Ata Bozaci

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Ata Bozaci (* 3. März 1974 in Burgdorf BE) ist ein Schweizer Grafiker, Illustrator und Künstler. Seine Werke umfassen Zeichnungen, Gemälde, digitale Grafiken, grossformatige Wandgestaltungen und modulare Plastiken. Von 1990 bis 2012 war sein Schaffen hauptsächlich dem Graffiti-Writing gewidmet; seine Graffiti-Werke sind unter dem Pseudonym Toast bekannt. In seinen neueren, digitalen Werken steht der Mensch im Mittelpunkt.[1]

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühe Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bozaci wuchs in einer türkischen Arbeiterfamilie auf. Wegen der knapp verfügbaren Mitteln schmuggelte sein Vater Papier aus der Druckerei nach Hause. Dies war Bozacis Spielzeug und Startschuss für sein gestalterisches Schaffen. Das Zeichnen wurde zum Werkzeug, mit dem sich Bozaci ausdrückt.[2]

Studium und erste Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bozacis zeichnerische Fähigkeiten wurden bereits in der Grundschule wahrgenommen. Seine Lehrer rieten ihm jedoch von einer Grafiker-Ausbildung ab, da er die Primarschule (Realschule) besuchte. Daraufhin schlich er sich in den Zeichen-Unterricht der Sekundarschule, um sich das nötige Wissen für die Vorkurs-Prüfung anzueignen. Daraufhin schrieb er die beste Prüfung aller Altersklassen. 1990 bis 1991 besuchte er den Vorkurs an der Kunstgewerbeschule (Propädeutikum Kunst und Design).

Von 1992 bis 1996 absolvierte er die Fachklasse Grafik an der Schule für Gestaltung Bern. Im Rahmen seiner Diplomarbeit erstellte er das erste gesprühte Comic. Dies zu einer Zeit, in der Graffiti noch nicht akzeptiert war. Sein Bestreben Graffiti mit Grafik zu verbinden kostete ihn fast sein Studium. Stephan Bundi, sein damaliger Lehrer, unterstützte und ermutigte ihn weiterzumachen. 1992 erschien der erste Zeitungsbericht über ihn und seine Graffiti in der Schweizer Illustrierte. Im gleichen Jahr wurde er für eine Gruppenausstellung mit H.R. Giger an die Art Frankfurt eingeladen. Während Bozacis Praktikums bei Springer & Jacoby in Hamburg entwickelte sich eine enge Freundschaft zu Mirko Reisser DAIM / getting-up. 2001 realisierten sie gemeinsam mit weiteren Künstlern das 2000 m² grosse Graffito gegenüber den Landungsbrücken am Hamburger Hafen an der Aussenwand des Docks 10 der Werft Blohm + Voss, mit dem Titel „Das neue Hamburg und seine Partnerstädte“. [3][4][5]

Die Bekanntschaft mit der Hip-Hop-Band Fettes Brot, für die Bozaci im Jahr 1995 das Album-Cover „Auf einem Auge blöd“ gestaltete, verlieh ihm Ansehen im deutschsprachigen Raum. Grafikaufträge für die Berner Club- und Kulturszene folgten, darunter die Zusammenarbeit mit dem Kult-Magazin „SODA“. 2007 erhielt Bozaci einen eigenen Farbton beim Sprühdosen-Hersteller „Molotow“ namens „TOAST signal black“.

Im Alter von 22 Jahren schloss Bozaci die Ausbildung als diplomierter Grafiker ab und machte sich in Bern selbständig. In Zusammenarbeit mit dem weltweit bekannten Grafikbüro „Büro Destruct“ entstanden 15 Skateboard-Designs für Intersport.

Atalier Visual Entertainment[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den späten 1990er-Jahren gründete Bozaci mit seinen Geschäftspartnern Remy Burger und Patric Geissbühler die Firma „Atalier Visual Entertainment“, die sich auf illustrative Online Spiele konzentrierte.[6] Sie wurde die erfolgreichste Firma in der Branche. Zu ihren Kunden zählten Die Mobiliar, die Schweizer Milchproduzenten und die Schweizerische Post. 2004 erhielt Atalier den Bronze Award des Schweizer Dialogmarketing-Preis.

2007 verlässt Bozaci Atalier um sich ausschliesslich seiner Kunst zu widmen.

Bekanntschaft mit Gunter Sachs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Den Basler Graffiti-Writer Dare und Bozaci verband seit den frühen 1990er Jahren eine tiefe Freundschaft. Sie führten gemeinsam Aufträge aus. 2008 wurden die Beiden vom Kunstsammler Gunter Sachs eingeladen, seine Privatresidenz im Schlosshotel Velden zu gestalten. Unter dem Titel „Point of View“ malten die Künstler sechs raumübergreifende Bilder, die sich nur von einigen Punkten aus zu einem Gesamtbild zusammenfügen.[7] Das Gesamtkunstwerk wurde in der Zeitschrift Architectural Digest (AD) veröffentlicht. Für die Sonderausstellung „Die Kunst ist weiblich“ über das Leben und Werk von Gunter Sachs im Museum der bildenden Künste in Leipzig fertigte Bozaci ein grosses Stahlbild an. Neben seinem Werk „Unexpected interruption“ waren Werke von Shepard Fairey, Dare, Futura 2000 und vielen weiteren Künstlern zu sehen.

2008 begann die Zusammenarbeit mit der Galerie Springmann aus Freiburg. Es folgten Gruppenausstellungen mit Dare, Stefan Strumbel und Streetart-Pionier Blek le Rat. Die beiden Werke „Satan in Heaven“ und „Black devil“ kamen 2012 beim Auktionshaus Sotheby’s in London unter den Hammer. 2014 wurden bei Karl&Faber in München zwei weitere Werke Bozacis aus der Sammlung Gunter Sachs versteigert.

Reisen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits in frühen Jahren bereiste Bozaci ganz Europa. Der Kontakt zum US-amerikanischen Streetart-Künstler „Dave Persue“ ermöglichte es ihm, in San Diego für die Skateboard Firma Osiris zu arbeiten. Mit der Rockband „disidente“ reiste er quer durch Mexiko. Zwei Monate in Kuba und mehrere Bildungsreisen in Australien, China, Thailand, Malaysia und Singapur folgten.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bozaci lebt und arbeitet zusammen mit seiner Partnerin und der gemeinsamen Tochter in Zürich.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Graffiti[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Arbeiten von Bozaci alias Toast, die zwischen 1990 und 1996 entstanden, waren geprägt von cartoonhaften Figuren. Obwohl er mit dem Sprayen von Schriftzügen angefangen hatte, galt Bozaci lange Zeit als einer der bedeutendsten Sprayer von Graffiti-Figuren. Seine Art mit der Sprühdose umzugehen war legendär und setzte neue Massstäbe. Unverkennbare Spuren mit einfachsten Mitteln zu hinterlassen wurde zu seinem Markenzeichen.[2]

Buchstabenarchitektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Serie „Buchstabenarchitektur“ begleitete sein Schaffen von 1996 bis 2008. Die perspektivischen Darstellung, die Begehbarkeit und Vollendung der Buchstaben im Raum kennzeichnen diese Arbeiten.

Modulare Plastiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Buchstaben intuitiv in den Raum zu schreiben, eine typische Eigenschaft des Graffiti-Writing, wurde von Bozaci adaptiert. Diverse Grundformen wie Viereck, Dreieck und Kreis dienten als Baustein seiner Schrift-Plastiken. Es sind grosse, mehrteilige Gebilde, die auch Modelle für futuristische Häuser sein könnten. „Graffiti und Architektur sind für mich sehr nahe beieinander. Darum ist dieser Schritt hin zu handfesten Objekten nur logisch.“[8] Die Steckskulptur „MLS Modular Letter System“ wurde 2011 an der Ausstellung „The First Beijing International Design Triennial“ im Chinesisches Nationalmuseum gezeigt.

Hype Balloon[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Getreu dem Motto „Don’t believe the hype“ gestaltete Bozaci 2011 eine grosse Ballon-Plastik. Sie buchstabiert das Wort HYPE und wird pausenlos aufgeblasen und fällt wieder in sich zusammen. Während der Werkschau Grafik 12 inszenierte Bozaci den Ballon mit einer Performance: Als Graffiti-Sprayer getarnt besprühte er sein eigenes Werk und wurde anschliessend von Polizistinnen abgeführt.

Lineare und digitale Portraits[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit den frühen 2000er Jahren sucht Bozaci die künstlerischen Herausforderungen nicht mehr nur in der Typografie, sondern auch in seiner unmittelbaren Umgebung. Der Mensch ist wieder näher in sein Blickfeld gerückt. Er sucht auch im Privaten die direkte Konfrontation und beginnt zu boxen. Aus diesen Erfahrungen entstand 2013 die Einzelausstellung „Lineares Boxen“ in der „The Trace Gallery“ in Zürich.

Bozacis Arbeiten werden gesellschaftskritischer. Seine wachsame Haltung gegenüber Sozialen Medien wurde in der Wander-Ausstellung „Fifteen Seconds of Fame“ 2015 sichtbar.[9] Er verwandelte Facebook-Profile seiner Bekannten mithilfe von digitaler Technik in ikonische Portraits. Die Gesichter basieren auf Kreisformen. Bozaci sieht die Perfektion des Kreises als Sinnbild für den heutigen Schönheitswahn. Und Facebook als den idealen Austragungsort für Eitelkeit und Narzissmus.[9] Beim Betrachten der Portraits aus der Nähe sind nur grafische Formen erkennbar. Erweitert man die Distanz, entsteht ein nahezu fotorealistisches Bild. In der Folge hat Bozaci die digital entstandenen Portraits auch manuell als Wandbilder gemalt. Darunter das Portrait des türkischen Schriftstellers Enis Batur. Das fünf Meter hohe Bild entstand zusammen mit dem „RAWCUT Design Studio“ und Studenten an der Bomonti Mimar Sinan Universität in Istanbul.[10]

Bozacis zurzeit grösstes Wandbild ist in Shenzhen, China zu sehen. Er wurde 2016 eingeladen, eine Openair-Galerie zu schaffen, die ein ganzes Stadtquartier aufwerten soll. Das 27 Meter hohe Kunstwerk zeigt ein buntes Baby, das am Smartphone hängt.[11]

In Zusammenarbeit mit Microsoft erstellte er 2017 einen Entwurf für die Gestaltung des Swissmill-Tower in Zürich. Das Werk „Nackt-Schwimmen“ stellt die Mutter-Kind-Beziehung dar. Sowohl das Silo an sich, wie auch der Entwurf lösten ein Kontroverse aus.[12][13]

Bedeutende Arbeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2017: Digidog alias Stromtrooper, BernARTiner, Bern
  • 2016: Online, Wandgemälde, Jardin Orange, Shenzhen, China
  • 2014: Amanda, Wandgemälde, STAMP Festival, Hamburg, Deutschland
  • 2014: David, Wandgemälde, Naestved, Dänemark
  • 2014: Michele, Wandgemälde, Marrakesch, Marokko
  • 2013: Enis Batur, Wandgemälde, Bomonti Mimar Sinan Universität, Istanbul, Türkei
  • 2010: Wandgemälde, Dafen Art Museum, Shenzhen, China
  • 2008: Innenraumgestaltung, Maendler Modehaus, München, Deutschland
  • 2007: Innenraumgestaltung, Gunter Sachs, Schlosshotel Velden, Österreich
  • 2007: Innenraumgestaltung, Kamper, Graz, Österreich
  • 2005: Wandgemälde, BUGA Bundesgartenshow, München, Deutschland
  • 2000: Innenraumgestaltung, Kerquelen Shoe Store, West Broadway, New York, USA
  • 2000: Das neue Hamburg und seine Partnerstädte, Wandgemälde, Blohm + Voss, Hamburg, Deutschland
  • 1997: Multimediawall, Wandgemälde, Sprinkenhof GmbH, Hamburg, Deutschland

Album-Cover / Video-Clips[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2015: Fifteen Seconds of Fame, The Trace Gallery, Zürich, Schweiz
  • 2015: Fifteen seconds of Fame, Artstübli, Basel, Schweiz
  • 2013: Lineares Boxen, The Trace Gallery, Zürich, Schweiz
  • 2011: Unexpected Playground, Retrospektive, The Essential Collection, Zürich, Schweiz
  • 2006: Toast, ArtCorner28, Biel, Schweiz
  • 2004: Toast, Büro Discount, Zürich, Schweiz

Gruppenausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2014: Behind the Red Wall, Jardin Rouge, Marrakesch, Marokko
  • 2013: Kunst am Ball, Wiener Techno Ball, Wien, Österreich
  • 2012: Grafik12, Maag Event Hall, Zürich, Schweiz
  • 2012: Similitudes, Galerie zieglerzwei, Zürich, Schweiz
  • 2012: Do Not Erase, G-Dot Art Space, Peking, China
  • 2012: Urban Art EFX, CBK, Amsterdam, Niederlande
  • 2012: Die Sammlung Gunter Sachs, Museum Villa Stuck, München, Deutschland
  • 2011: Urban Art Graffiti 21, Völklinger Hütte, Völklingen, Deutschland
  • 2011: 1st Beijing International Design Triennial, Chinesisches Nationalmuseum, Peking, China
  • 2010: Public provocations 2, Colab Gallery, Weil am Rhein, Deutschland
  • 2010: Rotkäppchen lackiert den Wolf, Haus der Kunst, München, Deutschland
  • 2009: Art Karlsruhe, Karlsruhe, Deutschland
  • 2009: Kunstverein Offenburg, Offenburg, Deutschland
  • 2008: Berliner Liste, Berlin, Deutschland
  • 2008: Die Kunst ist weiblich, Retrospektive Gunter Sachs, Museum der bildenden Künste, Leipzig, Deutschland
  • 2008: Totale Weiblichkeit, Galerie Springmann, Freiburg, Deutschland
  • 2008: Indelible, Subtext Gallery, San Diego, USA
  • 2005: Graffiti war gestern, Xhoch4, Ingolstadt, Deutschland
  • 2002: Galerie im Park, Burgdorf, Schweiz
  • 2002: Urban Discipline, Hamburg, Deutschland
  • 2000: Graffiti art Berlin, Berlin, Deutschland
  • 1996: Art Frankfurt, Frankfurt, Deutschland

Performances[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2016: Crash test dummies, Volvo Art Session, Zürich, Schweiz[14]
  • 2015: Speed of the city, mit Pius Portmann und Harun Dogan, Volvo Art Session, Zürich, Schweiz[15]
  • 2012: Don’t believe the hype, Grafik 12, Zürich, Schweiz

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://atabozaci.com/
  2. a b Stefan Altorfer-Ong: Black Ink / Illustrations by Ata «Toast» Bozaci, Publikat Verlag, ISBN 978-3-939566-06-9
  3. Hamburg und die Welt als Riesen-Gemälde im Hafen. In: Die Welt. 4. Mai 2001, S. 48.
  4. Dock 10 - Das neue Schmuckstück im Hafen. In: Hamburger Abendblatt. Nr. 85 vom 10. April 2001, S. 13.
  5. Dock 10, Zweiter Teil des Weltrekord-Gemäldes. In: Hamburger Abendblatt. Nr. 86 vom 11. April 2001, S. 15.
  6. Alain Lain Schibli: Interview in: Amateur Magazine, 2012 (englisch)
  7. Matthias Raaflaub: Von Berner Graffitis zu Zürcher Kunst. In: Der Bund, 1. Februar 2010
  8. Yann Cherix: Kunst aus dem Kokon. In: Tages-Anzeiger, 1.03.2012
  9. a b Xymna Engel: Interview. In: Der Bund, 19.03.2015
  10. Ata Bozaci: Fifteen Seconds of Fame
  11. rgl: Kunst im XXL-Format, made in Switzerland. In: 20 Minuten Tilllate, 14.07.2016.
  12. lop/hoh: Nackte Mama soll den Swissmill-Tower verschönern. In: Tages-Anzeiger, 30.06.2017
  13. Clarissa Rohrbach: Betonklotz bleibt ein «Schandfleck». In: Tagblatt der Stadt Zürich, 11.07.2017
  14. Volvo Art Session 2016 - Show youtube
  15. Volvo Art Session 2015 ATA BOZACI, PIUS PORTMANN & SHARK youtube