Arminius Hasemann

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Der Bär, Portal des ehemaligen Busbetriebshofs der Allgemeinen Berliner Omnibus AG (ABOAG), heute Arena Berlin, Berlin-Treptow, Sandstein und Kunststein
Figürliche Reliefs am Busbetriebshof der ABOAG, Klinker
Mutter-Kind-Brunnen, Wohnanlage Geisenheimer/ Laubacher/Rauenthaler Straße, Muschelkalk
Affengruppe entstanden nach 1922, 1979 dem Zoo geschenkt, Sandstein

Arminius Hasemann (* 6. September 1888 in Berlin; † im Jahr 1979 vor dem 20. August ebenda) war ein deutscher Bildhauer und Graphiker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arminius Hasemann, Sohn eines Berliner Messinstrumentenbauers, wuchs teils in der Gegend um die Berliner Nikolaikirche, teils im ländlichen Zehlendorf und später in einem Internat bei Filehne in Pommern auf. Danach besuchte die Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums Berlin und dann die Großherzoglich Badische Kunstschule in Karlsruhe. Das Studium der Bildhauerei und Graphik begleiteten Aufenthalte bei seinem Onkel, dem Maler Wilhelm Hasemann in Gutach, in Florenz und Carrara. Die jährliche Ausstellung der Berliner Secession zeigte 1912 zwei Marmorköpfe Hasemanns, Condottiere und Narr.

Die folgenden zwei Jahre verlebte Hasemann auf Reisen. Als Wandermusikant bereiste er mit zwei Violinisten die Schweiz und fuhr über Genua nach Ceuta. Eine Fußwanderung von Gibraltar durch Südspanien endete in Barcelona.[1] Erste künstlerische Erfolge erlaubten weitere Reisen. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs überraschte Hasemann in Paris. Er kehrte nach Deutschland zurück und nahm am Krieg als Frontsoldat teil. Während des Krieges erschien der Ertrag der Reisen unter dem Titel Himmel und Hölle auf der Landstraße mit 42 Holzschnitten. Das Werk erreichte bis 1922 vier Auflagen und machte Hasemann berühmt.

„Ein eminent ausdrucksvoller mit höchst prägnanten Mitteln arbeitender, echt holzschnittmäßiger Stil einigt sich ... mit quellender Phantasie der Erfindung und der scharfen Beobachtung eines genialen Bohémientums und zu z.T. ganz rein abgeklärten künstlerischen Wirkungen.“

Eine der 1920 erschienenen Mappen Der Zirkus mit 20 originalen Holzschnitten liegt heute in den Fine Arts Museums of San Francisco. Nach dem Krieg interessierten Hasemann neben der Graphik plastische Arbeiten im öffentlichen Raum.[2] Hasemann entwickelte seinen Stil aus einer Synthese von Expressionismus und Art déco. Beispielhaft sind der Mutter-und Kind-Brunnen in der Künstlerkolonie Berlin und der Bauschmuck für den Busbetriebshof der ABOAG in Berlin-Treptow, seit 1995 Arena Berlin.

Mitte 1932 wurde Hasemann Nationalsozialist. Nach der Machtergreifung Hitlers „organisierte“ er als Kulturwart der NSDAP, angetan mit Dienstmütze- und Waffe, die Zehlendorfer Künstlerschaft. Dennoch konnte Hasemann kaum öffentliche Aufträge verzeichnen. Obwohl er seine expressionistischen Werke bei Bewerbungen verschwieg, gelang es ihm nicht, seinen Stil zu verleugnen und er verarmte. Von seinen wenigen Werken aus der NS-Zeit ist keines erhalten, auch weil die Bronzeplastiken anlässlich der Metallspende des deutschen Volkes ab 1940 eingeschmolzen wurden.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs eingezogen, geriet Hasemann bei Berlin in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Aus dieser heraus gelangte er in eine führende Stelle im Baustab zur Errichtung des sowjetischen Ehrenmals im Treptower Park. Nach dessen Fertigstellung beschäftigte ihn Richard Paulick ab 1950 beim Wiederaufbau der Deutschen Staatsoper Unter den Linden. Die Statuen auf der Attika des Gebäudes entwarf Hasemann.

In West-Berlin, wo sich nach der Spaltung Berlins Hasemanns Wohn- und Atelierhaus befand, verschwieg er gegenüber öffentlichen Auftraggebern in Lebensläufen die Jahre von 1933 bis 1945 und auch sein Wirken für die Sowjetarmee. Als 1965 die Gewerkschaft ÖTV eine Gedenktafel am Sterbehaus des SPD-Vorsitzenden und Reichspräsidenten Friedrich Ebert in der Joachimsthaler Straße in Berlin wünschte, verschaffte sich Hasemann den Auftrag, den von ihm einstmals so geschmähten Politiker mit einem Spätwerk zu ehren. Die Tafel ziert heute das Archivgebäude der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn.[3]

Im Alter wurde Hasemann, der von einer DDR-Rente lebte, zum Sonderling. Kurz vor seinem Tod schenkte er 1979 dem Berliner Zoologischen Garten die Sandsteinskulptur Affengruppe, die vor dem Tropenhaus aufgestellt wurde. Hasemanns Haus in der Leuchtenburgstraße 18 verkam in seinen letzten Jahren, wurde später geplündert und schließlich abgerissen. Sein Grab auf dem Friedhof Zehlendorf ist eingeebnet. Werke Hasemanns wurden 2007 zusammen mit Joseph Beuys, Käthe Kollwitz, Andy Warhol u.a. in der Recklinghauser Ausstellung Zum Sterben schön! Der Tod in der Kunst des 20. Jahrhunderts ausgestellt.[4]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Holzschnittbände und -mappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Himmel und Hölle auf der Landstraße, mit 41 (24 ganzseitigen) Original-Holzschnitten, Berlin und Leipzig. Behr, 1915. 28 × 21 cm. Illustrierter Original-Pappband. VIII, 118 Seiten
  • Der Zirkus, 20 Holzschnitte, Mit Geleitworten von Karl August Meißinger. Berlin/Leipzig, Behr und Feddersen, 1920
  • Eros Thanatos, ein Totentanz, 12 Holzschnitte, Berlin, R. Seitz & Co., 1921
  • Don Quijote von der Mancha, 20 Holzschnitte, Berlin, 1922

Holzschnitte aus den Jahren 1912/14[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • "Zigeunermädchen"
  • "Abschied von den Frauen"
  • "Der Karrner"
  • "Die Philosophen der Landstraße"
  • "Tippelbruders Abschied"
  • "Der Tod auf der Landstraße"
  • "Kokotten am Kai von Luzern"
  • "Sturm im Mittelländischen Meer"
  • "Araber, Spanier und Jude in Melilla"
  • "Am wüsten Strande von Andalusien"
  • "Fonda bei Sonnenuntergang"
  • "Eselsritt durch Kaktushecken"

Berliner Kunstwerke im Öffentlichen Raum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1922: Affengruppe in Berlin-Tiergarten, Zoogelände, Skulptur aus Sandstein
  • 1927/38: Acht Klinkerfiguren, darunter Schaffner und Schaffnerin in Berlin-Treptow
  • 1927/38: Bär in Berlin-Treptow, Torplastik aus Muschelkalkstein und Kunststein
  • Um 1928: Mutter- und Kindbrunnen in Berlin-Wilmersdorf, Rauenthaler Straße, Skulptur aus Muschelkalkstein
  • Statuen auf der Deutschen Staatsoper in Berlin-Mitte

Sonstige[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • um 1930: Vertrauen, Berlin, Skulpturengruppe aus Teak, geölt, 4 Stück
  • 1965: Gedenktafel für Friedrich Ebert, Bronze, Bonn, Friedrich-Ebert-Stiftung

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Arminius Hasemann. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 16: Hansen–Heubach. E. A. Seemann, Leipzig 1923, S. 100.
  • Carl-Peter Steinmann: Von Karl May zu Helmut Newton Spurensuche in Berlin, 144 Seiten, gebunden, 20 Abbildungen, ISBN 3-88747-213-6
  • H. Anacker, A. Aulke, J. Bardt, M. Barthel: Deutsche Wanderer-, Vagabunden- und Vagantenlyrik in den Jahren 1910–1933, de Gruyter, 1976
  • G. Bollenbeck Armer Lump und Kunde Kraftmeier: Der Vagabund in der Literatur der Zwanziger Jahre, Winter, 1978
  • Hadwiger, Victor: Abraham Abt. Das Buch der Felsen/Das Buch der Herberge/Das Buch des Gartens/Das Buch der Sonnenuntergänge und der Sterne. (Nachwort von Anselm Ruest). Berlin, A. R. Meyer 1912. Erste Ausgabe (Raabe 99.5 / Serke, Böhmische Dörfer, S. 391). Gedruckt in 500 Exemplaren, Ende 1911
  • Detlef Lorenz: Ein Diener vieler Herren. In: Der Tagesspiegel (Berlin), Nr. 16537 vom 4. Dezember 1998, S. 16, 2 Abb.
  • Detlef Lorenz: Auf allen Sätteln, zwischen allen Stühlen. Der Zehlendorfer Bildhauer Arminius Hasemann - ein deutsches Künstlerleben im 20. Jahrhundert. In: Jahrbuch für Zehlendorf 2000 (Berlin), S. 73–81, 6 Abb.
  • Detlef Lorenz: Arminius Hasemann. In: Allgemeines Künstler-Lexikon. Band 70, Hartwagner–Hedouin. De Gruyter, Berlin 2011, S. 51f., ISBN 978-3-11-023175-5

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Arminius Hasemann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Archiv zur Geschichte des Individuellen Reisens – AGIR enthält eine Darstellung der Wanderungen Hasemanns, zu ermitteln mit der Suchfunktion
  2. www.eArt.de enthält eine Biografie Hasemanns bis etwa 1925
  3. Gedenktafel für Friedrich Ebert, Information des Bezirksamts Charlottenburg-Wilmersdorf mit Abbildung, abgefragt am 11. Januar 2018.
  4. Hans-Jürgen Schwalm, Ullrich, Ferdinand (Hrsg.): Zum Sterben schön? Der Tod in der Kunst des 20. Jahrhunderts. Begleitbuch zur Ausstellung in der Kunsthalle Recklinghausen vom 11. Februar bis 15. April 2007. Goch B.o.s.s. Druck und Medien, Recklinghausen 2007, ISBN 978-3-939753-10-0