Asphalt-Magazin

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Asphalt-Verkäuferin Valerie in Hannover

Das Asphalt-Magazin ist seit 1994 eine in Hannover erscheinende und niedersachsenweit vertriebene, soziale Straßenzeitung. Sie erscheint monatlich und wird durch bedürftige Menschen verkauft.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Nachfolgerin der im Dezember 1993 von den durch die Hannoversche Initiative obdachloser Bürger e.V. (H.I.o.B.) herausgegebenen HIOB's-Botschaften erschien Asphalt erstmals im September 1994 in Hannover.[1] Initiator und bis 2012[2] Herausgeber der Obdachlosenzeitung war Walter Lampe.[3] Im Laufe von drei Jahren wurde das Magazin in 15 weiteren Städten Niedersachsens auf der Straße verkauft. Die Namensgebung der Straßenzeitung nimmt Bezug auf den Straßen-Asphalt, das Medium, mit dem wohnungslose Menschen häufig Kontakt haben.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1996 wurde das Magazin durch den Freundeskreis Hannover mit dem Stadtkulturpreis geehrt.[1] Das Blatt ist dem Netzwerk der internationalen Straßenzeitungen INSP (International Network of Street Papers) angeschlossen. Von der Vereinigung wurde es 2008 für das weltweit beste Interview sowie das beste Foto ausgezeichnet. 2011 wurde es für das beste Foto mit dem International Street Paper Award ausgezeichnet. Der Preis würdigt besondere journalistische Leistungen von Straßenzeitungen.

Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Asphalt gemeinnützige Verlags- und Vertriebsgesellschaft mbH mit Sitz in der Hallerstraße ist eine gemeinnützige GmbH.[4] und finanziert sich seit ihrem Bestehen vollständig selbst. Das Projekt lebt zum größten Teil von Spenden. Mit den Verkaufseinnahmen und Werbeanzeigen kann nur ein Teil der anfallenden Kosten gedeckt werden.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gesellschafter des Straßenmagazins sind das Diakonische Werk, Stadtverband Hannover zu 51 Prozent und die Hannoversche Initiative obdachloser Bürger e.V. (H.I.o.B.).[5] Bei Asphalt arbeiten regelmäßig elf fest angestellte Mitarbeiter (zwei Vollzeit- und neun Teilzeitstellen). Sie werden bei Bedarf durch etwa 15 Ehrenamtliche im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit unterstützt. Das Asphalt-Magazin wird von professionellen Journalisten erstellt (drei fest angestellte Redakteure, etwa acht freie Autoren) und richtet sich an alle Bevölkerungsschichten. Es wird eine breite Themenpalette behandelt: Lokalpolitik, Reportagen aus Niedersachsen und der Welt, Hintergrundberichte, soziale Themen, Interviews mit Fachleuten und Prominenten, Kolumnen, Veranstaltungstipps.

Nach Auseinandersetzungen um Gehaltskürzungen der Redakteure entließ der Mitherausgeber, Mehrheitsgesellschafter und Pastor Rainer Müller-Brandes seine Kollegin Hanna Legatis im September 2018, Mitherausgeber Heiko Geiling trat aus Solidarität zu Legatis zurück.[5] Im Februar 2019 wurden die ehemalige Landesbischöfin Margot Käßmann und der Kabarettist Matthias Brodowy in die Nachfolge berufen.[6]

Struktur

  • 2 Gesellschafter
  • 1 Herausgeber[7]
    • Rainer Müller-Brandes
  • 1 Geschäftsführer
  • 4 Redakteure[4]
  • 1 Grafikerin/Layouterin
  • 3 Vertriebsmitarbeiter (davon 1 Sozialarbeiter)
  • 2 Verwaltungsmitarbeiterinnen

Ziel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Asphalt bietet relativ armen Menschen die Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt aufzubessern, ohne zu betteln. Das Projekt gibt den Menschen die Erfahrung, etwas wert zu sein und gebraucht zu werden. Eines der Ziele des Asphalt-Magazins ist, eine Kommunikation auf Augenhöhe zwischen Käufer und Verkäufer herzustellen. Für viele Wohnungslose oder Langzeitarbeitslose ist der Verkauf der Straßenzeitung die letzte Chance, durch eigene Arbeit würdevoll Geld zu verdienen. In Hannover gibt es etwa 80 Straßenverkäufer, die das Magazin in nahezu allen Stadtteilen anbieten. Sie kaufen das Magazin im Asphalt-Vertrieb für 1,10 Euro und verkaufen es dann für 2,20 Euro an den Passanten.

Verbreitungsgebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Asphalt-Magazin ist ausschließlich im Handverkauf mit einer Auflage von durchschnittlich 27.000 Exemplaren in folgenden Städten Niedersachsens erhältlich und kann beim Verkäufer oder bei der Verkäuferin auf der dortigen Straße erworben werden:

Projekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Asphalt-Magazin bietet regelmäßig besondere soziale Projekte an:

  • „Sozialer Stadtrundgang“ (Wohnungsloseneinrichtungen, Drogenhilfe)
  • „Asphalt geht in die Schule“ (Jugendliche für den Lebenslauf von sozial benachteiligten Menschen sensibilisieren und Vorurteile gegenüber Wohnungslosen abbauen)
  • „Fahrradwerkstatt“
  • „Asphalt Cowboys“
  • „Samstags-Frühstück für Asphalt-Verkäufer“ (jeden 3. Samstag im Monat, 9.00 – 13.00 Uhr, Haller Str. 3)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Asphalt (magazine) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Klaus Mlynek (KM): Asphalt. In: Stadtlexikon Hannover, 2009, S. 36.
  2. Ende einer Ära – Asphalt-Gründer geht in den Ruhestand. (Memento vom 10. Februar 2013 im Webarchiv archive.today). In: Asphalt-Magazin, Sommer 2012.
  3. Jeanette Kießling, Volker Macke, Renate Schwarzbauer, Sonja Wendt (Redaktion): Die Herausgeber. (Memento vom 10. Februar 2013 im Webarchiv archive.today). In: Asphalt-Magazin, 2012.
  4. a b Impressum. In: asphalt-magazin.de, aufgerufen am 10. November 2016.
  5. a b Petra Rückerl: Eskalation bei „Asphalt“. In: Neue Presse, 23. September 2018.
  6. Mathias Klein: Umland / Hannover / Käßmann und Brodowy arbeiten für „Asphalt“, Artikel auf der Seite der Hannoverschen Allgemeinen Seite vom 15. Februar 2019
  7. Mathias Klein: Eklat beim Straßenmagazin „Asphalt“. In: Hannoversche Allgemeine Zeitung, 24. September 2018.