteren Teil des Gebäudes verbindet. In diesen Sälen 3 bis 6 sowie im Saal 48 im Obergeschoss wird die Prähistorische Sammlung des Museums gezeigt. Hier werden Funde aus den drei aufeinander folgenden prähistorischen Hochkulturen gezeigt, der neolithischen, der kykladischen und der mykenischen Hochkultur. Sie umspannen einen Zeitraum vom 7. Jahrtausend bis etwa 1100 v. Chr, und zeigt insbesondere Funde aus dem Ägäisraum, von den Kykladen, aus Thessalien sowie aus Mykene und Thera.

Neolithische Sammlung[Bearbeiten]

Die Neolithische Sammlung wird im Saal 5 ausgestellt. Sie umfasst zunächst Funde aus der neolithischen Zeit zwischen etwa 6800 und 3300 v. Chr. Es überwiegen Exponate aus Stein und Ton. Ein großer Teil der Ausstellungsstücke stammt aus den beiden großen thessalischen Zentren des Neolithikums, Sesklo aus dem mittleren und Dimini aus dem späten Neolithikum, deren Keramikproduktion sehr charakteristisch ist. Andere Funde, vor allem Vasen, Geräte und Idole aus Ton und Stein, kommen etwa aus Lianokladi oder Halai. Zudem werden Werkzeuge aus Bein und Obsidian gezeigt.

Zur Neolithischen Sammlung gehören auch Funde aus der Bronzezeit, deren frühe Phase mit dem 3. Jahrtausend v. Chr. einsetzt. Diese Frühelladische Epoche (Etwa 3300 bis 2100/2000 v. Chr.) wird durch Funde aus Orchomenos, Rafina, Askitario, Agios Kosmas und Poliochni repräsentiert.

Bedeutende Exponate[Bearbeiten]

Die folgenden Ausstellungsstücke werden in eigenen Artikeln beschrieben:

Siehe Kategorie:Archäologisches Nationalmuseum (Athen)

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Ausstellungen[Bearbeiten]

  • 2015–2016: A Dream Among Splendid Ruins... Strolling through the Athens of Travellers, 17th to 19th Century. Begleitband.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Archäologisches Nationalmuseum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://odysseus.culture.gr/h/1/eh151.jsp?obj_id=3249
  2.  Maro Kardamitsi-Adami; Manos Biris; David Hardy (Übers.): Neoclassical architecture in Greece. Getty Publications, Los Angeles 2004, ISBN 9780892367757, S. 146–148. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche)

37.98916666666723.7325Koordinaten: 37° 59′ 21″ N, 23° 43′ 57″ O