Arno Stocker

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Arnold Arno Stocker, geb. Meffert, (* 11. Oktober 1956 in Offenbach) ist ein deutscher Klavierstimmer und Mitinhaber eines Patents.

Leben

Seiner Autobiografie zufolge wurde Stocker als vierwöchige Frühgeburt sowie auf Grund von Sauerstoffmangel mit einer spastischen Behinderung geboren. Er sei fast blind und schwer bewegungsbehindert, zeitweise in einem Heim für Behinderte aufgewachsen und habe unter Anarthrie gelitten. Durch seine kindlichen Versuche, wie Enrico Caruso zu singen, habe er das normale Sprechen erlernt. Eine Sonderschullehrerin habe ihm Klavierunterricht erteilt. Im Alter von 18 Jahren habe er eine Einladung von Maria Callas erhalten, als Gasthörer ihren Meisterkursen in New York beizuwohnen.[1]

Stocker begann eine Ausbildung als Klavierbauer bei Grotrian-Steinweg, jedoch wurde das Lehrverhältnis im Jahr 1973 von der IHK Braunschweig mit der Begründung aufgehoben, dass eine Unvereinbarkeit der Arbeitssicherheitsmaßnahmen in einem Industriebetrieb mit der Beschäftigung von Behinderten bestehe. Danach folgten Volontariate bei verschiedenen Klavierfabriken und Musikhäusern.[1] Am 9. Januar 1989 gründete er die Piano-Forte Klavierhandelsgesellschaft mbH mit Sitz in Haar bei München, die zum gegenwärtigen Zeitpunkt wieder aus dem Register ausgetragen ist.[2]

Im Winter 1991 wanderte Stocker (seinerzeit Meffert) in die USA aus und ließ das Unternehmen konkursreif zurück. Binnen eineinhalb Jahren habe er jedoch eigenständig Schulden i.H.v. von 400.000 DM beglichen. Ungeachtet dessen wurde er nach seiner Rückkehr im Jahr 1994 wegen Konkursverschleppung zu 2½ Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt und im Dezember 1995 nach 13 Monaten auf Bewährung entlassen.[3] Im Jahr 1996 bot Stocker der Musikindustrie "digital restaurierte" Fassungen von Enrico Caruso auf Audiokassette an. Eine Audioanalyse der Hochschule für Musik und Theater München hatte jedoch ergeben, dass Stocker lediglich die Stimme von Plácido Domingo zugemischt hatte, welcher daraufhin die Rechtswegbeschreitung gegen diese Fälschung ankündigte.[4] Am 26. August 1996 meldete er zusammen mit Rudolf Klopsch ein Verfahren sowie eine Vorrichtung zur Restaurierung historischer Tonaufnahmen zum Patent an.[5] Im Jahr 2003 wurde Stocker erneut wegen Betrug in sieben Fällen zu einer Freiheitsstrafe ohne Bewährung verurteilt und Anfang 2005 auf Bewährung entlassen.[3] In einem Interview bei SWR1 aus November 2011 äußerte sich Stocker eingehender zu seinem Lebensweg und seiner Arbeitsweise.[6][7]

Seit 2005 betreibt er zusammen mit seiner Frau Karin Stocker einen Gewerbebetrieb als Enrico-Caruso-Agentur (angemeldet als Karin Stocker Piano, Klaviere)[8] und vergibt Aufträge zur Klavierrestaurierung an die polnische Firma SAP Renovation in Kalisz. Aus dem Unternehmen erwirtschaftete er nach seiner Haftentlassung keinen Gewinn und wurde finanziell von der Familie seiner Frau unterstützt. Etwaige Einnahmen dienten der Tilgung von Zahlungsverpflichtungen.[9] Im Jahr 2009 beauftragte er das polnische Unternehmen Piano Europe z.o.o. sp, eine Tochtergesellschaft der Wilhelm Schimmel Pianofortefabrik, mit der Sonderanfertigung eines Flügels.[10]

Am 4. Oktober 2010 wurde Stockers Autobiographie unter dem Titel Der Klavierflüsterer veröffentlicht, die im Kailash Verlag (Verlagsgruppe Random House) erschien. Ziel der Autobiographie sei es, offen mit seiner Vergangenheit, insbesondere seinen strafrechtlichen Verurteilungen umzugehen. Daraufhin haben diverse Fernsehsendungen und Dokumentationen, wie z.B. Lebenslinien im Bayerischen Rundfunk, Kölner Treff, Deutsche Welle und SWR2 seinen Lebenslauf thematisiert.[11] Im Oktober 2016 stellte die FFF Bayern Fördermittel über 60.000 € zur Verfilmung der Autobiografie bereit.[12]

Patente

DE 19634490 A1 Arnold Meffert und Rudolf Klopsch: Restoration of historical sound recordings from gramophone records, (englische Textversion), Verfahren und Vorrichtung zur Restaurierung historischer Tonaufnahmen (deutsche Textversion).

Literatur

  • Arno Stocker: Der Klavierflüsterer - Die wahre Geschichte eines unwahrscheinlichen Lebens Autobiographie, Kailash Verlag, München 2010, 317 Seiten, ISBN 978-3-424-63027-5

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b Jörg Oberwittler: Die Seelen der Instrumente – Der Klavier-Restaurator Arno Stocker. Deutschlandfunk Kultur, 25. Dezember 2010, abgerufen am 20. Juli 2017.
  2. Piano-Forte Klavierhandelsgesellschaft mbH. 360kompany GmbH, abgerufen am 19. Juli 2017.
  3. a b Rüdiger Köhn: Arno Stocker - Extrem entspannt. FAZ, 20. Oktober 2011, abgerufen am 19. Juli 2017.
  4. Gregor Dolak: Caruso singt wieder – mit Domingos Stimme. Focus, 5. August 1996, abgerufen am 21. Juli 2017.
  5. Arnold Meffer, Rudolf Klopsch: Verfahren und Vorrichtung zur Restaurierung historischer Tonaufnahmen DE 19634490 A1. 5. März 1998, abgerufen am 21. Juli 2017.
  6. Arno Stocker, Klavier-Restaurator. In: SWR1 Leute Baden-Württemberg Podcast. 8. November 2011, abgerufen am 19. Juli 2017 (Audio; 18m 0s).
  7. Große Haie, kleine Fische - Zweierlei Maß für Wirtschaftsstraftäter? SWR2, 21. Januar 2013, abgerufen am 19. Juli 2017 (PDF; 83 kB, Interview).
  8. Karin Stocker Piano, Klaviere. Verband der Vereine Creditreform e.V., abgerufen am 19. Juli 2017.
  9. Rüdiger Köhn: Arno Stocker - Extrem entspannt. FAZ, 20. Oktober 2011, abgerufen am 19. Juli 2017.
  10. Piano Caruso - Presse. Karin Stocker, 2009, abgerufen am 19. Juli 2017 (gewerbliche Webseite).
  11. Kölner Treff. ARD, 21. Februar 2010, abgerufen am 20. Juli 2017.
  12. Projektentwicklung Kinofilm - Der Klavierflüsterer. FilmFernsehFonds Bayern, abgerufen am 19. Juli 2017.