Bahnhof Berlin-Lichterfelde West

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Berlin-Lichterfelde West
Empfangsgebäude des Bahnhofs
Empfangsgebäude des Bahnhofs
Daten
Lage im Netz Bahnhof
(Berlin–Magdeburger/Zehlendorfer Eisenbahn)
Haltepunkt
(Wannseebahn)
Bahnsteiggleise 2
Abkürzung BLIW (Fernbahn)
BLWE (S-Bahn)
IBNR 8089071
Kategorie 4
Eröffnung 15. Dezember 1872
01. Februar 1985
0(Wiedereröffnung der S-Bahn)
Auflassung 18. September 1980 (S-Bahn)
Webadresse bahnhof.de
s-bahn-berlin.de
Lage
Stadt/Gemeinde Berlin
Ort/Ortsteil Lichterfelde
Land Berlin
Staat Deutschland
Koordinaten 52° 26′ 36″ N, 13° 17′ 41″ OKoordinaten: 52° 26′ 36″ N, 13° 17′ 41″ O
Eisenbahnstrecken
Bahnhöfe im Raum Berlin
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Der Bahnhof Berlin-Lichterfelde West ist ein Bahnhof der Deutschen Bahn im Berliner Ortsteil Lichterfelde. Er wurde in den 1870er Jahren an der Bahnstrecke Berlin–Magdeburg zur Erschließung der Villenkolonie Lichterfelde-West eingerichtet und ist einer der ersten Vorortbahnhöfe im Berliner Raum.

Heute dient er dem Schienenpersonennahverkehr der S-Bahn Berlin als Haltepunkt auf der Wannseebahn. Ferner erfolgt über ihn die Anbindung des Güterverkehrs der Zehlendorfer Eisenbahn. Von 1947 bis 1993 wurde der Bahnhof von der Berlin Brigade der US-Army genutzt.

Die Gesamtanlage des Bahnhofs mit seinem charakteristischen Empfangsgebäude im Stil einer toskanischen Villa steht unter Denkmalschutz.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erbauung und Vorkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof wurde am 15. Dezember 1872 als Lichterfelde (Potsdamer Bahn) eröffnet. Der Bahnhof war zunächst mit lediglich zwei Seitenbahnsteigen sowie einem aufwendigen Empfangsgebäude im Stil einer toskanischen Villa ausgestattet. Der Bau wurde von dem Hamburger Unternehmer Johann Anton Wilhelm von Carstenn veranlasst und finanziert, der das Gebiet der heutigen Villenkolonie erwarb und die Villenkolonie gründete. Die Station sollte der Erschließung des elegant angelegten Viertels Lichterfelde West dienen und wurde dementsprechend in einem repräsentativen Landhausstil erbaut. Von einer raschen Bahnverbindung in das Berliner Stadtzentrum erhoffte sich Carstenn eine noch größere Attraktivität seiner Gründung.

Historische Ansicht des Bahnhofs

Mit dem Wachstum des Ortes Lichterfelde folgte eine Umbenennung nach der anderen. Im Juli 1884 hieß der Bahnhof zunächst Groß-Lichterfelde (Potsdamer Bahn), zwei Jahre später kam die Umbenennung in Groß-Lichterfelde B. M., wobei das B. M. für BerlinMagdeburg stand, den beiden Endpunkten der Strecke. Um Verwechselungen zu vermeiden, wurde gleichzeitig der an der Anhalter Bahn von Berlin nach Halle liegende Bahnhof Groß-Lichterfelde in Groß-Lichterfelde B. H. umbenannt (heute Bahnhof Lichterfelde Ost).

Bis zur Eröffnung der Neuen Wannseebahn 1891 wurde der Bahnhof Groß-Lichterfelde B. M. grundlegend umgebaut. Die Vorortzüge der Wannseebahn erhielten ein eigenes Gleispaar neben der Bahnstrecke Berlin–Magdeburg, der „Stammstrecke“ der Preußischen Staatseisenbahnen. Der Bahndamm wurde hochgelegt, die Überführung über die Drakestraße gebaut und die Bahnhöfe erhielten ihre heute noch vorhandenen Mittelbahnsteige. In Lichterfelde West wurde zusätzlich eine Kehranlage eingerichtet. Am 1. Oktober 1891 wurde die Strecke mitsamt dem neuen Bahnhof eröffnet. Im Bereich der Fernbahn wurden ebenfalls die Gleisanlagen erweitert, hier entstand der gleichnamige Güterbahnhof. Die Station erhielt am 1. Januar 1899 wieder einen neuen Namen, diesmal Groß-Lichterfelde West, womit alle drei Lichterfelder Bahnhöfe (Ost, Süd und West) eine Orientierung anhand der Himmelsrichtung bekamen.

Zwischen 1900 und 1902 wurde die Wannseebahn für einen Probebetrieb mit 750 V Gleichstrom elektrifiziert. Die gewonnenen Erkenntnisse kamen schließlich bei der Anhalter Vorortbahn zum Einsatz, die ab 1903 mit dem gleichen System betrieben wurde. Dieser Betrieb hielt sich bis zur Umstellung auf das heutige System mit 800 V Gleichstrom im Jahr 1929.

Im Jahr 1904 wurde die private Zehlendorfer Eisenbahn- und Hafen AG gegründet, die im Bahnhof Lichterfelde West in südliche Richtung abzweigt und die etwa drei Kilometer entfernten Industriebetriebe im Ort Schönow (heute Ortslage der Ortsteile Zehlendorf und Lichterfelde) mit dem Netz der Staatsbahn verbindet. Sie wird heute noch als Privatanschlussbahn betrieben, ist aber in den DB-Konzern eingegliedert.

Zwischenkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Eingemeindung Groß-Lichterfeldes nach Groß-Berlin 1920 entfiel das Groß- vor Lichterfelde, auch die Bahnhöfe wurden 1925 entsprechend umbenannt.

Ab dem 15. Mai 1933 hielten am Bahnhof die elektrischen Züge der Berliner S-Bahn. Zum Einsatz kamen neben den Stadtbahnwagen auch die neu angeschafften Züge der gleichnamigen Bauart „Wannseebahn“, die im Unterschied zu den normalen Wagen der Baureihe ET 165 versenkte Nieten hatten.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Bahnhof am 30. April 1944 durch einen alliierten Luftangriff beschädigt. Die Gleisanlagen am südwestlichen Ende des Bahnhofs wurden dabei komplett zerstört, sodass zwischen dem Bahnhof Zehlendorf und Lichterfelde West ein Schienenersatzverkehr eingerichtet werden musste. Der verbliebene Verkehr kam schließlich Ende April 1945, wenige Tage vor dem Ende der Schlacht um Berlin, zum Erliegen.

Nachkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Zugang zum Bahnhof über die Baseler Straße heute
Militärbahnhof mit US-amerikanischen Caboose Cars, 1986
Ehemaliger Bahnsteig und Abfertigungsgebäude des US-Militärbahnhofs, links der S-Bahnsteig

Bereits am 6. Juni 1945 konnte der Betrieb, wenn auch nur notdürftig, wieder aufgenommen werden. Rund eineinhalb Jahre später wurde der Güterbahnhof von der US-amerikanischen Besatzungsmacht bezogen, die hier einen Militärbahnhof einrichtete. Von hier aus verkehrten dann die Züge der Soldaten über den Grenzübergang Helmstedt-Marienborn nach Westdeutschland. Dieser Verkehr endete mit dem Abzug der US-Amerikaner 1993.

Da die Deutsche Reichsbahn (DR) weiterhin die gesamte S-Bahn betrieb, boykottierte die West-Berliner Bevölkerung das Verkehrsmittel nach dem Bau der Berliner Mauer zunehmend. Die schrumpfenden Fahrgastzahlen und der als Protest der West-Berliner Reichsbahner über ihre Arbeitsbedingungen im September 1980 geführte Berliner S-Bahnstreik zogen schließlich die Stilllegung der Strecke nach sich.

Am 9. Januar 1984 trat die DR den Betrieb der S-Bahn an die BVG ab. Diese betrieb zunächst ein 21 Kilometer langes Rumpfnetz, nahm aber nach und nach einige der 1980 stillgelegten Strecken in Betrieb, so auch am 1. Februar 1985 die Wannseebahn. Die umfassende Sanierung der Strecke wurde gleich nach der Übernahme in Angriff genommen. Dabei wurden zum Teil jahrzehntelang vernachlässigte Stellen ausgebessert, so das Empfangsgebäude, das bei einem Brand 1965 beschädigt wurde. Der linke Seitenflügel konnte dennoch nicht mehr gerettet werden.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zentrum der Bahnhofshalle steht die Sitzskulptur Flora von Lichterfelde des in Berlin lebenden Bildhauers Wolf van Roy.

Anbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der S-Bahnhof wird von der Linie S1 der Berliner S-Bahn bedient. Es besteht eine Umsteigemöglichkeit zu den Omnibuslinien der Berliner Verkehrsbetriebe.

Linie Verlauf
Berlin S1.svg Oranienburg – Lehnitz – Borgsdorf – Birkenwerder – Hohen Neuendorf – Frohnau – Hermsdorf – Waidmannslust – Wittenau (Wilhelmsruher Damm) – Wilhelmsruh – Schönholz – Wollankstraße – Bornholmer Straße – Gesundbrunnen – Humboldthain – Nordbahnhof – Oranienburger Straße – Friedrichstraße – Brandenburger Tor – Potsdamer Platz – Anhalter Bahnhof – Yorckstraße (Großgörschenstraße) – Julius-Leber-Brücke – Schöneberg – Friedenau – Feuerbachstraße – Rathaus Steglitz – Botanischer Garten – Lichterfelde West – Sundgauer Straße – Zehlendorf – Mexikoplatz – Schlachtensee – Nikolassee – Wannsee

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Harald Hensel, Christiane Kundt: Lichterfelder Bahnhofsgeschichte(n); 140 Jahre Bahnhof Berlin-Lichterfelde West, Förderverein Bürgertreffpunkt Bahnhof Lichterfelde West e. V., Berlin, 2012

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bahnhof Berlin-Lichterfelde West – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]