Argentobelbrücke

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Argentobelbrücke ist ein 230 Meter langes Brückenbauwerk der bayerischen Staatsstraße 1318 zwischen den Gemeinden Grünenbach und Maierhöfen im Landkreis Lindau (Bodensee). Sie überspannt in einer Höhe von maximal 56 Metern mit zwölf Feldern die Obere Argen.

Alte Brücke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

w1

Alte Argentobelbrücke
Alte Argentobelbrücke
Alte Argentobelbrücke (Konstruktionsschema)
Überführt

Staatsstraße 1318

Unterführt

Obere Argen

Ort Grünenbach, Maierhöfen
Gesamtlänge 204 m
Breite 5 m
Längste Stützweite 84 m
Höhe 53,6 m
Tragfähigkeit 10 t
Baukosten 222.000 Goldmark
(2016: ca. 1.410.000 EUR)
Baubeginn August 1905
Fertigstellung Februar 1907
Planer Vereinigte Maschinenfabrik Augsburg und Maschinenbauges. Nürnberg AG
Schließung 1986

Die erste Argentobelbrücke wurde in den Jahren 1905 bis 1907 als damals längste und höchste Brücke Bayerns[1] durch die MAN als Pendelpfeilerbrücke in Stahlfachwerk-Konstruktion ausgeführt.[2][3] Für die Brücke wurden 340 Tonnen Eisen verbaut, die von ungefähr 2 Millionen Nieten zusammengehalten wurden.[1] Die Mittelöffnung der Brücke hatte eine Spannweite von 84 Metern, die beiden Seitenbögen jeweils 48 Meter Stützweite. Die Seitenbögen waren auf festen Gerüsten eingebaut worden, die Mittelöffnung wurde jedoch als Freiaufstellung ausgeführt.[2]

Es gab zwei Fahrbahnen, die durch ein Geländer von 1,30 Metern höhe beschränkt wurden, jedoch keine Fußwege.[2] Während der Bauarbeiten kam ein Mann aus Maierhöfen-Untersteig durch eine Sturz ums Leben.[1]

Die neue Brücke bedeutete eine Verbesserung der Verbindung zwischen Grünenbach und Maierhöfen sowie nach dem württembergischen Isny. Zuvor hatte die Straße von beiden Seiten in Serpentinen mit einer Steigung von bis zu 16 % ins Tal hinab- bzw. hinaufgeführt, was das Befahren mit beladenen Fahrzeugen deutlich erschwerte. Im Winter war Maierhöfen daher de facto von seinen bayerischen Nachbardörfern und der Allgäubahn abgeschnitten gewesen.[2]

1945 plante der Kreisstab Lindau die Sprengung der Brücke, um das Vorrücken der amerikanischen Truppen zu verzögern. Die bereits angebrachten Sprengsätze (500 kg) wurden von Bürgern der angrenzenden Gemeinden entfernt und die Sprengung somit verhindert.[1] In den folgenden Jahrzehnten war die Brücke mit nur rund 5 Metern Fahrbahnbreite dem stetig steigenden Verkehrsaufkommen nicht mehr gewachsen. Wegen der starken Rostbildung wurde ihre Tragleistung von 10 auf 3 Tonnen reduziert, was dazu führte, das Busreisende aussteigen und die Brücke zu Fuß überqueren mussten.[1]

1980 wurde die Brücke als Baudenkmal in die Denkmalliste aufgenommen. Die Erhaltungskosten waren jedoch zu hoch. So wurde die alte Brücke 1987 gesprengt und der Schrott nach Italien verkauft.[1] Die neue Brücke war bereits 1986 fertiggestellt worden.

Ein Modell der alten Brücke kann beim Infopavillon des Eistobels und des gleichnamigen Naturschutzgebietes besichtigt werden. Auf dem Weg durch den Eistobel geht der Besucher beim Abstieg vom Informationspavillon zur Argen an einem Bauteil der Eisen-Brücke vorbei. Eine Infotafel erklärt, wo an der Brücke sich das Bauteil genau befunden hat.

Neue Brücke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 47° 38′ 30″ N, 10° 1′ 40″ O

w1

Neue Argentobelbrücke
Neue Argentobelbrücke
Argentobelbrücke über der Oberen Argen
Überführt

Staatsstraße 1318

Unterführt

Obere Argen

Ort Grünenbach, Maierhöfen
Konstruktion Bogenbrücke
Gesamtlänge 230 m
Breite 14 m
Längste Stützweite 150 m
Höhe 56 m
Baubeginn 1983
Fertigstellung 1986
Planer BUNG, Heidelberg

Beim Bau der 1986 fertiggestellten, neuen Argentobelbrücke wurde erstmals in Deutschland ein einfacheres und schnelleres Verfahren zum Bau von Bogenbrücken[4] ohne Lehrgerüst eingesetzt: Die Brücke wurde von einer Arbeitsgemeinschaft im sogenannten „Bogenklappverfahren“ mit deutlich weniger aufwendigen Rüstungsarbeiten hergestellt. Die wesentliche Neuerung des neuen Verfahrens: Der Bogen wurde in zwei Hälften errichtet, und zwar aufrecht stehend wie ein Brückenpfeiler. Die Brücke wurde mit einer durchgehend aufgeständerten Fahrbahntafel ausgeführt.

Im Herbst 2015 wurde eine Absturzsicherung an der Brücke eingebaut, da die Zahl der Suizidversuche von der Brücke zugenommen hatte. Allein im Jahr 2015 waren fünf Fälle zu beklagen.[5][6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • K. Wolf, M. Mühlbauer: Neubau der Argentobelbrücke zwischen Maierhöfen und Grünenbach im Landkreis Lindau In: Tiefbau Berufsgenossenschaft 96, 1984, S. 748–755

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Argentobelbrücke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f Infotafel im Eistobel
  2. a b c d Brücke über den Argentobel bei Grünenbach (Bayern). In: Zentralblatt der Bauverwaltung, 27. Jahrgang 1907, Nr. 25 (vom 23. März 1907), S. 178. (Digitalisat; PDF mit 2,4 MB)
  3. Straßenbrücke über den Argentobel bei Grünenbach in Bayern. In: Deutsche Bauzeitung, 41. Jahrgang 1907, Nr. 26 (vom 30. März 1907), S. 179. (Digitalisat; PDF mit 24 MB)
  4. Riccardo Morandi hatte einen Vorläufer dieses Verfahrens bei der Ponte Morandi (1953–1955) in der Toscana eingesetzt und es bei der nachfolgenden Paul Sauer Bridge in Südafrika zu dem inzwischen vor allem in China verbreiteten Verfahren weiterentwickelt (Leonardo Fernández Troyano: Bridge Engineering. A Global Perspective. Colegio de Ingenieros de Caminos, Canales y Puentes, Thomas Telford 2003, ISBN 0-7277-3215-3, S. 339).
  5. Absturzsicherung an der Eistobelbrücke im Landkreis Lindau - Metallzaun soll Selbstmorde verhindern hrsg=allgaeuhit.de. 19. November 2015, abgerufen am 22. August 2016.
  6. Eistobelbrücke ist nun gegen Absturz gesichert, Lindauer Zeitung, 21. November 2015